Jahrgang 
13 (1868)
Seite
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einer Droſchke und theilt mit Roſſini die Furcht vor der Eiſenbahn. Die nügen, nicht durch ein Liebäugeln mit äſthetiſchen und ſittlichen Schwächen, Photographen haben ſein rundes, lachendes Geſicht ſchon ſo oft vervielfäl⸗ mit frivolen und oberflächlichen Neigungen des Zeitgeſchmackes die Gunſt tigt, daß ihn in Paris ſo ziemlich Jedermann kennt. Von den Jourualiſten einer modiſchen Alltagswelt gewinnen will. Ein charaktervolles Erzeugniß der ſogenannten kleinen Preſſe wird er aus Neid ſehr häufig angegriffen; reifen Geſinnungsernſtes, feſſelt und wirkt ſie vor Allem durch den edlen er läßt ſich aber mit ihnen wohlweislich in keine Polemik ein. Lespès hat und hohen Ernſt intenſiver Gemüths⸗ und Geſinnungswärme, von der ſie mehrere Bände kleiner humoriſtiſcher Schriften veröffentlicht, von denen durchſtrömt, durch den ſchönen und anmuthreichen Glanz ſittlicher Reinheit, Manches wohl verdient, in's Deutſche überſetzt zu werden. Welcher Popu⸗ von dem ſie umſtrahlt und durchleuchtet iſt. Indem der Leſer mit hin⸗ larität ſich das Petit Journal erfreut, kann man daraus erſehen, daß dem gebender Spannung und Ergriffenheit der Entwickelung eines dem Leben neuen Gebände gegenüber, in welchem es jetzt gedruckt wird, vor Kurzem der Gegenwart entnommenen Familiendramas folgt, indem er der künſt⸗ eine Weinſchenke mit dem SchildeAu Rendez-vous du Petit Journal leriſchen Schönheit der Darſtellung und der ebenſo lebendigen wie conſe eröffnet wurde. quenten Durchführung der originalen Charaktere und Situationen ſich freut, . iſt es doch im Grunde nur das ſittliche Ringen, der große Ideenkampf un⸗

Das Geheimniß der alten Mamſell. Nachdem von E. Marlitt's ſerer Zeit, welcher ine dieſer poetiſchen Verkörperung ſeine Aufmerkſamkeit Goldelſe im Verlaufe von eilf Monaten bereits drei ſtarke Auflagen beſchäftigt, der Kampf der Freiheit und Humanität gegen Knechtſchaft und gedruckt werden mußten, iſt nunmehr auchdas Geheimniß der Unmenſchlichkeit, der Streit der wahren Bildung wider lackirte und über⸗ alten Mamſell in einer beſonderen Ausgabe erſchienen. Auch tünchte Rohheit, der jubelnde Sieg des Lichtes über finſtere und verhär⸗ über dieſe Erzählung wird alſo die Kritik erſt ihr Urtheil zu fällen tende Vorurtheile. Mag die ſcharfe Sonde kritiſcher Unterſuchung immer⸗ haben, nachdem die Stimme des Publicums bereits geſprochen hat. Nicht hin an dieſem Roman auch kleine Mängel entdecken: daß ein in ſo edlem mit dem zagenden Schritte des Neulings, ſondern als eine begehrte Tone gehaltenes Werk mit ſolchem Inhalt und ſolcher Tendenz einen ſo und beliebte Erſcheinung trut ſie in die Reihe der ſelbſtſtändigen Literatur⸗ großen und dankbaren Leſerkreis zu gewinnen vermag, iſt jedenſalls ein exiſtenzen. Um die Blicke auf ſich zu lenken, um offene Thüren und gute günſtiges Zeugniß, nicht blos für das Darſtellungstalent der beſcheidenen Freunde zu finden, bedarf ſie der empfehlenden Fürſprache nicht. Schon Verfaſſerin, ſondern auch für die Geſchmacks⸗ und Sinnesrichtung unſeres während ihres Erſcheinens an der Spitze dieſes Blattes hat ſie weit und heutigen Publicums. Man ſieht, eine lebhafte Empfänglichkeit für wahr breit in einem nicht gewöhnlichen, von Abſchnitt zu Abſchnitt ſich ſteigernden haft Edles und Schönes iſt reichlich vorhanden. Wo ſie nicht geweckt und Maße die Herzen gewonnen und nach ihrer Vollendung einen Eindruck entfaltet iſt, da hat auch ſicher noch nicht der rechte Geiſt das rechte Wort

zurückgelaſſen, den wir bei ruhigſter und nüchternſter Prüfung als einen geſprochen. Ohne Zweifel dürfen wir auch dieſer Separatausgabe raſch durchaus tiefen und nachhaltigen bezeichnen müſſen. Und das Intereſſante eine zweite Auflage prophezeien.. an dieſer Wirkung iſt, daß ſich dieſelbe nicht etwa einſeitig auf die eine Eine neue Erzählung von Marlitt, welche mit dem Beginne des Früh⸗

oder die andere Claſſe des Volks beſchränkte, daß der Roman nicht blos lings in der Gartenlaube erſcheinen ſollte, wird nunmehr noch eine kurze die gebildeten oder die minder gebildeten Stände angeſprochen hat, ſondern Zeit auf ſich warten laſſen. Wiederholtes Unwohlſein zwingt die Ver⸗

daß unzweideutige Aeußerungen wärmſter Theilnahme und innigſten Ver faſſerin für jetzt noch zu einer Schonung ihrer Kräfte. Fr. ſtändniſſes in wirklich impoſanter Maſſe aus den allerverſchiedenſten Schichten 4.

der Nation, den höchſten wie den beſcheidenſten Kreiſen der Geſellſchaft laut Kleiner Briefkaſten.

geworden ſind. K. in L. Wir wollen Ihrem Urtheile nicht vorgreifen, aber von vielen

Solche Erſolge, wie ſie vor und neben Marlitt auch andere Schrift⸗ Seiten wird uns dasTechnikum in Mitweida bei Chemnitz als eine ſteller in den Spalten der Gartenlaube errungen haben, vehören unſtreitig durchaus tüchtige Pflanzſtätte für techniſche Wiſſenſchaft dringend empfohlen. zu den freundlichſten Erfahrungen des Redactionslebens, ein Gefühl voller Die Fächer, welche die Anſtalt beſonders cultivirt, ſind das Maſchinenbaufach und ganzer Befriedigung aber gewähren ſie an und für ſich der gewiſſen(und zwar praktiſch und theoretiſch, daher die Anſtalt in Verbindung mit haften Leitung einer Zeitſchrift nicht, ſo lange ihnen nicht die Ueberzeugung Maſchinenwerkſtätten ſteht), das Civilingenieurfach und das Handelsfach. zur Seite ſteht, daß es auch etwas wirklich Gutes und Geſchmackvolles, Ferner ſchließt ſich daran noch ein Curſus füreinjährige Freiwillige, etwas Geſundes und Förderliches geweſen, was in ſo beſonderem Grade Als ein wohl ſelten vorkommender Fall möge hier noch erwähnt ſein, den Beifall des Publicums gefunden hat. Ob dasGeheimniß der alten daß als Schüler ein bereits verheiratheter Maſchinenfabrikant an der An Mamſell dieſer Forderung entſpricht? Wir behaupten es, ja, es gilt ſtalt ſich befindet, der ſich des Studiums halber mit ſeiner Familie dort uns als ausgemacht, daß der anerkannte Reiz der ganzen Erzählung in aufhält; ebenſo zählt dieſe Schule unter ihren den verſchiedenſten Lebens⸗ der Gediegenheit ihres tieferen Werthes liegt. Wer ſie geleſen hat, wird altern angehörigen Zöglingen auch einen, der bereits das vierzigſte Jahr auch bald herausgefunden haben, daß ſie trotz ihrer feſſelnden und unter⸗ überſchritten hat. Solche Fälle, wie dieſe, müſſen zu einer Anſtalt nur haltenden Eigenſchaſten nicht einer gedankenloſen Unterhaltungsſucht ge Vertrauen erwecken.

ällendan. gOpferſfock fuür Oſtpreußen.

Es gingen ferner ein: Familie J. M. Baumann in Schemnitz(Ungarn) 10 fl.; aus Oelnitz 2 Thlr.; Anna Marie 1 Thlr.; ein Leſer der Gartenlaube in Naumburg 3 Thlr.; ein deutſcher Commis in Prag 2 fl.; N. in Reichenbach 2 Thlr.; A. W. in Wien 2 Thlr.; einige Deutſche in Tannwald in Böhmen(durch E. Hausmann) 28 fl.; M. in Vollenhove 25 Sgr.; G. M. in Bensheim 2 Thlr.; zweite Sendung des Männer⸗ geſangvereinsTeutonia in Paris 26 Thlr. 20 Sgr.; ein Abonnent aus Paderborn mit dem Motto:Weil die Staatshülfe für Viele zu ſpät kommt 20 Thlr.; Theatervorſtellung im Mädchen Inſtitute der Fr. M. Berghold in Oſthofen 11 fl. rh. und 1 Thlr.; eine Wienerin 1 fl.; Irene H. in Irland 2 Thlr.;ein Schelm giebt mehr als er hat 1 Thlr. A. Sp. und A. G. in Barmen 2 Thlr.; M. K. in Soalborn 1 Thlr.; Sammlung bei der Taufe Friedrich Rudolf Str. am 8. März 5 Thlr.; ſiebente Rate des runden Tiſches in der Bahnhofreſtauration in Crimmitzſchau 6 Thlr.; aus Zeltweg in Oeſterreich zurVerwendung durchein demokratiſches Comité 28 fl.; E. R. P. E. in Weilbach 2 Thlr.; Flaſche, Meſſer und Kork in

Annaberg 4 Thlr. 18 Sgr.; aus Böhlen(Rudolſtadt): vom Fabrikbeſitzer Siemroth und deſſen Perſonal 7 Thlr., Fabrikbeſitzer Harrop und Perſonal

8 Thlr., aus dem Pfarrhauſe 1 Thlr⸗ Gemeinde Böhlen 6 Thlr. 5 Sgr., zuſammen 22 Thlr. 5 Sgr.; O. Z. in Todenwarte 2 Thlr.; aus Troppau durch die Buchhandlung Buchholz u. Diebel 36 fl. und 9 Thlr.; Preis eines Einlaß⸗Billets zum Maskenball des Deutſchen Liederkranzes in New⸗York am 20. Februar, den Guird Schmidt nicht beſuchte, 15 Dollars; Sammlung der Schulkinder in Moſen durch Lehrer Schurig 1 Thlr. 2 ½ Sgr.; ein Ungenannter 1 Ther.; Rechſteiner in Bozen 2 Thlr. 10 ½ Sgr.; E. in Hannover 15 Sgr.; aus Trier 1 Thlr. 10 Sgr.; aus Heidelberg 1 Thlr.; Brrig einer Lotterie, veranſtaltet von den Schülerinnen der Claſſe I. b des Dr. Fiſcher'ſchen Mädcheninſtituts in Leipzig 50 Thlr.; Sammlung unter den Deutſchen in Belgrad, durch Baumeiſter E. Geisler 480 Piaſter oder 8 Ducaten; G. und J. K. in Görkau 5 Thlr.; Emma Siggert in Riga 2 Thlr.; B. B. in Moskau 10 Rubel Silber; G. Vetter 5 Rubel; Unterofficiers⸗Frau Padow 1 Rubel; von einer deutſchen Frau aus Rußlands Steppen 25 Rubel; Ertrag einer von vier Knaben veranſtalteten Lotterie zum Beſten oſtpreußiſcher Lehrer 11 Thlr.; A. L. in Oberſtein 10 Thlr. 26 Ngr. (40 Fr.); aus der rheinländiſchen Weinſtube: für die oſtpreußiſchen Lehrer von W. Laur 2 Thlr., für Singen eines Liedes 10 Sgr., Hugo W. 5 Thlr.,

Pckt. 2 Thlr., Dr. W. Hamm 2 Thlr., zuſammen 11 Thlr. 10 Sgr. Die Redacrion.

Inhalt: Ein Wort. Novelle.(Schluß.) Ein Bild ohne Worte. Illuſtration. Zwei Tage im Schnee. Aus dem Leben eines Locomotiven⸗ führers. Erinnerungen an König Ludwig den Erſten von Baiern. Von Exnſt Förſter. I. Ein Beſuch im Kloſter. Von Carl Vogt. Mit Abbildungen. Blätter und Blüthen: Ein paar Stunden bei Sophie Schröder. Der geleſenſte Schriftſteller Frankreichs. Das Geheimniß der alten Mamſell. Kleiner Briefkaſten. Opferſtock für Oſtpreußen.

Nicht zu überſfehyen Mit dieſer Nummer ſchließt das erſte Quartal unſerer Zeitſchrift. Wir erſuchen daher die geehrten Abonnenten, ihre Beſtellungen auf das zweite Quartal ſchleunigſt aufgeben zu wollen. Die Verlagshandlung. Es ſei uns verſtattet, nur einige der uns wieder vorliegenden werthvollen Beiträge zu nennen, mit deren Abdruck im kommenden Viertel⸗ jahre begonnen werden ſoll:

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Reichsgräfin Giſela. Novelle von E. Marlitt.(Wir hoffen, mit der Veröffentlichung derſelben noch im nächſten Quartale den Anfang

machen zu können.) Das Mädchen von Liebenſtein. Erzählung von Fr. Bodenſtedt. Im Hauſe der Bonaparte. Novelle von Max Ring. Aus dem Hotzenlande. Von Ludwig Steub. Mit Illuſtration von Theodor Pixis. Die Juniſchlacht in Paris. Von Johanr 1 Scherr. Aus der Zeit der weichgeſchaffenen Seelen. Mit Abbildung von Ludwig Pietſch. Von drei großen Zauberern. Eine räthſel⸗ Geſchichte von Rudolf Löwenſtein. Könige von Gottes Gnaden. Rothwein⸗Skizze von Paul Wendt. Mit Illuſtration. Oeſterre Berühmtheiten der Jetztzeit. Von Sigismund Koliſch. An Bettina's Thectiſch. Eine Schlittenfahrt über den Splügen. Mit Jlluſtratil ſp Charakterhilder vom Hoſe des Onkels. Handeln die Thiere aus Inſtinct oder Ueberlegung? Von Brehm. Aus Immermanns Kreis. Aluſtration von Ludwig Pietſch. Bilder aus dem Berliner Rechtsleben. Nr. 2. Winterleben in den Tiroler Bergen. Mit Abbildnn nerungen einer Dresdner Künſtlerin. Der letzte Ausbruch des Veſuvs. Der Präſident auf der Anklagebank. Von einem Augenzeugen noch Aſſe Erſterſtube. Mit Abbildung von Guido Hammer. Der Sieur d'Artagnan. Von George Hiltl. Das Thierleben in Paris. B nach dem ſch. Plaudereien äus meinem Leben. Von Karl von Holtei. Fert mit den Ofenklappen! Von Hermes. Aus dem Lande d 9&on Put llnn 1 9. Tunlapene noch nach⸗ Von Paul Wendt. Zu Deutſchlands Sagenthron. Eine Thüringer Bergfahrt. Von Fr. Hofmann. ꝛc. ꝛc. Bildung,N;; ortlicher Redactenr Ernſt Keil in Leipzig. Verlag von Ernſt Keil in Leipzig. Druck von Alexander Wiede in Leipzig. 2 n 9