— 41 muß der Geber des Hemdes mit dem Kranken an ein und demſel⸗ ben Tage geboren ſein. Nach Ablauf dieſer vierzehn Tage wird das Hemd ſtillſchweigend ausgezogen und vor Sonnenaufgang in einen Ameiſenhaufen vergraben. Natürlich muß der Kranke bei dieſer Cur ſehr vorſichtig ſein und ja nicht etwa beim An- und Ausziehen des Hemdes oder beim Gange nach dem Ameiſenhaufen ſprechen.
handlung des die Lungenſchwindſucht begleitenden Huſtens und Auswurfs. Denn in Müller's Haus⸗ und Familienarzte werden anempfohlen: Bei trockenem Huſten acht verſchiedene Mittel, bei* krampfhaftem Hüſten fünf verſchiedene Mittel, andere Mittel bei Brechhuſten, lockerem Huſten, bei Abend-, Nacht- und Frühhuſten, bei Huſten, welcher durch Bewegung, Sprechen, Eſſen, im Freien,.
I licher ſchmutziger, grau und weiß carrirter Ueberwurf und eine oder in der Nacht ſeiner— ſeines Todes?“ genau ähnliche Haube, wie ſie ſelbſt trug. Endlich entſchloß ſich„O Gott, gnädige Frau, erlaſſen Sie mir das— wie hätte ſ die Mutter, Beides anzuziehen und ſich niederzulegen— da ich das ahnen, fürchten können— daß er mir ſo bald entriſſen l klopfte es. Es war ſchon tiefe Nacht— was konnte man noch würde! Ich hatte an ſeinem Todestage einen beruhigenden, ja wollen? Die Gräſin trat ein. heitern Brief aus ſeinem Gefängniß von ihm erhalten, und als l„Sie werden mir's gewiß nicht verargen, wenn ich den Wunſch ich mich anzog, um dieſen Brief einigen ſeiner Freunde mitzutheilen, ausſpreche, noch ein Stündchen mit Ihnen zu plaudern,“ ſprach da muß eine plötzliche Schwäche über mich, mein Auge gekommen 1 ſie und ſetzte ſich vor das Bett. ſein; ich ſtand vor dem Spiegel— kurz ich ſah mich in Schwarz Wie geſagt, hatte Alles, was meine Mutter geſehen und ge⸗ gekleidet—“ 13 hört, ſie zu ſehr aufgeregt, als daß ſie vor der Hand auf Schlaf„Sehen Sie!“ rief die Gräfin mit einer Art triumphirender A hätte rechnen können. Sie willigte daher gern in die erbetene Haſt—„aber ich rege Sie zu ſehr auf, gewiß— und möchte „Plauderei“, namentlich weil ſie hoffen durfte, daß die Gräſin ihr Sie doch ſo gern tröſten!“ 1 nun, innerhalb ihrer eigenen Mauern, wohl eher etwas über ſich V Sie ergriff meiner Mutter Hand mit ihren kalten, knöchernen ſelbſt mittheilen werde, als im Gaſthaus. Doch auch diesmal blie⸗ Fingern, als ob ſie nach ihrem Puls fühlte, und ſah ihr mit 1 ben alle dahin zielenden Verſuche fruchtlos. ihren herzloſen blauen Augen prüfend in's Antlitz. Es entſtand 1„Erzählen Sie mir von Ihrem theuren Gatten,“ bat die eine lange Pauſe; endlich begann die Gräfin von Neuem: Gräfin, nachdem ſie längere Zeit über andere Dinge geſprochen„Glauben Sie überhaupt daran, daß er todt iſt?“ hatten,„erzählen Sie von Ihrer Liebe, Ihrer Ehe.“„O Frau Gräfin, wenn Sie wüßten, mit welcher Pein ich Die Geſchichte der Liebe war einfach und bald erzählt. In⸗ dieſe Zweifel niedergekämpft habe— Sie würden mich darnach — deſſen dabei war der Gräfin wieder etwas eingefallen. nicht fragen! Ich muß es ja glauben. Er iſt gewiß und wahr⸗ 4„Ihr Gatte war vorher ſchon einmal verheirathet?“ haftig todt!“— „Ja, Frau Gräfin, ſeine erſte Frau ſtarb ſchon im vierten Wieder ließ die Gräfin einige Minuten verſtreichen; dann Monat der Ehe.“ ſagte ſie mit ſcharfer Betonung: 3„Und er liebte ſie 2“„Das mögen Sie glauben und alle Welt— oder das mag —„Außerordentlich. Es war eine ſchöne junge Frau. Er war man Ihnen glauben gemacht haben— allein ich——4 ſehr unglücklich bei ihrem Tode.“„Was wollen Sie ſagen, Frau Gräfin?“
Fragen wir nun die Homöopathie über die Schwindſucht (Auszehrung, Lungenſucht), ja da werden außer vielen anderen Mitteln ſo viel Hauptmittel dagegen(wie: Kalk, weiße Zaunrübe, Eiſen, Jod, kohlenſaures Kali, Queckſilber, Phosphor, Blei und
im Liegen erregt wird, bei Bell⸗, Seick⸗, Kitzel⸗, heiſerem, pfeifendem oder krächzendem Huſten, bei Huſten mit ſchleimigem, blutigem, eitrigem, übelriechendem, wäſſerigem, zähem, grünlichem, grauem, ſalzigem, bitterem, ſüßlichem, fauligem, ſaurem Auswurfe. Hirſchel
4 Schwefel) in einer Weiſe empfohlen, daß ein Schwindſüchtiger ge⸗ hat auch noch einige andere Hauptmittel als Müllexr, z. B. Kohle, a radezu ein Selbſtmörder iſt, wenn er ſich nicht homöopathiſch curi⸗ China, Jod, Bärlapp, Salpeterſäure und Kieſelerde. Arthur Lutze 1 ren läßt. Merkwürdig iſt's nur, daß ſolche Kranke ſchließlich faſt richtet ſich natürlich bei Darreichung ſeiner Arzneien danach, ob die 8 ſtets zu einer andern, manchmal noch viel dümmeren und neben⸗ Lungenſchwindſucht auf der rechten oder auf der linken Seite der bei auch noch ſchädlicheren Heilmethode(z. B. zur Kaltwaſſercur) Bruſt ſitzt; für die linke Lunge hat er Kalk, China, Jod, Queck⸗
1 übergehen, oder daß ſie, wenn die Noth am größten iſt, von ſilber und Schwefel, für die rechte beſonders Blei. Giebt es
ihren homöopathiſchen Heilkünſtlern in ein ſüdliches Klima ge⸗ denn wirklich noch größeren Unſinn?
ſchict werden. Geradezu ſpaßhaft iſt die homöopathiſche Be⸗ Bock.
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Ein denkwürdiger Beſuch.
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Fragmente aus unſern Familienpapieren. Von Hans Blum. (Schluß.)
Während der Mahlzeit machte meine Mutter zu wiederholten Malen den Verſuch, wenigſtens einige Bruchſtücke aus dem früheren Leben der Gräfin enthüllt zu ſehen, namentlich das Verhältniß zu ihren Gatten— allein ſtets vergeblich; immer wußte ihr die Gräfin durch den Wunſch zu entgehen: daß ihr die Mutter bei der kurzen Zeit ihres diesmaligen Aufenthaltes möglichſt viel von ihrem eige⸗ nen Leben erzählen und alles Uebrige einem ſpäteren Zuſammen⸗ ſein überlaſſen möchte. Dagegen wiederholte ſie immer eindring⸗ licher und öfter die Bitte, ihr unſere Ida zur Erziehung zu über⸗ laſſen, und ſtand erſt davon ab, als ihr auf's Beſtimmteſte erklärt wurde, daß ſolche Anerbietungen ebenſo nutzlos wie unangenehm ſeien.— Es war unterdeſſen Stunde um Stunde verſtrichen, ohne daß der entſendete Bote zurückgekehrt wäre, und die Mutter bat unſere Wirthin endlich dringend, deſſen Kommen nicht abzuwarten, da die Kleine im„Schloß“ aufwachen und ſich in den ungewohn⸗ ten Räumen ohne Mutter verlaſſen fühlen, wohl gar verletzen
„Und iſt ſie ihm nie darauf erſchienen?“
„Wenn Sie das ‚erſcheinen“ nennen wollen, was uns unſere erregte Seele im Traum vorführt, mehrmals. Er hat einige höchſt merkwürdige Aufzeichnungen hinterlaſſen über die Geſpräche, die er dann mit ihr über das Jenſeits zu führen meinte. Doch was ſoll das Alles? Frau Gräfin, glauben Sie denn an Er⸗ ſcheinungen?“
„Gewiß! Die wahre Liebe feſſelt zwei Seelen über das Grab hinaus aneinander. Dieſe geheimnißvolle Sympathie zeigt ſich ja ſchon im Leben, wenn unſere Liebe anfängt, und je inniger ſie wird, um ſo ſchöner, deutlicher. Haben Sie es nicht ſtets im Voraus gewußt, wann und daß Fer Sie beſuchen würde, als Sie ſich noch nicht erklärt hatten?“
„Allerdings— aber das lügt man ſich ſelbſt vor. Man er⸗ wartet den lieben Beſuch ſtets, unaufhörlich, und wenn die Hoffnung eintrifft, meint man eine Ahnung gehabt zu haben.“
V könne. Die Gräfin war damit einverſtanden und verſprach der„O, ſchätzen Sie das nicht ſo gering, werthe Frau, glauben
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Mutter einen Erſatz für ihre Wäſche zu liefern; wir kehrten denn] Sie mir— ich kann darin von merkwürdigen Dingen erzählen.“ im's Schloß zurück. Wir Knaben legten uns ſofort zur Ruhe„Nun?“
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und ſchliefen ſogleich ein. Nicht ſo unſere Mutter. Zunächſt war das von der Gräfin verabreichte Surrogat von Wäſche höchſt eigenthümlicher Natur, nämlich nichts Geringeres als ein ähn⸗
„Ach, das iſt lange, lange vorüber— reden wir nicht davon. Beantworten Sie mir nur noch einige Fragen. Wie war es Ihnen
zu Muthe, als er in Wien war; ich meine zu der Zeit, am Tage
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