Jahrgang 
8 (1865)
Seite
122
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ie Koſt ſah dergeſtalt, daß bald offenbare Hungers⸗ noth eintrat. Das ge lieferte Brod war nicht mehr zu genießen, voller Hülſen und Kolben, die Rinde hart wie Eiſen; die Erbſen, die von Zeit zu Zeit an die Reihe kamen, ſaßen voller Würmer und Larven, die in dicken Schaaren auf der Suppe ſchwammen, welche man daraus zu kochen verſuchte Wer nicht Freunde und Angehörige im Norden hatte, die ihn dann und wann mit Lebens⸗ mitteln verſorgten, fiel bald d Tag und Nacht den furchtbaren Qualen anheim, von denen der Hunger begleitet iſt, um unter peinigen⸗ den Phantaſien und Delirien langſam dahin zu ſiechen.Das Feuer, das mir in Magen und Eingeweiden brannte, war ent⸗ ſetzlich, erzählte ein Hauptmann, als man ihn zum Zeugniß aufrief.Von Stunde zu Stunde ſchwanden meine Kräfte mehr und mehr und ich wurde ſo ſchwach in meinen Gedanken, daß ich mich mit den bitterſten Selbſtanklagen marterte, nicht mehr ge⸗ geſſen zu haben, als ich frei und daheim war. Eſſen, eſſen, eſſen

an Anderes dachte ich nicht mehr. Einer meiner Mitgefangenen hatte von Freunden in der Heimath ein Stückchen Schinken empfangen. Stundenlang ſtarrte ich mit fieberheißen Wangen und gierigen Augen auf dieſen Schatz und ſann und ſann, wie ich ihn meinem Cameraden entwenden könnte.Ich träumte von Nichts als von Eſſen und Trinken, deponirte ein Anderer.Gedeckte Tiſche mit allen Leckerbiſſen beſetzt, die ich mir erdenken konnte, gaukelten beſtänd dig vor meiner wirren Phantaſie alle Tafel⸗ freuden, die i i Fenoſſen⸗ zogen an meiner Erinnerung variſer und ſteigerten die Pein, die ich litt.

Die Noth lnde furchtbar; Hunderte delirirten im Hunger⸗ wahnſinn, Hunderte wanden ſich unter dieſer grauſamſten aller Torturen; Alle hatten jenen traurigen herzergreifenden Blick im Auge, der ſich nicht beſchreiben läßt, aber nicht wieder vergißt. Und zur ſelben Zeit lagen die Keller unter dem Gefängniß voll von Lebensmitteln, voller Kartoffeln, voll des ſchönſten Mehls, voller Gemüſe, wie man eines Tags beim Aufheben einer Diele entde Klel!

Das Alles war indeſſen noch nicht genug der Barbarei, das Raffinement der Grauſamkeit ging noch weiter. Bisher waren die Gaben, die mit Eßwaaren und Genußmitteln gefüllten Kiſten und Fäſſer, die für die Gefangenen aus der Heimath einliefen, regel⸗ mäßig an die Empfänger vertheilt worden, mit einem Male fand man ohne allen Grund für gut, dieſe Vertheilung zu ſiſtiren. So ſtapelten ſich jene Kiſten und Fäſſer zu mehreren Tauſenden in einer angrenzenden Niederlage auf und ihr Inhalt verdarb und verfaulte. Man kann ſich die Tan talusqualen der Hungernden vorſtellen, die Tag für Tag dieſe Gegenſtände ihres heißeſten Ver⸗ langens vor Augen hatten und nicht erreichen konnten! Und wenn es dann dem Inſpector beliebte, etwa fünf oder ſechs von den Tauſenden von Kiſten auszuliefern was höchſtens einmal in der Woche geſchah ſo verfuhr er dabei in einer Weiſe, welche nur zu einer neuen Grauſamkeit wurde. Womit die trauernde Gattin, die bange Mutter den fernen Gefangenen zu erfreuen gedacht, was ſie ſorglichſt geſondert und beſtens verpackt und verwahrt hatte⸗ in buntem Gemiſch wurde es auf die Decke geſchüttet, welche der Empfänger aufhalten mußte, Fleiſch, eingemachte Früchte, Tabak, Gemüſe, condenſirte Milch, gepökeltes Fleiſch, Alles durcheinander, ſo daß das Ganze eine ekelhafte Miſchung bildete und kaum dem Ausgehungerten noch genießbar blieb. 3

Die kleinſten Vergehen, die leiſeſte Ueberſchreitung der un⸗ menſchlichen Disciplinarvorſchriften wurden mit Einſperrung in unterirdiſche Zellen geahndet, an deren Wänden das Waſſer herab⸗ rieſelte und dicker Schimmel wuchs. Manchmal war die darin campirende Menſchenmenge ſo groß, daß die Meiſten Tag und Nacht ſtehend zubringen mußten. In dieſen ſchauerlichen Verließen hielt man auch die Geiſeln feſt! Daß mit dem Leben die Bar barei noch nicht endete, daß auch die Todten noch von ihr be⸗ troffen wurden, die ſich nackt und bloß in offenen Kellern und Ställen anhäuften, wo Ratten und Mäuſe, ſelbſt Schweine un⸗ geſtört an ihnen nagten und fraßen, ſei nur angedeutet; ſträubt ſich, bei ſolchen Scenen zu verweilen.

verſchlechterte d

die Fed er

m Angeſicht des Libby erhebt ſich eine kleine Inſel, Belle⸗ Isle geheißen, aus dem St. Jamesfluſſe. Hier auf niedrigem, kahlem Sandplatze, der, ohne Strauch, den ſengenden Strah⸗

Baum und S len der ſüdlichen Sonne ausgeſetzt iſt, hatte man

denommenen gemeinen Soldaten zuſammengetrieben, oftmals bis zu zwölf Tauſend. Der Platz glich einigermaßen einem Feldlager, indem eine Anzahl von Zelten in regelmäßigen Reihen ihn bedeckten.

Dieſe Zelte, morſch und zerfetzt, durch welche Regen und Froſt ungehinderten Eingang fanden, waren das einzige Obdach, welches man den Gefangenen bot, allein es reichte nur für einen kleinen Theil von ihnen hin; den Uebrigen blieb zum Quartier nichts als die nackte Erde unter dem freien Himmel. Da lagen nun Tauſende, ohne den geringſten Schutz gegen die Witterung, oft mitten im Waſſer, oft auf eiſigem Boden aneinandergepackt wie die Häringe, ſo daß Niemand ſich rühren und regen konnte. Und die ganze Gegend iſt voller Wald; das Holz zur Aufführung von Hütten und Baracken war in nächſter Nachbarſchaft zur Hand, dennoch iſt ſeit dem Beginn des Krieges bis heute nicht der ge⸗ ringſte Verſuch gemacht worden, die Gefangenen derart nur auf's Nothdürftigſte unter Dach und Fach⸗zu bringen.

Was müſſen ſie gelitten haben, wenn die Sommerſonne den Sand zu ihren Füßen erhitzte und auf ihre Scheitel brannte! was, wenn die Herbſtregen mit ihren gewaltigen Güffen kamen! was, wenn eiſiger Wind ihre halbnackten froſtzitternden Leiber peitſchte! Ohne Decken, ohne Mäntel, meiſt ohne Hut, oft ohne Schuhe und Strümpfe denn Alles, was ſie davon beſeſſen, war ihnen genommen worden, als ſie in Gefangenſch aft geriethen in zerriſſenen Hemden und Röcken kauerte ſich Einer dicht an den Andern, um ſich zu wärmen oder ſonſt die Unbilden des Wetters minder peinlich zu empfinden. Das Elend überſtieg alle Begriffe. Dazu kam die ungewöhnliche Strenge des letzten Winters. Fußtief lag rund um Richmond der Schnee, der St. James ſtarrte in dicken Eisbanden und die Armen nach wie vor unter freiem Himmel!

Vergeblich ſuchten ſie ſich mit allen Kräften und Mitteln gegen den andringenden Tod zu wehren, legten ſich Nachts Einer

auf dem Andern in den Graben, der hinter einem Walle rund um den Platz lief, da wo er am meiſten Schutz gewährte, drückten ſich zuſammen wie Schweine im Winter; trotz

alledem aber fand jeder neue Morgen eine Reihe lebloſer Geſtal⸗ ten hingeſtreckt, die in ihren letzten Schlaf hinübergeſchlummert, die erfroren waren. In Angſt und Verzweiflung rannten Schaa⸗ ren der Unglücklichen die ganze Nacht auf und nieder, um ſich den Feind vom Leibe zu halten, denn Allen, umſomehr, a als ſie ſammt und ſonders Hunger litten. Die Kälte erſtarrte ſie, weil ſie hungerten, der Hunger verzehrte ſie, weil ſie froren. Zu gleicher Zeit nagten ſo dieſe beiden grau⸗ ſamen Geier an ihren Eingeweiden; man wußte das nur zu gut im Congreß der Conſöderirten, und dennoch erbarmte ſich Nie⸗ mand des Jammers. Die einzige Stimme, ſich einmal gegen ſolche Barbarei zu erheken wagte,eine Barbarei, die den ameri⸗ kaniſchen Namen auf ewig ſchände, verhallte ungehört.

Schweine werden beſſer, rückſichtsvoller gefüttert, als die Ge⸗ fangenen auf Belle Isle. Ein Stück unausgebackenen epdes⸗

muffid, voller Riſſe, als ſei es nur an der Sonne geröſtet, dem noch ganze Körner und Hülſen ſaßen; ein Mundvoll⸗ llbet⸗ riechenden, unappetitlichen Fleiſches; ein paar öffel verdorbener Bohnen; widerliche, dünne, ranzige Suppe, auf der in der Regel Schaaren ſchwarzer Inſecten ſich tummelten, das variirte den Küchenzettel. Denn immer dub es nur einen dieſer Leckerbiſſen auf einmal und immer kaum die Hälfte des zur Ernährung eines geſunden Menſchen näthigen Nahrungsquantums. Trotzdem ge⸗ riethen die Leute in den Zuſtand wilder Aufregung, wenn die elenden Rationen umsgetheilt wurden, und fielen mit einer Gier darüber her, die ſich nur dem Toben wilder Beſtien vergleichen läßt, wenn in der Menagerie die Fütterungszeit gekommen iſt.

ohne davon im Innerſten ſeines Herzens ergriffen zu werden, ohne die Fauſt zu ballen in ſtillem Ingrimm über die Teufel in Menſchengeſtalt, die gefliſſentlich wie wir bald ſehen werden, geſchah dies Alles in wohlberschneter Aüiht ſolchen Ueberſchwang von Noth und Elend verſchuldet? Es giebt keinen Ausdruck für unſern Hu

quälten leſen,

nger ſagte der

Eine.Einmal wachte ich Nachts auf und faren udaß ich ich am Aer⸗ mel meines Rockes uuto Und wenn ich 1h à Ihnen, meine Herren Commiſſare, eine ganze Woche i, atſa) ich könnte

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Ihnen noch lange nicht auch nur die en zu un dero ſ

zählen. Schluß ſolg

das gleiche Schickſal drohte

Wer könnte die kunſtloſen, ungeſchminkten Ausſagen der Ge⸗

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