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hören, Meubel und dergleichen transportiren.“
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„Und das Alles,“ ſiel der ehrliche alte Herr erſchrocken ein, ſoll ich dem Grafen ſagen?“
„Das Alles ſollen Sie ihm vorklagen, mit dem betrübteſten Geſichte von der Welt... und daß Sie es gut machen, davon hängt zunächſt Alles ab.“
„Nun wohl denn, „und dann?“ „Dann ſchließen Sie Ihre Worte mit dem Stoßſeufzer: wenn ich nur einmal über einen königlichen Wagen zu verfügen hätte, den man nicht anhalten dürfte, mit dem ich ſie ſtill in der Nacht fortſenden könnte... denn bei Tage wage ich es gar nicht, der Oberſt hat ja ſeine Mouchards, ſeine Spione überall'...“ „Und darauf wird der Graf einen Wagen zur Verfügung ſtellen,“ unterbrach Steitz eifrig den Officier,„glauben Sie es?“ „Er wird Ihnen zur Verfügung ſtellen, was Sie wollen, verlaſſen Sie ſich darauf, um nur dieſem La Croix einen Streich zu ſpielen. Freilich muß die Sache einen Vorwand haben. Der Maitre de Logis kann nicht königliche Wagen requiriren, um junge Mädchen ſpazieren fahren zu laſſen. Es muß den Anſchein haben, als ob er ſich dabei in ſeiner Amtsthätigkeit befinde.“ Steitz nickte wieder mit dem Kopfe.„Und das,“ ſagte er, „wäre ja wohl zu machen. Der Graf läßt oft durch Fourgons aus dem Marſtall Gegenſtände, die zur königlichen Hofhaltung ge⸗
ich will es verſuchen,“ verſetzte Steitz,
„Und darum,“ fuhr Menſing fort,„müſſen Sie ihm den Vorſchlag machen, einen Fourgon zum Transport von⸗ leichten Sachen, z. B. von Matratzen und Betten, die nach demſelben Schloſſe Schönfeld gefahren werden ſollen, wo Sie morgen dieſe Unterredung mit dem Grafen haben werden, zu requiriren, und dabei das Stallmeiſteramt aufzufordern, dieſen Fourgon Ihnen als Inſpector zur Dispoſition zu ſtellen.“
„Das iſt Alles ganz gut,“ ſagte Steitz,„aber es wird zu ſehr auffallen, wenn ich einen ſolchen Fourgon für die Nacht verlange...“
„Nicht zu ſehr, denke ich,“ antwortete Menſing,„man ſagt eben, im Schloß Schönfeld ſolle augenblicklich für die Aufnahme eines Gaſtes geſorgt werden, der König habe es befohlen— wer verwundert ſich darüber, wenn unſere luſtige Majeſtät vielleicht einem hübſchen weiblichen Gaſte plötzlich in einem ſeiner Schlöſſer ein Quartier bereiten läßt...“
„Das iſt wahr, und ich räume Ihnen ein, daß Alles ſich ſo weit ganz gut machen läßt,— aber ich ſehe nicht ein, wie wir über die letzte und größte Schwierigkeit wegkommen. Wer ſoll den Wagen fahren? Ein Wagen aus dem königlichen Stalle wird nur einem königlichen Stallbedienten anvertraut, und der wird uns verrathen!“
„Darin liegt freilich eine Schwierigkeit,“ erwiderte Menſing, „die zweite große Schwierigkeit, von der ich reden wollte. Wir können dem Mann unſere heimliche Fracht nicht verbergen, und wenn wir es könnten, würde er nicht zugeben, daß ein königlicher Fourgon über das Ziel hinaus, in Nacht und Nebel weiter, über die Grenze entführt würde. Wir dürfen auch keinen Beſtechungs⸗ verſuch machen, ſo wenig wie bei einem Fuhrmann aus der Stadt, darüber ſind wir uns auch klar. Es nimmt Niemand eine Be⸗ ſtechung von einem Paar tauſend Gulden, wenn er hunderttauſend verdienen kann. Aber beruhigen Sie ſich darüber, Steitz. Ich kenne glücklicherweiſe einen Stallbedienten, welcher jeden Wagen
zu jeder Stunde des Tages oder der Nacht nach jedeim Orte auf Erden, und wäre es der Nordpol, fährt— wenn ſich Demoiſelle
Steitz auf dem Wagen beſindet!“ Des Inſpectors Züge zuckten eigenthümlich. „Sie meinen den Wilhelm Momberg,“ ſagte er mit einem haſtigen, heftigen Tone. „Den meine ich!“ „Aber wollen Sie denn, daß meine Tochter wirklich... „Daß ſie wirklich mit dem Fourgon abfährt? Gewiß will ich das! Denn erſtens darf Ihre Tochter nachher nicht mehr hier oben geſehen werden, und zweitens wäre es möglich, daß Graf Boucheporn ſich ſo ſehr für die Sache intereſſirt, daß er per⸗ ſönlich in der Nacht der Abfahrt ſich zu Ihnen herüber begiebt, um zu ſehen, daß Demoiſelle Eliſe glücklich wegkommt. Und drittens wird Wilhelm Momberg nicht Leib und Leben an des Kurfürſten Scchatz wagen, wenn er es nicht thut, um nebenbei ſeinen Schatz für ſich in Sicherheit zu bringen! Alſo, daß Eliſe dabei iſt, das
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Eliſe
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iſt eine Nothwendigkeit, in welche Sie ſich fügen müſſen.
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„Aber mein Gott, wie kann ich mich dazu entſchließen? Wenn ich Eliſe mit dem Wilhelm fortfahren laſſe, ſo...
„So müſſen Sie ſie eben fortfshren laſſen,“ ſiel der Officier lächelnd ein,„auf die Gefahr hin, daß ſie ſich unterwegs in einer Weiſe verſtändigen...“
„Daraus kann doch nie etwas werden,“ rief Steitz eifrig, faſt zornig aus,„ich kann meine Tochter doch keinem Stalldiener geben!“
„Lieber Steitz,“ ſagte Menſing, ihm die Hand auf den Arm legend,„dieſen Einwurf hätte ich von Ihnen nicht erwartet! Der Stallbediente iſt ein tüchtiger, ehrlicher Menſch, er iſt guter Leute Kind und hat eine ordentliche Erziehung erhalten, für einen beſſern Stand, als ſeinen jetzigen, das wiſſen Sie ſo gut wie ich! Sie
wiſſen auch, daß Ihre Tochter ihn liebt— und wenn Sie ihm unter den Umſtänden, von denen wir reden, Ihre Tochter geben, ſo geben Sie dieſe nicht dem Stalldiener, ſondern dem Manne, der eine gute Zukunft vor ſich hat— glauben Sie nicht, daß der Kurfürſt den Dienſt, den er leiſten ſoll, ihm ſo reich belohnen wird wie uns Beiden, was wir thun?“
Steitz ſtarrte nachdenklich auf den Tiſch..
„Ja, ja,“ murmelte er,„ich denkeer wird ihn lohnen... es iſt vorauszuſetzen, daß er ihn lohnt... wir wollen es hoffen, Menſing! Aber wir handeln nicht deshalb!“ 3
„Nein,“ verſetzte der Ofſieier,„davon iſt nicht die Rede. Wir handeln um der Sache des Rechts und um unſeres Herrn, um unſerer Treue willen! Deswillen allein ſetzen wir unſer Leben ein— Sie wie ich! Für Momberg aber, den nichts von dem an den Kurfürſten bindet, was uns bindet, müſſen wir einen Lohn haben, und den zu bieten, muß ſich der Vater entſchließen. Es geht nun einmal nicht anders. Und wenn Sie ſich damit auch ein Stück von Ihrem Herzen reißen müßten, es geht nicht anders!“
Steitz ſchwieg, das Kinn auf ſeine Hand geſtützt, die Augen auf die Tiſchdecke heftend.
„Wird es Ihnen ſo ſchwer, auch das für Ihren Herrn zu thun? Kennt Ihre alte Heſſentreue eine Grenze, Steitz?“ fragte der Officier vorwurfsvoll.
„Sie haben Recht, Menſing,“ antwortete der Inſpector. „Nein, wenn auch Jedermann ſein Recht hat, in das kkeine Pflicht gegen einen Andern, wer es auch ſei, hineingreifen darf— ich will auch das thun— ich will es Eliſen ſagen und ich will Ihnen folgen in Allem! Beſtimmen Sie nur den Tag, die Nacht, wenn es ſein ſoll!“
„Das iſt brav von Ihnen, und ich wußte es, daß Sie ſo reden würden, Steitz. Wohl denn— Sie geben mir alſo die Erlaubniß, mit Momberg zu reden?“
„Ich gebe ſie Ihnen.“
„Und Sie reden mit Ihrer Tochter?“
„Noch heute!“
„So gehe ich, Momberg aufzuſuchen. Ich muß mit ihm verabreden, wie es zu mechn iſt, daß der Stallmeiſter gerade ihm die Führung des Fourgo anbefiehlt. Nöthigenfalls muß er, falls ein Anderer den Auftrag erhält, dieſem anvertrauen, daß es ſich um Eliſens Entführung handle, er muß ihn beſtechen, daß er ihm, dem Wilhelm, den Wagen überläßt.. 14
„Das wird keine Schwierigkeit bieten, denk' ich,“ ſiel
Steitz ein. „Hoffentlich nicht,“ ſagte Menſing. welche wir wählen, augeht, ſo wird es am beſten ſein, die der großen Maskerade zu benutzen— das Feſt wird alle Diener, Alles, was das Schloß bewohnt, beſchäftigen und in den inneren Näumen feſthalten— der ſtille Flügel drüben wird nie un⸗ beachteter ſein! Es iſt die Nacht vom einundzwanzigſten auf den zweiundzwanzigſten— alſo in drei Tagen!“
Der Inſpector war auch damit einverſtanden, und ſo trenn⸗ ten ſich die beiden Männer, nachdem ſie noch einmal ſich über das ausgeſprochen, was Jeder von heute an als ſeine Rolle zu be⸗ trachten hatte, mit einem warmen Händedrucke von einander—
Steitz ſaß dann noch lange ſo, wie er vorhin geſeſſen, das
Kinn auf die Hand geſtützt und ſtarr auf die Platte des Tiſches
vor ihm niederblickend. Er überdachte und überlegte Alles, was
Menſing zu ihm geſprochen, was eintreten könne, wem vorzubeugen ſei, ſo lange, bis er ſich ordentlich wirr im Kopfe fühlte von allen
den Wendungen, welche die Sache nehmen könnte, allen den Zu⸗
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„Und was die Nacht,
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