Jahrgang 
13 (1865)
Seite
194
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Sie warf ihm einen raſchen Blick zu, aus welchem etwas von ihrer ſrühern Munterkeit aufleuchtete.So geſchwind, ſetzte ſie hinzu,ſchießen bei mir daheim die Jager nicht!

Ich bin aber gar ein beſonderer Jäger und hab' meine be⸗ ſondere Weis, ſagte er.Drum möſcht' ich gar zu gern wiſſen, wo die Jungfer daheim iſt und wie ſie heißt?

Der Herr wird's doch nit kennen, wenn ich's auch ſag... es iſt ein gar kleines Dörfel von Friedberg heißt Kiſſing..

Kiſſing? rief der Jäger in plötzlicher Bewegung, die er nicht zu bemeiſtern vermochte; er hatte Mühe, als ſie ihn ver wundert anſah, gelaſſen fortzufahren:Ei, das iſt wohl ein kleines, aber ein gar liebes und freundliches Oertel! Das kenn' ich gut!

Iſt das wahr? rief ſie mit unverhehlter kindlicher Freude. Der Herr kennt unſer Dörfel und es gefallt Ihm da?

2 Ich bin dort geweſen einigemal, als Bub! ſagte er zögernd,bin lang fort, aber es iſt mir doch feſt in der Erin⸗ nerung geblieben!

Da iſt's dem Herrn gegangen, wie mir, erwiderte das Mädchen zutraulicher.Ich bin in Kiſſing daheim, aber ich hab' auch ſchon früh, wie ich noch ein kleines Mädel war, foktgemußt zu einer Bas, die ein großes Gut hat, gegen Friedberg hin ich bin wenig mehr heimgekommen und hab's doch nit vergeſſen!

Und das Haus, wo die Jungfer daheim iſt? fragte der Zäger.Will ſie mir das nicht ſagen und ihren Namen dazu? Der Herr wird's kaum wiſſen. ich bin auf dem Bau⸗ müllergut daheim mein Nam' iſt Monika!

Ich bin wie ich der Jungfer ſchon geſagt... wenig bekannt, aber den Baumüller⸗Hof weiß ich recht gut. Das Haus liegt gar ſchön in einem kleinen Grasanger und nicht weit davon fließt die Paar nach der Mühl' hinunter und wo ſie einbiegt, da iſt eine Tiefe, mit Erlenſtöcken beſetzt und mit Hainhuchen...

Ja, ja! rief ſie freudig,als wenn ich's lelbhaftig vor mir ſähe! Und der Eierberg ſchaut drüber herein mit ſeinen Haſel⸗ ſtauden und durch's Dorf hinauf geht's an der Paar hin, auf die große Wieſe.weiß der Herr, nit weit von dem kleinen

Häus'l, wo der Brentan wohnt, der Herrgottmacher? · Weiß die Jungfer dies Haus auch? fragte der Jäger mit eigenthümlichem Tone.

Gewiß... bin manchesmal hinein gekommen und hab' dem alten Kloſtermair zugeſchaut, wenn er ſeine Kreuzeln und Herrgott geſchnitzelt hat. und dann, welche Kiſſingerin ſollt' das Haus nit kennen, iſt es doch die Heimath vom bairiſchen Hieſel....

So kennt Sie wohl den bairiſchen Hieſel auch?

Als Buben hab' ich ihn wohl gekennt und bin oft mit ihm in's Nußbrocken gegangen am Eierberg und zum Krebsfangen unter den Erlſtöcken an der Paar... dann bin ich fort kommen und hab' ihn nit wieder geſehen aber ich hab' oft an ihn denken müſſen, wenn Alles von ihm erzählt hat, und...

Sie hielt inne; ein Anflug von Rührung hinderte ſie, weiter zu ſprechen.

Und.2 fragte der Jäger leiſe und faßte ihre Hand.

Und hab' daran denken müſſen, was er für ein lieber, herzensguter Bub' geweſen iſt. und daß er ſo ein armer, ver⸗ ſolgter Menſch worden iſt... Aber was geht das den Herrn an! brach ſie ab und trocknete die Augen mit der Schürze.Es freut mich recht, daß ich den Herrn kennen gelernt hab', weil er mein' Dörfel ſo gut kennt und es auch gern hat... Bei wem iſt denn Er geweſen in Kiſſing?

Ich?. Ich bin auch viel aus- und eingegangen bei dem Brentan, dem alten Bildſchnitzer, aber die meiſte Zeit war ich bei dem Jäger, dem Wörſchinger... Ob er wohl noch lebt, der alte Lienhard?

Gewiß weiß ich's nicht, Herr mir iſt faſt, als wenn ich gehört hätt', es ſollt' ein neuer Jäger hinkommen alſo wird der albe Lienhard wohl todt ſein!

Gott tröſt' ihn. er war ein braver Mann! Aber das Jägerhaus... das liegt gar ſchön und ſieht gar ſtattlich aus, Jungfer... möcht Sie nicht da drinnen wohnen und wirthſchaften als Jägerin?

Das Mädchen ſah erglühend zu Boden. Zeit ſeiu, daß ich wieder hineingeh, ſtammelte ſie verwinrt.

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drüben an der Paar, nit weit

der Fremde und wendete ſich unmuthig ab.

Es wird wohl ſchoſſen

aus München nachſchicken, wo ich in Dienſten war.

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Geb' Sie mir doch erſt Antwort, Jungfer Monika drängte der Fremde.Wenn ich nun ein ſolches Plätzchen und ein ſolches Häus'l wüßte und wäre der Jäger und käme zu Ihr und fragte, ob Sie meine Jägerin werden möchte?

So feſt er ihre Hand gefaßt hielt, entſchlüpfte ſie ihm doch ohne Antwort und huſchte in die Tanzſtube zurück; der Mann aber ſaß noch lang und ſtarrte in den ſonnenrothen Abendhimmel hinaus.

Inzwiſchen waren auch die Jäger mit leeren Händen von ihrer Streife zurückgekommen und dachten, Aerger und Unwillen im Wirthshauſe über dem Hochzeitsjubel ſich aus dem Sinn zu ſchlagen. In dem obern Stock angekommen, war ihnen der fremde Jäger im Geſpräch mit der Kranzjungfer um ſo weniger entgangen, als Keiner von ihnen ſich wohl je einer ähnlichen Gunſt zu er⸗ freuen gehabt. Die Frage nach dem Fremden flog hin und wider: niemand kannte ihn, niemand wußte, woher er gekommen und in welches Herrn Dienſten er ſtehen mochte. Sie nahmen ſich vor, das auszuforſchen, und ein langer ſchwarzbärtiger Mann, ein Wild hüter, ſtrich ſich den Schnurrbart und rief:Laßt nur mich machen, Cameraden! Den wollen wir bald heraus haben, wie den Dachs aus dem Bau; denkt, der ſchwarze Wurzer hat's Euch geſagt! Die Gelegenheit dazu ergab ſich bald, denn einer der angeſehenſten Hochzeitsgäſte, der den weiteſten Heimweg hatte, brach auf und ſollte nach unverbrüchlicher Sitte hinausgeblaſen oderheimgegeigt werden. Die Muſikanten voran ging es über die Stiege hinab, zum Hauſe hinaus, bis an den Wagen des Scheidenden, welchem auch Braut und Bräutigam das Geleit gaben bis an die Haus⸗ thür. Alles drängte juchzend, ſchreiend und ſingend nach, auch die Jäger und der Fremde traten wieder auf die Texraſſe. Die Jäger lehnten vorſichtig ihre Gewehre in einer Tiſchecke über⸗ einander.

Die Sonne ging eben unter; der letzte Lichtblitz ſlog über die dämmernde Landſchaft. 1

Ei ſieh einmal, rief jetzt der Wildhüter dem Fremden zu, der Herr ſcheint auch ein Jäger zu ſein. da wären wir ja Cameraden!

Ein Jäger bin ich, antwortete der Fremde kurz,aber mit der Cameradſchaft wird's nicht weit her ſein!

Ei warum das! Der Herr muß ſich eben durch ein paar Waidſprüche ausweiſen, daß er ein Jäger iſt. Sag Er mir ein⸗ mal, was iſt das für ein Thier, das mit zwei Löffeln frißt?

Fopp' Er ſich ſelber oder wen Er ſonſt will, antworteke⸗ Ich hab' Ihn auch noch nicht gefragt, wer Er iſt!

Ei, das ſieht man Unſer Einem wohl lachte der Waldhüter.Aber eben darum hat man ein Recht, Jeden zu fragen, der einen ſolchen Rock am Leib' hat, ob er ihm auch gebührt man hat alſo ein Recht, nach der Kundſchaft zu fragen.

Fragen kann Er immerhin, aber zu ſehen kriegt Er nichts!

Mit dem Burſchen iſt's nicht richtig! flüſterte der Wild⸗ hüter ſeinen Gefährten zu.Denkt, der ſchwarze Wurzer hat's geſagt!. Und wieder zu dem Fremden gewendet fuhr er ſpöttiſch fort:Und nicht einmal ein Gewehr hat der Camerad? Das kommt nach, erwiderte dieſer ebenſo,ich laß, mir's

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über's Gewand an

So? Bei wem denn?

Bei... dem Baron Peterl!

Die Herrſchaft hab' ich noch nie nennen hören. Hat der Baron Peterl denn eine große Jagd, daß Er das Schießen nicht verlernt hat bei ihm?

Das will ich meinen, ſagte der Fremde ungeduldig, ſtand auf und hielt im Augenblick den Stutzen des Waldhüters in der Hand, den dieſer zwiſchen die Kniee geſtellt hatte.Mit Verlaub, ſagte er dann dblätig.Die Kundſchaft kriegt Er von mir nicht zu ſehen, aber daß ich ein Schütz bin, will ich dem Herrn

zeigen... Sieht Er den Raben, der dort über den Acker hin⸗ ſtreicht? Den will ich herunterholen und ihm den Kopf weg⸗ putzen. Im Augenblick krachte auch ſchon der Schuß, der

Vogel drehte ſich, Federn ſtäubten um ihn; ein Burſche rannte hinaus, ihn zu holenDas weiß der Teufel, wie das zu⸗ geht, ſagte er, ihn herumzeigend,der Kopf iſt wurzweg abge⸗

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Der Wildhüter ſaß wie verdutzt und drehte das raue, chende Gewehr in der Hand, als ob er ſich überzeugen wolle, daß/

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