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und die Burſche
der Auerhahn. während das der Hahn duckt er ſich vor Endlich
peten holen Athem— Piano— Paaniſſimo, kehren zurück zu ihren Mädchen. Jetzt kommt Schnalzend, pfeifend ſpringt Jeder der Seinen nach, Deand'l in ununterbrochenen Kreiſen ihm entflieht. die Flügel, hat er die Arme ausgeſpannt; bald ihr zur Erde, bald ſpringt er ſie in wildem Bogen an. hat er doch das Diend'l„g'fangt“
Abenteuerliche Verwickelungen und Formen kommen und im Schnaderhüpfl heißt es:
d. Wie
dabei zu T
59 ge,
Die richtigen⸗ Diend'ln Dös ſan halt die kloau,
Die wickeln ſich gar a ſo Umi um oan.
Wenn der Tanz zu Ende iſt, dann führt der Burch ſein Mädchen zum ſteinernen Kruge und läßt ſie trinken. Dieſer Trunk iſt ebonſo vobligat, als das ſtumme Compliment, womit der be⸗ frackte Tänzer ſeiner Dame dankt. Er wird niemals abgewieſen, und keine ttſebtr Mama ſtürzt herbei und ruft:„Kind, um Gotteswillen, Du biſt echauffirt!“
Drinnen beim ſteinernen Krug im Nebenzimmer ſitzen auch die Alten und disputiren, dieweil die Jugend außen tobt. Hier wird geplant für die Zukunft und geſchimpft auf die Gegenwart — köſtliche Genrebilder, für den, der ſie malen könnte! Auch das Orcheſter zeigt drollige Figuren, wenn's einmal tiefer in die Nacht geht. Da fallen dem müden Spielmann die Augen zu, und wenn er Nerven hätte„wie die Groſchenſtricke“. Immer tiefer, immer zärtlicher ſinkt ſein Haupt auf die Baßgeige herunter, in deren Saiten er verzweifelt wühlt. Den Horniſten muß man zu jedem Tanz erſt wecken, und ſelbſt dann greift er gewöhnlich in der Eile nach dem Maßkrug ſtatt nach dem Inſtrument. Nur die Burſche und Diend'ln„laſſen nicht leich aus“, bis der Morgen graut.„Das iſt ein guter naidegele heißt es beinah von Jedem, „wenn er ſechs Nächt' nit ſchlaft, treibt er's die ſiebente noch ärger.“
Die herrſchende Tanzweiſe im Gebirge iſt der Ländler, nur wenn an Kirchweihtagen die Handwerksgeſell en des Ortes auf den Tanzplatz kommen, beſtellen ſie ſich einen Walzer. Sind vollends ein paar Miſtſchaufler aus irgend einem Perrſchaftlichen Stalle da, ſo kommt es wohl gar im Einverſtändniß mit den mitſprechen⸗ den Köchinnen und Kammerkatzen zur Polka. Dieſes Proletariat, das ſeine frechen Manieren mit hulbelchanten Kleidern deckt, ver⸗ unglimpft auch die Tanzböden, ſeit der Fremdenzug ſo viele vor⸗ nehme Herren in's Gebirge führt, und iſt der Echtheit bäuerlichen Weſens mannigfach gefährlich.
Trotzdem bleibt der Tanzplatz noch immer ein ſehr exeluſiver Ort, wo die Lynchjuſtiz mehr Anſehen hat, als die Polizei. Auch das Tanzen iſt nicht frei gageben, ſondern von den Auweſenden thun ſich je acht bis zehn zuſammen und bilden eine ſogenannte „Schaar“. Solcher Schaaren, in welchen lauter gute Freunde oder Gemeindegenoſſen beiſammen ſind, giebt es etwa ſechs bis ſieben und für dieſe wird der Reihe nach aufgeſpielt. Jeder Tanz koſtet einen Gulden, der durch Umlagen im Innern der Genoſſen⸗ ſchaft gedeckt wird. In dieſer Weiſe bethätigt ſich ſelbſt beim Vergnügen der Genoſſenſchaftstrieb, der ſo tief in allen Verhält⸗ niſſen deutſchen Rechtes und deutſcher Cultur begründet iſt.
Es iſt auffallend, wie ablehnend ſich auch die Mädchen gegen Fremde verhalten. Sie tanzen nicht gern mit einem„Herriſchen“,
denn größer, als die Ehre iſt, wäre für ſie die Schande, wenn dieſer mit den ungewohnten Formen nicht zurecht käme. Auch
kommt ein Mädchen bei Burſchen ihres Gleichen leicht in Miß⸗ credit, falls es ſich einem Städter hold erzeigen wollte, weil man nach landesüblichen Begriffen gleich einen Schluß vom Wenigen auf Mehreres ziehen würde. In Galanterieſachen aber gilt noch heut der Grundſatz des Alterthums, daß der Fremde rechtlos iſt.
Koketterie und Eiferſucht, Eitelkeit und Rivalität giebt es auch auf dem Tanzplatz in den Bergen. Sie ſind allenthalben, wo Menſchen ſind, ſie bilden die Kehrſeite der Oeffentlichkeit, der Geſelligkeit. Dennoch hat hier die Geſelligkeit ein von der ſtädti⸗ ſchen verſchiedenes Gepräge, ſowohl was die Miſchung der Ele⸗ mente anlangt, als den Zweck. Vor Allem iſt es bemerkenswerth, daß die Mädchen nicht von ihren Müttern begleitet werden. Dieſe erſcheinen(außer bei Hochzeiten) niemals auf dem Tanzplatz, und vergeblich wird der Fremde jene würdigen Frauen ſuchen, denen er bisweilen im Salon begegnete. Ich meine jene Frauen, die ſtets durch die Lorgnette in die Zukunft ihrer Töchter blicken und mit
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eigenen Händen Propaganda für die Hand derſelben machen. Es fehlt auf dem Lande die Abſichtlichkeit, die das geſellige Zuſammen⸗ ſein der großen Welt vergiftet. Im Charakter des Gebirgsvolkes überwiegt der Hang zu freier, ungebundener Bewegung bei weitem den Speculationstrieb; auch die Erziehung folgt dieſem Zuge. Sobald es geht, wandeln Söhne und Töchter ihren eigenen Weg, der Bua hat ſein Madel und das Madel hat ſeinen Buben, und erſt wenn die Thatſachen allzu lebendig ſprechen, giebt es Confliete. Inzwiſchen ſagen ſich Vater und Mutter, daß ſie's auch nicht an⸗ ders gemacht haben. Da iſt es kein Wunder, wenn die Mädchen ganz allein auf den Tanzplatz komnien und wenn dort ein friſcher,
verwegener Ton regiert; aber ſelten gebricht es dieſem Tone an Witz.
* Beim Tanze liegt der Uebermuth faſt in der Luft, Niemand iſt vor ſeinem Ausbruch ſicher, und am wenigſten, wie ſich's von ſelbſt verſteht, die Fremden. Noch heute muß ich an eine Secene
denken, deren Augenzeuge ich vor Jahren in Egern war. Es be⸗ fanden ſich daſelbſt ein paar alte, dicke Damen von Adel, die mit bornirter Geſchwätzigkeit ſich über den Tanz moquirten. Plötzlich
ging ein Holzknecht auf eine dieſer verjährten Grazien los und forderte ſie ſcherzhaft zum Tanze auf. Die Altegwar ſprachlos vor Entrüſtung. Jener aber, an Körbe nicht gewöhnt, faßte ſie ruhig um die Hüfte und im nächſten Augenblicke„drehten ſich die Beiden im raſenden Gewühle. Es ſah aus, als hätte ein Mühl rad die Daind erfaßt, ſo blitzſchnell, ſo unniderſiehlich war dieſe Rotation. Die ſeidene Mantille, die Bänder des würdigen Hutes flogen, es gab kein Entrinnen und keine Hülfe. Der Alten ſtan⸗ den vor Wuth die Thränen in den Augen, aber ſie tanzte, ſie mußte tanzen, denn wer ſtehen bliebe, würde zertreten. Wohl ſchien es, als ſei ihr letztes Stündlein gekommen, und ſchier wäre das Schnaderhüpfel für ſie zur Wahrheit geworden, das da lautet: Wenn ich amal ſtirb, ſtirb, ſtirb, Spielt's mir an Landler auf, Na tanzt mei Seel, Seel, Seel, Pfeilgrad in Himmel'nauf! „Non,— je— meurs,“ flüſterte ſie dem Holzknecht zu; der aber ſprach: „No mehr? wird.“ Bedenklicher, als ſolche Scherze, ſind die Balgereien, die nicht ſelten einen Tanz begleiten und wie der trojaniſche Krieg allezeit vom Weibe ausgehen. Auch hier habe ich eigenhändige Erfahrungen geſammelt, und es muß im Widerſpruchsgeiſte des Menſchen liegen, daß er eine beſondere Anhänglichkeit für jene Thüren bewahrt, wo er einmal hinausgeworfen wurde. Der Balcon von St. Quirrin bleibt mir in dieſer Beziehung ewig d denkwürdig. Da bildeten ſich auf einmal während des Tanzes zwei Parteien, ich weiß nicht mehr, auf welche ich durch das Geſetz der Schwere geſchoben ward. Erſt flogen die Hiebe, dann flog der Kreuzſtock⸗ und durch dieſen wurden etwa zwei Dutzend Perſonen auf den Balcon hinausgedrückt. Dann flogen wir ſelber, denn nach weni⸗
Mir iſt's ſchon recht, wenn's Dir nit damiſch
gen Secunden ſtürzte der Altan mit dem ganzen„ſchätzbaren W. 5—. 5—7.. Material“ zu Boden.„Herrgott,“ dacht' ich im Fliegen,„mir
thun nur die Geſandten leid, die Anno 1618 in Prag zum Fenſter hinausgeworfen wurden; jetzt weiß ich erſt, wie ungemüthl lich dieſes iſt.“ Im Ganzen bin ich ebenſo gut entronnen, wie die Geſand⸗ ten, nur ein paar blaue Flecke hab ich noch lange; zur Erinnerung an das Ereigniß bewahrt. Man findet Rsweilen ſolche Vergiß⸗ meinnicht in den Bergen.
Nach ſtädtiſchen Begriffen reicht die Galanterie eines Tänzers nur bis an die Schwelle des Saales. Bis dorthin geleitet er, wenn der Ball zu Ende iſt, ſein echauffirtes Schätzchen, dann macht er ein ſchmerzliches Compliment und geht. Der Jean aber holt einen Fiaker und in mütterlicher Obhut fährt das Fräulein nach Hauſe.
Im Gebirge führt der Burſch ſein Mädel heim; es iſt dies Recht und Pflicht für ihn. Zwiſchen Feldern und Wäldern zieht der Weg in's Thal hinein, wo die einſamen Häuſer am Fuße Berge lehnen. Ueber den Bergen aber iſt der Mond emp ſtiegen und glitzert auf den Wellen. Es iſt ſo ſtille. Nux Bäume regen ſich leiſe. Nur der halblaute Schritt hallt dene die Nacht. Langſam gehen die Beiden dahin, wer könnte ſch gehen in ſolcher Stunde? Schulter iſt an Schulter gelehnt und


