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in dieſer Richtung ein trefflicher Lehrer geweſen, und die Zeichnung durchweg correct, obwohl etwas ängſtlicher, als in den Katzen ſtudien, vielleicht weil Mind in dieſen Darſtellungen weniger ſelbſtſtändig und noch von der Richtung ſeines Lehrers beeinflußt war.
Im Anfange ſeines ſelbſtſtändigen Arbeitens verkaufte Friedli ſeine Katzenbilder noch zu wahren Spottpreiſen.„Eis i z'angere füf Batze“* war ſeine ſtehende Antwort, wenn man ihn nach dem Preiſe eines Blattes fragte. Als aber die Blätter berühmt ge worden, als Einheimiſche und Fremde ſich um dieſelben bewarben, ſtellte Frau Freudenberger, die eine gute Hausfrau war, den Preis höher und ſchließlich wurden ſo viele Louisd'ors dafür bezahlt, als urſprünglich Batzen dafür gefordert worden waren. Viele der Blätter ſchmücken jetzt die Galerien von Rußland und England. Aber vielleicht eben ſo viele werden als Minds verkauft, die er
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nie geſehen hat, indem induſtrielle Künſtler Copien als Originale
auf den Markt brachten, von denen einzelne mit großer Virtuoſität den Styl der Urbilder wiedergeben ſollen. Die echten Minds ſind ſehr ſelten geworden.—
Obſchon Mind in Folge der Anerkennung des Publicums für ſeine Bilder ſich eine unabhängige Stellung hätte gründen kön nen, ſo verzichtete er gleichwohl darauf und blieb auch nach dem Tode Freudenberger's in deſſen Hauſe als Taglöhner der Wittwe, wie er früher im Solde ihres Mannes geſtanden war. Sie gab ihm Wohnung, Kleider und Koſt und verpflegte ihn bis zu ſei nem Tode, wogegen ſie den Erlös für ſeine Arbeiten einſtrich. Es fehlte nicht an wohlmeinenden Verſuchen, den Künſtler aus dieſer unwürdigen Stellung und der Botmäßigkeit eines launiſchen Weibes zu befreien, ſie ſchlugen aber fehl, weil Mind weder Energie noch Ehrgeiz hatte und in dem gewohnten Fortleben unter den alten Verhältniſſen ſeine Befriedigung fand. Immer
* Eins in andere fünf Batzen(½ Gulden rhein.) d. h. 20 Kreuzer
für jede einzelne Katze auf einem Blatt.
die Gruppirung iſt leicht und gefällig, denn Freudenberger war
nur in der Geſellſchaft mit Katzen, ſcheint er zuletzt ſelbſt die Eigenthümlichkeit dieſer Thiere ſich angeeignet zu haben, feſt an der einmal gewählten Behauſung zu hangen. Ein künſtleriſcher Taglöhner, von Morgens früh bis Abends ſpät vor ſeinem Reiß bret ſitzend, über einen Tiſch gebeugt, deſſen Beſitz er mit ſeinen Katzen und ſeinen Laubfröſchen theilte, die ländliche Zipfelmütze tief über die Ohren gezogen, ein verkrümmter Rücken, ein ſauer töpfiſches unwirſches Geſicht, ein kleiner Körper mit auffallend groben Händen und Füßen und eine dünne magere Caſtraten
ſtimme das iſt das äußere Bild eines Mannes, dem die Kunſtgeſchichte in einem Anflug von Laune den wohltönenden Namen des italieniſchen Malerfürſten beigelegt hat. So lebt er noch in der Erinnerung weniger Greiſe fort, die ihn vor ſechszig Jahren in ſeiner beſcheidenen Arbeitsſtube beſucht haben; und ſo erſcheint er auch in einem charakteriſtiſchen Bilde von Lips, das nie in den Buchhandel kam und das jetzt die Garten
laube durch ihren Holzſchnitt der Gefahr der Ver
geſſenheit entreißt.
Mind's Körperbeſchaffenheit war nicht der Art, daß ihm eine lange Lebenszeit beſtimmt ſein konnte. Ein Bruſtleiden ſtellte ſich bei ihm ein, das ihn längere Zeit arbeitsunfähig machte und ſchließ lich im November 1814 durch eine Lungenlähmung dahin raffte.
So wenig Erfreuliches oder gar Glänzendes das äußere Leben des Katzen⸗Raphael im Gegenſatz zu demjenigen ſeines großen Namensverwandten auch aufweiſt, ſo reich iſt das Intereſſe, das ſein inneres Leben, ſeine geiſtige Entwickelung darbietet. Ein Menſch faſt ohne alle geiſtige Begabung, von der Natur vernach läſſigt, unter den ungünſtigſten Bedingungen aufgewachſen, zeigt in einem engbegrenzten Kunſtgebiete eine eigenartige, wahrhaft geniale Befähigung, die aus der harten Schale zur ſchönen Blüthe und Frucht herauswächſt. Erſcheinungen dieſer Art ſind ein ſpre chender Beweis, daß in den Geſetzen von Gall's Schädellehre neben vielem Uebertriebenen und Ausſchweifenden am Ende doch wohl einige goldene Wahrheit enthalten iſt.
Aus dem Unterinnthal. Von Ludwig Steub. 1. Das Paſſionsſpiel in Brixlegg.
Hin und wieder„ſchieht es doch, daß dem Menſchen ſchon hienieden ein Wunſch n Erfüllung geht. So bin ich eben dazu gekommen, zwei ſchöne Herbſtwochen in dem lieblichen Brixlegg. zu verleben. Es iſt dies ein anſehnliches Dorf, welches im untern Innthale, in einer grünen Bucht des Gebirges liegt, nahe bei der alten Stadt Rattenberg, nicht weit von dem fröhlichen Zillerthale. Nachdem ich manches Jahr umſonſt nach einer Wohnung gefahndet, bot ſich dieſes Jahr eine Mühle dar, ein ſchönes großes Haus, das oben im Dorfe ſteht und auf ſeiner Altane eine herrliche Anſicht der Landſchaft bietet. Mühlen ſind ohnedem poetiſcher Natur und von der deutſchen Dichtkunſt, wie man weiß, ſchon öfter gefeiert worden. Dieſe beſondere Mühle hat aber noch den Vorzug, ſehr helle reinliche Stuben zu beſitzen und einem Ehepaare zu gehören, welches ſehr geachtet und liebens⸗ würdig iſt, ein Muſterbild für alle Hausleute, in den Städten wie auf dem Lande.
Es war am Feſte Mariä Himmelfahrt(15. Auguſt), als wir am Orte unſerer Sehnſucht glücklich ankamen und vernahmen, daß am andern Tage, welcher ein Sonntag war, das Paſſionsſpiel, von dem die Zeitungen ſchon ſo viel erzählt, an uns und hof⸗ fentlich auch an vielen Andern vorübergehen würde. So ſchlen derten wir denn am Abend noch im Dorfe und ſeiner Gegend umher, betrachteten die herrliche Landſchaft und ſtanden auch ein Weilchen vor der Auslage eines ländlichen Photographen, welcher das Paſſionsſpiel mit Induſtrie verwerthet und die bedeutenderen Figuren, Adam und Eva, Chriſtus nach der Geißelung und am Kreuze, die allerſeligſte Jungfrau und ſämmtliche Apoſtel, kurz alles, was für die große Welt von Werth ſein möchte, mit Kunſt und
Wahrheit darzuſtellen weiß. Die Bauersleute ſprechen bei dem Künſtler nicht ſelten zu und tragen um billigen Preis gern eine Erinnerung an die Paſſion nach Hauſe. Beim Abendtrunke trafen wir mit den Honoratioren zuſammen und hörten ſehr erfreuliche
Nachrichten über den Verlauf der theatraliſchen Unternehmung. Herr Cooperator Winkler, der geiſtliche Vorſtand, erzählte mit Behagen, wie das Gedränge bisher, mit jedem Spieltag größer geworden; auch Herr Hillepold, der Wachszieher und meltliche Mitdirector, zeigte ein zukunftſicheres Geſicht. Nach langen und belehrenden Geſprächen gingen wir in unſre Mühle hinauf und ſielen, des großen Morgens gewärtig, unter dem Rauſchen der Bäche bald in tiefen Schlaf.
Plötzlich um drei oder vier Uhr in der Nacht, wenn der Fremdling eben im tiefſten Schlummer liegt, erweckt ihn ein viel⸗ ſtimmiges Freudengeläute. Der Meßner und ſein ſämmtliches Hausgeſinde befinden ſich im Glockenthurme und ziehen an allen Strängen, dergeſtalt, daß der vereinte Schall das ganze Dorf aus dem Schlafe bringen muß. Es beſteht überhaupt unter den tiroliſchen Meßnern von Kufſtein bis Meran eine geheime Ver ſchwörung, ihre Glocken an Sonn- und Feiertagen vom früheſten Morgen bis zum ſpäteſten Abend nicht zur Beſinnung kommen zu laſſen. Jene Morgenfanfaren bilden aber ein wunderliches Durcheinander von Solo, Duo, Trio und Tutti, ſo daß der Hörer immer geneigt iſt, ihren Klängen eine gewiſſe nur dem Eingeweihten faßliche Bedeutung beizulegen. Auch mir kam es oft vor, als wenn es Novellen ohne Worte wären. Hin und wieder glaubte ich ſogar einer Familienſcene beizuwohnen. Um drei oder vier Uhr nämlich er⸗ heben ſich Vater und Mutter mit ſämmtlichen Kindern, um eine Bergpartie zu unternehmen, die am Abend vorhér verabredet worden. Alles wünſcht ſich guten Morgen und freut ſich, zu⸗ rechter Zeit erwacht zu ſein(Tutti). Mama, eine ſchöne Altglocke, ſieht aber ein Wölkchen am Himmel und ſpricht ſich beſorglich darüber aus(Solo). Kaum hat ſie geſchwiegen, ſo ergreift das jüngſte Kind, ein liebliches Mädchen mit blonden Haaren, eine kleine Sopranglocke, das Wort, proteſtirt gegen die Aengſtlichkeit
der Mutter(ebenfalls Solo) und wird bald von ſeinem ältexen


