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1 ſchreiber unterbrach ſich in einer Auseinanderſetzung über das Miene an. Jedem Original der Portraits war es aus der Seele 2 perſiſche Sonnenjahr oder ſonſt eine entlegene Herzensangelegen⸗ geredet, wenn er endigte: heit, der Botaniker vertagte eine begonnene Belehrung ſeines„Und jedes Bild, es ſoll Dir danken, 3 Nuachbars über Pilzſporen oder Pflanzenzellen, der Komiker brachte Tür ſenes Bild, das Du uns ließ ſt raſcher als gewöhnlich einen neugebornen guten Einfall an den Das en una freſt d Ernſ nnd Scherzen, Mann, wenn— Er ſich zu einer längeren Erzählung oder zur Du gehſt— doch uns n tieſſten Herzen Abgabe ſeiner Meinung über eine auf die Tagesordnung gebrachte Bleibt eines deutſchen Mannes Bild.“ V Frage anſchickte. Mathy hätte nicht die geſellige Natur, nicht Er ging, um zunächſt uneigentliches, dann eigentliches Mit⸗ der Mann von Herz ſein müſſen, der er war, wenn ihm dieſe glied eines badiſchen Cabinetguzu werden, welches von ſich ſagen ſtille und doch ſo deutliche Huldigung nicht wohlgethan, er hätte konnte: wir ſind die Freiſinnigſten im Lande, nach uns kommt die nicht der Patriot ſein müſſen, der er war, wenn es ihm nicht erſte, dann erſt die zweite Kammer, ein Verhältniß unerhört in
zur Befriedigung gereicht hätte, ſich als den Grundpfeiler eines großen und kleinen Staaten. Wir hörten von ihm, daß er ſich
Krreſſes von Gleichgeſinnten betrachtet zu ſehen. Er gab viel, aber glücklich fühle, daß er trotz nicht geringer Anfeindung mit gewohn⸗
er empfing auch; er war unſer Stolz, aber er hatte auch keine ter Umſicht und Thatkraft erſt als Director der Domainenkammer, uurſache, die am runden Tiſche zugebrachten Stunden für verlorne dann als Handelsminiſter, dann in der Eigenſchaft eines Vorſtan⸗ aanzuſehen. des des Finanzdepartements erfolgreich an den Reformen mit⸗
Leipzig war ihm werth geworden. Und doch konnte hier gearbeitet, von denen die Preſſe aus Baden meldete. Wir ver⸗
ſein Bleiben nicht ſein. Die Sehnſucht nach der ſchöneren Hei⸗ nahmen, daß er in Karlsruhe neben einem größeren Wirkungs⸗
8 math im Süden, nach den altgewohnten Verhältniſſen war ihm kreiſe unter den„Bären“— die hiermit in Erinnerung an eine niemals erloſchen. Sein Reformationswerk in der Creditanſtalt gute Stunde des Sommers von 1863 gegrüßt ſeien— auch einen
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war allmählich in Zug gekommen, was weiter zu thun, keine größeren Freundeskreis gefunden, dem es ebenfalls nicht an mun⸗ Arbeit für ihn. Vor der Reaction in Baden hatte er den Staub terer Laune fehle. Wir ſahen Roggenbach abtreten und mit Edels⸗
V von den Füßen geſchüttelt; jetzt, wo guter Wille dort auf dem heim für kurze Zeit die Reaction herrſchen. Der Zwang dazu
Throne ſaß und die Sonne einer neuen Epoche aufging, wo wurde bei Sadowa gebrochen. Karl Mathy war fortan der erſte
woichtige allgemeine Fragen und nicht weniger wichtige Fragen Rath ſeines Großherzogs, ein vollkommener, gründlicher Umſchwung
ſeenes beſondern Fachs zur Entſcheidung kommen ſollten, verlangte der badiſchen Politik und zu gleicher Zeit der öffentlichen Meinung
es ihn heim und verlangte ihn auch die Heimath. Eine größere trat ein, und wenn Baden nicht ſofort mit klingendem Spiel und Wirkſamkeit, neue politiſche Thätigkeit winkte. Das Miniſterium fliegenden Fahnen in den Norddeutſchen Bund eingezogen iſt, ſo von Roggenbach war gebildet worden, keineswegs ganz aus Staats⸗ trägt der Gegenſtand dieſer Charakterſkizze gewiß nicht die Schuld mmännern von Mathy's Ueberzeugung und noch weniger aus ſolchen dabei. 4 voon ſeiner Charakterſtärke. Er konnte ihm neue Kraft, raſcheren Die Nachrichten über die Thätigkeit unſeres Freundes für und kühneren Entſchluß zuführen, ihm, wie ich's nennen möchte, dieſe glückliche Wendung waren die letzten erfreulichen von ihm. mmehr Rückgrat geben. Es war etwas vom Grafen Bismarck in Mathy, ernſtlich erkrankt— in der Geneſung— geſtern Nacht Mathy, nur daß jener von der rechten, dieſer von der linken Seite verſchieden— ſo folgten ſich Anfang Februar wechſelnd die Tele⸗ auf den wahren Weg zum Ziele gelangt war. Es lag ſchon im gramme. Und die Beſtätigung des letzten blieb nicht aus. Eine Sommer 1862 etwas von großen Dingen in der Luft, und da Bruſtentzündung hatte ihn dahingerafft. Wir hatten gehofft, ihn hütte es ſein Pfund vergraben und nichts von dem berechtigten im Zollbundesrathe zu Berlin ſeine gewichtige Stimme für mög⸗ 8
Ehrgeiz beſitzen heißen, der die Geſchichte machen hilft, wenn Karl lichſte Vollendung der Einheit des Vaterlandes einlegen zu ſehen. Mathy an der hohen und einflußreichen Stelle hätte fehlen wollen, Jetzt war er hinüber in das dunkle Land, in die Nacht, da Nie⸗ an die ihn ein liberaler und nationalgeſinnter Fürſt berief. mand wirkt. Nicht ohne den leuchtenden Anfang zur Verwirk⸗ . Mit einer Miſchung von Trauer und Freude vernahm der lichung deſſen noch geſchaut zu haben, was ſeiner Seele feuriger Club die Nachricht:„Der Staatsrath geht fort.“ Der Stuhl Wunſch war, und darum glücllicher zu preiſen, als ein Anderer neben der Ecke, den er ſo oft eingenommen, ſollte leer ſtehen unſerer Runde, der vor ihm für immer von uns ſchied. Aber fortan. Wir hatten uns verwaiſt gefühlt, wenn eine Reiſe ihn dennoch zu früh für das Vaterland, für die Heimath, die für eine kurze Zeit uns entführt, jetzt war es eine Abreiſe für Freunde.
immer. Noch wehmüthiger waren die geſtimmt, die ſich näheren Ein Mitglied der Leipziger Genoſſenſchaft ging nach Karls⸗ Umganges mit ihm erfreut hatten, aber ſie wußten auch noch ruhe, um dem Geſchiedenen im Namen der Uebrigen die drei mehr, daß die Berufung einen Lieblingswunſch von ihm erfüllte Hände voll Erde ins Grab zu werfen. Er kam zu ſpät. Doch und daß ein Geiſt wie er nicht fehlen dürfte, wo Gelegenheit konnte er ihm wenigſtens eine letzte Gabe der Liebe auf den Hü⸗ war, dem Vaterlande nicht blos mit gutem Wollen und Reden, gel legen. ſondern mit Thaten zu dienen. 1 Niemand iſt unerſetzlich. Karl Mathy wird für Baden V Am 20. December gaben wir ihm ein Abſchiedsmahl, bei ſchwer erſetzlich ſein. Seine Freunde aber müſſen ſich über ſeinen
dem ihm der Humoriſt der Genoſſenſchaft die letztere in Geſtalt frühen Hingang tröſten mit dem Samen, den er unter ſie geſäet, eines Albums mit den wohlgetroffenen Photographien der Mit⸗ und mit dem Vorbild, das er ihnen hinterlaſſen.„Du gingſt,“ glieder zur Begleitung in die Ferne überreichte. In den erſten ſo hallt es unter ihnen nach, 1 Strophen ein Muſter launiger Gelegenheitsdichtung, nahmen die„Du gingſt, doch uns im tiefſten Herzen I Verſe, die der Darbringer dazu ſprach, zum Schluſſe eine ernſte Bleibt eines deutſchen Mannes Bild.“
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V Im Hauſe RKobert Stephenſon's.
Von M. M. v. Weber. III. „Und doch ſind wir, ſelbſt mit dem bewunderten Werke ſchiedenen Zeitaltern die Organe zuwachſen, deren ſie zu ihren unſeres berühmten Wirthes, nicht an der Grenze der Ausnutzung GCulturzwecken bedürfen. Von den Zeiten Nerva’s und Trajan's 1 der ſpecifiſchen Tugenden des Eiſens für den Brückenbau ange⸗ bis zu denen Ludwig des Vierzehnten, durch die Kreuzzüge, die 4 t kommen,“ ſetzte der Amerikaner unſer Tiſchgeſpräch fort.„Die Blüthe der Hanſa, Venedigs und Genuas, die Thaten der Con⸗
Hängebrücken, die Eiſenwölbungen haben eine große Zukunft, quiſtadoren in Amerika, der Portugieſen in Oſtindien hindurch, um Eiſenbahnen über ſonſt völlig unwegſame Abgründe und hat ſich die Civiliſation nur auf Waſſerpfaden bewegt. Es gab über wilde Stromſchnellen mit Spannungen von jetzt noch taum während einer Epoche von anderthalbtauſend Jahren in der ganzen geahnter Weite, halb in der Luft hängend, zu führen.“ Welt, die peruaniſchen Incapfade und die mexicaniſchen Heerwege
„Die Extreme regen zu weitreichenden Betrachtungen darübern in einem damals unbekannten Erdtheile ausgenommen, kein einziges wirkliches Straßenſyſtem, und daher ſtand auch die Kunſt des
an,“ nahm hier Stephenſon das Wort,„wie wunderbar den ver⸗


