Spiel kamen.
erſchrocken auf,„wer ſagt Ihnen, Herr Lieutenant, welches Coſtum
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„Das iſt gut! Ich glaube, wir werden ſie brauchen,“ antwortete der Lieutenant.
Steitz ſchüttelte den Kopf.„Wer beſtochen werden muß, fürchte ich, der widerſteht der Lockung, den Lohn von hunderttauſend Franken zu verdienen, nicht,“ ſagte er.„Und den Lohn können wir nicht bieten!zl!
„Still, kommt da nicht Jemand?“ 4
Draußen im Wohnzimmer ging die Thür auf, der Inſpector ſprang haſtig empor... dann ſetzte er ſich beruhigt wieder nieder und ſagte:
„Es iſt Eliſe, die zurückkommt, ich erkenne ihren Schritt.“
Gleich darauf öffnete ſich auch die Thür des Arbeitszimmers und die Tochter des Inſpectors trat herein, um den Vater zu begrüßen.
Es war ein hübſches, ſchlank gewachſenes junges Mädchen von etwas über mittlerer Größe. Ihre nicht regelmäßigen, aber anziehenden Züge zeigte einen großen Ernſt; ſie ſprach leiſe, in ihrem ganzen Weſen lag etwas Apathiſches, man ſah auf den erſten Blick, daß ein Kummer an ihr zehrte, der Ausdruck ihres Geſichts war wie der Widerſchein deſſen, was ſo ſprechend aus den Zügen ihres gepeinigten Vaters blickte.
Der Officier wechſelte einige Worte mit ihr, dann wandte er ſich zum Gehen.
„Adieu, Steitz,“ ſagte er, dem Inſpector die Hand zum Ab⸗ ſchiede reichend...„ich will nachdenken und morgen reden wir weiter. Bis dahin ſeien Sie ruhig und werfen getroſt alle Sorge auf mich. Gute Nacht, Eliſe!“
Er hüllte ſich in ſeinen Mantel und ſchritt raſch davon, in die dunkle Nacht hinein, um trotz Wind und Wetter noch lange ſinnend auf den Kiespfaden auf und nieder zu ſchreiten, die ſich vom Schloſſe nach dem großen Teich hin erſtreckten.
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Der Lieutenant Menſing wurde am andern Morgen durch ſeinen Dienſt im Schloſſe zurückgehalten. Er gewann nur eine Viertelſtunde vor Mittag, um in der Wohnung des Mattre de Logis, Grafen Boucheporn, einen Beſuch zu machen.
Graf Boucheporn war ein kleiner, beweglicher Franzoſe, leb⸗ haft, raſch in ſeinen Entſchlüſſen, ehrgeizig und eitel und im Uebrigen gutmüthig genug, wenn ſeine Leidenſchaften nicht in's
Zu ſeinen Leidenſchaften gehörte die Eiferſucht auf ſeine Autorität.
Die Gräfin war eine unbedeutende Frau; der Stern des Hanſes war die älteſte Tochter Julie, eine brünette, ein wenig kokette, aber mehr, als es bei dieſen Kindern der Revolutionszeit gewöhnlich, unterrichtete junge Dame, die ſich die Huldigungen des jungen deutſchen Officiers ſehr gern gefallen ließ, obwohl dies ſie nicht abhielt, auch die der andern Herren vom Hofe anzunehmen, die Sr. vielhuldigenden Majeſtät, König Jerome's, nicht ausge⸗ ſchloſſen.
Der Lieutenant fand die Dame mit einer Stickerei beſchäftigt, welche zu der in einigen Tagen ſtattfindenden maskirten Redoute verwendet werden ſollte. Gräfin Julie hatte bei ſeinem Eintreten raſch ein Tuch darüber geworfen.
„Laſſen Sie ſich nicht ſtören, Comteſſe,“ ſagte Menſing lächelnd, „arbeiten Sie ruhig fort, Sie ſticken da irgend einen Epheuzweig oder dergleichen mit Goldfäden in den feinen Fez, den Sie als Griechin tragen werden.“
„Aber— ich bitte Sie,“ ſuhr Comteſſe Julie überraſcht und
ich tragen werde? Ich— eine Griechin? im Irrthum!“
„Ich glaube nicht,“ antwortete der Officier,„es würde mir wenigſtens ſehr leid thun, denn ich freue mich unendlich darauf, daß Comteſſe Julie, welche für alle Welt auf dem Balle maskirt ſein wird, es für mich nicht ſein wird!“
„Aber, frage ich Sie noch einmal, wie können Sie wiſſen...“
„Sie ſehen, Comteſſe Julie, mein Geiſt umſchwebt Sie un⸗ geſehen und ich bin eingeweiht in Ihre heimlichſten Entſchlüſſe... ich kann Ihnen auch noch mehr ſagen: Ihr reizendes Coſtum, wel⸗ ches den allerbeſten, allergeſchickteſten Händen zur Vollendung an⸗ vertraut war, iſt in Gefahr, von dieſen Händen nicht vollendet,
Sie ſind vollſtändig
wie Comteſſe Julie iſt, dies verbergen zu wollen!“ antwortete der
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ſondern den plumperen einer gewöhnlichen Arbeiterin anvertraut zu werden...“. „Ah,“ rief das junge Mädchen ſpöttiſch aus,„ich merke, der Herr Lieutenant haben Connexionen unter dieſen— Arbeite⸗ rinnen!“ 1 „So iſt es— es hälfe nichts, einer ſo klugen, jungen Dame,
Officier.
„Wiſſen Sie aber, daß Sie mir damit alle Freude verderben, die ganze Freude an dem Feſte?“ 4
„Das würde mir unendlich ſchmerzlich ſein. Trauen Sie mir denn zu, daß ich Ihr Geheimniß an irgend eine Menſchen⸗ ſeele verrathen würde?“
„Wenn Sie mir feierlich geloben, ſchwören, daß Sie es nicht thun wollen, dann nicht,“ antwortete Comteſſe Julie, ihre feuri⸗ gen, braunen Augen mit einem ſprechenden Blick zu ihm er⸗ hebend.
„Ich gelobe es, ich ſchwöre es!“ fiel Menſing lächelnd ein, die Hand auf ſeine Bruſt legend.
„Nun wohl denn,“ ſagte ſie,„alle Götter des Orcus und alle Dämonen der Hölle werden Sie ſtrafen, wenn Sie den Eid brechen!“
„Fürchten Sie nichts, ſchöne Gräfin, ich werde verſchwiegen ſein, und wenn Sie auf der Redoute ſehr bald erkannt ſein wer⸗ den, ſo, das glauben Sie mir, wird nicht meine Indiscretion, ſondern nur der Geiſt und der Witz, womit die ſchöne Griechin ihre Neckereien ausführt und ihre Antworten giebt, Comteſſe Julie verrathen...“ 8
„Statt mir Fleuretten zu ſagen, Sie böſer Menſch,“ ſiel die junge Dame ein,„ſollten Sie mir lieber erklären, weshalb mein Coſtum denn nicht von derſelben Arbeiterin ausgeführt wird, die es begonnen?“
Comteſſe Julie ſprach das mit einem Ausdruck von großer Unzufriedenheit und Sorge.
„Auch das will ich Ihnen ſagen... das aber iſt ein Ge⸗ heimniß, worüber ich von Ihnen einen feierlichen Schwur bei allen Göttern des Orcus und allen Dämonen der Hölle ver⸗ lange!“—
„Ich ſchwöre!“ 4
„Wohl denn, ſo hören Sie. Ich wohne in der Stadt bei der Frau, in deren Atelier Ihr Coſtum angefertigt wird. Die gute Frau Momberg hält mich für einen ſehr verſchwiegenen, ſo⸗ liden und vernünftigen jungen Mann, und ſo iſt mir der Eintritt in die geheime Werkſtätte, in welche ſonſt kein profanes Auge blicken darf, nicht verwehrt. Trotz des beſcheidenen Gebrauchs, den ich von dieſer Begünſtigung mache, habe ich wahrgenommen, daß Demoiſelle Eliſe Steitz, die Tochter des Schloßinſpectors, die zu ihrer Ausbildung in dem Geſchäft arbeitete, mit Ihrem Coſtum betraut war, und heute habe ich erfahren, daß Demoiſelle Steitz nicht in das Atelier zurückkehren wird.“—
„Nicht? Und weshalb nicht? Iſt ſie krank?“
„Krank, nein! Es hält ſie etwas Anderes ab, täglich in die Stadt zu gehen und in den Abendſtunden von dort zurückzukehren. Sie iſt ein ſehr hübſches, junges Mädchen und ſie hat eine drin⸗ gende Veranlaſſung geſunden, den Weg, auf welchem ihr Vate nicht im Stande iſt, ſie durch einen Diener begleiten zu laſſen, nicht mehr allein zu machen!“
„Ah!“ ſagte die Comteſſe mit einem flüchtigen Erröthen..
„Es iſt ſo!“ fuhr der Lieutenant fort,„ſie hat die Augen eines Mannes auf ſich gezogen, deſſen unternehmende Keckheit ſie ängſtigt.“
„Und wer iſt dieſer Mann, deſſen unternehmende Keckheit— mir mein Coſtum verdirbt? Wenn ich ihn kenne, ſoll er ſeiner Strafe nicht entgehen!“ 1 „Pſt, Comteſſe, Sie vergeſſen, was Sie mir geſchworen haben!“
„Ja ſo,— in der That! den Frieden dieſer ſchneidernden Unſchuld?“
„Werden Sie ſich von nun an beſſer Ihres Schwures ent⸗ ſinnen?“
„Gewiß, gewiß!“ 84
„Wohl denn, es iſt ein Mann, mit dem nicht gut Kirſchen⸗ eſſen iſt, wie das deutſche Sprüchwort ſagt: der Oberſt der Gens d'armexie.“
Aber reden Sie, wer beunruhigt Jl.
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raſch müſſ aber
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Julit gegn den dem
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