auf an⸗
1
ollen⸗
e ihne 1 nter⸗ wurde a und
ktliche
ſtreute n und
waren
el er⸗ dieſe lang⸗ ſeiner habe,
wenn
ichnen
niäch⸗ iſce
i wir s ſind
onau⸗
b
zum 0
ft und
noſſen, reunde
ürger⸗
waren Red⸗
gehör⸗
ulian
lund
joethe⸗
clach⸗
Stätten er, ge⸗ Hütten g ſein
eplau-
er An⸗ rungen ins in
—
————
Petrinum zu ihrem Mittelpunkt und Häuptling. Ein Franke ſeiner Herkunft nach, vereinigte er in ſeinem Weſen alle Vorzüge der Stämme dieſſeits und jenſeits der Mainlinie ſchon gewiſſer⸗ maßen durch ſeine Geburt. Ein reiches Gemüth und ein ſcharfer Verſtand, beide in einem ereignißvollen Leben in ſehr verſchiedener Stellung, in Kämpfen aller Art, in Arbeiten für das Wohl des Volkes bald in der Kammer als Redner, bald in der Dorfſchule als Erzieher, bald als Unterſtaatsſecretär im Han⸗ delsminiſterium des deutſchen Reichs, geläutert und bereichert, hoben ihn noch weit über die a eine Anlage ſeines Stam⸗ mes hinaus. Ohne die Ideale ſeiner Jugendzeit zu ver⸗ lieren, hatte er ſich ſchon durch ſein urſprüngliches Studium, die Cameralwiſſenſchaften, Geringſchätzung der landläufigen Redensart und der politiſchen Stubenweisheit angewöhnt und den Grund zu der in ſeiner weiteren Thätigkeit in ſeltnem Grade ausgebildeten Erkenntniß gelegt, daß nur der die Welt ſeinen Idealen dienſtbar macht, welcher mit den Thatſachen rechnet. Ein heißes Herz und ein kalter Kopf glichen ſich in ihm aus zu einem jener Menſchen, wie wir Deutſchen ſie vor Allem brauchen können.
Nicht oft brach das heiße Herz hervor, dann aber mit ſchneidender Energie. So, als ein Vorfechter der Ultramontanen in der badiſchen Kammer ihm einen Brief ableugnete, auf den er ſich bezogen und den er dem Dreiſten dann vor's Geſicht hielt, und ſo in ſeiner vulcaniſchen Rede gegen die Oppoſition, die ihm als Miniſter aus ſelbſtſüchtigen Beweggründen einen wohlüberlegten Plan zu volkswirthſchaftlicher Reform beſtritt. Für gewöhnlich war er in Geſchäften ein kühler, praktiſcher, raſtloſer Arbeiter, im Freundeskreiſe ein anſpruchloſer, einfach liebenswürdiger Geſell⸗ ſchafter, und nur ein gewiſſer Zug leiſer Ironie, der bisweilen ſeine Erzählung oder ſein Urtheil umſpielte, verrieth den vorneh⸗ men Geiſt, welchen der Zuhörer vor ſich hatte. In ganz vertrautem Kreiſe gab er ſich ganz, wie er war, und dann war es eine Freude, ihm zu folgen bei der Mittheilung ſeiner Erlebniſſe oder der Schilderung der zahlreichen bedeutenden Perſönlichkeiten, mit denen er in Berührung gekommen.
Mathy verſtand vortrefflich zu erzählen, und er erzählte gern, vorzüglich aus ſeinen jüngeren Jahren. Es wäre zu beklagen, wenn er darüber nicht mehr niedergeſchrieben hätte, als das reizende Bildchen aus der Zeit, wo er Schulmeiſter von Grenchen war, eine Dorfgeſchichte, die zu dem Beſten in Freytag's„Bildern aus der deutſchen Vergangenheit“ gehört und die man in gewiſſem Sinne das aus der Phantaſie in die Wirklichkeit überſetzte Zſchokke'ſche„Goldmacherdorf“ nennen kann. Wie er als Heidel— berger Student Gefallen an der Stärke des Roſſes hatte; ſein Säbelduell ohne Secundanten mit einem Commilitonen, der jetzt eine hohe Stellung in der badiſchen Verwaltung bekleidet; ſeine Fußwanderung nach Frankreich hinein, der Anziehungskraft nach, die auf junge Gemüther die Julirevolution ausübte; die erſten Verſuche des Cameralprakticanten Mathy, in der Preſſe ſeiner Regierung Oppoſition zu machen; ſeine Erlebniſſe in der damals zum Theil noch ſehr urſprünglichen zweiten Kammer Badens, in welcher unter Anderem Abgeordnete aus bäuerlichen Wahlkreiſen ſich ihr Feuerholz eigenhändig abluden und klein machten; ſeine Charakterbilder von Hecker und Struve; ſein Bericht über die Art und Weiſe, wie er Fickler verhaftete, ein Bericht, der aller⸗ dings weſentlich anders klang, als die Darſtellung der Gegner, und in dem man, wenn nicht mehr, mindeſtens in Mathy den unerſchrockenen Vertreter ſeiner Auffaſſung der Lage bewundern muß;*— alle dieſe Dinge von ihm ſelbſt verzeichnet würden allein ſchon eine Reihe der anmuthigſten und lehrreichſten Capitel bilden.
Wir Alle lernen, wenn wir die Augen offen halten. Jugend ſchwärmt für Ideale, und auch Mathy war davon nicht ausgenommen. Es wird eine Zeit gegeben haben, wo ſeine politiſchen Ziele von denen Hecker's nicht eben weit entfernt lagen, wo er die Marſeillaiſe nicht blos als prächtige Melodie mit erhabenem Texte verehrte, wo er ſich ſelbſt durch die Carmagnole begeiſtern ließ. Stimmte er doch in guten Stunden, wenn in engſtem Kreiſe das Schlachtlied Rouget de l'Isle's erklungen war, wiederholt den Jakobinergeſang von„Madame Capet, die ver⸗ ſprochen, ganz Paris erwürgen zu laſſen“ an und nichts weniger
Die
* Bewundern iſt wohl hier nicht das rechte Wort. Bei aller Aner⸗
leiſteten Dienſt niemals vergeſſen.
kennung Mathy's kann und wird die Demokratie dieſen der Reaction ge⸗ D. Red.
ed
— 153—
als mit ironiſcher Miene. Mathy iſt in ſeinen Jünglingsjahren in Phantaſie und Glauben, dann während ſeines Aufenthalts in der Schweiz in voller, ganzer Wirklichkeit mehr als liberal, er iſt Republikaner geweſen. Er hat dann gelernt an den Menſchen und Dingen, daß die Welt unter dem Monde das Vollkommene nicht verträgt und daß ſein einſtiges Ideal ſich nicht für deutſche Zuſtände ſchickt, und er hat im Frankfurter Parlament und anderwärts mit der ihm eigenen Entſchloſſenheit darnach gehandelt. Er iſt zuletzt ein treuer Diener ſeines Fürſten und ein Staats⸗ mann geweſen, der, wie viel er auch für Reformen im liberalen Geiſte that, ſtreng und ſtramm auf Maß und Ordnung nach den Geſichtspunkten des zur Zeit Möglichen hielt. Aber die Erinnerung an ſein einſtiges Ideal war ihm, wenigſtens in Leipzig, geblieben und vielleicht mehr. Er bewahrte es, wenn ich die angeführte Aeußerung ſeines Gefühls und mancherlei Aehnliches nicht unrichtig deute, in einem warmen Winkel ſeiner Seele, wie man das Bild einer Jugendgeliebten aufbewahrt. Die Sehnſucht nach ihr hat ſich nicht erfüllt, konnte ſich nicht erfüllen. Auf ſie zu hoffen, war ein Traum, aber ein Traum voll beglückender Gluth. Eine der Wirklichkeit vergeſſende Stunde läßt ihn wieder aufleuchten und das Herz für einen Augenblick mit der alten Wärme erfüllen. Dann verſinken ſeine Geſtalten wieder, um den Pflichten Raum zu geben, die der Verſtand uns auferlegt. Aeußerlich war Karl Mathy eine gedrungene Geſtalt von etwas über Mittelgröße, ein ſchöner Kopf mit ſpärlich gewordenem, früh ergrautem Haar, unter hoher, breiter Stirn ein Paar große leuchtende hellblaue Augen, der Ausdruck der Züge Milde mit Feſtigkeit gepaart. Die Oberlippe trug einen kurz gehaltenen grauen Schnurrbart, das mäßig geröthete Geſicht rahmte ein ebenfalls kurz geſchnittener Bart von der Art ein, wie man ſie früher in Süddeutſchland Demagogenbärte nannte. Seine Haltung war in der Regel ſtramm und gerade, der Gang ein wenig einknickend. Im gewöhnlichen Verlehr klang ſeine Rede an den badiſchen Dialekt an, der wie alle ſüdweſtdeutſchen das N beim Infinitiv und Particip der Vergangenheit ſowie beim Plural der Hauptwörter wegläßt und im Perfectum erzählt. Bei öffentlichem
Auftreten— er hielt unter Anderem in Leipzig einen Vor⸗ trag bei der im Mai 1862 vom„Kitzing“ im Schützenhauſe g Bing
veranſtalteten Fichtefeier— fielen dieſe Anklänge weg. Wohl⸗ überlegt und darum klar und fließend, gedankenreich, phraſenlos wirkte ſein Wort dann mächtig, zumal es durch eine ſonore Stimme, durch ruhige, mannhafte Haltung, die nichts von den Theaterkünſten anderer Sprecher hatte, und durch jene leuchtenden Augen unterſtützt wurde, die ſo prächtig die Ueberzeugungstreue widerſpiegelten, welche ihn erfüllte..
Karl Mathy's Vaterland war Deutſchland. Kein Tropfen von particulariſtiſcher Vorliebe oder Abneigung floß in ſeinen Adern. Er hatte, als er zu uns kam, ſchon Jahre im Norden gelebt, erſt in Gotha, dann in Berlin, bei der dortigen Disconto⸗ geſellſchaft angeſtellt, und er hatte dort allenthalben Freunde zu⸗ rückgelaſſen. Auch in Leipzig fühlte er ſich wohl. Seine Berufung zum Director der deutſchen Creditanſtalt ſetzte ihm eine Aufgabe, die einem tüchtigen Manne bis auf Weiteres genügen konnte. Er hatte die Freude, zu ſehen, daß ſein Plan von der Mehrzahl der Intereſſenten gebilligt wurde und ſich gedeihlich entfaltete. Seinen Bemühungen dankte das Inſtitut vor Allem die Ab⸗ wickelung von Unternehmungen, mit denen eine phantaſtiſche Speculation es in Verbindung gebracht hatte, und das Wieder⸗ emporkommen zu ſolidem Stande und allgemeinem Vertrauen. Auch pecuniär war ſeine Stellung in Leipzig keine ungünſtige. Eine angenehme Häuslichkeit, eine Gattin, die ihr vorſtand, die große und ſchöne Erinnerungen mit ihm theilte, war ihm dahin gefolgt. Nicht die am wenigſten werthe Verſchönerung ſeines Aufenthalts bei uns war endlich der zu Anfang dieſer Mittheilung geſchilderte Freundeskreis für ihn.
Kaum zwei oder drei Mal, wenn nicht durch Reiſen entfernt, fehlte er in den drei Jahren, die er in Leipzig lebte, bei den Dienstags⸗ und Freitagsabenden der runden Tafel. Mit der Regelmäßigkeit einer Uhr kam er Punkt zehn Minuten nach ſieben. Nicht immer mit derſelben Regelmäßigkeit ging er, nachdem er ſein ein für alle Mal feſtſtehendes Maß von Kitzing's dunklem Saft genoſſen. Aller Augen erwarteten ihn, wenn er im Dampf des erſten Zimmers hinter den Scheiben der Glasthür erſchien; Alle hingen an ſeinem Munde, wenn er ſprach. Der Geſchicht⸗
XVI. Nr. 10.
4


