Jahrgang 
52 (1868)
Seite
827
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tiſchen Weſens bildeten, verſammelte Creuzer in den erſten Tagen ſeines wiederkehrenden Bewußtſeins die ihm zunächſt ſtehenden Freunde und erklärte ihnen feierlich, daß ſeine Seele bereits vor Gott geſtanden und am Rande des Grabes ihm die Nichtigkeit

aller irdiſchen Verhältniſſe aufgegangen ſei. In Gegenwart Aller

bat er die überraſchte Frau um Verzeihung, indem er ſie weinend in ſeine Arme ſchloß. Zugleich gab er ſeinem Vertrauten, dem Profeſſor Daub, der in alle Verhältniſſe eingeweiht war, den Auftrag, der Günderode oder einer ihrer Freundinnen dieſe un⸗ erwartete Sinnesänderung mitzutheilen, indem er zugleich ſich ſelbſt gelobte, jede Verbindung mit ihr für immer abzubrechen.

Ich glaube, ſagte ich, als Bettina inne hielt,daß Creuzer kaum ein Vorwurf treffen kann.

Und doch kann ich ihm nicht verzeihen, erwiderte ſie traurig. Er war ein ſchwacher, haltloſer, ſchwankender Charakter, einer ſolchen flammenden Liebe nicht werth. Statt an mich ſchrieb Daub an eine andere Freundin, bei der die Günderode ſich damals aufhielt. Durch einen unbegreiflichen Zufall fiel der Brief in die Hände der Unglücklichen; ohne den Inhalt zu ahnen, erbrach ſie ihn, las ihr ſchreckliches Geſchick und die gut gemein⸗ ten Warnungsworte am Schluß: ‚Hüten Sie die Günderode vor dem Rhein und vor Dolchen. Sie hatten die entgegengeſetzte Wirkung und beſchleunigten nur ihren Tod, ſtatt ihn zu ver⸗ hüten, wie es wohl die urſprüngliche Abſicht war. Mit unbe⸗ greiflicher Ruhe ſchrieb ſie noch einige Briefe, worauf ſie in größerer Geſellſchaft zu Abend. Mit einer ſonſt nicht ge⸗ kannten Haſt und Heftigkeit rief ſie der Freundin ‚gute Nacht zu.

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Niemand ahnte ihr Vorhaben, da ſie gewohnt war, des Abends an dem Ufer des Rheins zu wandeln und ſich ihren Gedanken und Träumen zu überlaſſen. Als ſie aber nach elf Uhr noch

nicht heimgekehrt war, wurde das ganze Haus unruhig. Boten wurden ausgeſchickt, um ſie zu ſuchen, doch vergebens. Erſt am

nächſten Morgen fand man die Leiche, von drei Dolchſtichen an derſelben Stelle des Herzens durchbohrt, die ſie mir gezeigt, die ich geküßt hatte. Neben ihr lag das Meſſer mit dem ſilbernen Griff. Um den Hals hatte ſie porcellanene Schalen, mit Steinen angefüllt, ſich mit einem Handtuch feſt gebunden, um ſich zu er⸗ tränken, falls der Dolch ſie fehlen ſollte. Ich ſelbſt erfuhr erſt ſpäter das grauenvolle Ereigniß, als ich, von furchtbaren Ahnungen und Träumen gequält, von fieberhafter Angſt verzehrt, wiederholt in meine Geſchwiſter drang, mit mir in das Rheingau zu reiſen. Hier erhielt ich nur zu ſchnell die Beſtätigung meiner Befürch⸗ tungen. Ich hatte die Freundin für immer verloren. Auf dem Kirchhof zu Winkel ruht die Unglückliche, die mir Alles war. Auf ihrem Leichenſtein lieſit man die ſchöne Inſchrift:

Erde, du meine Mutter, und du, mein Ernährer, der Lufthauch!

Heiliges Feuer, mir Freund, und du, o Bruder, der Bergſtrom,

Und du, mein Vater, der Aether, ich ſag' euch Allen mit Ehrfurcht

Freundlichen Dank; mit euch hab' ich hienieden gelebt und ich gehe

Zur andern Welt, euch gern verlaſſend. Lebt wohl denn,

Bruder und Freund, Vater und Mutter, lebt wohl!

Bettina ſchwieg, in ihrem dunklen Auge glänzte eine Thräne der Eriunerung an ihre arme Freundin.. Max Ring.

Die Wildſchützen im bairiſchen Gebirge.

Es iſt wohl der Frage werth, worauf denn der unvertilgbare Hang zum Wildern, der unſerm Gebirgsvolk von Alters inne⸗ wohnt, beruht. Er hat zwei Wurzeln, eine edlere und eine gemeine. Die erſtere liegt in dem Gefühl, das ſchon Schiller mit ſeinem Schützenliede dem Knaben Tell's in den Mund legt, in der Sehnſucht nach Freizügigkeit. Es ſteckt ein ariſtokratiſcher Zug im Charakter der Bergbewohner, ein ſouveraines Bedürfniß freier Bewegung, das den dortigen Bauer am ſtärkſten von dem unbeholfenen, an der Scholle klebenden Bauer des Flachlandes unterſcheidet.

In den Bergen iſt die Freiheit ſchon von der Natur be⸗ gürſtigt; das Athmen einer ſchärferen Luft, die Gewohnheit einer ſtärkeren Bewegung iſt es, die den Gebirgsländer kühn, ritterlich, für Andere intereſſant gemacht hat. Derſelbe Zug iſt es, der ihn auch zum Wildſchützen gemacht hat. Denn für dieſen Hang zu freiem Schweifen iſt die Jagd wie geſchaffen. Sie giebt den ziel⸗ loſen Wegen ein Ziel; ſie giebt den Reiz der Schwierigkeit und der Gefahr. Man fühlt ſich noch einmal ſo ſtolz, wenn man die Waffe über die Schulter trägt, man iſt kein Bauer mehr, man iſt ein Freier.

Der andere Zug, der zum Wildern lockt, iſt ein commu⸗ niſtiſcher. Faſt in allen Staaten hat der Kampf um das Jagd⸗ recht eine politiſche Rolle geſpielt, die von der beſitzloſen Claſſe überall im gleichen Sinne ausgebeutet ward. Während ſich die Juriſten die Köpfe heiß ſtritten, wurden Andere mit der Contro⸗ verſe ſchneller fertig und ſagten einfach, das Wild iſt herrenlos, das Wild iſt frei. Dieſe Idee beſteht auch heutzutage noch, trotz aller Jagd⸗ und Strafgeſetze, ſie drückt ſich noch ſchärfer in dem Satze aus, den man dutzendmal hören kann das Wild iſt für die armen Leute! Nicht Freiheit der Perſon, Freiheit des Eigenthums begehren dieſe. 3 3

So haben viele ſolcherarmen Leute zur Büchſe gegriffen, und von dieſer Sorte des Wildſchützen iſt nur ein Schritt zum Verbrecher. Sie treiben die Jagd nicht zur Luſt, ſondern zum Erwerb, ſie ſind keine Jäger, ſondern Diebe.

Das Unweſen an ſich hat zu allen Zeiten beſtanden; aber warum blüht es heutzutage ärger als je? Die Spannung iſt un⸗ erträglich geworden. Der nächſte Grund iſt natürlich, wie überall, der Widerſtreit der Intereſſen, aber ich glaube, man darf das polemiſche Element nicht unterſchätzen, das in unſerer Zeit ſelbſt bis in die unteren Claſſen durchdrang und alle Parteien und

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iſt in einer ſo oppoſitionellen Luft herangewachſen, daß es den ſchlimmeren Elementen derſelben leicht wird, auch die Behörde und die Vorgeſetzten unter den Begriff der Partei zu ſtellen, d. h. als ihre natürlichen Gegner zu betrachten.

In dieſer Weiſe ſteht ein Theil der Forſt⸗ und Jagdfrevler

den Forſtbehörden gegenüber mit einer Eigenmacht, die duld⸗ ſamere Zeiten nicht gekannt haben. Die rauhe Lebensweiſe ſchärft den rauhen Sinn der Vagabunden; die Verleugnung ihres An⸗ ſehens zwingt die Forſtbeamten, daſſelbe um ſo entſchiedener zur Geltung zu bringen. Und wer könnte ſich noch wundern, wenn unter dieſen Eindrücken Beziehungen entſtehen, die man nur in diplomatiſcher Sprache alsherzliches Einverſtändniß bezeichnet? Nach allen Seiten hin hat ſich eine Rivalität entwickelt an Kraft, an Glück, an Schlauheit; man ſucht ſich zu überliſten, zu überholen, zu übertreffen und im ſchlimmſten Falle zu treffen. Manche dieſer Reibungen haben keinen andern Zweck, als ſich gegenſeitig zu foppen, dann wirken ſie komiſch, weil die Bravour, die dabei entwickelt wird, geradezu in's Koloſſale geht. Exempla sunt odiosa aber das thut nichts. Dor mehreren Jahren kletterte ein wilder ſchmächtiger Burſche in den Felſen eines Berges herum, den vielleicht manche der Leſer ſelber beſtiegen haben. Er war müde geworden und meinte, eine kleine Sieſta, ein beruhigendes Mittagsſchläfchen wäre ihm wohl zu gönnen. Langſam und vorſichtig ſchob er ſich durch das Latſchengeſtrüpp an einen Felsvorſprung, wo die Wand etwa ſieben Klafter tief abfiel. Dort legte er ſich nieder; der Ruckſack, in dem ſich der auseinandergeſchraubte Stutzen befand, kam unter das Haupt und auch ohne gutes Gewiſſen ruhte er doch bald ſanft. Minder ſanft war das Erwachen. Der Förſter der ihn nicht kannte ſtand mit geſpanntem Hahn vor ihm und weckte ihn durch einen Fußtritt..

Mit wilden Sätzen ſprang der Burſche in die Höhe; was war zu thun? Die Büchſe lag ja im Ruckſack; der Weg war ihm vom Förſter vertreten und auf der andern Seite die Fels⸗ wand. Er ſollte als Gefangener mit dem Förſter hinunterſteigen, ſo lautete deſſen beſtimmter Befehl aber das war unmöglich. Die Schand' vor ſeinem Dirndl wenn er ſo zum Gericht müßte die hält er nie und nimmer aus.

Verzweifelt neſtelte der Wildſang an dem loſen Halstuch, es war nicht lange Zeit zum Beſinnen. An ein Entrinnen war nicht zu denken, denn die Wand war ſieben Klafter tief und ſieben⸗

Gegenſätze einander ſchroffer gegenüberſtellte. Die junge Generation

mal ſechs thut zweiundvierzig. Unten lag hohes Steingeröll; wer