Heft 
(1858) 7 07
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Umſicht und ſein unermüdlicher Fleiß machten ihn erſt zum Theilnehmer des Geſchäftes, zu⸗ letzt zum Chef der Firma Drummond und Belſon.

Mit der Zähigkeit eines echten Englän⸗ ders und mit dem unternehmenden Geiſte einer jugendlichen Energie, ſchwang er ſich immer mehr empor, und hatte bei jedem Jahresſchluſſe die erfreuliche Wahrnehmung, daß ſein Ver⸗ mögen in raſchem Verhältniſſe zunahm, und daß in demſelben Verhältniſſe die kaufmänni⸗ ſchen Notabilite er Altſtadt ſich herablie⸗ ßen, Notiz zu von dieſer aufſteigen⸗ den Sonne. G wurde die herrſchende Leidenſchaft Drummond's, ſeine Gefühle derkrochen ſ in ſeine gefüllten Geldkaſſen und wurden immer konzentrirter von der undurch⸗ dringlichen Kruſte des Egoismus umgeben. Um ſeine Familie kümmerte er ſich gar nicht, und hörte mit Gleichgiltigkeit, daß einer ſeiner Brü⸗ der, der zu See ging, ertrunken ſei. Erſt nach zehn Jahren der Trennung, als ſein Vater ihm ſchrieb, die ſterbende Mutter wünſche noch einen ihrer Söhne zu ſehen, erweichte ſich ſeine dürre

Seele in Etwas; er reiſte in einer bequemen ſtorbenen.

Poſtkutſche in ſeine Heimat. Der Vergleich

einer jetzigen Lage mit der, in welcher er dieſe achteten Namens und eines Gutes in der Nähe Jetz 9 he,

Reiſe einſt nach London gemacht, wiegte ihn in anmuthige Gedanken; die ſonnigen Tage ſeiner Kindheit tauchten in ihm auf; er ge⸗ dachte ſeines Lieblings, der kleinen zarten Schweſter, er gedachte der Brüder, ſeines gu⸗ ten Vaters, der Zärtlichkeit ſeiner Mutter, für deren letzten Gruß er vielleicht zu ſpät kam. Unter ſolchen Betrachtungen langte er im Dorfe vor dem Wirthshauſe an, und ging zu dem Pfarrhauſe zu Fuße, vor welchem ein kleiner Garten mit einer dichten Laube lag. Aus der⸗ ſelben erreichten folgende Worte eines Frauen⸗ zimmers ſein Ohr.Ach, Albert, es iſt keine Hoffnung mehr. Sie liegt ſprachlos und hat die Einwilligung zu unſerer Verbindung nicht gegeben; ſie ſtirbt, ohne unſeren Bund zu ſeg⸗ nen. Die Unterredung wurde abgebrochen, als Drummond'es Annäherung bemerkbar ward, ein weibliches Weſen floh raſchen Schrit⸗ tes dem Hauſe zu, ein Mann verlor ſich im Schatten der Gebüſche.

Der Sohn betrat nun pochenden Herzens die Schwelle des Vaterhauſes. Beim Eintritte in das Zimmer fand er ſeine Mutter ſprachlos, er ergriff ſchluchzend ihre Hand und die ſeines Vaters, der neben dem Bette ſaß, und ſank an der Seite desſelben nieder, die Hände der bei⸗ den Eltern mit Thränen bedeckend.

Sohn, mein Sohn! rief der entzückte Pfarrer.

Vater, theuerer Vater!

In dieſem feierlichen Augenblicke bebte und blutete das ſonſt ſo harte Herz des Kaufman⸗ nes, und der Gedanke, daß er für ſeine alten Eltern ſo wenig gethan, zog wie ein rächendes Schwert durch dasſelbe. Er fühlte tiefe Reue und Beſchämung; in dieſer Ideenverwirrung

fehl wegen einer Schuld von dreißig Pfund. So ſtand das Verhältniß des Kapitäns ganz klar vor ſeinen Augen. Ein Burſche, der neben ihm herlief und ihn mit Aufmerkſamkeit be⸗ trachtete, drückte ihm, ſich ſcheu umherſehend, einen ſchmutzigen Zettel in die Hand, deſſen Inhalt ihm ſagte, er möge dem Burſchen fol⸗ gen, wenn er den Kapitän Clive zu ſprechen wünſche. Sie gingen einen engen Pfad, welcher durch Sumpf und Wald führend, ſie weit von der Landſtraße in ein Häuschen brachte. Der Burſche klopfte an, die Thür öffnete ſich und der Kapitän trat vorſichtig heraus. Der Ka⸗

für ſein Herzensleid eine Zweihundert⸗Pfund⸗ note aus der Taſche und legte ſie auf das Bett der Mutter. Die Sterbende ſelbſt ſchien den Werth der Gabe noch zu erkennen, ſie drückte ſchwach die Hand ihres Sohnes, und ſchien den Blick auf eine weinende Geſtalt richten zu wol⸗ len, die ſich unterdeß genähert. Es war Schwe⸗ ſter Hanna. Drummond umarmte die blü⸗ hende, reizende Jungfrau voll ſchmerzlicher Rüh⸗ rung. Das Auge der Mutter ſah ſtarr auf Beide, ſie machte eine letzte Anſtrengung um ihnen noch etwas zu ſagen, doch in dieſer ver⸗ flackerte der letzte Lebensfunken, ſie athmete rö⸗ chelnd und verſchied.

Nach einigen Tagen zierte ein neues Mo⸗ nument den Dorfkirchhof, und als der Raſen die lebloſen Reſte der Mutter bedeckte, ward Drummond wieder der Alte. Auch der hef tigſte Sturm der Gefühle legte ſich, wie die Woge des bewegten Oceans, wenn der Wind aufgehört.

Aus dem Munde des Vaters und aus den Thränen Hanna's erfuhr er die Bedeutung des letzten ausdrucksvollen Blickes der Ver⸗

Der Kapitän Clive, der Erbe eines ge⸗

hatte das Herz des unerfahrenen Mädchens ge⸗ wonnen, er war von lebhafter und gutmüthiger Gemüthsart, daher durch ſinnloſe Jugendthor⸗ heiten und maßloſe Verſchwendung, in ſeinen Vermögensumſtänden ganz zu Grunde gerichtet. Am Rande des Abgrundes ſah er Hanna und liebte ſie. Der Pfarrer, obwohl über Clive's Leben unterrichtet, gab den feurigen Betheue⸗ rungen, daß Hannas Liebe ihn allein noch retten und zum vernünftigen Leben zurückführen könne, ſo wie den Bitten ſeiner Tochter ſelbſt gegen den Willen der einſichtsvolleren Mutter nach. Jetzt war es der liebende Bruder, der ſich dieſer Verbindung widerſetzte. Er benützte die kurze Zeit ſeines Aufenthaltes, um ſeine geliebte Schweſter von dem Abgrunde, der ſich ihr öff⸗ nete, zu retten.

Als er eines Morgens nach dem Gute des Kapitäns ſich begab, um ihn von der Nutzlo⸗ ſigkeit ſeiner Bewerbung zu unterrichten, fand er anſtatt des Hausherrn, Gerichtsdiener, Auk⸗ tionskommiſſäre und Pächter aus der Umge⸗

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hem Wuchſe, kräftigem Körperbau und ausge⸗ zeichneter männlicher Schönheit, auf welcher das Spiel wilder Leidenſchaft ſeine Spuren ge⸗ zeichnet hatte. Sie ſchritten in ein kleines Zim⸗ mer, das zwar einfach aber ſauber und komfor⸗ tabel ausgeſtattet war.Nicht wahr, ſagte der Kapitän lachend,dieß iſt kein ſo unangenehmer Aufenthalt, als der Schuldenarreſt; dieß ließ ich meiner Amme verſchreiben, um bei der vor⸗ ausgeſehenen Nothwendigkeit einer letzten Zu⸗ flucht vorgeſorgt zu haben.

Kommen wir zur Sache, Herr Kapitän, ſagte Drummond,Sie errathen doch, was mich zu Ihnen führt.

Ich weiß es, und es war mein Wunſch, mit dem Bruder meiner Geliebten ein vertrau⸗ liches Wort zu reden. Er ſchilderte ſein ver⸗ gangenes Leben, ſeine Liebe zu Hanna, die ihm als Rettungsengel erſchien, er gab zu, daß ſein Vermögen verloren ſei, wies aber nach, daß es ihm an Hilfsquellen nicht fehle. Er habe einen Anſpruch auf Sold von der Regie⸗ rung, er habe Ausſicht auf eine Erbſchaft, die ihn wieder zu einem reichen Manne machen würde.

Drummond erwiederte, er glaube nicht an eine gänzliche und plötzliche Umwandlung bei einem Menſchen ſeines Leichtſinns und ſei⸗ ner Gemüthsverfaſſung; nie und nimmer werde er, als Bruder zu dem Unglück ſeiner Schwe⸗ ſter ſeine Einwilligung geben. Sie habe zwar die freie Wahl, aber wähle ſie gegen die Ver⸗ nunft, gegen ſeinen brüderlichen Rath, ſo wolle

ſtreichen. Die Entgegnung des Kapitäns, der ſtolz und heftig eine Demüthigung nicht zu er⸗ tragen vermochte, war von der Art, daß beide mit einer gründlichen gegenſeitigen Erbitterung von einander ſchieden.

Drummond ſtellte nun ſeinem Vater die ganze Sachlage getreu dar, und ſuchte ihn zu überzeugen, wie ſeine Schweſter dem unver⸗ meidlichen Unglück entgegen ging, wenn dieſe Verbindung ſich verwirklichen ſollte, welcher er mit aller Kraft entgegen trat. Doch der gut⸗ müthige Pfarrer war in dieſem Punkte von ganz entgegengeſetzter Anſicht. Finanzielle Be⸗ ſchränktheit war ihm nichts ungeheuerliches, und Clive,im rüſtigen Lebensalter, mit An⸗

Stück Vieh und zu dem einen Verhaftsbe⸗

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mond auch im gehaltenen F

gend bei der Auktion von Mobilar und einigem ſprüchen auf eine Regierungspenſion, mit Aus⸗ ſichten auf eine große Erbſchaft, wird aus Liebe zu ſeiner Gattin und durch die zunehmenden Jahre vernünftiger, und ſo ein ganz annehm⸗ barer Schwiegerſohn werden. Da Drum⸗

jami lienrath in der

Minorität blieb, überließ er beide ihrem Schick⸗ ſale und kehrte nach London zurück.

Hier trat ihm der Unterſchied ſeines Ver⸗

hältniſſes zu der Erbärmlichkeit ſeines väter⸗ lichen Hauſes mit behaglichem Gefühle vor die Augen; in die Zahl der größeren Kaufleute eingereiht, Beſitzer einer reichen Niederlage und

ines großen Komptoirs in der City, fiel es

zog er, wie inſtinktmäßig ein Heilmittel ſuchend

pitän war in der Mitte der Dreißiger, von ho⸗

ihm endlich ein, Brauche ein Haus

nach allgemein menſchlichem zu machen, und eine andere 26*

er ihren Namen für immer aus ſeinem Herzen

iiſe noch welchen rungen, higungen die un⸗ ch einmnal bte, ſehen n Grena⸗ eſchwinden nmerwäh⸗ Angſt um er haben In in der in ihrem arbeit be⸗ r, ſie theil⸗ ſef als uhrt wurde, ſch arp, den

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