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austheilen, hat mich ſchon oft ſkandaliſirt. Ich würde in unſerer Zeit kei⸗ V 1857 bei meinem Abgange lag, denn die türkiſchen Behörden ſind ſehr
nem nur irgend verdächtigen Reiſenden einen andern Paß geben, als um conſervativ in der Unordnung und haben kein Intereſſe für Geſchichte.“
auf der Poſtſtraße nach Prag oder nach Wien zu gehen, und hier müßte Somit muß Samuel Colt wenigſtens für die Deutſchen aufhören,
dann erſt entſchieden werden, ob er geeignet ſei, Beobachtungsreiſen im als alleiniger Erfinder des Revolvers zu gelten; wie aber der deutſche
Innern des Landes zu machen. erſte Meiſter dieſes Waffenkunſtwerks geheißen, iſt bis jetzt unentdeckt So weit der Brief!. geblieben. 3 Ob Herr Reimer vielleicht die Abſicht gehabt hat, dieſen Haupttheil⸗
nehmer an den Verſündigungen gegen die deutſche Freiheit zu necken und V
zu ängſtigen, wiſſen wir nicht. Aber das Stückchen Vergeltung, welches
hier in ſo einfacher Weiſe durch das böſe Gewiſſen des Betroffenen ſich
zeigt, wird Manchen beluſtigen. Und wenn Viele noch immer in eigenſin
niger Narrheit behaupten, daß weder die einheitliche, noch die freiheitliche die nach
Entwickelung des deutſchen Volkes vorwärts komme, ſo verweiſen wir ſie Leſer der Gartenlaube von Intereſſe ſein wird.——
immer von Neuem auf die Zeitabſchnitte, welche in irgend beträchtlicher Ver⸗— Vor zwei Jahren machte ich eine Inſtructionsreiſe in den Kohlen⸗
gangenheit hinter uns liegen. Was ſind fünfzig Jahre in der Entwickelung revieren Belgiens und fand dabei auf einer Grube in der Nähe von Lüttich
der Völker! Und nun vergleiche man die heutigen Zuſtände mit denen von beſonders freundliche Aufnahme. Ich blieb daher, nach Beſichtigung alles
dumalt Ornrſäer wie die von Gentz enitkelten ſind dnaſe oft genng für unich al Sndenürur Shenseildene no iüde Kiden in der Wobe
zur Geltung gekommen. Heute würden ſie allerwegen als hirnverrückte nung des Directors in munterem Geſpräch mit demſelben. ährend ich
Phantaſtereien ausgelacht werden und um ſo mehr 3 wenn ſie von einem die in Käfigen an der Wand des Arbeitszimmers hängenden Canarienvögel
praktiſchen Staatsmanne vorgebracht würden. betrachtete, die durch ihr lautes Schmettern oft die Unterhaltung unter⸗
Gewiß: wir ſind auch in freiheitlicher Beziehung etwas vorwärts ge⸗ brachen, fiel mir auf, daß in ein zwiſchen den Gitterſtäben ſteckendes Zucker⸗ K. F.
„Inſtinct oder Vernunft.“ Unter dieſem Titel hat die Garten⸗ laube ſchon mehrmals intereſſante Beiträge zur Kenntniß der geiſtigen Fähigkeiten ſelbſt niedrig organiſirter Thiere gebracht. Da ich jene Artikel mit wahrem Vergnügen geleſen habe und viele Andere mit mir, ſo glaube ich annehmen zu dürfen, daß auch die nachſtehende Mittheilung manchem
kommen! ſtück mehrere runde Löcher eingebohrt waren. Kaum hatte ich nach einer Erklärung dafür gefragt, als ich auch ſelbſt Gelegenheit fand, mich durch Die Erfindung des Revolvers gehört, wie die des Hinterladers den Augenſchein zu überzeugen, daß der kleine Inſaſſe des Vogelbauers und der gezogenen Kanone, einer weit früheren Zeit an, als die Wieder dieſe Löcher bohrte und zwar auf folgende Weiſe. Der Vogel riß von dem einführer derſelben, namentlich außerhalb Deutſchlands, angegeben oder Papier, welches zum Schutz der Tapete die Hinterwand des Käfigs be⸗ vielleicht ſelbſt gewußt haben. Von Hinterladern(über welche die Garten deckte, ein kleines Stück ab, tauchte daſſelbe in ſein Trinkwaſſer und legte laube einen beſonderen illuſtrirten Artikel bringen wird) zeigen deutſche es dann auf den Zucker; nachdem er dies mehrmals wiederholt hatte, war Zeughäuſer und Waffenſammlungen Kanonen und Gewehre aus der erſten der Zucker hinreichend erweicht, um dem Vogel ein Hineinbohren mit dem Hälfte des ſechszehnten, ja aus dem fünfzehnten Jahrhundert auf. Daß Schnabel zu geſtatten. Dem Canarienvogel, der übrigens ſchon ſeit einer auch gezogene Geſchütze ſchon früher vorhanden waren, dafür zeugt eine ziemlichen Reihe von Jahren bei ſeinem jetzigen Beſitzer war, wurde es auf eiſerne, mit offenbar durch Zugeinſchnitte gerieftem Blei überzogene Kanonen dieſe Weiſe möglich, eine ſolche Menge von Zucker zu conſumiren, daß ihn kugel, die im Holz eines alten Birnbaums am Eckardtsberge, der der Veſte ſeine jüngeren Nachbarn wohl darum beneiden konnten. R. D. Coburg zunächſt liegenden Anhöhe, gefunden worden iſt. Die Kugel iſt—— effenbar von der hohen Baſtei aus geſchoſſen, das betreffende Geſchütz Der alte Weisflog! Auch er ſoll aus dem Staub der Leihbibliotheken aber leider nicht erhalten worden. Glücklicher iſt die Erhaltung eines eDer ag fir ſeine Gemüthlichkeit Herzen in der e oſarnoen Herr Garder Arfilleri ig eines wieder hervorgezogen werden, um für ſeine Gemüthlichkeit Herzen in der alten Revolvers gelungen. Herr Garde⸗Artillerie Hauptmann Schmidt 8 2 Wir befirchte 8-ſs in Küſtrin theilt uns darüber folgende Notiz mit: 9 Gegenwart zu ſuchen. Wir befürchteten, daß dies, nach den großen und eule 85 Lr. 1o elrde deula, eire Searaing großartigen Wandelungen, welche die Deutſchen ſeit Weisflog's Blüthezeit, „Ich wurde 1851 von der türkiſchen Regierung nach Conſtantinopel be⸗ 1 Bſ Drei Menſ. Ahe eier l ruf ie Pepraanifoti TLe, e ee, eTr die nun faſt drei Menſchenalter hinter uns liegt, durchzumachen hatte, woh rufen, um die Reorganiſation und Leitung der dortigen Artillerie- und; r ArAe e S Sie i ſ e ,7 3 Srar 4 8. 8 Le 1„und ein vergebliches Bemühen ſei. Nachdem wir aber die Lieblingsſtücke unſerer Ingenieurſchule zu übernehmen. Bei Ausbruch des orientaliſchen Krieges Ingongzei S a ſ. 4 5 Feburtsfeſt“ 54; Nöffreehe ie ge 9 e 6 Jugendzeit, wie„Der Pudelmütze ſechsundzwanzigſtes Geburtsfeſt und erhielt ich den Auftrag, die Feſtungswerke am Bosporus und die auf dem Der Pudelmütze Tod und Hochzeit“ wieder laſen und uns das Herz wie⸗ Kriegsſchauplatz an der Donau belegenen zu armiren. Dies veranlaßte der deeie ſaoirtr an 3 Seßer klei Aunſtarkilder ac⸗ 1 3 aude b rn 3 e der lachte, ſo heiter, wie beim erſten Leſen dieſer kleinen Muſterbilder ge⸗ mich die vorhandenen Beſtände an alten Geſchützrohren zu durchſuchen; drndeſ Anr ſiſe. oßneng fr erhen f;. 5 1 ſcher K 1 ſundeſten Humors, müſſen wir uns des Unternehmens freuen, welches hierbei fand ich unter einem Haufen alter deutſcher Kanonen, die nach und ſolche Todte wieder in's Leben ruft. Eben deswegen können wir die von nach aus den früheren Genueſer Feſtungen zuſammengeſchleppt waren, ſo„ Helfer'ſ 8 Dr. r, tote Hor. wie auch aus Ungarn und Oeſterreich, darunter wahrhafte Kunſtwerke der der Helfer'ſchen Buchhandlung in Dresden veranſtaltete Herausgabe der 9 3 9, e er wahrhaſte Kunſ 8d„deutſchen Proſaiker des neunzehnten Jahrhunderts“ in einer„Haus⸗ bibliothek“ unſeren Leſern als eine gute und billige Vermehrung des
Ciſelirarbeit, auch ein eigenthümliches Rohr. Bei näherer Beſichtigung fand i 3 thaftigen Colt'ſchen R r j eſt D. 5 3 5
fand ich den leibhaftigen Colt'ſchen Revolver in Kanonengeſtalt. Das Familien Bücherſchatzes nur empfehlen. Die erſten Bändchen ſollen, außer Weisflog, van der Velde, E. T. A. Hoffmann und W. J. Waiblinger füllen.
Rohr hatte das Kaliber eines Zwölſpfünders, war etwa ſechs Fuß lang, und hatte hinten eine Trommel zu ſechs Schuß Die Trommel wurde wahrſcheinlich mit Hülfe einer Handſpeiche nach jedem Schuß gedreht. Da keine Laffette vorhanden war, ſo blieb auch unerſichtlich, ob ein beſonderer Dr. Giskra und das Stuttgarter Rumpfparlament. Um in dem Mechanismus für die Dxehung der Trommel vorhanden geweſen. So viel Artikel über Oeſterreichs dermaligen„Miniſter des Innern“, in dieſer ich mich erinnere, war die Jahreszahl 1690 darauf eingravirt, das Wappen Nummer unſeres Blattes, den Eindruck des Selbſtändigen und Runden war durch Sand und Unreinigkeit augenblicklich nicht zu entziffern. Wenn in Urtheil und Darſtellung, das Koliſch ſo gut gelungen, nicht durch An⸗ auch das Abfeuern der Schüſſe durch Zündlöcher erfolgte, wie bei allen merkungen oder Einſchiebſel zu beeinträchtigen, haben wir auch die Stelle Geſchützen, ſo bleibt doch das Princip des Colt'ſchen Revolvers unbeſtritten unverändert abdrucken laſſen, welche Giskra in den Verdacht bringt, aus vertreten. Mangel an der allzu nöthigen Entſchloſſenheit nicht mit den Männern Falls Jemand in Conſtantinopel die Sache weiter unterſuchen möchte, der Lnken nach Stuttgart ausgewandert zu ſein. Es verdient aber nun⸗ ſo hat er das Rohr auf dem Hofe von Top⸗hana(zu deutſch Kanonenhaus, mehr bekannter zu werden, als es zu ſein ſcheint, daß im ſelben Angen⸗ Artilleriewerkſtatt und Sitz der oberſten Artilleriebehörde) unmittelbar am blick, wo Giskra ſich der Stuttgarter Schaar anſchließen wollte, ein kaiſer⸗ Bosporus, neben der Moſchee zu ſuchen. Dort lagen einige dreißig der licher Verhaftungsbefehl gegen ihn erlaſſen wurde, daß ein Leipziger ſchwerſten Kaliber, Vierundzwanzig⸗ und Achtundvierzigpfünder, alle von Freund es war, welcher ihm noch durch rechtzeitige Warnung die Flucht deutſcher Arbeit, prachtvoll ciſelirt, und zwiſchen dieſen lag auch jenes Rohr. möglich machte, und daß Giskra dann mehrere Jahre im Auslande lebte, Es iſt leicht möglich, daß es heute noch auf derſelben Stelle liegt, wo es ehe er nach Oeſterreich zurückkehren konnte. 1
An alle Freunde der Gartenlaube.
Die Schweiz, die Zufluchtsſtätte der Verfolgten aller Nationen, durch Jahrhunderte europäiſcher Eredrigung der Stolz und letzte Troſt der Freiheitsfreunde, das Reiſeziel aller Verehrer großartiger Naturpracht, die Schweiz iſt in ihren lieblichſten und vom Strom der Waller beſuchteſten Thälern vom Schickſal furchtbarſter Zerſtörung heimgeſucht worden. Was iſt die verheerendſte Feuersbrunſt gegen eine Waſſersnoth, zu welcher die Schluchten der Hochgebirge das Bett und Gletſcher und Wolkenbrüche die Fluthen liefern, um mit den menſchlichen Wohnungen in den breiten Thälern Alles um ſie her, den Fruchtacker wie das Blumenbeet, die Maulbeerbaum wie die Rebenreihen, den Obſtgarten wie die Wieſenflur erbarmungslos zu umſtürmen, zu unterſpülen, umzuſtürzen und mit dem Geſtein und Geröll der Höhen zu bedecken! Eine Feuersbrunſt kann Häuſer und die Früchte der Felder und ſelbſt ganze Wälder verzehren, doch das Land, den Boden muß ſie dem Verarmten laſſen: in der Schweiz iſt Tauſenden mit Haus und Hof und Vieh und Frucht auch der Acker und die Wieſe genommen, tief unter der Schlamm und Sanddecke liegt ihr Hab und Gut; wer hilft ſolchen Armen, wenn nicht die Menſchenliebe in jedem Lande ihre Opferaltäre errichtet?
Wie reichlich auch der Himmel den Fleiß geſegnet hat, der in dem freien Lande ſeine Frucht ungeſchmälerter, als irgendwo, in die Hand des Arbeiters giebt, ſo iſt ſolch ungeheuren Verluſten gegenüber dennoch das Land zu klein, um allein allen Bedrängten Hülfe zu gewähren. Hier muß der Nachbar dem Nachbar beiſtehen, und mehr als alle Nachbarn der Schweizer müſſen wir Deutſche uns dazu verpflichtet fühlen. Warum? Das brauchen wir wenigſtens keinem Leſer der Gartenlaube auseinander zu ſetzen. Auf denn: Hier heißt es: raſche That! Die Redaction der Gartenlaube wird freudig die Liebesgaben für die Schweizer entgegennehmen, quitliren und an den Ort ihrer Beſtimmung befördern. Die Redaction.
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Wir beginnen die Sammlung mit: Prof. Bock 10 Thlr.; Mimi und Ella 2 Thlr.; Redaction der Gartenlaube 50 Thlr.; Dr. Albrecht 2 Thir.
Inhalt: Süden und Norden. Eine bairiſche Dorfgeſchichte von 1866. Von Herman Schmid.(Fortſetzung.)— Oeſterreichiſche Ber⸗
heiten. Von Sigmund Koliſch. 2. Der Miniſter des Innern. Mit Portrait.— Wunderliche Heilige. 1. Deutſche Wiedertäufer im Hinte — Ein Bauernhaus der rothen Erde und ein Schloß am Schwabenmeer. Mit Abbildung und Portrait.— Blätter und Blüthen: Ein Dem/ riecher in Aengſten.— Die Erfindung des Revolvers.— Inſtinct oder Vernunft.— Der alte Weisflog.— Dr. Giskra und das Stuttgarter⸗ parlament.— An alle Leſer und Freunde der Gartenlaube..
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Verantwortlicher Redacteu
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