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wir ſahen, war nicht tröſtlich. Unſer Zug war verſchwunden, ein paar ſchwarze Schornſteine allein ragten traurig, wie die Kirch⸗ hofskreuze, aus dem Schnee hervor, während der Orkan immer noch wie die wilde Jagd über die Hochebenen bei Falkenſtein linſaje
ie Bahnbewachungsorgane, die Ingenieure und Oberbahn⸗ warer boten für das⸗Schneeauswerfen umſonſt die höchſten Lohn— ſätze, die arbeitsloſe, hulfsbedürftige Bevölkerung der Stadt und Umgegend, meiſt arme Weber, blieb lieber zu Haus und hungerte, als daß ſie ſich dem fürchterlichen Wetter ausſetzte, das übrigens noch immer jede angefangene Arbeit augenblicklich vernichtete. Wie wir ſpäter erfuhren, verſucht te man auch zur ſelben Zeit, alſo den 1. Februar früh, von zwei Seiten, von Reichenbach und von Oelsnitz aus, mittels Maſchinen zu den Keiſtzenden Zügen vorzudringen, aber ebenfalls vergebens. Eilig hatten ſich dieſe Expeditionen wieder zurückziehen müſſen, um nicht unſer Schickſal zu theilen, und Augenzeugen berichteten uns, daß es an jenem Morgen ausgeſehen habe, als ob der ganze Schnee, vom Sturmwind angeführt, in einer fortwährenden Wanderung begriffen geweſen ſei und ſeinen verheerenden Zug faſt bis Herlasgrün ausdehnte, während merk⸗ würdiger Weiſe unweit dieſes Streifens und an ſeinen Grenzen das Thauwetter mit aller Heftigkeit auftrat.
Unter ſolchen Umſtänden, und beſonders da das Waſſer und die Kohlen zu Ende gingen, war es nutzlos, die jaufreibenbe Ar⸗ beit, das Heizen der Maſchinen, fortzuſetzen. Der Zugang zu ihnen wurde immer ſch wie iger und unſere Kräfte erlahmten aber⸗ mals beim Durchwühlen des Schnees. Unſere im durchweichten Wagen noch nicht trocken gewordenen Kleider waren wiederum ſo hart gefroren, daß wir uns kaum bewegen konnten und wan— dernden Eiszapfen glichen. Ernſtlich mußten wir deshalb an eigene Rettung denken, an die Rückkehr nach dem Bahnhof, die für uns erſtarrte, kraftlos gewordene Männer das Schwierigſte und Gefähr⸗ lichſte blieb; vorzüglich gefährlich war der Uebergang über einen unmittelbar hinter uns liegenden, von einer geländerl dfen ſchmalen Brücke unterbrochenen ziemlich hohen Damm, von dem der Schnee herabgefegt zwondi. Hier wüthete der Sturm am tollſten. Auf Händen und Füßen langſam fortrutſchend und mit den erſtarrten Fingern mich krampfhaft an die Schienen klammernd, vom Sturme fortwährend gepackt, aufgehalten und wieder zurückgeworfen, zog ich mich Zoll für Zoll an den Eiſen vorwärts, überkletterte dann die vielen weißen Hügel und Mauern, bis ich, auf allen Vieren kriechend, ſo ziemlich beſinnungslos in ein Haus gelangte, wo man mich in ein Bett brachte.
Als ich wieder erwachte, hatte ſich der Sturm gelegt; es war
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die Bahn dem Verkehr zurückzugeben.
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zwar noch windig, aber man konnte doch jetzt dem übermüthigen Schnee anf den Leib rücken. Von allen Seiten eilten deshalb willige Arbeiter herbei; die kleine Stadt Oelsnitz ſandte ihr Militär, und fünf⸗ bis ſechshundert Arbeiter mochten auf der kurzen Strecke vom Bahnhof bis zu dem verwehten Zuge hin in Thätigkeit ſein, um Wir drei verſchlagenen Landſteuerleute aber eilten wieder auf unſere Plätze; uns nach zogen eimige Schlitten mit Kohlen und Holz und nicht Lanae 4 ſtiegen Rauchſäulen aus den ſchwarzen Eſſen in die Höhe, in die geleerten Tander und Keſſel ſtrömte das durch die Schläuche einer Spritze herbeigeſchaffte Waſſer des nahen Baches. Der ent⸗ gleiſte Tender wurde mitber auf die Schienen gehoben, und un— geduldig harrten wir der Stunde der Erlöſung. Allein trotz der Tag und Nacht anhaltenden unausgeſetzten Thätigkeit der Arbeiter⸗ ſchaar, kam der Mittag des 2. Februar heran, ehe ich die frohe Nachricht:„Abfahren, die Strecke iſt ſein durch dinen kräftigen, herzſtärkenden Pfiff beantworten konnte. Mittlerweile waren auch meine Leidensgenoſſen bei Auerbach aus ihrem Gefängniß geſchaufelt und hinter ihnen her dampften wir Auferſtandenen, die Gefahren vergeſſend, wieder dem Hafen der Ruhe, dem großen Reichenbacher Bahnhof zu, den wir Alle glücklich wieder ſahen.
Der Leſer, welchem ich mit dieſer Erzählung einen Einblick in unſer modernes Fuhrweſen verſchafft habe, wird daraus er⸗ ſehen haben, daß uns Locomotivführern noch ganz andere Gefahren drohen, als die, mit denen uns der allgemeine Glaube meiſt um⸗ giebt; denn wirklich verhiinaniſpole Kataſtrophen, durch das Eiſen⸗ bahnperſonal, durch das Material oder durch vnausblalbliche Irr⸗ thümer herbeigeführt, ſind äußerſt ſelten. Die ſtatiſtiſchen Tabellen haben es glänzend dargethan, daß man mit der Eiſenbahn nicht blos am ſchnellſten, ſondern auch am ſicherſten reiſt. er durch Pferde und anderes Fuhrwerk verurſachten Unglücksfälle wenig⸗ ſtens dreißig Mal mehr, aber die körperlichen Anſtrengungen unſeres Dienſtes, der neben allergrößter Ruhe und Beſonnenheit ein ſtetes Wachſein der höheren Sinne bedingt und eine ungeheure Verantwortlichkeit auf ſich hat, ſchaffen uns zahlloſe Leiden, die mit Gicht und Reißen früh genug anfangen, und die aufgeführten eigenen Erlebniſſe beweiſen nur, daß man in unſerem Stande ſogar in den cultivirteſten und beſteingerichteten Ländern Tage erlebt, wie ſſie am Saume des nördlichſten Sibirien, fern von den Stät⸗
ten der Menſchen, kaum ſchauerlicher vorkommen können, und daß man, obgleich mit der Schnelligkeit des Vogels wetteifernd und
mit der höchſten Kraft im Bunde, doch nichts gegen die Launen der Natur und gegen ſo manche tägliche kleine Vorkommniſſe vermag, die ich vielleicht in einem ſpäteren Artikel ſchildern werde.
Erinnerungen an König Ludwig den Erſten von Baiern.
Von Ernſt Förſter.
König Ludwig der Erſte von Baiern war in vielen Beziehungen eine ſo bedeutende, eigenthümliche und großartige Erſcheinung, daß er gewiß für immer im Munde des Volkes fortlebt, wenn auch Manches, was er gethan, vergeſſen und Vieles, was er geſchaffen, der Zeit zum Opfer gefallen ſein wird. Sind es die Züge aus dem Privatleben und dem perſönlichen Umgang, die über die Popularität eines Fürſten entſcheiden, ſo ſind ſie gewiß nicht die werthloſeſten zur Zeichnung ſeines Charakters. Das Gedächtniß hält ſie am liebſten feſt; ſie bringen ihn uns als Menſchen näher, als jene Erinnerungen aus dem öffentlichen Leben, die uns überall in Fracturſchrift entgegen glänzen, wohin er ſeinen Fuß geſetzt, wohin ſein Geiſt gereicht hat.— Ich war ſo glücklich, ihm perſönlich bekannt zu ſein, und bin während vierzig Jahren vielfach mit ihm in Berührung gekommen, in friedliche und freundliche, aber allerdings zuweilen auch in bedenkliche. Wenn er es aber auch ungern ſah, daß ich eine der ſeinigen entgegengeſetzte Anſicht ausſprach und feſthielt, ja, wenn er ſelbſt heftig werden konnte: für einen Gegner— das wußte er wohl!— durfte er mich nicht halten, und ſo erlitten die guten Beziehungen nie eine lang⸗ andauernde Unterbrechung. Ueber politiſche Angelegenheiten bin ich nie mit ihm in Conflict gekommen, und während der beklagens⸗ werthen Verirrung von 1847 habe ich weder mündlich noch ſchriftlich ein Wort mit ihm zu wechſeln Gelegenheit gehabt.
I.
Vieles aber von dem, was mir aus der Zeit vorher und nachher von dem Verkehr mit ihm in Händen und im Gedächtniß ge⸗ blieben, halte ic für werth, unverloren z0 bleiben. Sind es auch nur veüoindelr Zuͤge: ſie werden doch das Bild des deutſchen Mannes, des Fürſten, des Menſchen von natürlicher Denk⸗ und Empfindungsweiſe vervollſtändigen helfen.—
Meine erſte Bekanntſchaft mit König Ludwig fällt in das
Jahr 1827; ſie wurde nur auf dem Papier gemacht, wo ſich unſere Handſchriften begegneten. Ich war beauftragt, das Pro⸗
gramm für die Fresken des Hofgartens zu entwerfen, und bekam mein Manuſcript zurück mit Bemerkungen, Correcturen und mit der Genehmigung deſſelben von des Königs Hand, woraus ich ſah, welche gewiſſenhafte Aufmerkſamkeit er einer im Ganzen ſehr untergeordneten Aufgabe geſchenkt hatte.
Wir hatten bereits in den Arcaden zu malen angefangen, als eines Tages heftig an die Thür angeklopft wurde. Es war in der Mittagſtunde und außer mir Niemand da. Das Klopfen wurde ſo ſtark wiederholt, daß ich den Rock, den ich an den Nagel gehängt, hängen ließ und die Thür öffnete. Da ſtand der König! „Ich muß doch ſehen, was Sie ſchaffen!“ ſing er an.„Wie heißen Sie?“ und als ich meinen Namen genannt—„pvielleicht ein Bruder von Friedrich Förſter?“—*,Ja!“—„Ah, das freut mich.
Ihren Bruder ſchätze ich ſehr Sein 3 kdes Gedicht auf die
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