Jahrgang 
40 (1868)
Seite
634
Einzelbild herunterladen

,

Händler machen alllährlich in den verſchiedenen europäiſchen Handelsſtädten ein gewinnbringendes Geſchäft namentlich mit den Paradiesäpfeln. Auch beim feſtlichen Gottesdienſte in der Synagoge wird der Strauß benutzt, er wird in Proceſſionen umher⸗ getragen und der Vorbeter ſchüttelt und wendet ihn beim Ab⸗ ſingen verſchiedener Pſalmen in eigenthümlichen Schwingungen nach den verſchiedenen Weltgegenden. Eine Erklärung haben ver⸗ ſchiedene Rabbiner verſucht und unter Anderem wegen der Zuſammen⸗ ſtellung ſo verſchiedenartiger Producte ein Symbol der Eintracht und Verträglichkeit oder der Gleichheit vor Gott darin geſehen. Unſerer Auffaſſung und dem ziemlich klaren Wortlaute der bibliſchen Vorſchrift nach, hat die Anordnung keinen anderen Zweck gehabt, als eine Verherrlichung des heiteren Feſtes durch grünen Schmuck..

Fragen wir nun nach der Bedeutung, welche ein ſolches Feſt noch im Bewußtſein der heutigen jüdiſchen Religionsgenoſſen hat, ſo glauben wir nicht mit Unrecht behauptet zu haben, daß es

632

noch nicht allen harmloſen Glanz und Schimmer ſeiner früheren

Poeſie verloren hat. Es wird noch geſeiert als ein großes Ernte⸗ dankfeſt und zugleich als das Schlußfeſt des ſommerlichen Feſt⸗ eyelus. Denn die fünf Hauptfeſte der Juden fallen ſämmtlich in

den Sommer und vom Laubhiüttenfeſte, das ſeinen Schmuck ſchon den Blumen des Spätherbſtes entnimmt, bis zum Paſſah⸗ oder Oſterfeſt, auf deſſen in der Gartenlaube bereits früher geſchilder⸗ ten Seder⸗Tiſch ſchon die erſten grünen Kräuter des Frühlings erſcheinen, giebt es während des ganzen Winters im Judenthum keinen eigentlichen Feiertag. Das Feſt der Laubhütten beſchließt alſo eine ſchöne, erhebungsvolle Zeit und ſteht zugleich mit ſeinen ſchon kurzen Tagen und langen Nächten dicht an der Pforte der düſteren und unheimlichen Tage; es verbindet ſich alſo mit aller der Bangigkeit und den ernſten Stimmungen, von denen die Seele der Menſchen beim Herannahen des Winters ergriffen zu werden pflegt. Darum iſt es nicht blos ein heiteres, ſondern auch ein wehmuthvolles Feſt und darum wird namentlich ſein aller⸗ letzter Tag mit ganz beſonderer Feierlichkeit begangen. Er heißt der Tag der Geſetzesfreude und wird in den Synagogen durch proceſſionsartiges Umhertragen der in der heiligen Lade befind⸗ lichen Thorahrollen(fünf Bücher Moſes), in den Häuſern durch Jubel und Tanz, durch fröhliche Mahlzeiten und ausgelaſſene Luſtigkeit gefeiert. Auch ein Feſt der Kinder iſt dieſer Tag. Mit bunten Fähnchen, auf denen brennende Lichter ſtecken, erſcheinen ſie in der Synagoge und ſchreiten dem Umzuge voran.

A. Fr.

Drei Dieſe bangen, dieſe ſüßen Zauberhaften Töne müſſen In das Land der Schatten dringen Und die Todten wiederbringen. Lenau.

Ein Zauber ohne Gleichen ſtrömt von den Compoſitionen Chopin's aus. Wer jemals geliebt und gelitten, erliegt ihm ohne Rettung. Der Pulsſchlag jener echten großen Leidenſchaft, die ſo⸗ ſelten geworden in der Welt, durchzuckt ſie mit hinreißender Gewalt. Wir empfinden mit einem Schauer des Entzückens, wie nur das Herz, ein großes, glühendes Herz der Boden ſein konnte für dieſe wilden und ſchönen Blüthen der Chopin'ſchen Muſe, und fühlen uns immer von Neuem verſucht, eben deshalb ihrem erſten Keimen und Knospen nachzuforſchen. 8

Wo tauchten ſie denn zuerſt auf, jene Mazurken, Walzer und Polonaiſen mit ihren ſeltſamen bezaubernden Harmonien und Diſſonanzen, und der Luſt und dem Leid ihrer Accorde?

Die Ariſtokratie Warſchaus hatte an einem ſchönen Novem⸗ bertag des Jahres 1825 eine Schlittenfahrt veranſtaltet zu Ehren eines hohen und ſeltenen Gaſtes, des Fürſten Anton Radziwilll, der auf der Reiſe nach Nieborow, ſeinem Schloſſe, einige Tage in der alten Warszawa Raſt hielt. Im Schloſſe ſelbſt war die Dienerſchaft des Grafen bereits am Morgen eingetroffen und Alles war zum Empfange der Gäſte bereit, als die Schlitten in der Dämmerung in dem Schloßhofe anlangten. Als die Nacht hereinbrach und man ſich in dem Speiſeſaal des Schloſſes ver⸗ ſammelte, da hätte wohl Niemand in jenen Duftgeſtalten, aus Flor und Spitzen gewebt, jene pelzumhüllten Schlittenerſcheinungen wiedererkannt, die kleinen Zofen hatten, trotz aller Verſäumniſſe, ihre Schuldigkeit gethan, eine Schaar Feen ſchien auf die arme Erde herabgeſchwebt zu ſein.

Die Gräfin Potocka in roſa Atlas, eine reizende junge Frau, machte die Honneurs mit bezaubernder Grazie, und der Fürſt Radziwill ſaß neben ihr und der ſchönen Fürſtin Czartoriska, deren herrliche Geſtalt und üppiges Haar an die Frauen des Giorgione erinnerte. Die Stimmung der vornehmen Geſellſchaft war eine ungezwungen heitere, und mit ſichtlichem Intereſſe flogen die Blicke des hohen Gaſtes über dieſe glänzende Verſammlung hin.

Es war bereits gegen das Ende des Soupers, als die Gräfin ſich zur Fürſtin wandte mit der Frage:Wo iſt unſer Fréderie Chopin? Ich ſehe nur Ihren Sohn drüben im Speiſe⸗ zimmer der Jugend, nicht aber ſeinen Freund.

Die Fürſtin neigte langſam das ſchöne Haupt und ant⸗ wortete:Wie können Sie denken, mon aimable amie, daß Chopin ſich der Tafelſtunde erinnern ſollte in dem Schloſſe, wo Sobiesty ſtarb! War er doch bei dem Gedanken, dieſe ge⸗ weihte Stätte betreten zu dürfen, wie im Fieber. Gleich nach

a lons.

dem Ausſteigen lief er auf die Terraſſe, wo der Held auf⸗ und niederzuwandeln pflegte. Ich ſah ihn ſeitdem nicht wieder!

Dann iſt Ihr Schützling auf meinen Wegen gewandelt, ſagte Fürſt Radziwill,denn auch ich hätte faſt die Tafelſtunde vergeſſen, auch ich feierte das Andenken des großen Mannes, und es war im Ahnenſaal, als die zierliche Geſtalt eines Knaben an mir vorüberſtreifte. Wer iſt der Glückliche, der ſich der Huld der ſchönſten Frauen Polens erfreut?

Ein Muſikgenie, ein Kind von fünfzehn Jahren aus Zelazowa

Wola, der Spielgefährte und Studiengenoſſe meines Sohnes Borris, der mit zärtlicher Liebe an ihm hängt, antwortete die Fürſtin.Sein Herz für ſein Vaterland und ſeine Freunde entzückt mich nicht minder als ſein Talent. Ich hoffe

Ein Ausruf des Fürſten unterbrach ſie.Verzeihen Sie, ich wollte Sie nicht erſchrecken, aber ich bin plötzlich ſelber faſſungs⸗ los. In dieſem Augenblick bemerke ich, daß mich ein Unfall betroffen: ich verlor ein theueres Kleinod. Sehen Sie hier dieſe Kette. Sie trug eine Kapſel mit dem Bilde meines Kindes. Und heute iſt Eliſabeth's Namenstag!

Man ſuchte und ertheilte Befehle an die Dienerſchaft, die Tafel wurde aufgehoben, der Fürſt zog ſich bleich und aufgeregt iu ſeine Zimmer zurück das Feſt ſchien zerſtört. Wohl eine Stunde verging, die Geſellſchaft fand ſich in dem Muſikſaal wieder zuſammen; von Zeit zu Zeit trat einer der Diener an den Grafen oder die Gräfin heran, um zu melden, daß alle Nachforſchungen vergebens.

Die Hauptperſon des Feſtes fehlte, man ſtand in rathloſen oder leiſe flüſternden Gruppen beieinander und eine bange Be⸗ ſorgniß wehte wie ein kalter Lufthauch durch die prächtigen Räume. Durfte man ſich unter dieſen Verhältniſſen der gehofften Freude des Tanzes hingeben, ohne die Rückſicht auf den vornehmſten Gaſt zu verletzen? Und ohne Tanz war doch kein Feſt denkbar. Wie viele Herzen hatten ſchon in der ſichern Erwartung auf einen improviſirten Ball höher geſchlagen! Welche Pläne und Hoff⸗ nungen, welche Fülle von Freuden wurden durch dieſen kleinen grauſamen Zufall zerſtört!

Da wurde plötzlich die Thür des Saales aufgeriſſen und ein Knabe von etwa fünfzehn Jahren erſchien auf der Schwelle. Hoch und ſchlank aufgeſchoſſen, in einfach dunkler polniſcher Tracht, frappirte ſein Kopf in dieſem Moment durch eine ungewöhnliche Schönheit. Das zarte, feingeſchnittene Geſicht glühte, die großen Augen leuchteten.Ich habe das Bild auf der Terraſſe Sobiesky's gefunden! rief er mit dem Ausdruck des Triumphs und eilte auf die Gräfin zu,o ſeht nur her! Er hielt ihr eine goldene Kapſel entgegen, deren Deckel aufgeſprungen war. Ein Mädchen⸗ kopf, der Kopf eines bezaubernden Kindes wurde ſichtbar.Saht

Ihr je etwas Lieblicheres? fragte er aufgeregt.Es iſt ein Engel!

* 8

2

4

4

3Welo

aal ſin Kleino fadig ert

Aber

an Worter Aliſe lbe der. ,3 s ihm ſt nndergeſic ſinner Sc längſt au anzen un Ei Lieber C Augen.

1 4 Ein

Ad. vwoiſen ſe irbelten

wöllten V Aüiſtotra and and ſerühen eigenes

in Flam lſchen

u-

Mazur und die der pra u Her