rüſt zu helfen und ihn von dem Thatbeſtand letzter Hand zu überzeugen, womit er ſich alsdann vollkommen befriedigt erklärte. Uebrigens hinderte ihn ſeine Beharrlichkeit nicht, nachzugeben, oft ſeh raſch nachzugeben, wenn er den Widerſpruch für begründet erkannte. Viele Beiſpiele ſtehen mir zu Gebote, ich will mich mit zweien begnügen. Er hat bekanntlich Jean Paul in Baireuth eine Ehrenbildſäule errightet. Als die Statue gegoſſen war, kam ich in die Gießerei und ſah die für das Poſtament beſtimmte Inſchrift:„Jean Paul Friedrich Richter, Schriftſteller.“ Ich erlanbte mir dem König— der, beiläufig geſagt, mehr⸗ treff der Statue mit mir Rückſprache genommen zu
Entweder iſt der Zuſatz ‚Schriftſteller nöthig, ſo ver⸗ dient Jean Paul die Statue
nicht, oder er verdient ſie: dann iſt die Bezeichnung überflüſſig.“ Noch denſelben Nachmittag ging der König in die Gießerei und gab den Auftrag, die Bezeichnung „Schriftſteller“ wegzulaſſen.
Ja, er ſcheint den Fall über zwei Jahrzehnte im Gedächtniß behalten zu haben, denn bevor er im Jahre 1863 die Schillerſtatne in München aufſtellen ließ, ſchrieb er unterm 2. November 1862 an mich:„Herr Dr. Ernſt Förſter, wünſche recht bald zu erfahren, welche Inſchrift Sie am Fußgeſtell Schiller's für die geeignetſte halten. Ihr wohlgewogener Ludwig.“
Nach Exrichtung des Ehrenſtandbildes von Jean Paul in Baireuth hatte ich im Auftrag der Familie
den König gebeten, des Dichters Handſchrift zu ſeinem letzten Werke, ders,Selina“, als ſchwaches Dankeszeichen annehmen zu wollen, und erhielt von ihm die Antwort:
„Herr Dr. Förſter! Ich nehme mit Vergnügen die mir von Ihnen und im Auftrage von Jean Paul's Hinterbliebenen, mit Schreiben vom 10. dieſes vorgelegte Handſchrift des gefeyerten Verfaſſers letzten Werkes: Ueber die Unſterblichkeit der Seele’, als ein Geſchenk für Meine Hof- und Staatsbibliothek an, und er⸗ wiedere dabey den Mir für das— dem unvergeßlichen Manne, von mir beſtimmte Denkmahl, dargelegten Dank mit dem Ausdrucke meiner geneigten Geſinnungen. Ich bemerke zugleich zu Ihrer Ver⸗ ſtändigung, daß die auf des befraglichen Denkmahles Fußgeſtelle nach Meiner Vorſchrift angebracht werdende Inſchrift die Bezeichnung Schriftſteller nicht enthalten werde. Mit Königlicher Gnade Ihr wohlgewogener„
Münch„ 13. October 1841. Hrhdke
— Ludwig.
Ein anderer Fall war etwas weniger harmlos, aber nicht weniger ein Zeugniß für die Bereitwilligkeit des Königs, gegrün⸗ detem Widerſpruch gerecht zu werden. Seit dem Tode Schorn's 1842 war ich mit Franz Kugler in Berlin Redacteur des Kunſt⸗ blattes, einer Zeitſchrift, welcher der König aus erklärlichen Gründen viel Aufmerkſamkeit ſchenkte. Die Gemäldeſammlung der Pinakothek war 1843 durch drei Bilder bereichert worden, von denen das eine den Namen Giotto's, das andere den des Montagna, das dritte den des Giov. Bellini, und zwar nach meiner Anſicht ein jedes mit Unrecht, trug. Ich hatte es unter den kleinen„Nach⸗ richten“ im Kunſtblatt einfach mitgetheilt. Einige Zeit danach wurde mir von Stuttgart aus ein Manuſeript als„Berichtigung“ zur Redaction für das Kunſtblatt zugeſchickt, das von hier aus dorthin gegangen war und in welchem ich wegen jener Nachricht mit Uebermuth und mit Verunglimpfung angegriffen wurde. Ich kannte die Handſchrift des Verfaſſers, erkannte aber auch ſogleich an einigen Correcturen darin des Königs Handſchrift. Ich ſchrieb deshalb ſogleich an den König, daß dieſes Manuſcript(das, wie ich erſehen, ihm nicht unbekannt ſei) in meine Hände gelegt ſein
daß dem Verfaſſer deſſelben in ſeiner Unbekanntſ
fehle und daß ich dies, wenn der Artikel nicht umgeändert würde, in ſehr entſchiedener Weiſe in einer Nachſchrift ausſprechen würde. Das Manuſcript wurde im Auftrag des Königs(im Mai) ab⸗ geholt und kam im October zu einer anſtändigen Kritik umge⸗ arbeitet wieder in meine Hände und dann ohne Nachſchrift in's Kunſtblatt.—
Der König hatte nachgegeben; er mochte es am En Meinungsverſchiedenheit zwiſchen zwei Kunſtſchriftſtellern von der es ganz paſſend war, wenn ſie in gemeſſener
5 202 ⸗
konnte im Schloßthor umwenden, um ſich ſtatt
ei, †„Majeſtät! u chaft mit den Wer⸗. ken der italieniſchen Kunſt jede Berechtigung zu ſeiner„Berichtigung“
ſchirmes ſeinen„alten“ vom Lakai holen zu laſſen,
Er führte kein Geld bei ſich;
borgte, ſie aber
während dieſer
zwölf Kreuzer zurückzuerſtatten! N 3.44 Douceur
verkäuferin ſich auf ein„königliches RMei e Aden Magenaf dehu in de Bei einem ſtarken Regenguß, der ihn in der⸗ trat er in einem kleinen Hauſe unter und hörte leiſe über ſich wimmern. Er ging den Nauten ein ärmliches Zimm
vom Gerüſte gefal Verdienſt, fehle alle Nahrung; alle finden, ſeien vergeblich geweſen.
„Seid Ihr denn ſchon,“ frug ſie der geweſen?“ „Ach, nichts zu holen!“
Der König, gefundenen Vorwand ſ Rolle mit hundert Gulden unter der Aufſchrift: hals Ludwig.“
mir hergehen, es war im
nahm eines ruhig wieder hin. auf König Ludwig am(oder unterm) Ga die Blätter.
Der Künſtlerdeputation, die nach unſer Aller Schmerz ausdrücken
ſagte er:
ſchriebene Adreſſe überreichte, gebraucht zu dem Entſchluß, mich von
ſeine unternommenen Werke Gedicht, das er Jedem, deſſen Name unter einzeln in Couvert zuſchickte.
Im Jahre 1850 wurden die Fresken an d in München begonnen, Entwürfe geliefert hatte.
tern hervorrief. Ich ſchrieb damals ungefähr
die Allgemeine Zeitung: Kunſtleben des Königs Ludwig eine Thorheit; ich glaube, nicht wahr, Wind und Wetter werden bald
Der König hat die Arbeit den Elementen
mittelbar nach meiner obigen Erklärung Straße an:
König, ſondern wer ſeine Befehle vollzieht, worauf denn natürlich keine Antwort erfolgt.
der Zeit mit ihm in der Werkſtatt Kaulbach's Entwurf zu einem neuen feſt, auf der Staffelei ſtand. des Königs, ſtändiger Haltung bekränzt, ſehender Künſtler angeſungen wurde. brach er in die Worte
Kaulbach ſagte:
Tage trat.—
Der König war ſehr ökonomiſch und galt darum bei Wiel⸗ für geizig, während er nur leichtſinnige ſogenannte Ehrenausgabe vermied, aber in großartigſter Weiſe Wohlthaten ſpendete.
Erund gnädig.
2 Nain! Man muß!“
Nhes Veränderung oben erwähnten Woufits
des guten Regen⸗
es traf ſich aber, daß er einen Blumenſtrauß für zwölf Kreuzer bei der Verkäuferin am Hofgarten durch einen ihm bekannten Herrſchaftsbedienten, zu deſſen Schuldner er ſich nun machte, befriedigen ließ. Den Be⸗ dienten ließ er nach einigen Tagen zu ſich rufen,
er, wo eine Frau mit ihrdum Kinde neben einem Krankenlager ſaß. Er erfuhr, es ſei ihr Mandh. ein Manrer, und arbeitsunfähig geworden, und nun, ohne Wege, eine Untorſtützung zu
König,„beim König bei dem Geizhals,“ war ihre Antwort,„iſt vollends
der ſich unerkannt ſah, beſtellte unter einem leicht ie auf's Schloß und dort erhielt ſie eine
Dieſe Kraft der Selbſtbeherrſchung zu bewähren, bot ihm das Jahr 1848 vielfach Gelegenheit. Ich ſah ihn eines Tages vor März deſſelben Jahres. Straßenecke ſaß ein altes Weib mit Lithographien. der Blätter auf, ſah es an und legte e Ich nahm es anch at es war ein
algen! Natürlich zerriß ich
der Thronentſagung ihm ſollte und eine von uns unter⸗ „Drei Stunden habe ich der Krone zu trennen, aber drei Tage zur Reſignation auf die Kunſt!“ Und er hat doch alle zu Ende geführt! Er der Adreſſe ſtand,
wirken des Königs Ludwig und zwar nach einer ſehr ſ Auffaſſung, die Anklagen und Vertheidigungen in öffentlichen Blät⸗
die von Mädchen aus dem Volk in nicht von einer Schaar ziemlich roh aus⸗ Kaum, daß der König einen
„weil es regnete!“
um ihm— die wie die Blumen⸗ geſpitzt hatte.—
Vorſtadt überfallen,
bald laut, bald nach und trat in
der
„Von dem Geiz⸗
An einer Der König Alten aricatur
dankte in einem
er neuen Pinakothek zu denen W. v. Kaulbach die ausgeführten Bekanntlich iſt ihr Gegenſtand das Kunſt⸗
atiriſchen
folgende Zeilen in
„Die Gemälde Kaulbach's an der neuen Pinakothek in München ſind entweder wahr, dann iſt das ganze
oder ſie ſind, was
dann ſind ſie der Vernichtung verfallen! das Ihrige dazu thun; aber ein hochherziger Entſchluß ſollte dem zuvorkommen!“
überlaſſen, die ihre
Schuldigkeit bereits ausgiebig gethan haben; mich aber redeie un⸗ der König auf offener „Nicht Kaulbach, ich habe die Bilder angegeben, ich, der König!“ worauf ich ruhig, aber mit Beſtimmtheit erwiderte: wir leben in einem conſtitutionellen Staate!
Nicht der iſt verantwortlich!“ Ich traf aber nach zuſammen, wo der
Gemälde jener Bilderfolge, ein Künſtler⸗ Den Mittelpunkt bildete die Statue
ſehr an⸗
aus:„Das iſt ja
Satire! Auf den König darf man keine Satire machen!“ Und als „Man kann ja da noch ändern!“ rief er:„Man ſt erfolgt. Auch ich
ſn
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