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Süden und Norden. Eine baieriſche Dorfgeſchichte von 1866. Von Herman Schmid. (Fortſetzung.)
. 4. Zur Eintracht!
Ein Jahr war vorüber: der Sommer hatte wieder ſeine ganze Herrlichkeit ausgebreitet über Thäler, Gebirg und See; hätten auf dem Friedhof des kleinen Dorfes nicht die ſchwarzen Kreuze und die Leichenſteine daran gemahnt, daß es ein Ort des Todes, eine Stätte der Trauer um die Vergangenheit ſei, man wäre verſucht geweſen, ihn für einen Garten zu halten, dem fröh⸗ lichen Leben gewidmet und der fröhlich hoffenden Gegenwart. Von den Grabhügeln war faſt nichts zu ſehen, ſo hoch waren ſie mit Gras bewachſen, ſo dicht von Rankenroſen überhangen und mit anderen Strauchblütheu⸗bedeckt; und die dahinter ſtehende große Linde war ſo überreich von den duftenden weißgrünen Blüthenflügeln übergoſſen, daß davor alle Gedanken an Grab und Vergänglich⸗ keit verſchwanden und das Auge des Vorüberwandelnden auf dem Grün und dem Flor ſo ruhig haftete, wie der bunte Falter, dem es gleichgültig iſt, ob die Blume, die er umgankelt, auf einem Grabe blüht oder auf einem Gartenbeet. Die Bevölkerung des am anſtoßenden Schullehrerhauſe angebrachten Bienenſtandes ſummte nur zwiſchen den Lindenzweigen und Blumenkelchen hin und wieder und dachte nicht daran, die zarten Flügel über die Mauer des Friedhofs hinauszuwenden, wo im verduftenden Thau die breiten Wieſenmatten ſchimmerten, wo der See blaute und flammte, wo die Berge und Wälder grünten und dunkelten bis hoch in den Himmel hinein, der Alles umfaßte, leuchtend und klar, wie ein einfacher, großer Gedanke.
An der Kirchhofmauer ſtand der Maler, der ſchon im vorigen Jahre das Thal durchwandert hatte; die Mappe auf die Brüſtung gelegt, war er emſig daran, eine kecke Farbenſtudie der Umgegend hinzuwerfen. Detzt hielt er einen Augenblick inne und betrachtete ſein Werk wie es ſchien, nicht ohne Zufriedenheit; dennoch ſchüttelte er den grauen Kopf und rief:„Wir ſind und bleiben doch Stümper, wir Maler! Unſer Können iſt ewig Stückwerk! Farbe und Geſtalt, Licht und Schatten kann man wohl wiedergeben und feſthalten, aber nimmermehr das große lebende Ganze! Um das
zi vollbringen, müßte ich den Ton der Glocke mit hineinmalen knnen, der jetzt ſo ernſt und doch ſo innig vom Thurme her⸗
ederklingt— ich müßte den Duft hineinmalen, der von der Linde ſtrömt und von den Roſenbüſchen und von den Gras⸗
ulmen, die dort auf der Wieſe unter der Senſe fallen und im
dät den ſüßeſten Duft ihres kurzen Daſeins verhauchen wie
In letzten Athemzug.“
Vertieft im Schauen und Arbeiten, beachtete der Künſtler nicht, daß in der Dorfkirche nebenan der Gottesdienſt zu Ende ging; das Läuten verſtummte, und die Kirchenbeſucher wanderten über den Friedhof ihren Häuſern zu, einzeln und hier und da an einem Grabe verweilend, um es mit einem Tropfen Weihwaſſer zu beſprengen oder am Roſenkranz eine Gebetkoralle fallen zu laſſen.
war ein Trauergottesdienſt geweſen, wie ſie üblich ſind am Jahres⸗ tage der Stunde, die einen theuren Verwandten oder lieben Freund aus dem Kreiſe abgerufen hat, in welchem, wenn auch ſeine Stelle längſt ausgefüllt iſt, ihn doch mindeſtens an dieſem Tage eine fromme Exinnerung zurückſehnt. 4 Der Friedhof war beinahe leer geworden; nur an der Rück⸗ ſeite der Kirche ſtanden noch Tonerl und die Funkenhauſer⸗Bäuerin vor einer in die Mauer eingeſetzten Wandtafel, einer ſchlichten Kelheimer Platte mit ſchwarzer Inſchrift und dem ſchwarzen Kreuze darunter. Unterhalb waren an einem Drahte Korallen wie an einem Roſenkranze zum Hin⸗ und Wiederſchieben an⸗ gebracht, und auch ein ſchlichtes Blechkäſtchen für das geweihte Waſſer fehlte nicht, daß den armen Seelen der Geſchiedenen, die viel⸗ leicht für eine irdiſche Schwäche im Fegfeuer zu dulden haben, die Labung nicht fehle, die ihnen Kühlung giebt, wie ein Tropfen erfriſchenden Thaus den Halmen einer verſengten Flur. Lag Ambros auch im fernen Frankenlande begraben, ſo durfte es doch in der Heimath an einem Denkzeichen für ihn nicht fehlen; es war der Tag des heiligen Cyrillus, der Jahrestag von Kiſſingen, und die Todtenfeier hatte ſeinem Andenken gegolten. In Gebet und ſtumme Betrachtung verſunken ſtanden die beiden Frauen lange da; die Funkenhauſerin hatte anfangs den Verluſt des einzigen und nächſten Verwandten, des vermuthlichen und nicht unwill⸗ kommenen Eidams, anſcheinend leichter getragen als Tonerl, auf welcher neben der Laſt des Doppelverluſtes, den ſie erlitten, in ſeiner vollen Bitterkeit der Gedanke laſtete, auf welche Art das Alles ſo gekommen, und wie ſie vielleicht nicht ganz frei von der Verantwortung war, daß es ſo hatte kommen müſſen. Jetzt aber hatten Beide die Rollen getauſcht: die rüſtige Bäuerin war bedeutend gealtert, noch weißer ſah das Haar unter der dunklen Trauer⸗ haube hervor, um die Augenwinkel und an den ſonſt ſo glatten Wangen hatte ſtiller, unausgeſprochener Kummer ſeine leiſen Fält⸗ chen tiefer eingegraben. In Tonerl dagegen hatte die Kraft der
Die meiſten Beſucher waren dunkel gekleidet, wenigſtens die Frauen hatten ſchwarze Tücher und Schürzen um; denn es


