Jahrgang 
4 (1865)
Seite
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lichen Walfiſchbeſitzerin lag.

gehen mit den Dingern

beim Walſiſchfange ge⸗

förmigen Holzes, und es dürfte das Spannen, der Vorrichtung zu urtheilen,

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Dieſe empfing mich, in der Thür ſtehend, mit ausgeſtreckter Hand und nöthigte uns durch die Küche in die Stube. Aermlich genug war dieſe und ſchien gerade groß genug für Martha und ihre beiden Kinder, einen Burſchen von ſechszehn und ein Mädchen von achtzehn Jahren, die Beide damit beſchäftigt waren, Fiſchereigeräthſchaften, welche über den Tiſch und beide Bänke ausgebreitet lagen, auszubeſſern.Nun weg mit der Arbeit, hier iſt ein Fremder aus der Stadt! hieß es. Ohne weitere Umſtände war ich denn inſtallirt, und mittelſt ausgetheil⸗ ten Branntweins gewann ich raſch die Gunſt meiner neuen Be⸗ kannten.

Komm nun mit, ſagte der breitſchultrige Knud, der Aelteſte und Erfahrenſte unter den Walfiſchjägern,jetzt wollen wir ſehen, ob wir nicht einen oder ein paar Pfeile dem Walfiſch in den Leib ſchießen können.

Vier Mann ruderten uns dann in die Mitte des Baſſins. Da lagen wir ſtill; Knud nahm den Bogen, ſpannte ihn mittelſt des gabelförmigen Spannholzes, legte den Pfeil auf, lehnte das Vorderende der Armbruſt auf den Bootsrand und wartete, bis der Walſiſch, ein für einen Angehörigen dieſer Species recht an⸗ ſehnliches Thier(die Species B. rostrata Vabr. iſt die kleinſte aller Balänopteren), an die Oberfläche kam, um Luft zu holen. Erſt zeigte ſich ein Strahl durch das heftige Aus⸗ athmen emporgeſchleu⸗ derten Waſſers, dann der ſchnabelförmige Kopf mit den weiß⸗ lichen Barten, darauf der glänzendſchwarze Rücken, ein bequemes Ziel für unſern Knud, deſſen Pfeil tief ein⸗ drang in den Rumpf des Thieres, dicht hin⸗ ter der Rückenfinne. Auch ich verſuchte das Experiment mit dem⸗ ſelben Erfolge.Nun mag er ein paar Tage

Dr

im Leibe, ſagte Kund, und wir ruderten ſomit nach Hauſe. Unterwegs beſah ich mir die hier

bräuchlichen merkwür⸗ digen Geräthſchaften.

Der Walfiſchbogen hat die Form einer mittelalterlichen Armbruſt, von coloſſalen Dimenſionen, ziemlich roh, aber ſolid gearbeitet, der Schaft aus Eſchenholz, der Bügel aus dem Holze

der Taxus baccata, armsdick; die ſtarke Schnur iſt von Hanf. Geſpannt wird der Bogen mittelſt eines etwas gekrümmten gabel⸗ nach der Solidität eben keine leichte Arbeit ſein. Die ſechs bis acht Zoll lange Pfeilſpitze hat die Dicke einer Gänſe⸗ ſeder und erweitert ſich oben zu einem lanzettförmigen Blatte von höchſtens drei Viertel Zoll Breite. Dieſe im Verhältniſſe zum Bogen ſelbſt ſehr unbedeutend ausſehende Spitze ſteckt mit ihrem unteren Ende loſe in einem ſtatt der Federn am Hinterende mit zwei Holzflügeln ausgeſtatteten hölzernen Schafte von leichtem Holze, in welches der Name des Eigenthümers des Geſchoſſes ein⸗

gebrannt iſt. Aber ſo wenig gefährlich der Pfeil ausſieht, ſo ver⸗ derblich wird er dem Wale. Es iſt nämlich die Spitze aus altem roſtigen Schiffseiſen geſchmiedet, und ſolch Vſen hat, wi hier beſtimmt behauptet, die Eigenſchaft, die durch dgr urſachten Wunden ſehr bald brandig zu machen. f Pfeil, im Bogen abgeſchoſſen, den Rücken des= die Spitze vom Schafte, und gleitet nach Mieres hinein, wäh⸗ 7 4

Napolevder abgefallene Holzſchaft auf à

zu aufgeleſen wird, und verurſch

a. Walfiſchbogen. b. Pfeil.

mMiſche olſch 95 d 1 1 Aiwiſchen die Muskelſchichten des verwund Waſſer ſchwimmt und⸗ cht in einigen Tagen inde

O.

nere Blutung und Brand, in Folge deſſen das geängſtigte Unge⸗ heuer in blindem Schmerze oft auf den Strand rennt oder doch ſo ermattet, daß es dem Harpuniere eine leichte Beute wird. Die Harpune beſteht im Weſentlichen aus einer nach oben zu einer maſſiven Stange zuſammengeſchmiedeten Eiſenröhre. Das ſolide obere Ende läuft in ein Oehr aus, in welchem beweglich die blattförmige zweiſpitzige Spitze baläncirt. Beim Gebrauch richtet man dieſe längs des Eiſenſchaftes und verſieht den unteren Theil derſelben, den Widerhaken, mit einem leicht verſchiebbaren Eiſen- oder Hanfringe. Um das untere röhrenförmige Ende des Eiſenſchaftes wird ein mindeſtens hundert Faden langes ſtarkes Tau geſchlungen. In der Röhre ſteckt ein acht bis neun Fuß langer Holzſchaft. Wird nun die Harpune mit Kraft in den Rumpf des Wales geſtoßen, ſo muß ſich der oben beſchriebene Ring nothwendiger Weiſe nach hinten ſchieben, das als Wider⸗ haken beſchriebene untere Ende des Blattes wird frei ud das Blatt ſelbſt bohrt ſich mehr oder weniger in rechte inkel zu dem Schafte in das Fleiſch und macht es ſo dem Fiſch zur Unmöglichkeit, ſich von der Harpune zu befreien. Die Lanze,

eine gerade gebogene Senſe auf langem Schafte, gebraucht man,

um dem Walfiſch das Garaus zu machen.

Einſtweilen ruhten noch die beiden zuletzt genannten Inſtrumente, denn Knud hatte ja für gut befunden, den Wal⸗ fiſch einige Zeit mit den beiden Pfeilen im Leibegehen zu laſ⸗ ſen. Wieder angelangt in Martha's Hütte, fand ich die Stube voll⸗ gepfropft von Menſchen, Alt und Jung, die Alle denStadtmann

ſehen wollten.

Auf meine Requi⸗ ſition brachte unſere Wirthin eine Milch⸗ ſchüſſel mit kochendem Waſſer herein, und dahinein that ich allen noch übrigen Brannt⸗ wein und ſämmtlichen Zucker. In Taſſen und Näpfen wurde das Ge⸗ bräu umhergereicht; die Erwachſenen tranken und die Kinder nippten, Jeder bekam ſeinen An⸗ theil. Nun ging das Schwatzen los, welches bald in betäubenden Lärm ausartete. Endlich, es war ſchon ziemlich ſpät, bedeutete Martha die V Gäſte, derStadtmann wünſche ſich zur Ruhe zu begeben. Alle,

bis auf die Walfiſchſchützen, begaben ſich denn auch zu ihren Haus⸗ göttern, und mir wurde das Bett der Wittwe als Nachtlager an⸗ Ein ärmliches Lager, obwohl bei weitem das beſte im als Pfühl und Kopfkiſſen und eine Vollſtändig angekleidet legte ich mich, aber ehe ich einſchlief, muſterte Mutter ſelbſt ſollte bei der außerordentlich ſchmal, aber man verſtand es, ſich zu arrangiren. Die Walfiſchſchützen ſchliefen theils ſitzend auf den Bänken, gheils auf dem Boden liegend, bereit, der Wache zu Hülfe zu eilen, ſobald dieſe Kärm machen würde. Herz⸗ lich müde, ſtreckte ich mich auf meinem Lager aus, allein ich fand den Schlaf nicht eher, als bis ich die Urſache entdeckt und entfernt, welche in meinem Rücken ein Gefühl veranlaßt hafte, ähnlich wie wenn ein paar tüchtige Pflaſterſteine oben in den Strohſack hin⸗ einprakticirt worden wären. Es waren eben nur ein Paar naſſe Seeſtiefeln, die man, um ſie zu trocknen, in's Bett geſteckt hatte. Am andern Morgen beſchwichtigten die Walfiſchjäger meine igeduld mit der Verſicherung, es ſei für heute an kein Harpu⸗ zu denken, da der Walfiſch mit ſeinen zwei

- iiggehe, als fehle ihm nicht das Geringſte.

gewieſen. Hauſe: zwei Haferſtrohſäcke Wolldecke, das war Alles. müde wie ich war, zu Bette, ich erſt noch meine Umgebung. Tochter liegen; deren Bett war

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Ich nahm 1

Pfeilen im Leibe