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ger,“ da ſie nie zuvor dieſe Stimme vernom⸗ men hatte. Gern hätte ſie ſich in die Nacht hinausgelehnt, um beſſer zu hören, was er ſang, allein ein natürliches Grauen hielt ſie ab, die Jaluſien in die Höhe zu rollen.
Endlich hörte der Geſang auf und ſie legte ſich zu Bette, um ſchlafend fortzuträumen, was ſie wachend begonnen hatte.
Nachdem ſie eine Weile geruhet, hörte ſie durch die Stille der Nacht den dummen Dom⸗ pfaffen ſein neuerlerntes Lied„der Vogelfänger bin ich ja“ beginnen.
„Was fällt denn dem ein!“ dachte ſie la⸗ chend und wendete ſich auf die andere Seite. In derſelben Minute ſchlug Hektor an, aber nicht heftig, nicht böſe, ſondern nur wie über⸗ raſcht von der unerwarteten Erſcheinung eines Bekannten.
Kätchen ſtutzte. Dann beruhigte ſie ſich mit dem Gedanken, das Thier werde geträumt haben, und ſchlief feſt ein.
Der Morgen ſchien ſchon hell durch ihre Läden, als ſie nach ſanftem Schlafe erwachte und mit dem frohen Gefühle an ein mögli⸗ ches Wiederſehen des Fremden von geſtern, ihr Lager verließ. Haſtig öffnete ſie ihre Fenſter, um die erfriſchte Luft in ihr Zimmer dringen zu laſſen. Tiefe Stille noch umher. Ihr On⸗ kel, ſonſt mit dem Morgengrauen draußen im Garten, war nicht zu ſehen. Verwun⸗ dert darüber kleidete ſie ſich raſch an und ging zur Thür, die ſie innen verriegelt hatte. Sie zog den Riegel zurück— die Thür ließ ſich dennoch nicht öffnen— ſie war von außen verſchloſſen. Ungeduldig raſſelte ſie mit dem Schloſſe. Sie war der Meinung, die Magd habe aus Verſehen zugeſchloſſen. Sie rief ihren Namen.
Zu ihrem Erſtaunen antwortete dieſe durch die Zwiſchenthüre, welche ihre beiden Schlafge⸗ mächer verband.
„Mein Gott, Suſette, Du haſt mich ja eingeſchloſſen!“ ſchalt Kätchen dorthin eilend.
„Ach, Mamſell Kätchen— ich bin ja noch gar nicht aus meiner Kammer geweſen— meine Thür nach der Küche iſt zu, ich kann nicht hinaus!“ entgegnete die Magd.
Raſch zog Kätchen den Riegel von der Zwiſchenthüre und trat in Suſetten's Kam⸗ mer. Dieſe ſaß angekleidet auf einem Stuhle, auf ihre Erlöſung wartend.
Kätchen lachte laut auf.„Gewiß iſt der Onkel nochmals in der Nacht aufgeſtanden,“ ſcherzte ſie,„und hat uns in der Zerſtreuung eingeſchloſſen.“
Aber in demſelben Momente, wo ſie die einzige Möglichkeit dieſes ſeltſamen Zufalles aufſtellte, erhob ſich ein donnerähnliches Ge⸗ polter an der gegenüberliegenden Thür des Voigtländer'ſchen Schlafzimmers und die zornig erhobene Stimme des alten Herrn durchdröhnte das ganze Haus:—
„Seid Ihr toll geworden, Ihr Weibsleute da drüben, daß Ihr den Eingang zur Wohnſtube
nicht allein, ſondern auch den zum Flure von außen verſchloſſen habt? Augenblicklich macht auf, oder es ſoll Euch ein Dounerwetter auf den Kopf kommen!“
Jetzt ſtutzte Kätchen und jetzt brach die Magd in ein Jammergeheul aus.
„Ach ich habe es doch gleich gedacht,“ ſchrie ſie unter fließenden Thränen,„daß die Sache nicht richtig ſei. Paſſen Sie auf, es ſind Spitz⸗ buben im Hauſe— ſie werden uns morden — ich gehe nicht hinaus.“
„Das wirſt Du auch wohl ſo lange bleiben laſſen müſſen, bis die Thüren wieder offen ſind,“ ſprach Kätchen ſchnell beſonnen dicht zur Thür laufend, um ihrem Onkel zuzuſchreien, daß ſie ebenfalls eingeſchloſſen ſeien. Nun wurde Lärm in allen Ecken des Hauſes.
(Schluß folgt.)
—:—
Die Engländer in Hſtindien vor hundert Jahren.
Hiſtoriſche Erzählung aus dem Engliſchen. Von Dr. Janowitz.
1.
In einem kleinen Dorfe Englands lebte in der Mitte des vorigen Jahrhundertes der Landgeiſtliche John Drummond, der außer ſeinem guten Gewiſſen und ſeiner Gelehrſam⸗ keit nur noch eine kleine Familie hatte, welche er mit dem nur ſehr geringen Jahresgehalte dürftig ernähren konnte. Der junge Drum⸗ mond, der älteſte von drei Geſchwiſtern, hatte ſchon in ſeiner frühen Jugend die ſeinen Lands⸗ leuten im hohen Grade eigene Neigung ge⸗ zeigt, durch Tauſch⸗ und Handelsgeſchäfte ſich Geld zu erwerben; je älter er wurde, deſto mehr kam ihm die ärmliche Lage, in welcher ſeine Familie ſich befand, zum Bewußtſein. Doch hielt er mit ſeinem durch Handel mit Luxusartikeln, ſo wie durch wucheriſche An⸗ leihen bei den wohlhabenden Söhnen des Dor⸗ fes erworbenen Kapital ängſtlich zurück, verbarg es ſorgfältig vor Jedermann und ſah oft gleich⸗ giltig ſeinen Vater an dem Nothwendigſten Mangel leiden. Er würde ſich ſchon jetzt für reich gehalten haben, wenn nicht ein Krämer, der von London kam, und mit dem er Ge⸗ ſchäfte machte, ihm den Inhalt ſeiner Geld⸗ taſche gezeigt hätte. Seit dieſer Zeit war nur London der Gegenſtand ſeiner Träume, das Ziel ſeiner Wünſche; ſchon ſah er ſich im Be⸗ ſitze von Waarenmagazinen, von eiſernen Ki⸗ ſten mit funkelndem Metalle angefüllt. Die jugendliche Phantaſie überſpringt im Fluge Zeit und Raum, und dieſe unbeſchränkte Schö⸗ pferin beſchäftigte nun ſein ganzes Denkver⸗
——
mögen.
Eines Tages, als gerade Vater Drum⸗ mond bei einem Glaſe Waſſer im kalten Zim⸗ mer eine begeiſterte Predigt über die Freuden des Gerechten inmitten der Trübſale der Welt niederſchrieb, trat der junge Drummond— er war nun ſchon achtzehn Jahre alt— vor ſeinen Vater mit dem Anliegen, er möchte ſeine Einwilligung dazu geben, das Vaterhaus zu verlaſſen, um in London einen Erwerb aufzu⸗ ſuchen.„Ihr habt ja einen alten Verwandten daſelbſt, der ehemals begütert jetzt einen kleinen Kramladen beſitzt,“ meinte er.
„Ach, der arme Belſon, der wird Dir nicht viel helfen können,“ antwortete der Vater.
„Nun, er kann mir Anfangs an der Hand ſein und mir Nachweiſungen der verſchiedenſten Art geben, mehr verlange ich nicht; denn, kurz und gut, Vater, ich will nun mein Leben auf eigene Fauſt beginnen.“
Der Pfarrer las in den ruhigen aber energiſchen Zügen den feſten Entſchluß ſeines Sohnes. Ein bitteres Gefühl durchzuckte ſein Gemüth, als er der großen Armuth gedachte, in welcher er ſich befand, und die es ihm un⸗ möglich machte, ſeinem Aelteſten etwas anderes denn Segensworte als Zehrpfennig auf den Weg mitzugeben. Schmerzlich bewegt ſagte er ihm, er müſſe nun ſchon ſo lange warten, bis er ſeinen Vierteljahresgehalt in Händen habe, um ihm einiges Reiſegeld geben zu können.
„Es iſt nicht nöthig,“ ſagte der junge Drummond,„ich habe mir ſo viel erſpart, als ich brauche. Seit ſechs Jahren habe ich jede Gelegenheit benützt, um etwas zu verdie⸗ nen, heute iſt die Summe von zehn Pfund, die ich mir als Ziel geſteckt, vollzählig, und ich warte nur auf Euere Erlaubniß, um ſo⸗ gleich nach London aufzubrechen.“
„Zehn Pfund!“ rief der Pfarrer erſtaunt, der nie eine größere Sumnie auf einmal be⸗ ſeſſen hatte.
Nachdem er ſich überzeugt hatte, daß ſein Sprößling auf rechtlichem Wege, mit lobens⸗ werther Konſequenz zu dem Beſitze von zehn Pfund gelangte, ließ er ihn ſeiner Neigung folgen. So zog er denn nach London, ohne daß ſein Scheiden eine große Bewegung in die Familie gebracht hätte; die kleine Hanna, ſeine Schweſter, war die einzige, die ihm Thrä⸗ nen aufrichtigen Schmerzes nachweinte, und von der er ſich ungern trennte..
An einem ſchönen Sommermorgen fand er ſich in dem großen Menſchenmeere, den Paläſten, dem Rauche und dem Lärm Lon⸗ dons gegenüber, ſein Herz ſchlug raſcher und die verſchiedenartigſten Gefühle überkamen ihn, als er den ungeheuern Schauplatz ſah, den er betreten ſollte.
Erſt nachdem er ſich von dem großartigen Eindrucke erholt hatte, kam ihm in den Sinn, ſeinen Verwandten Belſon außzuſuchen, der in einem ärmlichen Stadttheile einen kleinli⸗ chen Handel mit altem Eiſen führte; ſeine zehn Pfund waren zu dieſem Geſchäfte ein berück⸗ ſichtigungswerthes Kapital. Dieſe, ſo wie ſeine
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