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Leider hat Laßberg's ſchriftſtelleriſche Thätigkeit ſich dieſen ihm ſo nahe liegenden Gegenſtänden nicht gewidmet, dieſelbe beſchränkt ſich nur auf die Herausgabe einiger mittelhochdeutſcher Dichtungen, namentlich des in fünf Bänden ſeit 1820 erſchienenen Liederſaales,
hund mit Stachelhalsband im Bogenpförtchen erſchien, kündete den G 6 d— 1 86;: Ankommenden mit einem Hornſtoß an, und der Willkommbecher 7 für Do vo 3ſ 7 9 851 ſtand für Jeden bereit. Gäſte, die der Burgherr auszeichnen wollte, erlebten noch eine beſondere Freude. Schon nach der erſten
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8 in welchem auch ein Abdruck ſeiner berühmten Nibelungenhandſchrift Viertelſtunde der Bekanntſchaft ſchleppte der alte Herr dicke Folianten H
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Joſeph von Laßberg.
„ ſich vorfindet. Außerdem beſtimmte er kleinere Arbeiten von Zeit herbei und ſuchte nach den„Ahnen oder Vorfahren“ des Beſuchs, zu Zeit zur Veröffentlichung, um ſie ſeinen Freunden zu ſchenken; was ſtets Aller Wohlgefallen erregte, ſelbſt der bürgerlichen Gäſte, das größere Publicum damaliger Zeit hielt er wohl mit Recht denn er wußte immer etwas ausfindig zu machen, was dem
für nicht gebildet genug, um ſeine Arbeiten würdigen zu können. Selbſtgefühl ſchmeichelte. Sehr oft bewies er den Leuten, daß ſie
„Ich denke ir erkennet daran den guten willen des meiſter eigentlich von adliger Herkunft wären und irgend ein Urahn den
Sepp, wie ir mich nennet,“ ſchrieb er in einer ſeiner Vorreden in Adel nur abgelegt hätte, oder er erzählte ihnen Heldenthaten eines ſeinem eigenthümlichen Styl und ſeiner altdeutſchen Schriftweiſe; Namensvetters aus ſeinen Chroniken, aber ſtets ganz ehrlich, ohne „ich ſizze jetzt auf der aelteſten Burg Teutſchlands und ſinge mit Ironie, obwohl er einen derben Spaß auch zuweilen ſich erlaubte. dem Truchſaſſen Ulrich von Singenberg: Wer ſich dann auf der Meersburg wohl gefühlt hatte in einem der
‚Sonſt heiße ich wirt und rite heim ac.““ köſtlichen Thurmzimmer mit prächtiger Ausſicht und romantiſcher
1 Die Briefe des alten Herrn ſahen ſeltſam genug aus in Schauerlichkeit ausgeſtattet— es führten Wendeltreppen bis ins dieſer Orthographie und mit gothiſchen Buchſtaben, die er ſo ſchön Burgverließ hinab, und gar mancher muthwillige Gaſt machte ſich zu ſchreiben verſtand, daß ſie wie gedruckt ausſahen. Faſt alle das gefährliche Vergnügen, mit ſeiner flackernden Wachskerze in
Beſucher der Meersburg haben ſolche Handſchriften von ihm auf— zuweiſen, denn er gab ihnen gern Geleitsbriefe mit an ſeine zahl— reichen berühmten Freunde, die auf der Heimreiſe beſucht werden konnten. Er liebte es, die Gaſtfreundſchaft im wahrſten Sinne des Wortes auszuüben. Aber auch ſie, wie Alles, was ihn um gab, mußte mit in ſeine Huldigung des Mittelalters eingehen, vom erſten Empfang bis zum Scheiden. Ein Burgwart, der jeden Abend die Zugbrücke aufzug und dann mit einem Ketten⸗
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dieſe ewige Nacht mit ihrem eiſigen Athem, von kaltem Geſtein ausgehaucht, hinabzuſteigen— der war gleichſam ein Hausfreund geworden und konnte auf Empfehlungsbriefe, Unterſtützung und Annehmlichkeit bei der Rückreiſe rechnen. Jeder Gaſt bekam auch einen Rufnamen, der ihn der Schloßſippe gleichſam einreihte. Seine Gattin, das einſt ſo hoch über dem Alltagsleben ſchwanenhaft ſchwebende Stiftsfräulein aus Weſtphalen, war eine ſehr praktiſche Hauswirthin geworden und ſorgte für gute Pflege


