Heft 
(1858) 7 07
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rein Zimmer an⸗ Meiſter in dieſem Dialoge. Er ließ ſich nichts von Geſtändniſſen entlocken, trotzdem der Wirth mnit einem Vlite mit der möglichſten Feinheit zu Werke ging. n Und hoch g⸗ Während ſie im eifrigen, ſcherzhaften Ge⸗ Genn getleidet, en ſpräch mit einander waren, ging ungeſehen von RVeſicht nicht durh⸗ ihnen der junge Fremde an der Glasthür des id durch den intl⸗ Gaſtzimmers vorüber und verlor ſich, nach inderbar lebhaften einem minutenlangen forſchenden Blicke, der rrbart. mit einem Schreckenslaute endete, in den hin⸗ Lambert nah tern Raum des Flures, wo er durch die offen⸗ die Stubenſchlüſe ſtehende Thür in den Garten trat. ohl Militär? Hier ließ er ſich in einem Laubenverſtecke e! Kaufmann Ün nieder und überdachte ſeine eben gemachte Ent⸗ deckung, die ihn geradezu in ſeinen Plänen ſtörte. Sein fröhlich blitzendes Auge bewölkte ſich immer mehr, je mehr er ſich in dieſe fatale Er⸗ ſind wir Kol⸗ fahrung vertiefte, und er grub mit der Fuß⸗ nbert ebenſo. itze tiefe Furchen in den weichen lockern Sand⸗ und Kaf⸗ boden als Zeichen ſeines innern Verdruſſes, der

e etwas dagegen, remde mit liebens⸗

pſchen, necke ſich zuletzt in einem gemurmelten aber bin machte. Das iſt doch die größte Widerwärtigkeit, vergnügt auf die mich treffen konnte, murrte und brummte ne Eiſenhand⸗ er ärgerlich.Gerade dieſen Menſchen hier zu finden, der mich kennt, wie man ſich nur kennen kann! Jedenfalls wird er mich erkennen, fiir welhe ſo wie ich ihn, trotz der langen Zeit, die wir Ptrennt waren, auf der Stelle erkannte. Ob er lan⸗ reibt? Drei Tage habe ich nur 822 dachte viel, ſehr viel in dieſen ſei Tagen abzumachen! Sollte ich den Weg ſergeblich gemacht haben? Nimmermehr, denn er? neine ganze Zukunft hängt davon ab. Fatal höchſt fatal!

Eine ganze Weile ſchien ihn der Verdruß diel ich weißo zu überwältigen, daß er keine Worte weiter die ih ee dafür fand. Endlich raffte er ſich auf. Sein Blick erheiterte ſich wieder und er ſprang, ſich ſtramm und feſt in Poſition ſetzend, von ſeinem Platze auf.

Ich

8 Haus, eeiche

ndlung für ſich

und etwas erl⸗

rir vielleicht niß⸗ Fremde.Icht

Zimmer bitten... ee. ein aunutzar heſßWer wird ſich von ſolchen Kleinigkeiten Pacht ein Ge⸗ beugen laſſen, ſchloß er ſein Selbſtgeſpräch. vor D ſchlafenPrüfen wir erſt, ob uns acht bis neun Jahre tag t halten nicht dergeſtalt verändert haben, daß das Herr⸗ e Mahlzeit uner chen uns nicht erkennt. Was mag er hier wol⸗ H 4 kar len? Was mag er überhaupt jetzt treiben? Nach dieſen Fragen rückte er trotzig ſeinen

breitkrämpigen Hut tiefer in's Geſicht und ging pfeifend wieder in's Haus hinein, geraden We⸗ ges in das Gaſtzimmer, wo gedeckt war.

Herr Oskar Behrens ſaß in angeneh⸗ men Träumereien verſunken in der beliebten und Amge⸗ Sophaecke, als der fremde Kaufmann eintrat. m eben eM Er hielt es nicht der Mühe werth, ſeine Auf⸗ äfte machen merkſamkeit abſonderlich auf ihn zu richten, ſon⸗ Sand auf du dern ſtreifte ihn blos flüchtig mit den Blicken,

ihm ein Herrn

zon der Ruhe.

una kehrte er zu daß ihm ſein frühe⸗ ws zweiundſechſi z n ſchuldete 1

G ehmunzeln, un⸗

8 de

Monolog Luft

während dieſer mit der nachläſſigen Freiheit

pon 4. 65 Oskar un eines Reiſenden, der ſich warm gegangen hat,

aſſen.Ich huldige engliſchen Sitten, denen

opf und Hut eins iſt.

kam Os! zwar in ſo du grüßend den Hut lüftete, um ihn alsbald wie⸗ daß Hert un der auf den Kopf zu drücken. ein Verlob fteSie erlauben? ſagte er dabei mit einer K atchen ii frngen Wendung nach dem Sopha. mit ſiimn Be deImmerhin entgegnete Oskar ge⸗ ſche

luſtigen F on ll kar blet

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Im Sommer eine gute Sitte, wenn manEs iſt nicht möglich es kann kein Anderer in eine kühle Stube tritt, meinte der Fremde. ſein! Aber Behrens? Behrens?

Sind Sie auch erſt angekommen? fügte er fragend hinzu, ohne ſich gerade dem Sopha be⸗ deutend zu nähern. Nein. Ich will heute ſchon wieder fort. Reiſen Sie in Geſchäften? forſchte der junge Kaufmann.

Zum Vergnügen, war die lakoniſche

Antwort, indem ſein Auge lauernd das blü⸗ hende Geſicht des Fremden ſtreifte. Dieſer hielt ruhig die Muſterung aus. Er überzeugte ſich immer mehr, daß er nicht érkannt wurde und beſchloß etwas zu wagen. Plötzlich nahm er den Hut ab, wie um die Einwirkung der küh⸗ len Luft auf ſeinen Kopf zu prüfen und fuhr mit der Hand mehrmals durch ſein Haar. Gleichgiltig heftete ſich Oskar's Auge an ihn, als er dann ſagte:

Ich werde ſehen, ob ich es wagen kann en chapean bas vor Ihnen zu erſcheinen!

Geniren Sie ſich nicht! lachte Oskar gutmüthig.Sie gefallen mir im Hute eben ſo gut, wie ohne Hut. Ich denke, auf Reiſen iſt die Selbſtſucht mehr noch erlaubt, als im ge⸗ wöhnlichen Lebeu.

Er kennt mich nicht, dachte der junge Kaufmann,alſo habe ich mich viel mehr ver⸗ ändert als er, denn er iſt in Wort, That und Ausſehen ganz der Alte.

Herr Lambert erſchien jetzt auf der Schwelle und fragte: ob es den Herren ge⸗ fällig wäre zu ſpeiſen, dann wolle er anrich⸗ ten laſſen.

Sehr gefällig iſt es uns, bemerkte der Fremde und ſetzte ſich ſogleich klüglicherweiſe mit dem Rücken gegen das Licht, damit ſein Geſicht in Schatten gehüllt blieb.

Oskar ſtand ſchläfrig langſam auf und nahm ihm gegenüber Platz.

Das grelle Tageslicht warf ſeinen vollen Glanz auf ſein blaſſes Geſicht, das mit dem grauſtopplichten Untertheile einen wirklich häß⸗ lichen Anblick gewährte.

Schöner iſt er auch nicht geworden dachte der Fremde innerlich lachend, indem er, ein herzhaftes Stück Semmelbrod abſchnitt und in ſeine Suppe tauchte.

Herr Behrens eine halbe oder ganze? fragte der Wirth, pantomimiſch auf die leeren, ſpiegelblanken Weingläſer deutend.

Eine ganze Flaſche, erwiederte Oskar mit einer verbindlichen Neigung ſeines Haup⸗ tes gegen den Fremden,denn ich rechne dar⸗ auf, daß Sie mir die Ehre erweiſen, mich als Ihren Gaſtgeber anzuſehen.

Muß danken, entgegnete der junge Kauf⸗ mann ſehr entſchieden.Ich trinke grundſätzlich weder Wein, noch Bier! Bei dieſen Worten

firirte er ſchärfer als vorhin den jungen Herrn,

um ſich zu vergewiſſern, daß er wirklich den vor ſich habe, den er zu ſehen gemeint hatte.

Mein Gott ſollte ich mich denn irren wie nannte der Wirth ihn? dachte er miß⸗ trauiſch gegen ſeine eigenen Wahrnehmungen.

Seine Zweifel erſtickten unter dem Appetite, womit er jetzt ſein ſehnlich erwartetes Mittags⸗ mahl verzehrte und zwar ohne einen Tropfen von dem Weine anzurühren, der ihm trotz ſei⸗ ner Ablehnung von Oskar eingeſchenkt wor⸗ den war. Die Unterhaltung ſtockte. Herr Lam⸗ bert ging ab und zu. Er nannte noch mehr⸗ mals den jungen Behrens bei ſeinem Na⸗ men, ſo daß der Fremde ſich überzeugen mußte, ſich nicht verhört zu haben.

Deſſen ungeachtet benutzte er die erſte Mi⸗ nute, wo ſich Herr Oskar ein wenig zurück⸗ gezogen hatte, um ein Mittagsſchläfchen zu hal⸗ ten, den Wirth zu fragen: wie er den jungen Herrn nenne?

Behrens, lieber Herr Oskar Behrens beſagt ſeine Paßkarte, erklärte der Wirth.Was er iſt, weiß ich nicht. Geld hat er, denn ſehen Sie er hat mir ſoeben ſeine Rechnung in gutem ſchweren Golde be⸗ zahlt. Er will gleich nach Tiſche fort! Da⸗ mit öffnete er die Hand und ließ zwölf ſchöne Friedrichsd'or ſehen.Hat gelebt, wie ein Fürſt täglich Wein Mittags und Abends auch einige Male Champagner. Ich will hof⸗ fen, daß er Wort hält und nach Pfingſten wie⸗ derkommt. Ich denke, er hat Abſichten auf das hübſche Kätchen da oben.

Der Fremde lächelte und ſchüttelte den Kopf. Ihm ſchien es unmöglich, daß ſein alter Bekannter irgend einem hübſchen Mädchen, und wäre es nur eine Landpflanze, gefallen könnte. Behrens, Oskar Behrens nannte er ſich alſo wozu das? Was mochte er für Gründe haben, ſeinen Namen zu ändern? Denn, daß er wirklich derjenige war, für den er ihn gleich An⸗ fangs gehalten hatte, darauf konnte er jetzt einen Schwur leiſten, nachdem er auf der linken Seite des Mundes die breite Narbe entdeckt hatte, welche Schuld war, daßſein Bart kahle Stel⸗ len behielt, wie von dem Herrn Wirth zum goldenen Löwen weisheitsvoll bemerkt war.

Nun, dachte der Fremde,gefällt es ihm incognito zu reiſen, warum ſollte ich es nicht auch? Hat er Gründe dazu? Ich habe ſie auch. Erkennt er mich nachträglich, ſo mache ich einen Scherz daraus. Gut! Es ſei alſo be⸗ ſchloſſen, daß ich auf Befragen des neugieri⸗ gen Wirthes einige Tage umgetauft werde. Wer mag das hübſche Kätchen ſein, welches ſich von dieſem Orangutang hat kirren laſſen?

Nachdem der junge Mann zu dieſem Ent⸗ ſchluſſe gekommen war, überließ er ſich ganz der Urſprünglichkeit ſeines ſonnig heitern Naturells und gewann in kurzer Zeit die Liebe ſeines Wirthes im höchſten Grade, trotzdem er weniger luxuriös zu leben Miene machte, als Herr Oskar Behrens. Noch ehe dieſer von ſei⸗ ner Sieſta wieder herunter kam, beſchloß er, einen kleinen Streifzug durch die nächſte Um⸗ gebung zu unternehmen, und er beeilte denſel⸗ ben, weil eine drohende Gewitterwolkenmaſſe am Horizonte emporzog.

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