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Vor die anhebenden kynder vnd ander zu bichte[n] in der ersten bijcht / [Johannes Lupus]
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stimmten Schärfe geäussert werden, zeigt sich in diesen Ausserungen von vornherein eine grosse Unsicherheit. Denn der Reformator hat das unheimliche Gefühl, mit seiner Erklärung in einen Gegensatz zu der heiligen Schrift zu treten. Er lässt dies Gefühl nicht aufkommen, sondern hilft sich mit Umdeutungen, weil er glaubt, dass die bib- lischen Stellen ihn ohne weiteres dem römischen System mit allen seinen Greueln ausliefern, wenn er die Stellen so auffasst, wie es der Wortlaut zu fordern scheint. Das aber ist klar, dass das unterdrückte Gefühl, es sei hier nicht alles im Reinen, ein sehr starker Antrieb für die Weiter- entwickelung seiner Anschauungen bilden musste. Der Mann, der kein anderes Merkmal für die Gültigkeit einer Absolutionshandlung kannte, als die Konformität mit den Verheissungen der heiligen Schrift, der musste danach streben, sich auch innerlich vollkommen auf den Boden dieser Erklärungen, wie er sie verstand, zu stellen. Denn das ist doch nur eine scheinbare Lösung des Problems, ja eine notdürftige Verdeckung des Widerspruchs, wenn Luther scheidet zwischen einer dem Menschen unbewusst waltenden und einer dem menschlichen Bewusstsein nahe gebrachten Gnade Gottes. Indem er zwischen beide die Thätigkeit des Priesters legt, kann er mit dem biblischen Text von einer Priorität der priesterlichen Thätigkeit und doch auch wieder mit seinem derzeitigen religiösen Bewusstsein von einer Priorität der göttlichen Gnade reden. Solche Distink- tionen liegen der biblischen Auffassung fern, und Luthers eigene Unsicherheit beweist, dass auch er zu ihnen nicht recht das Vertrauen hat, damit auf den Bahnen des bib- lischen Textes zu wandein.

Dazu kommt weiter, dass diese Gedanken sich nicht ohne eine gewisse Schwierigkeit in den Zusammenhang der übrigen Gedanken einfügen lassen und sich etwas spröde verhalten zu dem reformatorischen Hauptgedanken des sola fide. Wie ist denn jene remissio ante remissionem möglich, wenn nur auf den Glauben, auf das Vertrauen hin die Sünden vergeben werden können und sollen? Man könnte sagen, es handelt sich bei jener ersten, dem menschlichen Bewusst- sein noch fremden remissio um die allgemeine väterliche Liebe Gottes, welche Christus erworben hat. Doch ist das nicht Luthers Meinung. Nach ihm handelt Gott hier schon mit dem einzelnen und vergiebt ihm seine Sünden. Die Be- hauptung einer Vergebung der Sünden, ohne dass der Mensch Vertrauen habe und ihrer bewusst werde, verstehen wir nur

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