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beiden Auserwählten ſeines Herzens zuerſt gegenüber geſtanden hatte, grübelte Fra Arcangeli Tag für Tag über die Löſung ſeiner Auf⸗ gabe: unabläſſig kritzelte er Dreiecke in die Säulen der Pergola; bis jetzt hatte er indeſſen noch kein Dreieck zu Stande gebracht, bei dem, ſo meinte er zum wenigſten, nicht immer eine Linie gegen die anderen beiden zu kurz komme.
Und das iſt ſo etwa die Geſchichte, wie ſie mir von jener ſchönen Fahrt nach Capri wehmüthig und doch hold— denn im Süden kleidet ſich ja das Traurigſte ſelbſt in helle Farben— in der Erinnerung verblieben iſt. Andere mögen, wenn ſie Capri's
Hlätter
Ein Theaterſcandal in Rom. An demſelben 26. December des Jahres 1815, an welchem im Theater Valle zu Rom Roſſint's„Torwaldo e Dorliscat (beiläufig geſagt, eine ſeiner ſchwächeren Productionen) gegeben wurde, machte der genannte Componiſt mit dem Impreſario des Theaters Argentina in Rom einen Contract für eine Buffa-Oper, die er bis zum 24. Januar 1816 fix und fertig zu liefern ſich verpflichtete und für die er vierhundert römiſche Scudi erhalten ſolle. Alſo in neunundzwanzig Tagen— vom 26. December bis zum 24. Jannar— war das Werk, welches aus zwei Acten beſtehen ſollte, zu vollenden; man behalte das wohl im Gedächtniß. Nun war aber durchaus noch kein Operntext vorhanden; es vergingen verſchiedene Tage, ehe der Director ſich mit der römiſchen Cenſur über ein Sujet zu einigen vermochte; dann mußte erſt ein Dichter geſucht werden, der ſich endlich in der Perſon eines gewiſſen Sterbini(eines dilettirenden Poeten) auch fand — kurz, es vertroͤdelte ſich eine Maſſe Zeit, und als endlich Alles gehoben und gelegt war, blieben Roſſini noch dreizehn, ſage dreizehn Tage. Und in dieſer unglanblich kurzen Friſt brachte er denn auch ſein Werk zu Stande, welches kein anderes iſt, als„II Barbiere di Siviglia“, jenes leuchtendſte Juwel unter den Roſſini'ſchen Kleinodien, jenes Muſterſtück der Buffa⸗Gattung. Aber wie arbeitete er auch! Tag und Nacht ging's; in der einen Stube ſeiner Wohnung ſaßen er und der Dichter, in der andern die Copiſten; das Verſificiren und Componiren ging Zug um Zug, Schlag um Schlag, und jedes vollgeſchriebene Blatt wurde gleich in's Reine gebracht. Es war wie im Kriege: man aß, wenn man konnte, und man ſchlief, wo man ſaß oder ſtand. Ja, um ganz am Ausgehen verhindert zu ſein, ließ ſich Roſſini während der ganzen dreizehn Tage den Bart nicht abnehmen;— wegen des„Barbiers“ nicht„raſirt“ zu werden, das iſt gewiß höchſt komiſch.
Während nun Roſſini dieſes wahrhafte Wunder von Thätigkeit und Genie verrichtete, während die Schreiber noch copirten und die Säuger ſtudirten, bereitete ſich ein Ungewitter gegen das neue Werk vor, das von Feinden und Neidern zuſammengebrant wurde, und dem der intriguante Paeſiello, obwohl fern vom Schauplatz, nicht fremd war. Hatte dieſer doch auch einen„Barbier von Sevilla“ componirt, und war das Libretto deſſelben doch ebenfalls nach der gleichnamigen Komödie des Beaumarchais bearbeitet.
War das nicht eine prächtige Handhabe, um als wolle er durch eine übermüthige Concurrenz mit dem alten und be rühmten Meiſter dieſem die Lorbeeren verkümmern? Und ließ ſich dieſe Ver dächtigung nicht vortrefflich verwerthen, um Roſſini überhaupt als frechen Neuerer, als Verächter claſſiſcher Traditionen und Conventionen Etwas an zuhaben? Nichts half es, daß auf die Clauſel des Contracts hingewieſen wurde, nach welcher Roſſini bei der Wahl eines Libretto gar keine Stimme hatte und nur dasjenige in Muſik zu ſetzen hatte, welches der Director ihm
übergeben würde, ſei es alt oder neu. Nichts half es ferner, daß man dem Textbuch eine Vorrede vordruckte, in welcher alles Unterſcheidende zwiſchen den Libretti des Paeſiello'ſchen und Roſſini'ſchen„Barbiers“ nachgewieſen und dem Verdacht vorgebeugt wurde, als wolle der junge Componiſt mit dem alten renommirten Meiſter in irgend welche Rivalität treten. Ja, der Re ſpect vor dem älteren Werke war ſogar inſoweit gewahrt, als man die neue Oper nicht unter dem Titel des Erſteren:„II Barbiere di Siviglia, ossia Pinutile Precauzione“, auf die Bühne brachte, ſondern ſie„Almaviva ossia v'inutile Precauzione“ benannte.(Nachgehends iſt der Titel„der Barbier“ allerdings wieder gäng und gäbe geworden.).
Alſo wie geſagt, alles Vorbeugen und Entſchuldigen fruchtete nichts; eine Demonſtration gegen das zu erwartende Erzeugniß Roſſini's war beſchloſſene Sache, und am Abend des 5. Februar 1816, wo der„Barbier“ zum erſten Male auf der Argentina gegeben wurde, feierten der Neid, die Bosheit und das Vorurtheil in dem Theaterſcandal, den ſie organiſirt hatten, eine wahre Orgie. Keine Nummer der Oper, von der Ouverture bis zum zweiten Fit nale, wurde ruhig angehört; Verhöhnungen regneten ſtromweiſe herab auf Muſik, Darſteller und Situationen, ja, ſie erſtreckten ſich ſogar auf den
Roſſini zu verdächtigen,
Neein Chaos, das unentwirrbar war.
nußbraunen Rock, in dem Roſſini am Flügel ſaß; Tumultuiren, Pfeifen, 5 Gelächter, die Applaudirungsverſuche einer vernünftigeren Publicums-Mino rität und der Freunde des Componiſten— Alles das bildete ein Charivari,
Mußten nun auch noch Vorfälle ſich ereignen, wie: daß dem Almaviva mehrere Saiten ſeiner Guitarre riſſen, als er ſich ſeine erſte Arie accom pagnirte,— daß Baſilio bei ſeinem Auftreten hinfiel und mit blutender Naſe die„Calunnia“ ſingen mußte,— daß, um das Maß voll zu machen,
im erſten Finale eine Katze ſich auf die Bühne verirrte und, ſcheu gemacht
durch die Lichter, den Laärm und die Muſik, wie toll herumraſ'te! Und
Roſſini? Natürlich war er machtlos gegenüber dem Scandal; doch ließ er ſich nicht inſoweit werfen, daß er nicht hin und wieder den gegen ihn ge⸗
und Blüthen.
gedenken, das Bild jenes gigantiſchen Felſen vor ſich aufſteigen ſehen, von welchem Tiber ſeine Opfer in's Meer ſtürzen ließ. Mir ſteht jenes letzte Haus auf Anacapri im Gedächtniß; und ich ſehe, wie damals, die beiden in Trauerkleider gehüllten Frauen⸗ geſtalten auf dem ſchönen freigelegenen Dache ſitzen, über ihre gemeinſame Stickerei gebückt, welche ihre Gebete für den armen Gaetano unterſtützen ſoll. Vor Allem aber gedenke ich jener Per⸗ gola, bei deren Betreten ſo wenige Beſucher Capri's ahnen, wie ananſich bange dort einſt drei arme Menſchenherzen geßpocht haben.
ſchleuderten Invectiven und Iunterpellationen derbe Replilen entgegenſetzte, auch wohl auf ſeinen Stuhl ſtieg und den gemißhandelten Darſtellern ſeines gemißhandelten Werkes Muth zum Ausharren zuſprach oder Beifall zu klatſchte. Daß er damit nur Oel in's Feuer goß, iſt erſichtlich.
So ungefähr war die erſte Vorſtellung des„Barbiers“ beſchaffen. Die zweite zu dirigiren hatte er auf's Entſchiedenſte verweigert; denn die Be handlung, welche er erfahren hatte, war ihm denn doch ein wenig zu hahn büchen, und er fürchtete eine Wiederholung derſelben. Ruhig blieb er daher am Abend der zweiten Vorſtellung in ſeinem Zimmer. Da hörte er mit einem Male einen Tumult, erſt aus der Ferne ſchallend, dann immer näher heranbrauſend; aus dem Gewirre löſen ſich Rufe mit ſeinem Namen los. Kein Zweifel, im Theater war wieder der Teufel los gegangen; die Pöbel haftigkeit wollte ſich ihr Hauptopfer nicht entgehen laſſen und kam nun, um im eignen Hauſe den gehaßten Roſſini zu inſultiren. Wer aber malt ſein Erſtaunen, als er in den die Treppe Heraufſtürmenden und in ſein Zimmer Dringenden ſtatt einer Rotte von Gegnern eine Schaar von Freunden er blickt, die ihn jubelnd umringt mit der Verkündigung, daß der erſte Act ſeiner Oper nicht nur mit Ruhe angehört, ſondern auch mit Enthuſiasmus auf genommen worden ſei; daß das Publicum ſtürmiſch nach ihm verlange, und daß er mit in's Theater müſſe, um den zweiten Act zu dirigiren. Die unten vor dem Hauſe verſammelte Menge hatte ſich inzwiſchen mit Fackeln verſehen, und beim Scheine derſelben wurde der Componiſt im Triumph. zur Argentina geleitet, wo man nun eben ſo überſchwänglich in Gunſt und Ehrenbezeigungen gegen ihn war, als früher in Schmähungen und Ver⸗ läſterungen. Erkläre ſich dieſen Umſchlag wer will und kann; genug iſt’s, daß mit ihm der„Barbier“ in ſeine Rechte eingeſetzt wurde und daß Neid und Cabale ihr Werk umſonſt gethan hatten.
Eine Wohlthat für Viele. Es giebt ein Hausmittel gegen ein kleines, aber recht empfindliches Uebel, das andern Mitteln beharrlich trotzt. Das Uebel haißt Hühneraunge und tritt oft ſo unbeſcheiden auf, daß Proppen nicht mit Unrecht behauptet, er hätte eines, welches ſo groß wäre, daß er nicht mehr wüßte, wer das Hühnerauge und wer die Zehe iſt.
Gegen Hühneraugen, die äußerlich unmittelbar mit dem Schuhwerke in Berührung ſtehen, ſind Ringe aus Leder oder Filz, mit Heftpflaſter um das Hühnerange befeſtigt, mit gutem Erfolge augewendet worden. Anders ver hält es ſich aber, wenn Hühneraugen beſeitigt werden ſollen, welche zwiſchen zwei Zehen ſich angeſiedelt. Hier helfen die Ringe nicht mehr, da ſie leicht hart werden oder ſich verſchieben, zumeiſt aber wohl darum nicht, weil ſie auf die bereits empfindliche, oft entzündliche Stelle der mit dem Hühner auge behafteten Zehe anfgeſetzt werden.
Die Hühneraugen zwiſchen den Zehen entſtehen faſt immer in Folge Druckes, den die hervorragenden Knochen der Zehengelenke auf die be nachbarten Zehen ausüben. Mit liebenswürdiger Ausdauer pflegen dieſe Knochentheile die Kinder ihrer Laune großzuziehen und zu unterhalten, und das um ſo eifriger, je mehr ſie darin durch die meiſt ungeſchickte, aber ſeit tens der Herren Schuhmacher mit Stolz vertheidigte, auf das Zuſammien preſſen der Zehen hinzielende Facon des Schuhwerkes unterſtützt werden. Der Verſuch, dem Berbrecher direct auf den Leib zu rücken, durch Auffleben eines paſſenden Ringes auf die Stelle der Zehe, welche durch ihren Druck auf der Nachbarzehe ein Hühnerange verurſacht(das Auseinanderhalten der beiden feindlichen Nachbarn vermittels des Ringes) hat die beſte Wirkung gehabt; die arme Hühneraugenzehe, froh, von dem Drucke der Knochen ihres Nebenmannes befreit zu ſein, beeilte ſich nicht blos, keine Schmerzen mehr wahrnehmen zu laſſen, ſondern in der kurzen Zeit von zwei bis drei Wochen auch ihr Hühnerauge, in Form eines harten, linſen förmigen Körperchens, abzuſtoßen.
Das geprieſene Mittel beſteht alſo 1) in einem kleinen Ringe aus Gummi elaſticum(weiches Gummi, wie ſolches zum Auswiſchen von Blei ſtiftſtrichen benutzt wird), den ſich Jedermann leicht mit der Scheere zurecht ſchneiden kann, 2) aus einem ungefähr einen halben Centimeter breiten und achtzehn bis zwanzig Centimeter langen Striemen mit Heftpflaſter beſtriche ner Leinwand, und 3) aus einem mit Heftpflaſter beſtrichenen Leinwand läppchen von der Größe des Ringes.“*— Das Leinwandläppchen wird unter
den Ring gelegt und dieſer mit ſammt dem Läppchen an die Stelle der Zehe angehalten, welche die Urſache des Hühnerauges war; dann wird, be⸗ hufs Befeſtigung des Ringes, der Leinwandſtriemen ſo um Ring und Zehe geſchlungen, daß die dem Hühnerauge zugekehrte Ringöffnung nicht überdeckt V werde. Die Riuge bleiben auch Nachts liegen; das Heftband pflegt eine 1
des
Woche lang, ohne ein Verrutſchen zuzulaſſen, zu halten.
Kann Einfachheit halber auch wegbleiben, da das Läppchen nur dazu⸗ dienen ſoll, dem Ringe auf der Zehe eine ebene Unterlage zu bereiten.
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