——
S
—=
G D/
Jluſtrirtes Familienblatt.
— Herausgeber Ernſt Keil.
Wöchentlich 1 ½ bis 2 Bogen.
Vierteljährlich 15 Ngr.— In Heften à
Der Schatz des Kurfürſten.
Hiſtoriſche Erzählung von Levin Schücking.
(Fortſetzung.)
Eliſe— bleibt, bleibt!“ rief gedämpften Tones der Inſpector hinter ihnen, und an ſie herantretend fuhr er fort:„Hat Menſing mit Ihnen geſprochen, Wilhelm?“
„Er hat es, Herr Inſpector!“
„Und welche Antwort haben Sie ihm gegeben?“
„Die Antwort, die er von mir erwartete. Wenn Sie wünſchen, daß Eliſe thut, wie Menſing will, ſo werde ich Ihren Schatz fahren— aber ohne ſie nicht!“
„Und Du, Eliſe?“ fragte der Inſpector ſeine Tochter.
Sie umarmte ihn, und ihren Kopf an ſeine Bruſt legend, ſagte ſie:„Ich ſehe nur das Eine, daß ich helfen kann, Deinen Kummer und Deine Sorge zu enden!“
„Du biſt ein gutes, gutes Kind,“ ſagte der Inſpector weich, „und Sie, Wilhelm, Sie verdienen ſie nicht zu theuer, wenn Sie Eliſe verdienen durch eine muthige That, bei der Sie das Leben auf's Spiel ſetzen...“
„Das weiß ich, Herr Inſpector,“ freut mich, daß ich die That gefunden habe, durch welche ich verdienen kann!“—
Die Aufgabe, welche dem Inſpector zugefallen, war von dieſem über Erwarten glücklich gelöſt. So zagend und ſo kleinlaut er die erſten Worte, welche Menſing ihm angegeben, auch fallen laſſen, als er mit dem Grafen Boucheporn die Beſichtigung des kleinen Luſtſchloſſes zu Schönfeld vorgenommen, ſo leicht war es ihm geworden, ſeine Rolle weiter zu ſpielen. Graf Boucheporn nämlich war mit einer ſolchen lebhaften Theilnahme und bereitwilligen Gläubigkeit auf das, was ihm Steitz mittheilte, eingegangen, daß dieſer nicht zu ſorgen brauchte, von ihm durchſchaut zu werden— und bereit zu Allem zeigte ſich der Graf.
„Ja, ja, Sie haben Recht, Inſpector!“ rief er aus, Steitz am Knopfe ſeines Rockes faſſend;„wenn es ſo iſt, ſo ſenden Sie das Mädchen weg; es iſt das Beſte, das Einzige, was Sie thun können; einen königlichen Fourgon dazu ſollen Sie haben und ein Laissez-Passer auch— jeden Augenblick können Sie es be⸗ kommen...“
„Ich bin gerührt von Ihrer Güte, Herr Graf,“ verſetzte der Inſpector.„Ihr Rath beſtimmt vollends meinen Entſchluß! Wenn es nur ganz in der Stille, ohne Aufſehen und Gerede, geſchehen könnte! Es müßte Alles dabei gemieden werden, was meine Tochter in den Mund der Leute brächte....“
„Natürlich!“
„Darum,“ fuhr Steitz fort,„müßte die Abreiſe Nachts ge⸗ ſchehen, auch ſchon deshalb, damit La Croix ſie nicht bemerkt!“
verſetzte Wilhelm,„und es ſie
le
„Nachts, gewiß,“ fiel Boucheporn ein,„ich will das dem Stallmeiſter ſelbſt ſagen und ſchon begreiflich machen!“
„Aber, Herr Graf verſprechen mir... „Schweigen? Diseretion? verlaſſen Sie ſich darauf, lieber Steitz!“
26 ſpector,„daß ich wagen möchte, noch Eines hinzuzufügen.“
„Und was iſt das? ſprechen Sie doch frei heraus, Steitz.“
„Ich wäre der Verſchwiegenheit des Stallknechtes, der den Wagen führt, nicht ſicher; nur Einer iſt unter dem Stallperſonal, welchem ich ganz vertrauen könnte, es iſt der Sohn einer Wittwe, einer mir wohlbekannten Frau, er heißt Wilhelm Momberg...“
„Und Sie wünſchen, daß dieſer Wilhelm Momberg die Ordre bekommt...“
„Es wäre mir außerordentlich erwünſcht, wenn er den Fourgon fahren würde... wenn es zu machen wäre, würde es Ihrer Gnade die Krone aufſetzen!“
„Weshalh ſollte es nicht zu machen ſein? ich werde ſelbſt mit dem Stallmeiſter reden.“
„ und auch ihn um Discretion bitten, Herr Graf?“
„Das verſteht ſich, verlaſſen Sie ſich auf mich,“ fiel der
eifrige Franzoſe lebhaft ein,„werfen Sie deshalb Ihre übermäßigen
Sie ſind ſo gnädig für mich, Herr Graf,“ ſagte der In⸗
Ich ſage Ihnen,
Sorgen von ſich, ich ſehe, Sie ſind in gewaltiger Aufregung, alter Herr, die Schweißtropfen ſtehen Ihnen auf der Stirn, kommen Sie, damit wir ſehen, was in den übrigen Zimmern dieſes Schloſſes zu thun iſt, und dann können Sie heimkehren, um Ihrer Tochter zu ſagen, daß ſie ſich reiſefertig machen darf.“
Der Graf ſchritt weiter, Steitz folgte ihm, ſich mit ſeinem Taſchentuche die Stirn wiſchend. Es war dem alten Mann bei den Lügen, die er vorgebracht hatte, entſetzlich heiß geworden.
„Das alſo iſt vortrefflich gelungen!“ ſagte Menſing, als ihm der Inſpector am Abend den Ausgang berichtete,„Sie haben jetzt nur noch mit Brethauer und Mann zu reden, Steitz!“
„Es ſoll morgen geſchehen,“ antwortete Steitz, deſſen Zu verſicht und Muth ſich wunderbar gehoben hatten nach dieſem erſten Erfolge.
Aber freilich, es war mit dieſem Gelingen bereitenden Schrittes noch gar wenig erreicht, und am andern Morgen ziemlich ſorgenbedrückt in die Adjutantur im Schloſſe. Dort erbat er ſich einen Urlaub für den Reſt des Tages. Er benutzte ihn zu einem Ritt in die Gegend jenſeits der Fulda, wo eine herrſchaftliche Domaine, ein Meierhof lag, auf welchem ſeine Mutter als Pächterin wohnte. Er mußte
Gs
des erſten vor Menſing trat Bureaux der
—


