Jahrgang 
13 (1865)
Seite
195
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wenn Ihr nichts Beſſers zu thun wißt!

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es daſſelbe ſei; die Bauern ſtießen einander an und lachten; die Jäger ſtanden unſch lüſſig der Fremde allein ſaß ruhig an ſei⸗ nem Platz und that einen Zug aus ſeinem Kruge.

Ehe das allgemeine Staunen Wort und Ausdruck finden konnte, erſcholl aus dem Hauſe und den Vorplatz entlang der Lärm einer zankenden Männerſtimme, in welche die hellere eines Weibes keifend einfiel und das Weinen eines Kindes ſich miſchte. Einer der Jäger kam aus der Küche herbei und ſchleppte einen Bauernknaben mit ſich, den er am Halſe gefaßt hielt. Die Wir⸗ thin folgte mit feuergeröthetem Geſicht undhochaufgeſtülpten Aer⸗ meln, wie ſie am Heerde geſtanden war.Da iſt der Nußberger⸗ Hallunk! rief der Jäger.Ich war in die Küch' gegangen, um meine Tabakspfeife anzubrennen, da ſitzt der Burſch ganz frech am Heerd und läßt ſich's ſchmecken!

Bauern und Gäſte drängten ſich um die Jäger und ihren Gefangenen, einen trotzigen Knaben von etwa zwölf Jahren, der zwar todtenblaß ausſah, aber, nachdem der erſte Jammer über⸗ ſtanden war, ſeine Feinde mit thränenloſen, grimmigen Augen an⸗ ſtarrte, er verzog keine Miene, als ihm der Eine die Arme zu⸗ rückſchränkte und auf dem Rücken zuſammenſchnürte, daß ſie ſo⸗ gleich zu ſchwellen anfingen.

Und warum, rief die Wirthin,ſoll das Bübel nit eſſen, was ich ihm gegeben hab? Er iſt in meine Kuchel gekommen, völlig erlegt und ausgehungert, und ich möcht' wiſſen, wer ſich unterſtehn darf, ihn aus meiner Kuchel fortzuführen!.

Schweig' die Frau Wirthin, rief der Jäger,der Bub' iſt ein Wilddieb, und weil wir nur einmal den Jungen haben, wird uns der Alte auch nicht auskommen! Wo iſt der Vater, Lump? fügte er hinzu, und verſetzte dem Knaben einen Stoß in den Rücken.

Sucht ihn, wenn Ihr's wiſſen wollt! antwortete dieſer keck; der Jäger holte aus, um wieder nach ihm zu ſchlagen, aber die Wirthin trat abwehrend dazwiſchen.

Laß Er das Bbel in Ruh! rief ſie.Ich, die Wirthin am Erdweg, ich leid's einmal nicht, daß Er ihn ſo tractirt! Wenn Er ihn mitnehmen muß, in Gotles Namen aber zu ſchlagen braucht Er ihn darum nicht! Was kann es denn ſo Schreckliches derbrchen haben, das halbgewachſene Bübel da?

Sein Vater hat einen Haſen gefangen und im Stadel un⸗ term Klee verſteckt der Bub' hat's gewußt und hat ihn doch verleugnet.

Und deßwegen ſoll das Bübel in's Gefängniß? rief die

Wirthin wieder.Schamt's Enk in's Herz hinein, Ihr Jaga, Geht's zu und laßt den armen Leuſel Jlunſeh Daß i ich ein Narr wär' und den Vogel wieder ausließe, den ich in di Hand habe! rief der Jäger.Der Spitzbub' muß in's Loch und auf die Bank... ſo gehört ſich's.

Die Bauern ſahen unmuthig zu, Gefangenen fortzubringen; ſie murrten und ſchalten, aber ſie wag⸗ en keinen Widerſtand. Wäre es auch ein Leichtes geweſen,

eſto ſchwerer auf ſie ſelber zurückgefallen wären.

Da drängte ein gewaltiger Arm mit einem Ruck die Um⸗ ſtehenden nach beiden Seiten auseinander, und in der Mitte, dem Knaben und den Jägern gegenüber, ſtand der fremde Jäger. Er hatte mit einer raſchen Wendung ſeine Stellung ſo genommen, daß er den Tiſch mit den Gewehren im Rücken hatte.

Komm her, Kleiner, ſagte er zu dem Knaben, zog ein blinkendes Waidmeſſer und ſchnitt ihm mit einem Zuge die Stricke von den Händen.Lauf' zu... es darf Dir Niemand was an⸗ thun!

Hat ein Chriſtenmenſch jemals eine ſolche Frechheit geſehen? rief der Waldhüter, als er vor Staunen kaum zu Wort zu kom⸗ men vermochte.

Was unterſteht ſich der Herr? riefen die Andern. ſoll das heißen?

Das ſoll heißen... entgegnete der Fremde gelaſſen, nach⸗ dem er raſch hinter ſich einen Stutzen ergriffen hatte und den Hahn knacken ließ...daß Ihr noch drei Minuten Zeit habt, Euch aus dem Staub zu machen! Wer nach drei Minuten noch da it, dem blaſ't meine Kugel das Lebenslicht aus!

Gemurmel des Beifalls wurde laut; die Bauern drängten der Jäger aber ſchrie:Wer iſt denn der freche Kerl, der

Was

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Nicht gefragt und nicht gemuckſt! rief der Fremde gebie⸗ teriſch entgegen.Ich zähle wenn ich auf Drei noch einen von Euch vor mir ſeh', ſo kracht's! 4

.. So laßt uns doch wenigſtens unſere Büchſen mitnehmen! f

Nichts da! Die bleiben hier als Pfand, morgen könnt Ihr! ſie beim Wirth abholen den Stutzen von dem Waldhüter aber, weil er gar ſo gut hintragt, den behalt' ich als Andenken! Alſo f friſch, Jäger Eins...

Vermaledeiter Kerl! erwiderte der Jäger, ſich zurückziehend. Aber wir treffen Dich wieder und dann Gnad Dir Gott...n

Ehe die verhängnißvolle Drei ertönt hatte, waren die Jäger 11 nicht mehr zu ſehen; ſchallendes Gelächter geleitete ſie, der Kn 1 war entflohn.

Der Fremde ging die Stiege hinab; nach den erſten Stufe u jedoch wandte er ſich nochmals um.Halt, ſagte er,bald hät ich darauf vergeſſen!... Tiras, komm, da herein... Tira komm zu mir!

Dieſer Ruf brachte d geſeſſen hatte, mit damal zu ſich. Meinen Hund will Er mitnehmen?* Die Kränk' das ging m auch noch ab!... Tiras! Hieher! lockte er entgegen.Herei Couche! Herein! Der Hund aber that, als kenne er ih, und ſeinen Ruf gar nicht, und ſchritt dem Fremden auf dem Fuße nach.

Gieb Dich nur drein! rief dieſer zurück. ſiehſt du heut zum letztenmal dafür haſt D Hieſel zum erſtenmal geſehn... Jetzt kennſt D Du mich fangen willſt!

Ein Blick nach den Fenſtern des obern Stockwerks, dann war er verſchwunden die er geſucht, hatte er nicht erblickt. E hatte das Vorgefallene mit angeſehen und gehört und verba ihre Augen hinter den Händen. ſie ſtrömten über von Th nen, von Thränen des bitterſten Grams und doch ſo voll unen licher Seligkeit.

Die letzten Worte des Wildſchützen hatten die Ahnung, ſchon in den Bauern anzudännnere begonnen, zu Gewißheit macht, ein Ausbruch allgemeinen Jubels war die Folge. der bairiſche Hieſel iſt wieder da! rief der Junge.Freut E. Ihr Schergen und Jaga, jetzt geht Eure gute Zeit wieder a

Nein, rief der Alte luſtig darein,für uns fa die gute Zeit wieder an! Macht's mir mein Leibſtück auf, 2 ſikanten jetzt wird's bald ein End' haben mit dem W. ſchaden und dem Strafen und der Jagdſchinderei! Spielt's das Geſang' vom bairiſchen Hieſel auf und wir Alle ſingen

. Juhe, der bairiſche Hieſel ſoll leben!

Die Pfeifen und Hörner fielen ein und begleiteten das 2

den Krämer, der wie geiſtesabweſend de⸗ Was? rief er aufſpringen

Deinen Hundz! Du den bairiſchen du mich doch, wenn

wie er ſich anſchickte, ſeinen

den V dnaben zu befreien, ſo wußten ſie doch, daß die Folgen davon nur

das, in jenen Zeiten entſtanden, noch lange nicht verklungen im Munde des Volks: Bin i der bairiſch Hieſel, Koa Kugel geht mir ei',. Drum fürcht' i a koan Jaga Und ſollt's der Teufel ſei! Im Wald drauß' is mei' Hoamat Im Wald drauß' is a Leb'n: Da ſchieß' ich d' Reh' und Hirſchen Und Wildſchwei' a daneb'n! 3

Es giebt koa ſchöner's Leben, Als i führ' auf der Welt,.

Die Bauern geb'n mir z' eſſen, 3 Und wenn ich's brauch', noch Geld.

Drum thu' i d' Felder ſchützen

ſc

Mit meine tapfern Leut', Und wo i nur grad hi'komm', Ui Gott, is das a Freud!

2.

Dem ſchönen Herbſttage war eine klare, aber kühle Nacht folgt; der Vollmond ſtand hoch am dunklen Himmel und ſein hellſtes Licht über die feuuhten Wieſen und Anger an Paar und auf die ſchwarzen Gebüſche an deren Ufer. Dar

hin, wo der Schein durch Laub und Zweige den Waſſerſpi oge reichte, blitzte ein greller Widerſchein und in weiter erne

ein weißlicher Nebelſtreifen die Niedern eeewen, welche zum hinabſtiegen. Tiefe Ruhe, athemlos dienen/ auf de Flur auf dem Dorfe; nur der im Ame⸗ dei S Achimmnernde 8

chuß rauſchte gleichtönend fuite. L mal ſchlug hie 5

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