Kurz vor ſeinem Tode ſollten noch zwei Begegnungen, wie ein Gruß aus der fernen Heimath, einen belebenden Lichtſtrahl in ſein ſtilles Daſein ſenden.— In einem der Nonnenklöſter von Solothurn lebte auch eine Polin, die in Folge der politiſchen Ereigniſſe ihre Heimath verlaſſen und in dieſen Mauern eine Zufluchtsſtätte gefunden hatte. Sobald der General davon ver⸗ nommen hatte, beſuchte er ſie in ſtrengem Incognito und unterhielt ſich freundlich mit ihr in der Mutterſprache. Plötzlich aber erglühte die Nonne, wie aus einem Traume erwacht, und ehrfurchtsvoll ein paar Schritte zurücktretend, rief ſie aus:„Sie ſind Koſciuszko! Ich habe als Mädchen in Polen Ihr Bild als Medaille an der Bruſt faſt aller Damen geſehen und es kann kein zweites Geſicht auf Erden geben, in deſſen Zügen ſich ſo viel Hohes und Edles vereinigt, als das des großen Naczelnik.“
Die zweite Begegnung war der Beſuch, den die edle Fürſtin Lubomirska, eine der erſten Frauen Polens, ihm auf der Durch⸗ reiſe nach Italien im Zeltner'ſchen Hauſe abſtattete und der auf ſeinen Wunſch einige Wochen verlängert wurde. Ihre feine Unterhaltungsgabe, ihre Liebenswürdigkeit und ihr heiterer Sinn beglückten noch ſeine letzten Lebenstage. Denn Koſciuszko war ſchon damals leidend und ahnte, gleich den Sehern des Alterthums, ſein herannahendes Ende. Beim Abſchiede, welcher ſehr bewegt war, verſprach ihm die Fürſtin, im künftigen Frühling den Beſuch zu wiederholen. Koſeiuszko ſchüttelte aber wehmüthig das Haupt und bat ſich von ihr ein Unterpfand der Erinnerung aus. Die Fürſtin ſchickte ihm bald darauf von Lauſanne aus einen goldenen Fingerring mit der Iuſchrift: Lamitié à la vertu.(Die Freundſchaft der Tugend.) Als aber der Reif in Solothurn an⸗ kam, war die Hand, welche er ſchmücken ſollte, im Todeskampfe erſtaurt!—
Im Vorgefühle, daß ſein Leben zur Neige gehen werde, hatte er auch wohl jene großartige Handlung begangen, die ganz Europa mit Bewunderung erfüllte und ſeinen humanen aufgeklärten Sinn in ſo ſchönem Lichte zeigte: die Freigebung ſeiner Unterthanen auf ſeinem Rittergute Siechnowice. Die denkwürdige Urkunde, die am 2. April 1817 ausgeſtellt wurde, erklärte die Landleute des von ſeiner obengenannten Herrſchaft abhängigen Dorfes zu freien Staatsbürgern, zu Eigenthümern des von ihnen beſeſſenen Grund und Bodens, frei von allen Abgaben, Gefällen und Frohn⸗ dienſten an die Eigenthümer des Gutes. Gleichzeitig ernannte er ſeine Nichte, Katharina Eſtkowa, und deren Kinder zu Eigen⸗ thümern dieſer ſeiner Beſitzung.—
Im Herbſte deſſelben Jahres herrſchte zu Solothurn eine bösartige Typhusepidemie, die wahrſcheinlich mit dem Nothſtande jenes Jahres im Zuſammenhang ſtand. Die Seuche ſollte auch für den edlen Grafen verhängnißvoll werden: am erſten October wurde er von den Vorboten der Krankheit befallen. Mit der ihm eigenen Ruhe ordnete er ſogleich ſeinen letzten Willen an. Den Haupttheil ſeines nicht unbeträchtlichen Vermögens hinterließ er der Familie Zeltner und bedachte namentlich ſeine theure Emilie auf's Väterlichſte. Die Armen, ſowie das Waiſenhaus und ver⸗ ſchiedene andere Wohlthätigkeitsanſtalten wurden reichlich ausgeſtattet und überdies ſeinem biedern Freunde und Anwalte Amiet eine beträchtliche Summe in Baar übergeben, um ſie unter verſchämte Arme zu vertheilen. Ausdrücklich verfügte er, daß bei ſeiner Be⸗ erdigung alles Gepränge vermieden werde; dagegen ſollte der Sarg von ſechs Armen zu Grabe getragen werden. Nachdem Koſciuszko dieſe Anordnungen getroffen hatte, legte er erleichtert die Feder weg und rief aus:„Nun iſt mir wohl.“ Die Ueber⸗ zeugung ſeines nahes Todes ſtand aber bei ihm feſt, obgleich die Erſcheinungen der Krankheit nicht bedrohlich waren und ſein Geiſt bis zum Tode ungetrübt blieb. Ruhig unterhielt er ſich mit Freund Zeltner, der kaum von ſeiner Seite wich, über ſeine Ver⸗ gangenheit und über die Zukunft Polens, eine Frage die ihn bis zum letzten Athemzuge beſchäftigte.
Feierlich und ergreifend war von ſſeinem Freunde und deſſen knieten an dem Bette des theuren Kranken nieder, Jedem ertheilte er ſeinen Segen, für Jeden hatte er ein Wort der Liebe. Dann ließ er ſich nach alter Sitte ſeinen Säbel reichen, ſchaute ihn ein paar Augenblicke wehmüthig an und legte ihn dann an ſeine Seite, als wollte er ihm die Wache über ſeine Aſche anvertrauen.
Am 15. October gegen Abend nahmen ſeine Kräfte raſch ab
und Allen idrängte ſich die Ueberzeugung auf’, daß es mit ſeinem
der Augenblick, als Koſciuszko Familie Abſchied nahm. Alle
Leben zur Neige gehe. Auf einmal richtete er ſich, mit Anſtrengung 3 ge geh)
aller Kräfte auf ſeinem Lager auf, reichte Herr und Frau Zeltner ſeine Hände, grüßte mit ſanftem Lächeln ſeine Emilie“— und
mit einem Seufzer todt in die Kiſſen zurück.—
Die Leiche wurde am folgenden Tage obducirt und dann einbalſamirt. Sie war über und über mit den Spuren alter Wunden bedeckt; mehrere tiefe Narben ſchmückten ſeine Bruſt und auf ſeinem Kopfe kreuzten ſich mehrere Hiebe. Beim Entkleiden der Leiche fand man auf ſeiner Bruſt ein weißes Taſchentuch, das er ſeit ſeiner Jugend immer dort getragen hatte und deſſen Bedeu⸗ tung nur Wenige kannten. Es war das letzte Liebespfand von Louiſe Soſnowska, der Tochter des Marſchalls von Lithauen, das er ſeit vierzig Jahren als theure Reliquie ſeiner reinen und einzigen Liebe auf dem Herzen trug. Vierzig Jahre früher, als der be⸗ rühmte Todte noch ein unbekannter Capitän war, hatte er um die Hand der jungen Dame angehalten. Die ſtolzen Eltern hatten den unbegüterten Edelmann hart abgewieſen. Eine Entführung war die Folge dieſes Beſcheides, und ſchon waren die beiden Lie⸗ benden unter dem Schutze der Nacht entflohen und dem Ziele ihrer Wünſche nahe, als bewaffnete Verfolger ſie erreichten. Koſciuszko vertheidigte ſich wie ein Löwe, wurde aber überwältigt und ſank ſchwerverwundet zuſammen. Als er aus ſeiner Betäu⸗ bung erwachte, war Alles, was er von ſeiner Geliebten fand, ein Taſchentuch, das ſie fallen gelaſſen und das mit ſeinem Blute befleckt war. Er hob es auf; es war daſſelbe Taſchentuch, das man nach ſeinem Tode vorfand. Um dieſer unglücklichen Liebe willen verließ der junge Officier den polniſchen Dienſt und widmete ſeinen Degen der Befreiung Amerikas. In der Erinnerung an dieſe Liebe mied er auch ſpäter jede Gelegenheit einer ehelichen Verbindung.— Fräulein Soſnowska wurde ſpäter die Gattin eines hochgeſtellten Polen, allein auch ſie bewahrte in treueſter Freundſchaft die Erinnerung an ihren geliebten Thaddäus.
Das Leichenbegängiß des Helden war einfach, ohne alles militäriſche Gepränge, aber erſchütternd durch allgemeine Trauer, durch die Schaaren derer, denen er Vater geweſen und die nun wehklagend dem Sarge folgten. Sechs arme Greiſe trugen den Sarg. Voran ſchritten Waiſenkinder mit Trauerſchärpen, Blumen in den Händen tragend. Der Sarg war unbedeckt, da⸗ mit ganz Solothurn noch einmal die theuren Züge des edeln Freundes ſehen könnte. Jünglinge ſchritten an der Seite und trugen des Todten Schwert, Hut, Feldherrnſtab, den amerikaniſchen Cincinnatusorden und Lorbeer⸗und Eichenkränze auf ſchwarzſammtnen Kiſſen. In der Jeſuitenkirche von Solothurn wurde die Leiche, nachdem der feierliche Gottesdienſt zu Ende war, in einen bleier⸗ nen Sarg gelegt, dieſer mit dem obrigkeitlichen Siegel verſehen, in einen zweiten Sarg von Eichenholz geſchloſſen und in dem Grabgewölbe der Kirche beigeſetzt.
Groß war in Polen der Schmerz bei der Kunde vom Tode des großen Bürgers! Unerträglich ſchien der Gedanke, daß der große Baterlandsvertheidiger in fremder Erde ruhen ſollte. Im Namen
des polniſchen Volkes wurde
ſank
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heimathlichen Boden zurückerſtattet werde. Dieſer Fürſt, der bei wiederholten Anläſſen ſeine Hochachtung und Sympathie für Koſciuszko bezeugt hat, genehmigte das Geſuch auf das Bereitwilligſte. Die Regierung von Solothurn ehrte die Anſprüche Polens, und ſo wurde denn die Leiche wieder aus ihrer Gruft gehoben und feierlich, unter Begleitung des Fürſten Jablonowski, Kaiſer Alexanders Kammerherrn, nach Polen gebracht. Sein Herz aber war bei der Einbalſamirung in eine metallene Kapſel gebracht und auf dem Kirchhofe von Zuchwil beigeſetzt worden.„Das Herz des polni⸗ ſchen Feldherrn hat für die ganze Welt geſchlagen, möge es denn auch hier der Verehrung der ganzen Menſchheit zugänglich ſein!“ Herr Altlandvogt Zeltner, der dieſe Anordnungen getroffen, hatte mit dieſen Worten die Auslieferung dieſer Reliquie an Polen verweigert.—
Und ſo ſind wir wieder an dem Punkte angelangt, von welchem dieſe Erinnerungen an den großen Polen ausgingen, auf dem Friedhof von Zuchwil, vor dem einfachen Denkſteine aus Jurakalk, bei dem ſchon ſo manche Thräne gefloſſen, ſo manches wehmüthige Erinnerungsfeſt gefeiert worden, zu dem Hunderte und Hunderte von gebeugten polniſchen Flüchtlingen gepilgert ſind.
* Die hier vielgenannte junge Dame iſt die jetzt noch lebende Frau Gräfin Moroſini in Mailand.
Kaiſer Alexander angegangen, zu ge⸗ ſtatten, daß die Leiche des enthuſiaſtiſch verehrten Feldherrn dem
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