Jahrgang 
47 (1868)
Seite
745
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vielbeſprochene: äſchyleiſch⸗ſhakeſpeariſche Mittelbühne entlehnen, was man leider nicht gethan hat. Auf dem Ammergauer Theater kommen nüämlich alle die Vorbilder nur in der Mittelbühne zur Darſtellung, und dieſe kann mit eigenem Vorhang geſchloſſen werden. Es iſt daher die Mäglichkeit gegeben, jene in dieſer inneren Halle vorzubereiten, während die Leidensgeſchichte im Proſcenium ungehindert fortſpielt. Nichts deſto weniger treten mitunter auch in Ammergau ſehr lange Pauſen ein, welche durch den Geſang der Schutzgeiſter, die dort aus Männern, Weibern und Jungfrauen beſtehen, nicht ſehr anſprechend ausgefüllt werden. In Brixlegg aber nimmt dieſer Uebelſtand ein rieſiges Maß an, weil die lebenden Bilder nur geſtellt werden können, wenn der Hauptvorhang herabgelaſſen iſt. Die fünfzehn Genien ſind dann zur Ausfüllung der Leere auch nicht zu verwenden, weil die Kürze der Zeit nicht erlaubt hat, ſie zu Sängerinnen heranzubilden, und ſo entſteht eine thatenloſe Leere, die mitunter faſt eine halbe Stunde dauert. Das ganze Orcheſter, die Geiger, die Trompeter, die Sänger und Sängerinnen verlaſſen dann ihre Plätze und viele von den Zuſchauern, denen es innen zu heiß geworden, be⸗ geben ſich ebenfalls ins Freie, um friſche Luft zu ſchöpfen. Da

gegen werden Bier⸗ und Weinflaſchen, Brod, Würſtchen und andere Erfriſchungen herumgereicht, welchen das Publicum immer gerne zuſpricht. So verwandelt ſich denn das Theater mit plötz- lichem Umſchwunge in eine Schenke, wo man ſich zwar einer an ſtändigen und gemüthlichen, aber von den Leiden Chriſti weit ab⸗ liegenden Unterhaltung überläßt.

Dieſe weltlichen Pauſen möchten denn auch die Urſache warum ſich die andächtige Empfindung, die doch beabſichtigt wird, nie recht feſtſitzen will. Während in Ammergau das Publicum, und namentlich das ländliche, dem Spiel mit frommer Beſchau lichkeit, mit andächtigem Starren, oft mit Thränen in den Augen folgt, iſt in Brixlegg die Stimmung eher kritiſch und moquant. Man ſcheint lieber lachen als weinen zu wollen, wenigſtens werden alle die kleinen Ungeſchicklichkeiten, die ſich im Spiel er geben, mit heiterm Kichern gloſſirt und es iſt oft zu bemerken, wie der Nachbar die Nachbarin mit dem Ellenbogen ſtößt, um ſie auf dieſes oder jenes Fehlerchen aufmerkſam zu machen. In dem Augenblicke aber, da Judas, der Verräther, an ſeinem Aſte bau melt, geht ein ganz vernehmliches Gelächter durch die gefüllten Räume. Dies hängt wohl auch mit dem Volkscharakter zu ſammen, denn die Unterinnthaler ſind faſt immer bei guter Laune und werden überhaupt zu den heiterſten Völkerſchaften Deutſchlands gerechnet.

Indeſſen wenn auch nichts in dem Stück vollkommen iſt, ſo iſt doch faſt Alles ſo gut, als es unter ſolchen Umſtänden er wartet werden darf. An dem Spiele der Männer iſt ſehr wenig auszuſetzen, der Heiland wird allgemein belobt. Ihn ſtellt der Hüttenarbeiter Joſef Schweiger dar, der aber auch Intendant einer

ſein,

Am 29. November 1868 ſind es dreihundertdreiundneunzig Jahre, daß eine der ſchwierigſten und wichtigſten Operationen, welche die Hand des erfahrenen Arztes an dem Körper eines Leidenden verrichtet, zum erſten Male kun ſtgerecht vollzogen wurde: die Operation des Steines.

In dem kleinen Städtchen Juviſi lebte in der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts ein Landarzt, Germain Colot. Es war ein fleißiger, geſchickter Mann, der für ſeine erhabene Kunſt ſglühte und täglich die ſchwierigſten Verſuche anſtellte, um neue, überraſchende Reſultate zu erzielen. Aber die Zeit war dem braven Arzte nicht günſtig. Colot's Hauptfach war die Operir⸗ kunſt; er handhabte ſeine Meſſer mit großer Geſchicklichkeit, hatte manche glückliche Cur vollendet, erfreute ſich aber dennoch nicht

hunderts ſich wenig wunderbarer Weiſe ziehenden Quackſalbern und Landſtreichern zur Ausbeute überließen.

dieKunſtſtücke, wie man damals ſolche gewagte Dinge nannte,

einer höheren Anerkennung, weil die gelehrten Herren ſeines Jahr mit großen Operationen beſchäftigten und dieſen wichtigen Theil der Heilkunſt umher

Namentlich war das in Italien der Fall, wo ſelbſt Augenopera⸗ tionen durch Privatleute vollzogen wurden. Nach und nach erbten

bäuerlichen Bühne in der Nachbarſchaft iſt. Auch für den Judas hat ſich eine tüchtige Kraft gefunden, die den Charakter draſtiſch, doch ohne Uebertreibung darzuſtellen weiß. Pontius Pilatus, der Wirth von Mähren, imponirt durch ſeine römiſche Inſolenz. Die Frauen und Jungfrauen dagegen haben nicht Allen genügt. Da mit hat es aber eine beſondere Bewandniß. Es giebt nämlich für das ſchwache Geſchlecht im bajuvariſchen Stamme(vielleicht auch in den übrigen) eine eigenthümlich hohe, weinerliche, ſingende Stimmlage. Sie gilt für beſonders ehrwürdig und wird nur bei feierlichen Gelegenheiten verwendet, wie z. B. bei Schulprüfungen, wo die Mädchen auf die Fragen, die der Herr Dechant ſtellt, immer in ſolch' erhabener Tonart antworten. So konnten ſich denn auch die Frauen und Jungfrauen zu Brixlegg dieſer her kömmlichen Sprachweiſe ſo wenig entſchlagen, als es jene zu Ammergau vermögen. Natürlich zu ſprechen würde unehrerbietig und dem heiligen Gegenſtand nicht angemeſſen erſcheinen.

So weit es zuläſſig iſt, ſind die Coſtüme der Hauptperſonen mit weidlichem Prunke ausgeſtattet, die vorkommenden Anachro⸗ nismen in Kleidung, Waffen u. ſ. w. wirken nicht ſtörend, da der Liebhaber tiroliſcher Bauernſpiele an derlei naive Abweichungen von der hiſtoriſchen Strenge ohnedem gewöhnt iſt. Daß dem Ammergauer Spiele im Ganzen der Vorzug einzuräumen, ſcheint uns allerdings außer Frage. Die Ammergauer haben aber auch eine mehr als hundertjährige Tradition für ſich ſie haben Alles prüfen und das Beſte: behalten können, während in Brixlegg, da keiner der Leiter jenes Vorbild geſehen, Alles von Neuem erdacht und improviſirt werden mußte. Namentlich ſind die großen, volk⸗ reichen Scenen, wie der Einzug Chriſti in Jeruſalem oder die Kreuzigung, in Ammergau viel lebendiger und maleriſcher einge⸗ richtet, als zu Brixlegg.

Alle die Schwierigkeiten und Hinderniſſe eines ſolchen Unter⸗ nehmens wohl beachtend, war aber das Publicum im großen Ganzen immer ſehr beifällig geſtimmt. Daß ſich gebildete Städter und Städterinnen hin und wieder kritiſche Noten zu machen er⸗ laubten, verſteht ſich von ſelbſt; das Landvolk dagegen ſprach ſich unbedingt zufrieden aus und gab dieſer Anerkennung auch durch immer wachſenden Beſuch den erwünſchteſten Ausdruck.

Was endlich die irdiſchen Früchte des Brixlegger⸗Spiels be⸗ trifft, ſo iſt der Segen ſehr reichlich gefloſſen. Es ſind über zwölftauſend Gulden eingegangen, wovon die eine Hälfte zur Deckung der Einrichtungskoſten diente, die andere zur Verfügung ſteht. Da man vorher an die Möglichkeit eines Ueberſchuſſes gar nicht gedacht hat, ſo iſt für dieſen Fall keine Beſtimmung getroffen worden und ſollen die Anſichten über die Verwendung jetzt ziemlich

weit auseinander gehen. Doch wollen wir hoffen, daß der Friede,

Germain Colot, der Steinoperateur.

Von George Hiltl.

von Familie auf Familie, bis ſie zuletzt das Stadtbewohner und Genoſſenſchaften wurden, niſſe, Mittel und Verfahrungsarten ſorgfältig den Geheimniſſes breiteten.

Städtchen Norcia, welches zum Gebiete des Kirchenſtaates gehörte. Seine Bewohner ſtanden in dem Rufe, durch kühnen Schnitt das gräßliche Leiden des Steines beſeitigen zu können, und ſie bildeten eine Art Secte, welche man nach der Stadt die Norcianer nannte⸗ Einen beſondern Ruf genoſſen Giovanni Acarombono und deſſen Sohn endlich heilte. geheim kleinen einige dieſer Norcianer und ſie zogen Frankreich hinein, heilten auf Schäden durch ihre kunſtgeübte laden in die Heimath zurück.

der die Spielenden bisher zuſammengehalten, über ihnen auch walten werde, wenn die kitzlige Frage zur Entſcheidung kommt, wie die Silberlinge vertheilt werden ſollen.

Gemeingut gewiſſer die um ihre Kennt⸗ Schleier des

Eine ſolche Genoſſenſchaft beſtand ſeit langer Zeit in dem

Antonio, dann ein Schmied Namens Peter von Norcia, ein gewiſſer Horaz, der auch vortrefflich Verkrümmungen Zu beklagen blieb es nur, daß dieſe Männer ihre Kunſt hielten, oder die Ausübung derſelben doch nur einer Anzahl Befreundeter lehrten. Da ergriff die Wanderluſt über das Gebirg nach ihren Wanderungen mancherlei Hand und kehrten mit Gold be⸗

Nicht Allen ging es freilich ſo erwünſcht. Der Neid der

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