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Iluuſtrirtes Familienblatt.— Herausgeber Ernſt Keil.
Wöchentlich 1 ½ bis 2 Bogen. Vierteljährlich 15 Ngr.— In Heften à 5 Ngr.
NMicht zu überſehen
Den neuen Abonnenten der Wochenausgabe unſers Blattes, die erſt mit dem 1. October zugetreten ſind, machen wir die Anzeige, daß die drei Nummern, welche die erſten Abſchnitte der mit ſo großem Beifall aufgenommenen Erzählung von Herman Schmid„Süden und Norden“ enthalten, durch jedes Poſtamt und jede Buchhandlung zu dem Preiſe von 5 Ngr. zu beziehen ſind. 8
Die Verlagshandlung. 4
4 — 4 8 Ein Piſtolenſchuß. Aus den Erinnerungen eines ruſſiſchen Officiers. Das Garniſonsleben einer ruſſiſchen Provincialſtadt, die die Wände ſeiner Zimmer ſahen von den Spuren der Kugeln,. 5 nicht einmal ein Theater, nicht einmal ein ſchlechtes, aufzuweiſen die darin eingeſchlagen, wie das Innere eines Bienenſtockes aus. vermag, iſt, das dürfen Sie mir auf's Wort glauben, ein höchſt— Eine reiche Sammlung ſchöner, werthvoller Piſtolen bildete einförmiges, ſchaales: Morgens Exereiren, zwei Stunden Reit⸗ den einzigen Schmuck dieſer Gemächer, ſeine Sicherheit im Schießen bahn, Mittags ein frugales Diner beim Regimentschef, oder war ſo groß, daß ſich Jeder von uns ohne alles Bedenken hätte 4 gar bei einem elenden Reſtaurant, Abends endlich die Bowle einen Apfel vom Epaulette ſchießen laſſen.— So oft wir unter 8 und die Karten, voilà tout! Auch nicht eine einzige Familie uns von Duellen ſprachen, nie miſchte Sylvio— ſo hieß er— 3 gab's da, die uns ihren gaſtfreien Schooß geöffnet hätte! Wir ſich in's Geſpräch, und fragte ihn Jemand, ob auch er ſich ſchon 3 bekneipten— geſtatten Sie mir gütig dieſen etwas burſchikoſen geſchlagen, ſo bejahte er kurz, ohne ſich auf Weiteres einzulaſſen— Terminus— uns gegenſeitig, und ſahen von Gottes ſchöner man merkte es ihm an, die Frage war ihm läſtig; wir waren— Welt nichts weiter, als unſere grüne Uniform. alle darum der Meinung, ſein Gewiſſen peinige ihn vielleicht,
Ein einziges Weſen, das nicht zum Militär gehörte, ſchenkte daß er einſt ſeiner Fertigkeit ein blutiges Opfer gebracht habe. uns ſeine Geſellſchaft: ein Mann von etwa vierzig Jahren. Seine In keinem Falle häkte ihn einer von uns für feig gehalten, wie Erfahrung in mancherlei Dingen hatte ihm unter uns eine ge⸗ es denn Leute gieht, deren Ausſehen überhaupt ſolchen Verdacht
. wiſſe Autorität verſchafft, ſeine ſcharfe Zunge aber, ſein herbes gar nicht aufkomfien läßt. Aus dieſem Grunde ſetzte uns ein 3 Weſen übten auf die jungen Leute nicht eben vortheilhaften Ein⸗ Vorfall in nicht geringe Verwunderung. 3 fluß. Es umgab ihn ein gewiſſes Dunkel: er ſah aus wie ein Eines Abends nämlich ſpeiſten wir, unſer Zehn etwa, bei echter Ruſſe und trug doch ausländiſchen Namen; er hatte, wie Sylvio zu Nacht, es wurde wie gewöhnlich ſcharf getrunken, und
er ſagte, auch in der Armee gedient, weshalb er aber ſo zeitig nach Tiſch erſuchte man unſeren Wirth Bank zu legen. Er
ſchon den Dienſt quittirte und ſich in ein ſo traurig Neſt, wie lehnte es anfangs höflich ab, doch gab er den Bittenfſeiner Gäſte Wologda es iſt, zurückgezogen, wo er ein ebenſo koſtſpieliges, als nach, und warf fünfzig Ducaten auf den Tiſch, wir ſetzten uns langweiliges Leben zu führen genöthigt war, das ſagte er nicht. im Kreiſe und das Spiel begann. Wie ſtets verharrte er auch Das Wetter mochte ſein, wie es wollte, ſtets ging er zu Fuß, heute beim Spiel in tiefem Schweigen, als ein äußerſt nobler gehüllt in einen abgetragenen ſchwarzen Paletot. Uns Officieren Spieler ſtritt er niemals, ließ ſich aber auch nie auf eine Er⸗
hielt er offene Tafel— freilich gab's nicht mehr, als zwei bis klärung ein; hatte er ſich einmal zum Nachtheil eines Pointeurs 1¹ drei Schüſſeln, die ſein Leibdiener und Factotum mit ſehr be⸗ geirrt, ſo zahlte er ihm ohne Weigern aus, was jenem zukam; ſein 1 ſcheidener Kunſt bereitet, dafür gab's aber zur Entſchädigung ſeiner Guthaben an die Spieler notirte er mit Kreide auf den Tiſch— Gäſte Burgunder oder Champagner ſtets in Ueberfluß.— Niemand das war uns Allen längſt bekannt. Heute aber war ein junger kannte ſeine Vermögensverhältniſſe, ſeine ſonſtigen Hülfsquellen, Officier in der Geſellſchaft, der, vor Kurzem erſt zum Regiment - es getraute ſich auch Keiner ihn darum zu befragen, das ließ ſein gekommen, Sylvio und deſſen Manieren noch nicht kannte. Der 2 kurzes Weſen gar nicht zu. Seine Bibliothek beſtand größtentheils Neuling ſpielte zerſtreut, er bog ein Paroli, verlor es— Sylvio 4 aus militäriſchen Werken, auch einigen Romanen Gogol's und ergriff ſeine Kreide, und notirte es auf den Tiſch. Der Lieutenant e Turgenjeff's, die er bereitwillig auslieh ohne ſie jemals zurückzu- ſtutzte, bat ihn um Erklärung, doch, wie Bewdhulich taillirte 4 fordern, ebenſo gab er ſelbſt auch niemals ein geliehenes Buch zurück. Sylvio ruhig fort; der Lieutenant wiſchte nun die Notiz vom 6
Seine einzige Beſchäftigung beſtand in Piſtolenſchießen, und Tiſche ab. Mit größter Ruhe erneuerte ſie jener.
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