Jahrgang 
13 (1868)
Seite
201
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langwierigen Pariſer aih nlänen habe ich in Paris auswendig gelernt: Wie lange wollt' ihr noch abern und odern? und nun ſagte er das ganze Gedicht her Gas übrigens zufällig und mit Un⸗

recht unter meines Brnders Namen geht, während es von A. Bercht

1 Bremen herrührt) und trug mir wiederholt viele, viele Grüße an ihn auf. Dann mußte ich ihm meine Arbeit und die Arbeiten meiner Genoſſen zeigen, dazu eines Jeden Namen und Heimath angeben, wobei es ſich herausſtellte, daß wir von Nord, Oſt und Weſt nach München gekommen, zu ſeiner großen Freude.Schön! das iſt ſehr ſchön! Aus allen Gauen Teutſchlands(er ſprach und ſchrieb immer Teutſchland!) kommen die Künſtler zu mir! wollen ein rechtes Kunſtleben führen. Er wiederholte ſeine ſuche ſehr oft und nahm den lebhafteſten Antheil an dem Fort⸗ gang der Arbeiten. Er hatte ein ſehr gutes Gedächtniß, be ſoyders für Perſonen, aber einen einmal gefaßten Irrthum hielt

mit derſelben Behanrrlichkeit feſt. Obſchomich ihm bei oben whan Gelegenheit Bercht als den 8 Verfaſſer des Gedichts ge nannt, ſo begrüßte er mich doch bei jedem ſeiner Beſuche in den

Wir Be⸗

Arcaden mit der Exrinnerung an Friedrich Förſter's köſtliches Ge⸗

dicht:Wie lange wollt ihr noch ꝛc.

In den dreißiger Jahren war die Erinnerung an freiungskriege noch ſehr lebendig in Deutſchland und Kriegslieder von Theodor Körner und ſeinen Kampfgenoſſen wurden auch in München häufig in Concerten geſungen. In einem ſolchen Concerte im nenerbdnten Odeon wurde unter andern meines Bruders Lied auf Theodor Körner's Tod:Bei Wöbbelin auf freiem Feld ꝛc. geſungen. König Ludwig war zugegen, wie er ungern ein Concert im Odeon verſäumte. Als das Lied zu Ende war, erhob er ſich,

die Be⸗

1

ſah ſich um und ging, als er mich erblickte, auf mich zu, faßte meine und ſagte, ſichtli ich di erregt, zu mir:Dieſe Zeit, Förſte ört uns und wir woll en ſie feſthalten im Herzen! Wir

wollen ihr treu bleiben, treu bis in den Tod! Schreiben Sie das Ihrem Bruder! Als dann im Jahre 1838 bei der fünfundzwanzig⸗ jährigen Gedächtnißfeier des Aufrufs König Friedrich Wilhelm's des DrittenAn mein Volk meines Bruders Kriegslieder er⸗ ſchienen und er mir ein Exemplar für den König geſchickt hatte, ſchrieb derſelbe an mich:

Herr Ernſt Förſter! Ich habe mit Ihrer Zuſchrift vom 20. d. M. das von Ihrem Bruder Friedrich Förſter für Mich zu⸗ geſandte Exemplar ſeiner im Druck herausgegebenen Kriegslieder, als Feſtgabe zur fünfundzwanzigjährigen Jubelfeier der freywilligen Jäger, empfangen. Mich freut es aufrichtig, wenn ich ſehe, daß man in der gegenwärtigen Zeit jener Tage gedenkt, wo ſolche Be⸗ geiſterung und Einigkeit der teutſchen Stämme das gemeinſame teutſche Vaterland befreyt hat. Bewahren wir dieſe Zeit, Mir iſt ſie keine Vergangenheit, wie ich Ihnen einſt mündlich äußerte, treu⸗ im Herzen, und droht wieder ein Feind Teutſchlands Grenze, dann finde er in derſelben Eintracht mit dem nehmlichen glühenden Ge⸗ fühle alle Teutſchen wieder! Dieſes iſt meiner Seele glühender Wunſch. Drücken Sie Ihrem Bruder, der der guten Aufnahme ſeiner Gabe gewiß ſeyn konnte, fün ſeine Aufmerkſamkeit Meinen Dank aus und empfangen Sie die Verſicherung Meines Königlichen Wohl wollens. München, den 23. Februar 1838.

Ihr wohlgewogener Ludwig.

König Ludwig wußte die ſtärkſten Contraſte in ſich zu vereinigen. Er hielt ſehr ſtreng auf Etikette und duldete keine Vernachläſſigung der ſeiner königlichen Würde gebührenden Achtungsbezeigung, und doch liebte er natürliches Gebahren und mochte vorkommenden Falles weder ſich noch Andere geniren. Einem Studenten, der ihn auf der Straße nicht grüßte, ſchlug er die Mütze vom Kopf; einem Recruten, der Schildwache ſtand und aus Unbekanntſchaft nicht ſalutirte, rief er ſchon von weitem zu:Präſentirt! Der König! Und doch litt er bei der obenerwähnten Begegnung in den Arcaden nicht, daß ich meinen Rock anzog, und ging, mich am Arm faſſend, auf und uird er mit nnir, und als ich ihm einmal bei ſtarkem Regen und Wind auf d der Straße in den Weg kam und eben grüßen wollte, rief er mir zu:Nicht, nicht! Das iſt kein Wetter für Höflichkeiten! Den Maler Guſt. König, den er gern beſuchte, redete er gewöhnlich in heiterem Scherz mitEw. Majeſtät! an. Ueberhaupt unter Künſtlern legte er gern die Arönungs⸗ Inſignien beiſeite. Bei einem Künſtler Maskenfeſte er⸗ e der vorſchriftmäßigen Narrenkappe, vor der mehr al Würdenträger zurückgeſchreckt war. Ich erinnere mich

ten Künſtlerfeſtes uuf nahen Menterſchwaige, auf

dor Schl auf die Städte,

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welchem er am Schluß bereits ſehr erregt war. Mit Jubel empfangen, ſtürmt, mochte er doch eine

des Diners erſchien, da die Stimmung mit Toaſten be⸗ Beſorgniß empfinden vor den immer höher gehenden Wogen der Begeiſterung und ſuchte nach kurzem Verweilen den Ausgang, fand ihn aber beſetzt und ſah ſich als den Gefangenen ſeiner Verehrer. Ohne ſich viel zu beſinnen, ging er Fraſch nach dem nächſten Fenſter(der Saal war ebener Erde) und mit dem RufeFreiheit! ſprang erein's Freie und eilte nach ſeinem Wagen, aus dem er noch ſiegesfrohe, aber herzlich heitere Grüße zurückwinkte.

Dabei aber nahm er es ſehr ernſt, wenn er ſich in ſeiner Ehre

verletzt fühlte, in ſeinem Handeln verkannt oder verleumdet glaubte.

Ich ſelbſt, trotz all' ſeiner unverkennbaren Freundlichkeit gegen mich, bin mehrmals mit ihm in ſchwere Conflicte gerathen. Nach Be⸗ endigung der Freseomalezrien in der Ludwigskirche(1840) war Cornelius bei dem König in Ungnade gefallen und ſah ſich. von ihm ſo tief gekränkt, daß er um ſeine Entlaſſung einkam und Baiern den Rücken kehrte. Um dieſe Zeit ließ mich einmal der König in ſein Cabinet rufen und wendete ſich ſogleich n der Frage an mich, was ich von den Frescomalereien von Cornelius in der Ludwigs⸗ kirche halte? Ich wollte das Bedeutende der Conception, die Klar⸗ heit der Anordnung, den großen Stil der Zeichnung hervorheben, als mir der König in's Wort fiel:

Aber die Malerei! Die Malerei taugt nichts! muß malen können!

Ein Maler

Ich erwiderte:Aber Cornelius iſt mehr, als ein Maler, er iſt ein Künſtler und zwar einer der allergröß ten!

Und doch kein Maler! rief der König mit erhöhter Stimme. Er will fort. Ich werde ihn nicht halten!

O Majeſtät, ſagte ich,das iſt ſehr traurig für München, für Alle! Und Sie, Majeſtät, verlieren mit ihm eine Perle aus

Ihrer Krone!.

Dies letzte Wort brachte den König in eine ungeheure Aufregung.

Was, ſagte er,wer iſt die Kunſt in München? Iſt es Cornelius? Ich, der König Die laute, heftige Sprache des Königs hatte die Königin im Nebenzimmer aufgeſchreckt; ſie trat ein, und mit ihr auch zugleich Beruhigung. Der König ging ſogleich in eine ſanftere Tonart über, aber doch nur vorläufig, wie ich noch an demſelben T Tage erfahren mußte, da mir mehrere Künſtler, die er in ihren Werkſtätten nach aufgehobener Tafel be⸗ ſucht hatte, mittheilten, er habe mich bei ihnen wegen Ueberſchätzung von Cornelius verklagt und ſie ſelbſt damit nicht recht gewürdigt. In der Folge hat er freilich wohl die Größe des Verluſtes erkannt, zumal als auch noch Schnorr ihn verließ und Schwan⸗ thaler, Rottmann, Gärtner ſtarben, Kaulbach vornehmlich für und in Berlin thätig war, und hat ſich aufrichtig bemüht, das alte freundſchaftliche und herzliche Verhältniß mit Cornelius wieder herzuſtellen.

Inzwiſchen hatte der König das gegen mich gefaßte Miß⸗ trauen, wie grundlos es auch war, feſtgehalten, wie es denn über⸗ haupt ſchwer war, ihn von ſeiner Meinung abz zubringen, oder auf ſeine Vorſtellungen einen beſtimmenden Einfluß auszuüben. In München iſt es allgemein bekannt, wie er ſtets die heiden Natur⸗ forſcher, die unter ſeines königlichen Vaters Regierung Braſilien be⸗ reiſt hatten, Spix und Martius, mit einander verwechſelte und im⸗ mer Einen für den Andern anredete. Spix ſtarb; der König begeg⸗ nete Martius und das erſte Wort der Begegnung war:Ah, Spix! wie freut es mich, daß der Martius todt iſt und ich Sie nun doch nicht mehr mit ihm verwechſeln kann! Als ich in den dreißiger Jahren im neuen Königsbau im Salon der Königin mit Malereien zu Wieland's Dichtungen beſchäftigt war, zugleich mit Eugen Neureuther, der den Oberon illuſtrirte, kam der König eines Mittags herein, die Arbeiten zu beſichtigen.

Neureuther war

nicht zugegen; ich mußte den Cicerone machen. Bei dem Gaſt⸗ mahl des Kalifen von Bagdad fiel ihm der reichgekleidete Groß⸗

Sagen Sie Neureuther, ſprach Türke ſchickt ſich

Ein dicker Neureuther änderte die Ge⸗

vezier als beſonders dick auf. er zu mir,der Türke iſt zu dick! nicht für den Salon der Königin!

ſals d gab ihr eine feine Taille. Vergebens! Der Türke war noch nerviel zu dick! Neureuther ſchnürte ihn nun zur un keit zuſammen Alles umſonſt, er bliebzu dick! S e ihn Neureuther ganz aus. Aber auch das half noch

ns der Türke war und blieb zu dick für den Salon der Königin, bis ich mir erlaubte, dem gnädigſten Herrn auf's Ge⸗

zu höre

Nr. 13.