Jahrgang 
3 (1868)
Seite
48
Einzelbild herunterladen

Deutlichkeit halber iſt hier eine Zeichnung beigefügt Fig. 1 ſtellt, wage⸗ recht ſchraffirt, den Gummiring, und, punktirt, das Leinwandläppchen unter demſelben vor. Fig. 2, eben⸗ falls in natürlicher Größe, zeigt, wagerecht ſchraffirt, den auf der Zehe befeſtigten Gum⸗ miring, punktirt den um Ring und Zehe geſchlungenen Leinwandſtriemen, während, etwa bei a auf der kleinen Zehe, das Hühnerauge ſich befindet. In entſprechender Weiſe werden die Ringe an gelegt, wenn die Hühner⸗ augen an anderen Stellen und anderen Zehen ſich ge bildet haben ſollten.

Sollten einige der verehr⸗ ten Inhaber der erwähnten kleinen Plagen nach Anwen⸗ dung des oben beſchriebenen Mittels über den Verluſt ihres Eigenthumes ſich nicht tröſten können, da die Er⸗ fahrung lehrt, daß der Menſch im Allsemeinen ſich nur mit Widerſtreben von dem trennt, was ihm, gleichviel in welcher Form, gehörte, ſo dürfte ihnen, behufs baldigen Erſatzes für das Verlorene, die Anſchaf fung von ſolchem Schuhwerk beſtens empfohlen werden, welches einen ſogenannten

ſchönen Fuß macht, d. h. die

Zehen recht gehörig gegen und unter einander zwängt.

Gotha, Mai 1867. L. B.

Wie Du mir, ſo ich Dir! Vor nicht zu langer Zeit wurde eines Abends im Pariſer Théatre frangais das wunderhübſche und ergreifende Stückla jole fait peur gegeben, das auch auf unſeren deutſchen Büh⸗ nen unter dem Titeldie Furcht vor der Freude nicht unbekannt iſt. Der Kaiſer und die Kaiſerin wohnten der Vorſtellung bei und die Kaiſerin Eugenie hatte ſich ſehr bewegt bereits einige Mal mit einem mikroſkopiſchen Spitzentaſchentuch die Augen getrocknet. Es war klar, daß dies kleine Viereck von Alengonſpitzen von Minute zu Minute ungenügender wurde bei dem immer wachſenden Intereſſe an dem Stücke. Der Kaiſer, welcher, ohne ein Wort zu ſagen, dieſe kleine ſtumme Scene neben ſich betrachtete, drehte mit ſtillem Lächeln ſeinen Schnurrbart; endlich zog er ſacht, faſt hinterliſtig ſein eigenes Taſchentuch aus der Taſche und hielt es ſeiner Nach⸗ barin hin, die ſich raſch deſſelben bemächtigte.

Ja, es giebt noch gute Menſchen, und ihre Zahl iſt, tritt wie in Johann⸗Georgenſtadt.

Für den Weihnachtstiſch der Kinder in Johann⸗Georgenſtadt.

Inzwiſchen wurde immer weiter geſpielt, die Intrigue verwickelte ſich immer mehr, die Scenen wurden immer ergreifender, und alle Welt in der kaiſerlichen Loge war bewegt und aufgeregt geworden. Plötzlich bemerkte die Kaiſerin, daß die allgemeine Rührung ſelbſt das Staatsoberhaupt ergriff, noch ein Weilchen Geduld und eine Thräne rollte in den kaiſerlichen Bart da gab ſie ſchnell und triumphirend mit einem malitiöſen Lächeln dem Ge⸗ mahl das ihm gehörige Batiſttuch zurück, deſſen er jetzt ſelbſt bedurfte.

Friederiken⸗Album. Die Gartenlaube, ſtets voran, Lebenden kzu ihrem Rechte zu verhelfen, hat auch vielfach zur Berichtigung der Volksſchuld an theuern Heimgegangenen aufgefordert. So iſt es ihrer Anregung zu dan⸗ ken, daß auf dem ſo lange vergeſſenen Grabe Friederike's von Seſenheim, Goethe'sHaideröslein, jetzt ein würdiges Denkmal ſich erhebt, deſſen Berechligung in der von Ludwig Eckardt herrührenden Inſchrift:

Ein Strahl der Dichterſonne fiel auf ſie,

So reich, daß er Unſterblichkeit ihr liehl! kurz und ſchön ausgedrückt iſt. Im Auftrage des Briondenkſtein⸗Comités hat Friedrich Geßler, ein junger, begabter Poet, der das ganze Unter⸗ nehinen mit aufopfernder Hingabe in's Leben gerufen, ein Friederiken⸗ Album herausgegeben, deſſen Reinertrag zur Erhaltung des Grabmals be⸗ ſtimmt iſt. Gediegenen Inhaltes viele unſerer hervorragendſten Dichter haben beigeſteuert und von geſchmackvoller Ausſtattung, empfiehlt es ſich ebenſoſehr durch ſich ſelbſt, als um ſeines Zweckes willen, der überall im deutſchen Volke der Würdigung und Förderung ſicher ſein darf. Das Buch iſt direct von dem Comité zu beziehen und wird frei verſandt gegen Ein⸗ ſendung oder Nachnahme des Betrages. A. Traeger.

Heine und die Franzoſen.

. ie Die Laube'ſchenErinnerungen an Heinrich Heine(ſ. Nr. 2,

S. 24) rufen uns die treffliche Abfertigung ins⸗

Gedächtniß, welche O. L. B. Wolff während ſeines Aufenthaltes in Paris(im

Frühling 1835) einem dortigen Journaliſten in Bezug auf deſſen Urtheil über den deutſchen Dichter angedeihen ließ. Die franzöſiſche votrnaliſtiche Notabilität wandte ſich an Wolff mit der Frage:Kennen Sie Herrn Heine?Ja, mein Herr, ich kenne ihn ſehr gut, lautete die Antwort. Da erhob ſich Jener zu der Phraſe:Herr Heine iſt ein beinahe franzöſiſches Genie. Dem entgegnete Wolff mit aller Ruhe ſeiner Selbſtbeherrſchung:Verzeihen Sie, er iſt ein deutſches Genie, welches das Talent beſitzt, auch ein franzöſiſches Genie zu ſein, wann es ihm gefällt.

Zur Warnung. In der Gartenlaube 1867, S. 446 erwähnt Prof. Dr. Bock das Fröndhoff'ſche Mittel gegen Epilepſie und bemerkt, daß der Hokuspokus drei Thaler koſte, dem Verfertiger aber nicht über einen Silber⸗ groſchen zu ſtehen komme. Einſender dieſes, durch die ehrliche, vielver⸗ ſprechende Zeitungsannonce gelockt, ließ ſich das Mittel kommen, hat nach⸗ her den Trug kennen gelernt, hat aber ſeine fünf Thaler bezahlen müſſen. Da noch immer Zeitungen das Fröndhoff'ſche Mittel ankündigen, ſo wird das große Publicum der Gartenlaube hierdurch von einem Laien nochmals vor dieſer argen Schwindelei gewarnt.

H. r.

Gottlob, nicht gering, wo das Unglück ſo hülflos und bejammernswerth vor die Angen Und daß die von der Weihe des Chriſtfeſtes gehobenen Herzen zur Mildthätigkeit ſich beſonders hingeneigt fühlten,

dafür ſpricht die Thatſache, daß ſeit den acht Tagen des Erſcheinens unſeres Bildes von der Weihnacht zwiſchen den Trünanern der Brandſtätte wieder vierhundert Thaler bei uns eingegangen ſind. Es wird den hochherzigen Gebern zur Genugthuung gereichen, daß auch dieſe letzten Gaben noch für die beabſichtigte Beſcheerung verwendet wurden, weil dieſelbe, wie der Herr Bürgermeiſter von Johann⸗Georgenſtadt uns mittheilt, und zwar für fünfhundert⸗ undfünfzig arme Kinder, erſt am Abend des großen Neujahrs ſtattgefunden hat.

Es gingen ferner ein: Goetheſtube der Stadt Frankfurt in Leipzig 21 Thlr.; aus der Sparbüchſe von Gretchen, Milchen und Friedchen in Nürnberg

3 G

3 Thlr.; ein Schwabe, der die Strapazen eines Obdachloſen im Winter mit empfunden 6 Thlr.; P. R. R. in Magdeburg 10 Thlr.; geſammelt vom

Männerturnverein in Neuſchönefeld am erſten Feiertag 5 Thlr. 5% Ngr.; ein reichbeſchenktes Kind in Dresden 10 Thlr.; M. aus Weimar 3 Thlr.;

A. U. in Oberſteinbach 2 Thlr.;

aus Dahme: Wir haben nicht heidenmäßig viel Geld, ſonſt ſchickten wir mehr, 5 Thlr.;

C. L. in Glauchau 5 Thlr.;

A. Plohn in Summin 5 Thlr.; H. H. in Gräfenthal 5 Thlr.; A. D., S. D. u. C. D. in Bremen 2 Thlr.; Hans F. in Carlsruhe 2 Thlr.; F. Erhard

in Leimen 6 Thlr.; Hannover 5 Thlr.; aus Bremen 10 Thlr

H. Abeſſer in Berlin 10 Thlr.; C. E. in Lauſche 2 T

C. E. in Frankfurt a/O. 2 Thlr.; Oscar Schüll in Düren

hlr.; Weimar H. 120. 20 Thlr.; H. Hilgendorf in Cöslin 2 Thlr.; L. N. in

2 Thlr.; Frau M. H. in Hanau 5 Thlr.; Tb. u. C. in Chemnitz 8 Thlr.;

9 F

C. u. W. B. n. H. F. in Wetzlar 3 Thlr.; E. K. in Wittenberg 2 Thlr.; von einem kranken Manne 2 Thlr.; Paſtor Scheuffler in Groß⸗ Zſchocher 2 Thlr.; Max Vogel 10 Sgr. und Manrermeiſter Vogel 2 Thlr.; L. B. 2 Thlr.;

von einem Manufacturiſten in Schwerin, der ein

gutes Weihnachtsgeſchäft gemacht, 4 Thlr. 15 Ngr.; von Einem, der die Weihnachtsfreuden dieſes Jahr entbehren muß, 5 Thlr.; aus der Sparbüchſe der

Kinder von W. W. in Langenſalza 3 Thlr.; W. aus Barmen 5 Thlr.;

W. u. H. in Dresden 2 Thlr.; Sammlung der J. W.ſchen Kinder in Langenſalza

2 Thlr.; R. in Delitzſch 5 Thlr.; eine in Görlitz ſitzengebliebene luſtige Geſellſchaft 2 Thlr.; G. u. R. 1 Thlr. 22 ½ Ngr.; ein Glücklicher in Großenhain

10 Thlr.; 5 Thlr.; Müller in Leipzig 2 Thlr.;

aus Freiberg 2 Thlr; aus Camburg 10 Thlr.; aus der Sparbüchſe meiner Kinder A. L. in Leipzig 2 Thlr. 14 Ngr.; B.

G. T. in Leipzig

Dr. Rod. Benedix 2 Thlr.; E. u. S. in Leipzig 3 Thlr. 10 Ngr.; Geſellſchaft Erholung in Sonneberg 26 Thlr.;

Sängerverein in Podelwitz(Reinertrag eines Concerts) 12 Thlr.; S. F. in Ansbach 4 Thlr.; Dr. P. 10 fl., L. N. 2 fl., A. P. 2 fl., G. N. 1 fl. in Edenkoben; ein junger Commis, der einen Monat gern auf einen beſſern Abendtiſch verzichtet, 5 fl.; L. G. in Wien 1 fl. öſterr.; von mehrern Deutſchen in Paris, durch Aug. Weisflog 50 Franken; eine Sendung wollener Gegenſtände aus Apolda; zwölf Stück Stollen vom Bäckermeiſter A. Scherze in Leipzig; Sendung Stolle und Pfefferkuchen; von einem Ungenannten 10 Thlr.; Barney 15 Ngr.; Hellpapp 1 Thlr.; von den Stammgäſten der Rhein⸗

ländiſchen Weinſtube: G. 1 Thlr., W. 1 Thlr., L.

D

1 Thlr., Pck. 2 Thlr., P. 20 Ngr., zuſanunen 6 Thlr. 5 Ngr. 3 2 Sendungen mit je einem Thaler gingen ein von: Scholl in Lüchtringen; Turnverein in Suhl(nebſt 2 Ngr.); E. F. in Großſchönau; U.; F. B. in L.; Adv. K. in L.;

.

B. B.; E. S.; M. in Neumarkt;

D. M.; F. v. F.; A. Poutander in Dresden; A. F. in Pirna: G. F. in L.; Abonnentin in Wilsdruff; R. W. in Biſchofswerda; R. E. in Gera; R. J. in Deſſan; R. in Potsdam; Adv. Wehrmann; H. S. aus Reudnitz; eine Waiſe; C. B. F. alle Marien im ganzen lieben deutſchen Vaterlande ein Gleiches thunmöchten; C. A. in Schweidnitz; B. in Leheſten; Melanie K.; Dr. B. in burg; G. G. in Nürnberg; Frau C. L. in Breslau; A. T. in Dresden; ein Ungenannter; G. in Birkenfeld; ein Northeimer; G.

in Dresden; eine Marie in Eiſenach, mit dem Wunſche, daß Magde⸗ in Sonneberg; F.

Hainichen; M. in Freiburg; ein Handwerker in Lindau, nebſt zwei Paar Schuhe; Wenig mit Liebe; Fräulein Ida N. in Barmen; eine Wittwe in

men; H. Greifeldt in Suhl; aus einer fröhlichen Familie in Eiſenach vom Hahn im Korbe.

Inhalt: Der Schatz des Kurfürſten. Hiſtoriſche Erzählung von Levin Schücking.(Fortſetzung.) Zum letzten Mal. Mit Illuſtration. Für die in und mit Staub Arbeitenden.

Zur Diütetik für Lungenkranke. aus unſern Familienpapieren. Von Hans Blum.(Schluß.)

1 4 Die Pergola des Hotel P Mit Abbildung. Blätter und Blüthen: Ein Theaterſcandal in Rom. Eine Wohlthat Friederiken⸗Album. Von A. Traeger. Heine und die Franzoſen. Zur Warnung

Die Redaction.

Von Bock. Rit Abbildungen. Ein denkwürdiger Beſuch. Fragment no. Ein Reiſebild von R. Waldmüller(Ed. Duboc). Viele. Mit Abbildung. Wie Du mir, ſo ich Dir!

ir den Weihnachtstiſch der Kinder in Johann⸗Georgenſtadt.

Verantwortlicher Redacteur Ernſt Keil in Leipzig. Verlag von Eruſteeil in Leipzig⸗ Druck von Alexander Wiede in Leipzig.