Jahrgang 
4 (1865)
Seite
64
Einzelbild herunterladen

Nein, welche ſonderbare Frage! entgegnete die Frau,damals ge⸗ fielſt Du mir natürlich nicht, weil Du mir gehörteſt, und ich verliebte mich in Deinen Freund, weil ich dachte, er könne nie der Meinige werden jetzt haſt Du aber vollſtändig den Sieg über ihn davon getragen; Du wußteſt Dich von ſo viel neuen Seiten zu zeigen und erſchienſt mir um ſo viel unerreichbarer!

Der Mann war zufrieden damit;

nicht wieder getrübt, und Madame bleibt

hoffentlich wird ſeine Zufriedenheit ihrer neuen Liebe treu.

Ein Beſuch in Pompeji. Die vor achtzehnhundert Jahren begrabene und in ganzen Straßen und Stattheilen mehr oder weniger gut und ganz erhalten wieder aufgedeckte und offene altrömiſche Stadt Pompeji iſt ſchon hundertfach geſchildert worden, aber wohl kaum ſo, wie ich ſie im vorigen Herbſte ſah. Es hat ſich auch in dieſer Todtenſtadt ein beſſeres Leben ein⸗ gefunden, mehr Freiheit, ſeitdem das bourboniſche Regiment aus Neapel vertrieben ward.

Wenn man das Entrée(allerdings über einen Thaler) am Eingange zu der hinabführenden Treppe bezahlt hat, iſt man ſein eigener Herr und kann ſich ungehindert dem Geiſte des Alterthums hingeben, der uns hier aus wohlerhaltenen Straßen und Häuſern und ihren Geräthen dicht um giebt. Iſt man recht mit Leib und Seele mitten darin, ſo meint man, es würde uns gar nicht wundern, behelmte, ſandalenfüßige, maleriſch in Togas und Tunicas gehüllte Menſchen um die Ecke herum kommen zu ſehen. Kein Polizeiſpion von Führer entzaubert uns mit ſeiner Beredſam⸗ keit, wie früher, und zieht uns nicht mehr unbarmherzig von einer Sehens⸗ würdigkeit zur andern. Man kann ganz nach Luſt und Laune umherwan dern, bleiben und ſich ſo in das Leben vertiefen, wie es hier plötzlich in aller ſeiner Freude und Herrlichkeit erſtickt und bis heute aufbewahrt ward, daß der ganze Zeitraum gleichſam verſchwindet und wir mitten in der alt⸗

64

römiſchen Welt zu leben meinen. Blos die Arbeiter, die hier und da emſig weiter graben und aufdecken, ſtören zuweilen den Wahn, drängen ſich aber nicht auf, ſondern geben nur auf Fragen die nöthigſte Auskunft.

Unter der neuen Regierung werden die Ausgrabungen ſyſtematiſch und ſo gut geleitet, daß es gelungen iſt, mehrere Häuſer ganz unverſehrt aus ihrem Aſchengrabe zu löſen. Da hat ſich unter Anderem ergeben, daß wohlhabendere Bewohner in Häuſern mit mehreren Etagen und Balkons oben wohnten, während man früher annahm, daß die Häuſer blos aus einem Stockwerk beſtanden. Das Haus des Proeulus liefert den beſten Beleg für das neue Ergebniß.

Proculus war damals ein reicher, mindeſtens ſehr einflußreicher Bürger von Pompeji. Er war gerade beſchäftigt, eine Ausbeſſerung an ſeiner Wohnung vornehmen zu laſſen, als der furchtbare Aſchenregen aus dem Veſuv niederfiel. Malertöpfe und Maurer⸗ und Tiſchlerwerkzeuge liegen umher und ein Theil des Moſaikpflaſters im Hofe iſt aufgeriſſen. In einem Winkel ſtehen eine Menge Küchenapparate aufgehäuft, weil die Arbeiter die Küche in Beſchlag genommen hatten, um Verbeſſerungen auszuführen. Blos einige kleinere Oefen waren in Gebrauch. Einige Töpfe und Pfannen mit verſchiedenen Artikeln zum Kochen und Braten ſtanden darauf. In einer Bronzepfanne lag ein Spanferkel eben fertig, es in den Backofen zu ſchieben. Aus dem großen Backofen zog man ſiebzig Brode hervor je zu zwei Pfund. Nach⸗ dem ſie über eintauſend achthundert Jahre darin geſtanden, kamen ſie in ihrer urſprünglichen Geſtalt, wenn auch mit veränderter Farbe, heraus. Die Poren im Innern waren noch deutlich zu erkennnen, aber ſelbſt die Kru⸗ menbeſtandtheile ſo ausgetrocknet, daß ſie zwiſchen den Fingern gerieben zu Aſche zerſtoben. Man war im Hauſe des Proculus früh aufgeſtanden an jenem letzten Tage. Die Köchin hatte ihre Arbeit bei Lampenlicht begon⸗ nen, um bei anbrechendem Tage mit dem Frühſtück aufzuwarten. Aber der Tag, der bis dahin immer regelmäßig mit ſeinem holden italieniſchen Lichte gekommen war, blieb diesmal aus, aus beinahe zwei Jahrtauſende lang. urchtbare Feuer⸗ und Rauchſäulen ſtiegen aus dem Rachen des Vulcans

empor und dichte Wolken von glühender Aſche ſenkten ſich dichter und dich⸗ ter auf die Stadt und verbreiteten eine ſo furchtbare Finſterniß, daß Väter und Mütter und Kinder dicht neben einander ſich mit den Händen ſuchten und ſchrieen und Hand in Hand, Arm in Arm zu entkommen ſtreb ten und erſtickten. Einige entkamen bis auf die Straße vor der Schildwache

vorbei, die ſtandhaft ihren Poſten zu behaupten und ſich gegen das Er⸗ ſticken durch Zuhalten

des Mundes mit der Hand zu retten ſuchte. Ver⸗

Bebans. Die Aſchenwolken fielen dichter und dichker nieder, bis ſie den

Mleun lebendig begruben im Schilderhauſe. Dort ſtand er noch eintauſend

achthundert Jahre ſpäter mit ſeiner Waffe in der einen Hand, mit der andern Mund und Naſe bedeckend.

Aus dem Hauſe des Proculus entkamen Alle bis auf zwei Perſonen.

Die eine war eine weibliche Perſou,

Schürze mit Schmuckſachen zu füllen,

Hofe hinſtürzte, um ſich niemals wieder zu erheben.

mag, ehe ſie ihr junges Leben hingab⸗ abdrücken der Formen, die ihre Leichname in dem icht weit dabon, vor dem Hauſe, wurden die Skelete zweier junger pouen entdeckt, die Arm in Arm geſtorben waren. Anderswo gruh ein Grnppe von Mutter und drei Kindern aus, die, ineinandet*f.

Aſcheugrabe zurückgelaſſen N 3s

R

,

*

die ſich zurückhalten ließ, um ihre und welche auf ſpäterer Flucht im Die Juwelen und Putz⸗

während die jüngere und kräftigere convulſiviſch gekämpft und gezuckt haben Dies erſieht man aus den Gyps⸗

0

2 lebendig das Grab über ſich aufſchütten ließen. In einem Keller fa die Reſte von ſiebzehn Perſonen. 4

Obgleich die Ausgrabungen höchſtens zwei Dritttheile der Ste hüllt haben, zählt man doch bereits über ſechshundert wohlerhaltene und reſpective Abdrücke von Menſchen in der feſtgewordenen Aſche gegrabene und noch haltbare bewegliche Gegenſtände giebt es bereits ſenden. Die meiſten oder wenigſtens die koſtbarſten werden dem ſch ausgeſtatteten Muſeum zu Neapel hinzugefügt; ein großer Theil l der Sammlung zu Pompeji ſelbſt. Es vergeht faſt kein Tag, r eine Ladung nach Neapel abginge und das Muſeum an Or n ſelbſt mit dieſem und jenem neuen Schatze bereichert wirde Bir natürlich weiter keinen Werth, inſofern ſie nur Wiederholungen b Artikel, Geräthe und Mobilien ſind. Es fehlt aber auch nicht an keiten. So entdeckte man dieſen Sommer eine maſſive, drei Pfund goldene Lampe. Was die goldenen Ringe, Broſchen und ſonſtigen 5 betrifft, die am Eingange und ſonſt in der Nähe als echte ausge Pompejanen verkauft werden(noch glaubwürdiger heimlich von aus den Arbeitern ſelbſt), ſo ſtammen ſie meiſt aus einer modernen Fal man in Nachahmung dieſer antiken Kleinodien eine große Feuigkeit hat, ſo daß man am Ende die halbe Welt damit beglückeſt kan Gründlichſten werden oft die Pfiffigſten betrogen, welche von dem dehnten Handel mit nachgemachten Artikeln gehört haben und ſich vor die Vorſicht ſelbſt zu ſein. Sie werden auch in ihrer Pfiffigkeit un indem ein aus heimlichem Winkel hervorwinkender Arbeiter vor dem lichen Betruge warnt und den Gaſt in Pompeji einladet, ſich in ei ſteckten Stelle, der Grenze aller Ausgrabungen, ſelbſt umzuſehen und lich etwas ſelbſt als Original herauszupuddeln. Ein ſolcher Glücklie einmal unter der Leitung des Arbeiters ein Platina⸗Feuerzeug, das Letzteren(für Mundhalten) ungemein theuer bezahlte. Als er mit unerhörten Schatze in die moderne Welt kam, wurde er ausgelaue, noch nie ein weiſer Antiquitätenſammler.

Die Ausgrabungen werden jetzt ſo umfangrei daß die Stadt bald im ganzen Umfange dem Tages merkwürdigſte Entdeckung bleibt aber die Springquelle, die ten Hieb der Hacke plötzlich mit einem Strahle des klarſten und Waſſers über die todte Straße hervorſprang. A ſtrömten herbei und Einige tranken ſo viel, daß t Mehrere Flaſchen wurden mit demantiken Quellwaſſer gefüllt, verſie und an den König Victor Emanuel, den Papſt, Perſonen geſandt. Das dauernde Leben aber, wele lich in aller Lebensfülle begrabenen Stadt hervorquillt, die koſtbarſten Flüſſigkeiten. Es iſt das maſſive, Cultur und eines Volkes, das einſ Schweiße militäriſch ausgepreßter Völker bens bildete; das, auf ſeine Waffengewalt pochend, Freiheit und und ehrliche Arbeit mit Füßen trat, wofür es mit einer dauernden Qual des Sterbens beſtraft ward. Zur Zeit des Untergar von Pompeji fing das Römerreich ſchon zu ſterben an. E gräßlicher von innen und außen Jahrhunderte mit ſeinem ſchnellen, wenn auch gräßlichen Tode liches Ende nahm.

die nach einem!

welches aus der einſt pi iſt werthvoller,

Unſer langjähriger Mitarbeiter, Herr Friedrich Gerſtäcker, erſucht die nachſtehende bereits in der National d gedruckte Erklärung auch in die Gartenlaube aufzunehmen. Da ich noch immer als die Redaction noch ein D zu erklären, daß dieſe

Erklärung. aufgeführt werde, indem ſo ſehe ich mich veranlaßt zurückgeforderte Erzählung all damit aber auch meine Betheiligung amDaheim

Gotha, den 3. Januar 1865.

drei Mal verge

aufgehört hat.

Schach.

um in möglichſt mannigfaltiger Weiſe den Wünſchen r

die an ein für den Familienkreis beſtimmtes Blatt gerichtet werden kön wird die Gartenlaube hinfort au weit es der Raum geſtattet, eine Aufgabe und eine laufende Löſungen ſollen beurtheilt und eingeſandte, ſ Partien aufgeno

unſerer Zeit angemeſſene Probleme und 3

[EIA

Partie

ſachen lagen um ſie her zerſtreut. Die andere Perſon war ein verwundeter 7 Gladiator, der wahrſcheinlich eine Treppe hoch wohnte, wo er mit ſeiner Aufgabe Nr. 1. h, Waffe im Arme gefunden ward. Ein Weibnſetzt ſich faſt jeder Stcennd, Aufgabe Nr 6 4 5 zum zu retten, was ſie am meiſten liebt, mag es aus Kleinodien, Kindern Von J. Berger in Graz⸗ chſh, ic, 272 oder Kötern beſtehen! Bei einer viel ſpäteren Eruption des Veſuvs brauch⸗. 5, ſ M ten die Nonnen eines benachbarten Kloſters ſo viel Zeit, um ihre Gelées(Dieſe Aufgabe gewann im A')hAaiſh 12 S,, Scze 177 und Zuckerſachen zu retten, daß ſie ſchon dicht von fließender Lava umgeben Problem⸗Turnier zu Düſſeldorf 4 9) 8 5 A waren, als ſie endlich mit ihren Schätzen flohen. Nicht weit von der weib⸗ v. J. den erſten Preis.) 5 cſh;, ſſh lichen Mumie im Hofe des Proculus ward eine andere entdeckt, vielleicht 3 7 Zh L Mutter und Tochter. Die ältere ſcheint ohne viel Kampf erſtickt zu ſein, Weiß zieht an uns giebt i 4 5 P Mat. 2. 8 4

mit dem fünften Zua⸗

W. D,, e, ſh B C P E Weiß.

L

und Kölniſchen Zeitung ab

2

ch und ſyſtematiſch fortgeſetzt, lichte geöffnet ſein wird. Die

etz⸗

friſcheſten Alle Arbeiter und Beſucher ſie davon krank wurden.

gelt

Napoleon und anderehohe

ötz⸗ als

monumentale Bild einer ſt die Welt beherrſchte und aus dem die höchſten Luxusformen des Le⸗ Sittlichkeit Jahrhunderte lang

nges

Es ſtarb immer lang weiter, ſo daß Pompeji ein verhältnißmäßig glück⸗

uns

Die Redaction. Mitarbeiter amDaheim, Manuſeript von mir beſrök,

bens

erdings noch in jener Zeitung erſcheinen wird,

2

zu entſprechen,

unen,

ch Schachartikel und zwar abwechſelnd, ſo bringen. Cin⸗ den Auforderungen i werden.

ſ)ſſſſh

1

2 22