Himmel ſehen,
Töchtern auch einen Sohn vaſchleßt Er lebte ſo ganz in ſeinem häuslichen Glück, daß er wohl ſagen konnte,„er gehe in ſeinen Arbeiten und ſeinem Hauſe ganz auf, es liege darin eine große
Glückſeligkeit, aber auch eine Mißlichkeit; denn in der Arbeit unterbreche ihn oft das Gefühl von Frau und Kindern, und mitten unter dieſen ſchwärme ihm auch wieder die Arbeit im Kopfe
herum.“ Dieſes Glück erhielt mit dem Tode Nathanael's ſeinen erſten und mächtigſten Schlag.
„ Schleiermacher's Snee war gewaltig, aber er bekämpfte ihn auch gewaltig; eine wunderbare Weisheit, eine mildlächelnde Wehmuih war über ſein ganzes Weſen gebreitet; ſo innig, ſo ſelig-traurig blickten ſeine Augen. Es wurde Jedem heilig zu Muthe, der in dieſen Tagen des Schmerzes Schleiermacher nahe kam.
Er geleitete ſeinen Sohn hinaus zur Nuheſtätte; eine großs Anzahl von Freunden Schleiermacher s ſeine übrigen Kinder, die Lehrer und Mitſchüler Nathanael’s waren im Trauerzuge.
Der Vater ſtand am Sarge ſeines einzigen Sohnes, ihm die Grabrede zu halten. Seine Lippen zuckten ſchmerzlich, aber energiſch legte ſie der nach Faſſung ringende Mann aufeinander, mit unendlicher Milde blickte er um ſich, lautloſe Stille entſtand, da rang ſich leiſe das erſte Wort von dem bekümmerten Herzen des Vaters und er begann jene einzige Rede, die in wunderbarer Miſchung den Chriſt, den Vater, den Seelſorger der verſammelten Gemeinde zeigt.
„Meine theuern Freunde, die Ihr hierher gekommen ſeid, um mit dem gebeugten Vater am Grabe des geliebten Kindes zu trauern! Ich weiß, Ihr ſeid nicht gekommen in der Meinung, ein Rohr zu ſehen, das vom Winde bewegt wird. Aber was Ihr findet, iſt doch nur ein alter Stamm, der ſoeben nicht bricht von dem einen Windſtoß, der ihn plötz lich aus heiterer Höhe getroffen hat. Manch' ſchwere Wolke iſt über das Leben gezogen, aber was von außen kam, hat der Glaube überwunden, was von innen kam, hat die Liebe wieder gut gemacht; nun aber hat dieſer eine Schlag, der erſte in ſeiner Art, das Leben in ſeinen Wurzeln er ſchüttert. Ach, Kinder ſind nicht nur theure, von Gott anvertraute Pfänder, für welche wir Rechenſchaft zu geben haben, nicht nur unerſchöpfliche Gegenſtände der Sorge und der Pflicht, der Liebe und des Gebetes, ſie ſind auch ein unmittelbarer Segen für das Haus; ſie geben leicht ebenſoviel, als ſie empfangen, ſie erfriſchen das Leben und erfreuen das Herz. Ein ſolcher Segen war nun auch dieſer Knabe für unſer Haus. Ja, wenn der Erlöſer ſagt, daß die Engel der Kleinen das Angeſicht ſeines Vaters im ſo erſchien uns in dieſem Kinde, als ſchaue ein die Freundlichkeit unſeres Gottes. Als Gott mir ihn gab, war mein erſtes Gebet, daß väterliche Liebe mich nie verleiten möge, mehr von dem Knaben zu halten, als recht ſei, und ich glaube, der Herr hat mir das gegeben. Als ich ihm den Namen gab, den er führte, wollte ich ihn durch den ſelben nicht nur als eine theure, willkommene Gottesgabe begrüßen, ſondern ich wollte dadurch zugleich den innigen Wunſch ausdrücken,
Engel aus ihm heraus,
Blä fter und Blüthen. In der Fremde. Dr. A. Diezmann's Bücherſammlung, welche unter anderen eine
O Thor, der Du in fremden Ländern anſehnl iche Goethe⸗ und Schiller⸗Bibliothel, mit Seltenheiten erſten Ranges, Geglaubt Dein Schickſal zu verändern, auch einige intereſſante Autographen enthält, kounnt durch das bekannte Daſſelbe bleibt es überall! Hartung'ſche Auctions Inſtitut in Leipzig vom 26. October au zur öffent⸗ 2 8 9. 5 lichen Verſteigerung. Außer einigen ſehr ſeltenen alten Ausgaben Goethe' Der Sturm, der in der Wogen Schwall ſcher Einzelwerke enthält der Katalog aus der Schiller Periode ein Unieum, Des Schiffes jäh Verderben zeugte, das für den Sammler von größtem Intereſſe ſein dürfte: die„Ankündigung Den Maſt zerſchmettert trieb zum Strand: der Horen“. Dieſes Blatt in Folio ließ Schiller ſelbſt drucken und ver Er war', der ſchon die Kichte beuake ſchickte es 1794 an ausgewählte Gelehrte, um dieſe zur Betheiligung durch
r war s, der ſchon die Fichte beugte, Beiträge einzuladen; den Titel der Zeitſchrift, das Honorar und die Adreſſe Da ſie im heim'ſchen Grund noch ſtand. hat er eigenhändig beigeſchrieben. Ferner werden noch manche Autographen Der Schmerz, den Du hinausgetragen, und Manuſcripte Goethe’s und Carl Maria'’s von Weber geboten. Wei* mei j 2 on ffſin 2—, dn d 5 Ser d E ae. in den Kreiſen unſerer Leſer Fteete Anſtſunden gefunden, von denen Wird bis zum Grabe mit Dir zieh'n. die meiſten das Richtige treffen und einige ſogar in poetiſchem Gewand er Geh mit Dir ſelbſt ſtreng in's Gericht, ſchienen ſind. Wir ſprechen für dieſe Freundlichkeit unſeren Dank aus, in⸗ Und wenn Dir's nicht gelingt, von innen, dem wir zugleich deninigen welchen es zum Knacken ſolcher Nüſſe an Zeit, Das Glück, die Ruhe urre Luſt und Glück mangelt, Auflöſung hier mittheilen. Von der Geſammt⸗ 1 Das Glück, die Ruhe zu gewinnen, zahl der enpundertamund dreißg Blumen des Beetes gehörten den Nelken Von außen kommt Dir Beides nicht. zehn, den Lilien einundvierzig, dem Tauſendſchön dreiunddreißig und den
F. Bodenſtedt Levkoyen ſiebenundvierzig Stück an.
daß er werden möge wie ſein bibliſcher Namensahn, ein Seer in der kein Falſch iſt, und auch das hat mir der Herr gg. ebe — Alle Hoffnungen, die auf n ruhten, liegen hier und ſolle eingeſenkt werden mit dieſem Sarge. Was ſoll ich ſagen?“ G giebt einen Troſt, den auch mir manch' freundlicher Mund in dieſen T Tagen zugerufen hat; es iſt nämlich der, daß Kinder, die jung hinweggenommen werden, doch allen Verſuchungen und Ge⸗ fahren entrückt und zeitig in den ſichern Hafen gerettet ſind. Dieſe Gefahren waren gewiß auch dem Knaben nicht ganz erſpart; aber doch will dieſer Troſt nicht recht bei mir haften, wie ich bin, wie ich dieſe Welt immer anſehe als die, welche durch das Leben des Erlöſers verherrlicht und durch die Wirkſamkeit ſeines Geiſtes zu immer unaufhaltſam weiterer Entwickelung alles Guten und Schönen geheiligt iſt.
Warum ſollte ich nicht auch für ihn ſelbſt auf die gute und gnädige Bewahrung Gottes hoffen? Auf andere Weiſe ſchöpfen viele Trauernde ihren Troſt aus einer Fülle reſzender Bilder, in denen ſie ſich die fortbeſtehende Gemeinſchaft der Boraugegaugenen und Zurückgebliebenen darſtellen, und je mehr dieſe die Seele füllen, um deſto mehr müſſen alle Schmerzen über den Tod geſtillt werden. Aber dem Manne, der zu ſehr an die Strenge und Schärfe des Gedankens gewöhnt iſt, laſſen dieſe Bilder tauſend unbeantwortete Fragen zurück und verlieren durch gar viel von ihrer tröſtenden Kraft. So ſtehe ich denn hier mit meinem Troſt und mit meiner Hoff nung allein auf dem beſcheidenen, aber doch ſo reichen Worte der Schrift:„Es iſt noch nicht„Aehen ae was wir ſein werden, wenn es aber erſcheinen; wird, werden wir ſehen, wie er iſt, und auf dem kräftigen Gebete des Herrn:„Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die ſein ſollen, die Du mir gegeben haſt. Auf dieſen ſtarken Glauben geſtützt und von kindlicher Liebe getragen, ſpreche ich denn von Herzen: Der Herr hat ihn gegeben, der Namie des Herrn ſei gelobt dafür, daß er ihn gegeben!—
Meine Gattin und ich, wir haben Beide dieſes Kind herzlich und rtlich geliebt, und doch zieht ſich durch unſere Erinnerungen an Leben mit dem geliebten Kinde hier und da ein leiſer⸗Ton⸗ des Vorwurfs hindurch, und ſo glaube ich denn, es geht vielleicht Keiner dahin, gegen den Diejenigen, die am meiſten mit ihm zu leben hatten, ſich, wenn ſie ſich vor Gott prüfen, vollkommen genügten, wäre auch das anvertraute Leben nur ſo lin Hemwejen wie dieſes; darum laßt uns doch uns Alle untereinander lieben als ſolche, die bald, und ach wie bald! können von hnander ge trennt werden! Nun Du, Gott, laß für mich und alle die Meinigen den gemeinſamen Schmerz ein Band womöglich noch innigerer Liebe werden. Gieb, daß auch dieſe ſchwere Stunde ein Segen werde für Alle, die da zugegen ſind, laß Alle immer mehr zu der Weisheit reifen, die, über das Nichtige hinwegſehend,
zar das
Uin allem Irdiſchen und Vergänglichen nur das Ewige ſieht und b liebt und in allen Deinen Rathſchlüſſen auch Deinen Frieden findet!“—
Inhalt: Süden und Norden. Eine baieriſche Dorſgeſchichte von 1866. Von Herman Schmid.(Fortſetzung.)— Ein Liebling der Berliner. Von Max Ring. Mit Abbildungen. Der letzte deutſe he Landaraf Ein Stillleben.— Eine kleine Republik in der Oſtſee. Reiſeſkizze von Friedrich Pilzer.— Der Schuhplattltanz im bairiſchen Gebirge. Von Carl Stieler. Mit Abbildung.— Erinnerungen an Friedrich Sehebiee macher.— Blätter und Blüthen: In der Fremde. Von F. Bod vutede— Dr. A. Diezmann'’s Bücherſammlung.— Das arithmetiſche Räthſel.
Berantwortlicher Redacteur Ernſt Ke 1 in Leipzig
.— Verlag von
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n Ernſt Keil in Leipzig.— Druck von Alexander Wiede in Leipzig.
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