Jahrgang 
2 (1868)
Seite
24
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Thaler in der ſchonendſten Weiſe, dann lockt ſie Sie als Leidens⸗ ſchweſter an ſich, dann mit expreſſen Boten, bis ſie Sie ſicher im Netz hat.

Das klingt ja entſetzlich, Verehrter! entgegnete lächelnd meine Mutter.Was denken Sie denn, daß die Gräfin mit uns vorhat?

Ja, wenn ich das wüßte, würde ich mit der Hülfe des Ge⸗ richtes, nicht mit meiner ſchwachen Einſicht zu Ihnen reden. Aber bitte, ſprechen Sie, iſt Ihnen denn bisher gar nichts Verdächtiges an ihr aufgefallen?

Die Mutter recapitulirte raſch jedes irgendwie verdächtige Wort der Gräfin, als ſie der Wirth unterbrach:

Fragen Sie ſie doch einmal, wohin ihre beiden Männer gekommen ſind, die ſo plötzlich ſtarben, fragen Sie ſie einmal, beſte Frau. ie Leute hier draußen erzählen, ſie ſei ſchon auf

Die Tod und Leben angeklagt geweſen und der Proceß plötzlich nieder⸗ geſchlagen worden durch hohe Verwandte in Rußland, und ſeither müſſe ſie etwas um den Hals tragen doch das mag Alles hinzugedichtet ſein. Fragen Sie ſie einmal, ob ſie nicht zu dem ver Jeſuitenorden gehöre, Gott verzeihe mir meine Sünden! und ihr der Orden ihre Tracht, ihr Kloſter, Geiße⸗ lung und all den Firlefanz auferlegt hat zur Sühne. Und ſehen Sie, beſte Frau, da will mir der Gedanke nicht aus dem Kopfe, der mir gleich hineinſchoß, als ich Ihrer anſichtig wurde, ob ſie nicht mit Ihnen oder Ihren lieben Kindern etwas Teufliſches vor⸗ hat, um ihre Buße ſchneller abzuquirlen. Deshalb, beſte Fran Blum, gehen Sie nicht zurück, bleiben Sie unter meinem Dache!

Selbſt wenn Alles wahr wäre, was Sie ſagen, verehrter Freund das geht nicht! entgegnete meine Mutter.

Nicht? So hören Sie noch Eines! Ich ſehe oft vornehme Herren von Dresden hier, und da habe ich zufällig auch erfahren, daß die Gräfin Briefe wechſelt, wiſſen Sie mit wem?

Nun?

Mit Windiſchgrätz, Frau Blum!.

Nun, wenn auch das noch wahr wäre, was wir ja Beide nicht ohne Weiteres annehmen können, ſo könnten wir doch nicht hier bleiben. Mein Töchterchen iſt noch im Hauſe der Kielmans⸗ egge. Wenn ich der Gräfin Wunſch befolgen könnte und wollte, ſetzte ſie lächelnd hinzu,ſo müßte ich ſie ihr auf immer laſſen.

Wie meinen Sie das? fragte er wirklich ängſtlich.

Die Gräfin, die Sie ſo ſehr zu fürchten ſcheinen, hat mich auf's Dringendſte gebeten, meine Tochter ihr zur Erziehung zu überlaſſen.

Frau Blum! Um Gotteswillen...

Sie können ſich wohl denken, daß ich unter keinen Umſtän⸗ den Ja ſagen würde.

Gewiß, ich werde alſo Ihr Töchterchen holen laſſen.

Nein, wertheſter Freund, laſſen Sie das! Meine Kinder und ich werden dieſe Nacht noch in ihrem Hauſe ſchlafen, und verlaſſen ſie ohnehin ſchon morgen. Ich habe keine Furcht, ſelbſt wenn all das wahr wäre oder wahr iſt, was Sie mir ſagten. An offene Gewalt kann und darf ſie nicht denken, und gegen etwaige Liſt und Ränke werde ich, Dank Ihrer freundlichen War⸗ nung, gewaffnet ſein. Nun, ſeien Sie unbeſorgt!

Sie reichte ihm die Hand und wandte ſich nach oben, wäh⸗ rend er ihr beſorgt und kopfſchüttelnd die Thür öffnete.

(Schluß folgt.)

2

Erinnerungen an Heinrich Heine.

Von Heinrich Laube. II.

Mit welchem Stolze würde es Heine erfüllen, hätte er die Anerkennung erlebt, welche die Franzoſen ſeinem Einfluſſe zu Theil werden ließen! Damals(1839) nach neunjährigem Aufenthalte in Paris war er wohl ſchon mit allen notablen Autoren Frankreichs bekannt, mit einigen auch befreundet. Aber die Bekanntſchaft und Freundſchaft war doch noch eine unſichere. Heine kannte ſie, ſie aber vermutheten nur, ihn zu kennen. Deutſch verſtand natürlich keiner, und die Bruchſtücke von Ueberſetzungen Heine'ſcher Schriften waren eben nur Bruchſtücke. Sie flößten Reſpect ein und weckten die Ahnung von einem ſehr eigenthümlichen, geiſtig ſehr über⸗ legenen Poeten, deſſen ganzer Umriß noch in Nebel zerrann. Erſt in den fünfziger Jahren, als Heine auf traurigem Siechbette die Ueberſetzung ſeiner Schriften in's Franzöſiſche mit eben ſolcher Sorgfalt und Genauigkeit betrieb, wie er die kleinen ſtachligen Verszeilen ſeiner Gedichte zehnmal zu redigiren ſtrebte, erſt da bildete ſich die Heine'ſche Geſtalt in feſten Umriſſen aus vor den aufmerkſamen Franzoſen, erſt da begann ſein deutlicher Einfluß auf junge franzöſiſche Autoren, welchen Veuillot in den ſechsziger Jahren ſo ärgerlich kennzeichnen mochte als antikirchlich und verderblich.

Die älteren Schriftſteller, mit denen Heine damals befreundet oder wenigſtens bekannt war, verkehrten ſehr zuvorkommend mit ihm und ſehr artig. Ich konnte die Nuancen dieſes Verkehrs ſtudiren, denn Heine nahm ſich die Mühe, mich mit den meiſten derſelben perſönlich bekannt zu machen. Nicht in Geſellſchaften, wo man eben nur vorgeſtellt wird, ſondern indem er mich zu ihnen in's Haus führte. Dies iſt in Frankreich nicht leicht, der franzöſiſche Schriftſteller iſt ſehr karg mit ſeiner Zeit, und nament⸗ lich Ausländer intereſſiren ihn herzlicht wenig. Einer Heineſchen Anfrage aber zeigten ſie ſich alle zugänglich, ſelbſt Victor Hugo, deſſen Schwulſt und Bombaſt dem Spotte Heine's näher lagen als der Verehrung. So lange die gegenſeitige Abneigung nicht ſchrift⸗ lich und grell manifeſtirt worden, verdecken die franzöſiſchen Au⸗ toren die inneren Antipathien recht gefliſſentlich und zeigen ſich freundlichſt als Männer von Welt, die Höflichkeit einſchiebend als einen Wall von Blumen. Davon hatte auch Heine viel mehr gelernt, als ich ihm zugetraut, und ſein artiger Umgang mit

franzöſiſchen Poeten, deren Poeſien ihm gar nicht zuſagten, verrieth keinen Zug des rückſichtsloſen deutſchen Schriftſtellers. Nur gegen den deutſchen Landsmann, gegen mich, verleugnete er bei dieſen Beſuchen nicht immer die heimathliche Art. Bei Alfred de Vigny zum Beiſpiele, der mit einer recht langweiligen, dicken Engländerin verheirathet war, überantwortete er mich unbarmherzig dieſer Ehe⸗ hälfte und unterhielt ſich abgeſondert mit de Vigny. Glücklicher⸗ weiſe kam mir dieſer ſelbſt, ein feiner, etwas melancholiſcher Ca⸗ valier, endlich zu Hülfe, Heine aber lachte wie ein Straßenjunge derReiſebilder, als wir herauskamen und ich ihn ernſtlichſt ver⸗

ſehr braven Engländerin zu thun geweſen.Sehr brav! fügte er ſeinem Lachen hinzu,und de Vigny iſt ſehr dankbar, wenn ihm die Koſten häuslicher Unterhaltung eine Weile abgenommen werden. 3

Am vertrauteſten war er mit Jules Janin, Alexander Dumas Vater und Gautier. Ihnen ergänzte er durch mündliche Unterhaltung, was ſie aus ſeinen unverſtändlichen deutſchen Schriften nicht erfuhren den witzigen Geiſt. Er ſprach gerade nicht be⸗ ſonders gut franzöſiſch, weil er in guter Stimmung und bei friſchem Gedächtniß ſein mußte, wenn die fremde Sprache ihm leicht fließen ſollte, aber er ſprach charakteriſtiſch. Wie er ſich im Deutſchen immer genau die überraſchenden und treffenden Aus⸗ drücke hervor ſuchte, ſo hatte er ſich auch im Franzöſiſchen vorbe⸗ reitet. Der ſchlagende Ausdruck war ein immerwährendes Studium Heine's. Tagelang prüfte und fragte er: wie drückt man dieſen Begriff, wie drückt man dieſes Wort am beſten im Franzöſiſchen aus?Ich hab's! rief er eines Tages bei mir eintretend ich hab's! Les élèves de Charles! muß man Carls⸗ ſchüler überſetzen. Mit dieſer ſimplen Entdeckung hatte er ſich tagelang beſchäftigt. Aber gerade dadurch war er eindrucksvoll auf die Franzoſen. Die Ausfüll⸗Phraſen wurden gleichgültig, weil die entſcheidenden Punkte trefflich zum Vorſchein kamen. Er war ihnen wie ein Geſicht, von welchem man nur die prächtigen

Augen ſieht und beachtet. Uebrigens war er in guter Stimmung vollkommen befähigt, ein inhaltsvolles Geſpräch mit den begabteſten Franzoſen ſo zu führen, daß

ſicherte: es ſei mir weniger um die Bekanntſchaft dieſer gewiß

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