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Vor die anhebenden kynder vnd ander zu bichte[n] in der ersten bijcht / [Johannes Lupus]
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dann, wenn wir uns die geschichtliche Entstehung dieser Gedanken und den Gegensatz, der sie bestimmt, vorhalten. Weil der katkolische Priester mit dem Anspruch auftritt, von Gott eine göttliche Allmacht erhalten zu haben, betont Luther mit allem Nachdruck, dass er nur ein Mensch ohne alle höhere Macht ist. Zu dem später vertretenen Gedanken, dass in dem Thun des Priesters Gott selber mit dem Menschen handelt, kann er sich jetzt noch nicht erheben. Der katho- lischen Behauptung gegenüber, dass Gott nur das vom Priester gefallte Urteil nachträglich zu ratifizieren habe, be- hauptet Luther, dass Gott es ist, welcher dies Urteil fäallt, und dass dem Priester nichts anderes obliegt, als die Ver- kündigung des Urteils. Erst von hier aus empfindet er die Schwierigkeit dem Bibelwort gegenüber und bildet die Vor- stellung von der doppelten remissio. Wie er auf Grund eigener religiöser Erfahrung von der tröstenden Kraft mensch- lichen Zuspruches redet, so liegt auch dem Gedanken von der remissio ante remissionem eine tiefe religiöse Wahrheit zu Grunde. Wenn der Gläubige, welcher sich durch viele Zweifel und Angste hindurchgerungen hat, zurückblickt, so erkennt er in allen Nöten ein Zeichen der führenden Gnade, deren Ziel die Vergebung ist. In Schwierigkeiten aber ge-

raten wir, wenn wir dies Urteil umkehren und in diesen

Gewissensnöten schon ohne weiteres die eigentliche Sünden- vergebung sehen. Luther betont auch anderswo mit allem Nachdruck, dass diese Nöte nichts anderes sind, als eine Auswirkung der Sünde(cf. z. B. E. A. 3, 368, 369). Er verschärft die Schwierigkeit noch, indem er das Charak- teristische dieser Nöte gerade darin sieht, dass in ihnen der Glaube fehlt. Nur so gewinnt er Raum für eine Wirkung des Priesters, die dem Bibelwort zu entsprechen scheint, und so erhält er zwei reinlich geschiedene Stadien der Gnade, die dem Bewusstsein fremde und die zum Bewusst- sein gebrachte Vergebung. So bildet er in aller Scharfe den Gedanken einer thatsächlichen Vergebung der Sünden aus, ohne dass vertrauender Glaube vorhanden wäre. Frei- lich sucht Luther nachzuweisen, dass auch hier schon Glaube vorhanden ist. So heisst es W. A. I, 596, dass der Glaube sich am stärksten in denen erweise, qui tremore con- scientiae agitati, potius sese diffidere sentiunt. Es fehle ihnen nur die fides remissionis. Deshalb seien ihnen die claves consolatoriae gegeben, um sie zu jenem Glauben zu ermuntern. Aber wenn wir denn auch unter irgend einem Gesichtspunkt von einem Glauben jener diffildentes reden