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„La Croix?“
Der Officier nickte.
„Der?“ ſagte Comteſſe Julie gedehnt.„Das arme Geſchöpf!“
„Er iſt ſo vernarrt in ſie und betreibt die Sache ſo ernſthaft, daß er⸗blos, um in der Nähe des jungen Mädchens zu ſein, Ihren Herrn Vater zu veranlaſſen gewußt hat, ihm eine Wohnung hier im Schloſſe einzuräumen!“.
„Deshalb hat er ſie verlangt!“ rief Comteſſe Julie über⸗ raſcht aus,„daher der Aerger für meinen. Vater! Mein Vater, müſſen Sie wiſſen, hat ſie ihm durchaus nicht einräumen wollen, aber ein Befehl des Königs, an den ſich der Oberſt gewandt hat, iſt dazwiſchen gekommen... mein Vater war ſo zornig, daß er im erſten Augenblick davon redete, ſeine Entlaſſung nehmen zu wollen.“
„Ihr Herr Vater— denn ihm gegegüber dispenſire ich Sie von Ihrem feierlichen Gelöbniß, Comteſſe Julie Ihr Herr Vater wird ſich jetzt deuten können, woher der leidenſchaftliche E des Oberſten, ſich hier zu inſtalliren, rührte.“
„Es iſt ein böſer brutaler Menſch, dieſer Oberſt,“ rief Gräfin Julie aus,„das junge Mädchen hat Recht, daß ſie ſich den Be⸗ gegnungen mit ihm nicht mehr ausſetzen will. Aber ich will doch den Nachmittag in die Stadt fahren, um zu ſehen, was bei alle⸗ dem aus meinem Coſtum wird!“
„Hoffen wir, daß es nicht zu ſehr darunter leidet!
„Und entdecken wir etwas, um dieſem Oberſten zum Lohne einen recht ſchlimmen Streich auf der Maskerade zu ſpielen! Wollen
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Sie mir dabei helfen?“
„Mit Freuden!“ „Nun wohl denn— ich werde darüber nachſinnen; es muß etwas ſein, das ihn furios ärgert... mir fällt ſicherlich etwas
ein, und ich zähle dabei auf Sie, wenn ich Sie nöthig habe.“
„Nichts könnte mich mehr freuen, als die Ehre, Ihr Ver⸗ bündeter zu ſein!“ antwortete Menſing ſich erhebend.
„Und unſere Geheimniſſe...“
„Sind uns heilig, das verſteht ſich!“
Der Officier küßte die Hand, die ihm Comteſſe Julie reichte, und empfahl ſich.—
Einige Stunden ſpäter trat er in das Wohnzimmer des In⸗ ſpectors. Dieſer ſaß in ſeinem Sorgenſtuhl am Ofen, in welchem er ſonſt ſeinen Nachmittagsſchlummer hielt; heute, wie ſchon ſo viele Tage, war der Schlummer nicht auf ſeine müden Augenlider gekommen.
Als er den Officier erblickte, ſtand er haſtig auf und bat
ihn, in ſein Arbeitszimmer zu treten, welches er dann ſorgfältig
hinter ſich verſchloß.
„Nun?“ ſagte er geſpannt und angſtvoll in Menſing's Züge blickend.
Menſing ſtreckte ſeinen Arm aus und die Hand auf des alten Herrn Schulter legend antwortete er:„Mein Plan iſt gemacht!“
„So danke Ihnen der Himmel dafür,“ entgegnete Steitz, aus der beklommenen Bruſt tief aufathmend,„wenn er nur ein guter iſt!“
„Hören Sie!“
„Setzen wir uns,“ ſagte der Inſpector, einen Stuhl herbei⸗ ſchiebend. 8
„Sagen Sie mir zuerſt,“ begann Menſing, als die beiden Männer auf den alten Plätzen ſich dicht gegenüber ſaßen,„haben Sie dieſelben vertrauten Leute zur Hand, welche damals den Schatz unter der Treppe einmauerten?“
„Ja, ich habe ſie zur Hand, zwei vertraute Männer.“
„Und ſie werden kommen, um in der Nacht den Schatz zu heben und raſch auf einen Wagen zu laden?“
„Dafür, glaube ich, kann ich einſtehen; der eine,“ ſetzte er kaum hörbar flüſternd hinzu,„iſt der Juſtizamtmann Brethauer,
der andere der frühere Leibchirurg Mann.“
„Wohl denn! Und der Ort, wo der Schatz abgeliefert wer⸗ den ſoll?“
„Iſt das Städtchen D. jenſeits der Grenze. Dort im Wirths⸗ haus zum weißen Roß erwartet ihn der Agent, der ihn in Sicher⸗ heit auf däniſches Gebiet, nach Itzehoe, bringen wird..
„Nun gut. Jetzt hören Sie, Steitz. Die Schwierigkeit, welche wir zu beſiegen haben, iſt eine doppelte. Erſtens, einen Wagen, einen Fuhrmann zu ſinden. Es wird Niemand zu finden ſein, der ſein Leben an die Fortführung wagt; Niemand, dem
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man nur mit der Zumuthung, es zu thun, das Geheimniß an⸗ vertrauen dürfte!“
„Als ob ich das nicht ſelbſt längſt bedacht hätte!“ fiel Steitz ein.
„Die zweite Schwierigkeit, die ſich uns entgegenſtellt,“ fuhr Menſing fort,„iſt die, durch die Gensd'armerie⸗Patrouillen des Oberſten La Croix zu kommen, ohne von ihnen angehalten und durchſucht zu werden.“ 1
Steitz nickte mit dem Kopfe und ſtützte dann ſein Kinn auf die Hand, um Menſing geſpannt in's Geſicht zu blicken.
„Wir müſſen uns alſo,“ ſprach dieſer weiter,„geradezu einen königlichen Wagen verſchaffen und uns dazu einen officiellen Durch⸗ gangsſchein, ein Laissez passer, geben laſſen.“
„Aber, mein Gott, wie wollen Sie das erhalten?“
„Das ſoll Ihre Sorge ſein, Steitz,“ antwortete lächelnd der Lieutenant,„Sie ſind ein alter Hofmann, und ich denke, Sie haben ſich ſo viel Diplomatie angeeignet, wie dazu nöthig ſein wird. Hören Sie nur: Ihr nächſter Vorgeſetzter iſt der Graf Boucheporn!“
„So iſt es, er iſt Maitre de Logis und Gouverneur du Palais.“
„Und Sie ſtehen nicht juſt in Ungnade bei ihm— ich weiß es, ich habe ihn noch neulich von Ihren feinen Manieren und Ihrem guten Franzöſiſch reden hören—“
„Er iſt immer paſſabel höflich gegen mich,“ fiel Steitz cin.
„Und er iſt es, der Ihnen den Wagen und den Schein ſchaffen ſoll... wann werden Sie den Grafen ſprechen?“
„Morgen Vormittag; er hat mich morgen Vormittag um elf nach dem Luſtſchloſſe Schönfeld hinausbeſtellt; ich ſoll dort Aufträge wegen der Inſtandſetzung des Schloſſes erhalten.“
„Vortrefflich! Sie werden dort mit ihm allein ſein. werden ihn mit voller Muße ſprechen können...“
„Und was ſoll ich ihm ſagen?“
„Sie werden zunächſt nichts thun, um Ihre Unruhe, Ihren Gemüthszuſtand zu verbergen; Sie werden ſich zerſtreut zeigen, tief gedrückt, verſtört; er wird Sie fragen, was Ihnen ſei, und Sie werden nach einigem Sträuben antworten: Sie befänden ſich in der peinigendſten Lage, worin ein Vater ſich befinden könne; Ihre Tochter ſei der Gegenſtand einer ganz frivolen Neigung des Oberſten La Croix geworden; ſie würde von ihm bedrängt, ver⸗ folgt, und Sie ſähen kein Mittel, ſie ſeinen Verfolgungen zu entziehen...
Ah,“ fuhr Steitz auf,„das iſt ja durchaus nicht wahr,
Sie
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„Es iſt nicht wahr, aber Boucheporn wird es Ihnen auf der Stelle glauben, dafür ſtehe ich Ihnen ein!“
„Der Obriſt kennt meine Tochter gar nicht...
„Einerlei, er gilt als ein Mädchenjäger und Ihre Tochter iſt hübſch und— wir leben an König Jerôme's Hof! Aber wäre das Alles auch nicht, der Graf würde Ihnen doch glauben, denn Sie müſſen wiſſen, daß ich die Sache bereits eingeleitet habe und daß dieſelbe Geſchichte gerade jetzt vielleicht des Breiteſten bei dem Grafen beſprochen wird!“
„Was haben Sie gethan! in ein Gerede...“
„Ich denke nicht, lieber Inſpector... man hat mir Schweigen verſprochen und die Sache wird für Eliſe keine Folge haben, da⸗ für glaube ich Ihnen einſtehen zu können. Und auch dafür, daß der Graf Ihnen auf das Bereitwilligſte Gehör ſchenken wird... dafür bürgt uns, daß er den La Croix haßt wie die Sünde. Sie werden dann fortfahren, ihm Ihr Herz auszuſchütten; Sie werden ihm ſagen, daß Ihr ſehnlichſter Wunſch ſei, das Mädchen fortzuſenden, zu einer älteren Verwandten, jenſeits der Fulda, und... nennen Sie ihm, welchen Ort da drüben Sie wollen. Er wird Sie fragen: ‚aber, mein Gott, lieber Steitz, weshalb thun Sie denn das nicht? Und Sie, Sie werden antworten: ‚kann ich das, Herr Graf? La Croix' Patrouillen ſchweifen über⸗ all, man kann die Wilhelmshöhe nicht verlaſſen, ohne auf zwei oder drei derſelben zu ſtoßen, und ſeit das Märchen vom Schatze des Kurfürſten in den Köpfen ſpukt, halten ſie jeden Wagen an, durchſuchen ſie jedes Fuhrwerk! Und ich kann das Mädchen doch in dieſer Jahreszeit nicht zu Fuße laufen laſſen, nicht ohne Koffer und Gepäck für längere Zeit fortſenden. Und denken Sie, Herr Graf, wenn das arme Geſchöpf ſo in die Hände der Leute des Oberſten fiele, wenn er— ach, ich mag den Gedanken nicht weiter denken, es würde für mein Kind und mich der Tod ſein!““
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Sie bringen ja da meine Tochter


