erſten Frau auch ſogar der angetraute Gemahl der Fürſtin, mit
der er auf dem ſchönen Schloſſe Heiligenberg in tiefſter Zurück⸗
gezogenheit lebte. Er beſuchte auch mit ihr Wien zur Zeit des Congreſſes und erlebte dort den Glücksfall, die älteſten und voll— ſtändigſten jener Codices des Nibelungenliedes kaufen zu können, welche einſt J. J. Bodmer auf dem Schloſſe Hohen⸗Ems entdeckt hatte. Es waren jene Tage, die das Erwachen des geſchichtlichen Sinnes, der Begeiſterung für die deutſche Vorzeit und das Zer⸗ fallen der alten Verhältniſſe begünſtigten. Ueberall waren Klöſter aufgehoben, Archive zerſtreut, Schätze des Alterthums verzettelt, und waren nun die werthvollſten Documente als herrenloſes Gut für geringe Summen zu erſtehen. Die Sammler und Geſchichts⸗ forſcher fanden ihren Eifer meiſtens glänzend belohnt. So gründete Joſeph von Laßberg ſein Privatmuſeum von ſeltenen Mannſcripten, Büchern und Kunſtſchätzen, das er in ſeinem Schloſſe Eppishauſen aufſtellte, wohin er mit der Fürſtin zog, als deren Sohn, Fürſt Egon, die Regierung des mittlerweile mediatiſirten Fürſtenthums ſelbſt übernahm.
Im Jahre 1822 ſtarb die Fürſtin, und mehr als zehn Jahre ſpäter holte ſich Joſeph von Laßberg, ein angehender Sechziger,
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der Wiſſenſchaft deutſcher Cultur, Kunſt und Literatur ſich widmen wollten. 4
Wohl wenige namhafte Männer von gelehrtem Ruf in dieſen germaniſtiſchen Studien mag es geben, die nicht wenigſtens ein⸗ mal in dieſer gaſtlichen Herberge eingekehrt ſind. Die meiſten kamen oftmals und wurden ſtets Freunde und Verehrer des origi⸗ nellen Burgherrn, der eigentlich ſelbſt die intereſſanteſte Merk⸗ würdigkeit ſeines Muſeums war. Die beiden Grimm, U hland,
Görres, Weſſenberg, Schwab, Pertz, Frommann, Pfeiffer, Schott, Reinhold Köſtlin u. A.— Männer vom Rhein, aus Schwaben, Franken, der Schweiz, Oeſterreich— alle
koſteten den Willkommbecher, den ihnen der alte Ritter und Meiſter der Wiſſenſchaft aus ſeinem mit gutem Meersburger gefüllten Keller darbot. Das rege Leben, welches dadurch auf der alten Burg entſtand, lockte auch andere Gäſte herbei, und die herrliche Schloßterraſſe, wo die Freifrau aus Weſtphalen die köſtlichſten Blumen zog, war faſt nie leer. Der Blick über den blauen See, an deſſen jenſeitigem Ufer die dunklen Thürme von Conſtanz ſich wie eine ſchwarze Silhouette abzeichneten und die Alpen wie eine weiße Perlenkette über die andern Berge hinzogen, war unver⸗
Rüſchhaus.
ſeine dritte Gemahlin, die Freiin von Droſte⸗Hülshoff, aus Weſt⸗ phalen, wie wir oben weitläufiger erzählt haben. In Eppishauſen blieb er nur noch kurze Zeit mit derſelben, er hatte die alte in prachtvoller Umgebung am Bodenſee gelegene Meersburg erſtanden, die einſtige Reſidenzburg der Fürſtbiſchöfe von Con⸗ ſtanz. Er ſiedelte ſich mit ſeiner Familie und allen ſeinen reichen wiſſenſchaftlichen und archäologiſchen Schätzen in dem uralten, merkwürdigen Bau an. Eine große feuerfeſte Halle, deren Gewölbe von mächtigen Pfeilern getragen war, faßte kaum die reichhaltige Bücherſammlung. In einem beſonderen Schrein, mit ſchweren eiſernen Ketten angeſchloſſen, lag der Hauptſchatz der⸗ ſelben, der alte Nibelungen⸗Codex, nur auserwählten Gäſten wurde er in die Hand gegeben, losgekettet wurde er niemals. Es war dies bekanntlich eine mittelalterliche Sitte, Bücherſchätze zu bewahren. Die andern ſeltenen Druckwerke auf Pergament oder altem Ochſenkopfpapier, darunter ſo manche Perle älteſter deutſcher Dichtung, hütete der Burgherr ebenfalls wie ſeine Augäpfel, aber er erwarb ſich ſehr bald den Ruhm, ſeine Schätze und Forſchungsquellen für alle durch⸗ reiſende Gelehrte offen zu halten und noch mit ſeinem eigenen reichen Wiſſen dieſelben zu fördern. Die alte Meersburg wurde bald eine Art Herberge der Gelehrten, insbeſondere der Forſcher, welche 4
gleichlich ſchön, namentlich bei Sonnenuntergang, wenn der gluth⸗ rothe Ball wie Johannis blutiges Haupt auf einer blauen Kryſtall⸗ ſchale lag und ſo lange ſichtbar blieb von der terraſſe, wie dies niemals in der Ebene der Fall ſein kann.
Es iſt zu bedauern, daß Joſeph von Laßberg nicht einen Theil ſeiner unermüdlichen Thätigkeit in der wiſſenſchaftlichen Forſchung ſeinem eigenen uralten Schloſſe zugewendet hat. Er allein hätte noch nachweiſen können, welche ſeltſame Schickſale dieſer hiſtoriſch⸗ merkwürdige Bau im Laufe ſo vieler Jahrhunderte erfahren hatte. Alle die Namen, deren Erinnerung dem Schloſſe angehört, alle Ereigniſſe, deren Schauplatz darin war, hätten eine intereſſante Chronik im Styl des Meiſters Sepp ausmachen können. Ein Thurm und das Kronwerk aus König Dagobert's Zeit ragt un⸗ zerſtörbar über das andere Gemäuer empor und birg Lens hans
vor
Sagenwelt voll Schauerpoeſie. Die Tage Conradin’'s, vor ſeiner Römerfahrt, verfloſſen in der Meersburg und h ben noch manche Spuren darin zurückgelaſſen. Die Biſchöfe von ſtnitz(Conſtanz) ließen hier geheime Gänge durch die Felſen hauen, und der ſelt⸗ ſame gelehrte und galante Cardinal Mareus P us Ems, Fürſtbiſchof von Conſtanz und Erzbiſchof von hauſte in der Meersburg mit ſeinem Lebensroman.
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Salzburg,
Höhe der Schloß⸗
von Hohen⸗
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ſo na ſich nanne


