Jahrgang 
41 (1868)
Seite
651
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das

und ziſcht und überſchlägt ſich in tollen Sprüngen.

dann binden wir ihn in ein Boot und bringen ihn an einen an⸗ deren Strand, denn er hat in unſene Rechte gegriffen.

Als wir in die Nähe des Dorfes kamen, bot ſich unſeren Blicken ein überaus anmuthiges Bild. Die Männer und Kinder, welche daſelbſt zurückgeblieben und bereits von der Ankunft des fremden Beſuches durch einen ſchnellfüßigen Knaben unterrichtet worden waren, ſtanden zu beiden Seiten des Wegeg in größeren

und kleineren Gruppen auf den Hügeln, welche den Vorder- und Mittelgrund zu der im Proſpect befind lichen Anhöhe bildeten, und auf der letzteren hielt die kleine hölzerne Dorfkirche, umſchattet von einer gewaltigen Eiche und rieſigen Tannen, ihr ſchiefes Thürmchen ſo naiv, ſo ſtill und ſo erquickend friedlich wie zur Begrüßung der Fremden empor. Zwar ſchimmerte ſie niiht⸗ wie Conradin Kreutzer's Capelle,ſo hell und ſo rein denn die ſcharfe Seeluft bräunt nicht nur die Wangen der Menſchen

aber auch ſie lud zum Beten ein; denn ihre kleine gaſtliche Pforte war es, durch die jetzt eine Menſchenmenge einſtrömte, ſo groß wie das ſtille Kirchlein wohl nie in ſeinen vier Wänden geſehen.

Wir hatten ſchon vorher von den Nunoern, die alle lutheriſchen Confeſſion angehören, erfahren, daß ſie bereits zwei Jahren ohne Paſtor oder ſonſtigen Seelſorger ſeien. Nach ihren eigenen⸗ Erzählungen und nach vorhandenen literariſchen Mittheilungen ſcheinen ſie von jeher oft mit ihren Paſtoren, die immer Schweden waren, Streitigkeiten gehabt zu haben. Schweden gelten den Runoern, obwohl das Schwediſche ihre Mutterſprache iſt, ebenſo gut als Fremde wie Deutſche oder Nuſſen, und ſcheint, als wenn ihr ſtark ausgeprägter Inſular Egoismus, der ſelten intimere B eziehungen zu einem Fremden und nie eine völlige Aufnahme eines Folchen in den großen Familienverband der Ein⸗ wohnerſchaft zuläßt, ſtärker ſelbſt als ihre unverkennbare Frömmig keit iſt. Nach der trockenen, aller Pietät baren Art, wie ſie über ihren letzten Paſtor ſprachen, ſcheinen ſie den Geiſtlichen als nichts mehr

der ſeit

es

Der Schuhplattltanz im

Das ideale Moment des Tanzes liegt in der ungebundenen Entwicklung ſchöner Formen, ja man könnte faſt ſagen, wie vom Staate, in der vernünftigen Freiheit. Darin, daſ jedes Paar wie ein zweiſpänniger Wagen durch den Saal gal oppirt, liegt beinahe kein Tanz mehr. Das iſt eine Hetzjagd, eine Spazier fahrt, bei der ſelbſt die unbewußte Aeſthetik, die wir in uns tragen, abgeworfen wird..

Von jeher waren die Gebirgsvölker im Tanze ausgezeichnet; aus ihrer eigenartigen Le ebensſphäre, aus charakteriſtiſchen Natur erſcheinungen ſind die Vorbilder für denſelben genommen. gilt auch vom weitberühmten Tanze des bairiſchen Hochlandes.

Es liegt eine ſtarke Sinnlichkeit darin, ſagt ein nor deutſcher Schriftſteller in ſeiner Schilderung; aber.dieſe Eunnlicten iſt eine ſchöne, wie ſich Goethe ausdrückt. Und wo ſie nicht bis in's Gebiet des Schönen reicht, da iſt ſie wenigſtens geſund, denn

Dies

ihr Boden iſt die Kraft und ihr Ziel die Grazie. Das Vorbild des Schuhplattltanzes(der nicht vonSchub⸗ lade kommt, wie einſt ein allerliebſtes Fräulein meinte) iſt dem

Jägerleben entnommen. Auerhahnfalz.

Wenn ſich das Frühjahr regt, Bergen liegt, wenn J Nägerbneſch⸗ kreſſt auf d die flatternde

Es ſtammt vom Spielhahn und von der

wo das Eis noch tief in den die erſte Dämmerung graut, dann ſchleicht der hinauf lautlos zwiſchen den kahlen Aeſten. Dort dem flachen Schnee der ſchwarze rieſige Auerhahn um Henne. Er ſpringt heran und flieht, er ſchnalzt Ich finde kein anderes Wort er tanzt.

Daß dies Gleichniß auch im Bewußtſein des Volkes zeigen am beſten ſeine Lieder.

lebt,

Wenn der Spielhahn d'Henna kleinweis zu ihm bringt, Wenn er grugelt, wenn er tanzt und ſpringt,

Und dann lern i's von dem Spielhahn droben halt, Was im Thal herunt die Diendln gffallt.

Unſere urheitere Illuſtration hat eine tr urige Bedeutung erlaugt da Künfilers geworden iſt.

Sommers in München geſtorben.

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Wie unſere Leſer bereits aus den Zeitungen wiſſen, iſt der aus Leipzig gebürtige

r.

denn einen fremden und als geſchäftlichen D betrachten und Thätigkeit des Geiſtlichen,fremden Mannes,

zu trennen. b dieſe kühle indifferente Haltung einzig und allein

durch ihren Aululnr Egoismus oder auch d durch unrichtiges eigen⸗

mächtiges oder gar amtswidriges Benehmen früherer Paſtoren

entſtanden iſt, dürfte ſich ſchwer feſtſtellen laſſen, obwohl letztere

Vermuthung durch die Mitt ttheilungen der Runoer und durch vor⸗

handene Notizen auch einige Wahrſcheinlichkeit erhält.

Von ihrem Verhalten gegen ihre Paſtoren wird folgender

angeſtellten Dollmetſcher

des

gewiß ebenſo charakteriſtiſche als komiſche Zug erzählt. Eine Anzahl höherer Officiere machte von Riga aus eine Luſtfahrt nach Nunoe. Da die Runoer Frauen, wahrſcheinlich in Folge früherer nicht eben angenehmer Erfahrungen, eine traditionelle Scheu vor militäriſchen Uniformen hegen, ſo bekamen die auf der Inſel zufolge mitgebrachter Gpeiſen und Getränke guter Dinge gewordenen Krieger zu ihrem Kridweſen nur lauter Runoer

masculini generis zu ſehen, während des Barten Geſchlechtes völlig ausgeſtorben ſchien. Auf die Frage der Officiere, ob denn keine jungen Frauen und Töchter vorhanden ſeien, in deren Geſellſchaft man ein luſtiges Stündchen verbringen

das Eiland an Mitgliedern

könne, antworteten die Runoer, daß ſo Etwas bei ihnen nicht Sitte, daß aber der Herr Paſtor ein Fremder ſei und deshalb wohl ſeiner Frau und Tochter die Erlaubniß dem Vergnügen

gewähren würde

Der Gottesdienſt wird jetzt, und zwar ſo lange bis man

ihnen, wie ſie erwarten, in Arensburg einen neuen ſchwed diſchen Paſtor beſorgt, von dem Cantor(Vorſinger geleitet, der nichts als ein einfacher Runoer Bauer iſt, der nur ein wenig beſſer

leſen und ſchreiben kann, als die Anderen.

(Schluß folgt.)

bairiſchen Gebirge.*

Denn die Diendln die ſan Ja grad nett, wie die oan, Wer nit tanzt und nit ſpringt,

Der bringt's ninderſcht zu koan. Und der Jägerburſch' nimmt ſich das gute Beiſpiel zu Herzen, wenn erim Thal herunt auf den Tanzplatz geht.

Beim Schuhplattltanz ſind die Rollen der beiden Geſchlechter ſtreng Neihellt und zwar in der Weiſe, wie ſie die Natur getheilt hat. Das eigentlich active Princip iſt der Mann; ihm ſteht die Leitung, ihm ſteht das Ergreifen zu. Das Mädchen hat die Rolle des Erwartens. Der Beginn iſ ſachte. Wenn die jubelnden Triller des Ländlers in die Höhe ſteigen, tanzen nüfiliche Paare einigemal mit großer Gelaſſenheit herum. Plötzlich aber verlaſſen die Burſche ihre Mädchen. Sie dürfen ſie nicht ſtehen laſſen, denn das wäre ſelbſt nach Bauerngalanterie eine Grobheit; ſie müſſen ihnen entſchlüpfen unbehindert, unverſehens. Leichtigkeit, mit der die Mädchen ſich unter dem erhobenen Arm d des Tänzers durchwinden, mit der die Paare ſich plötzlich löſen, macht diefen Moment ganz reizend. Dann kommen wilde, raſende Augenblicke. Während die Mädchen ſich ſittſam um die eigene Achſe drehen,

Die

ſpringen die Burſchen FÜhlings in die Mitte und bilden dort einen inneren Kreis. Die Muſik wird ſtärker. Sie beginnen zu ſtampfen und mit den br raunen Händen auf Sohlen und Schenkel zu ſchlagen. Ein ſchrilles Pfeifen tönt dazwiſchen. Man muß dieſe baumlangen Kerle, man muß dieſe zolldicken Nagelſchuhe geſehen haben, um zu ahnen, was das für ein Getöſe wird. Der Boden dröhnt und die Decke zittert, die Muſik wird ſtürmiſch

wie die Poſaunen von Jericho aber man hört ſie kaum mehr. Hören und Sehen vergeht einem ganz. Mitten im Gewühl ſchlägt einer ein Rad, als müßt' er den Kreuzſtock in Splitter ſchlagen; ein anderer ſpringt zu Boden, als ſollte Alles in der nächſten Secunde parterre lügen.

Allmählich wird die Muſik wieder mäßiger; die frechen Trom⸗

durch, daß ſie das letzte Werk des ſo hochbegabten und glücklichthätigen

Maler O. Roſtosky im Laufe dieſes D. Red.

der Sprache Gottes⸗ Didigenen der kirchlichen Angel egenheiten zu ihr eigenes religiöſes Gefühl von der pflichtgemäßen vollſtändig

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