Druckschrift 
Vor die anhebenden kynder vnd ander zu bichte[n] in der ersten bijcht / [Johannes Lupus]
Seite
23
Einzelbild herunterladen

6 gotis le sich sünden. Luther. n Ge- Latum. uch er pta polemi- gister. atorum M: 1. uinque quid ee ob- fferen-

scilicet andum quam 'ndum. natus t eito Ausg.

ddenen nebote

- 293

giösen Unterrichtsstoff der Evangelischen entfernt. In keinem der ersten evangelischen Katechismen findet sich auch nur eine Spur von ihnen.

Noch deutlicher tritt die Tendenz des Verfassers in den unten abgedruckten Schlussabschnitten seines Buches hervor.

Schon der erste ¹), offenbar eine Vorlage für eine Predigt, bezweckt, den hohen Wert der zehn Gebote ins rechte Licht zu stellen. An ihnen hat jeder einen sicheren Wegweiser zur Gerechtigkeit.

Der zweite aber will erreichen, dass der Dekalog den alten Patenhauptstücken, dem Gl auben und dem Vaterunser, gleich geachtet werde. Als die Kirche einst(s. oben bei Floltmann. S. 6) den Paten zur Pflicht machte, diese Stücke ihre Patenkinder zu lehren, hatte sie gleichzeitig die Be- stimmung erlassen, sie sollten im öffentlichen Gottesdienst dem Volke vorgelesen oder vorgesprochen werden(vergl. Ant. Linsenmayer, Gesch. d. Predigt in Deutschland, München 1886, S. 20 und 34). Diese Vorschrift wurde seit etwa 1450 durch zahlreiche Synoden erneuert(s. o. Holtzmann, S. 15). Doch wurden neben Glauben und Vaterunser jetzt meist auch Ave Maria und zehn Gebote als Stoff dieser Volksbelehrung vorgeschrieben(1453 in Würzburg, 1466 in Passau, 1471 in Samland, vgl. Jos. Hartzheim, Concilia Germaniae V, Col. 1763, S. 432, 477 und Franz Hipler, Christl. Lehre und Erziehung in Ermland, Braunsberg 1877,

50). Ersteres hatte dieses Ansehen namentlich durch die Bettelmönche, die vornehmsten Förderer des Marien- kultus, bekommen(G. Th. Dithmar, Beiträge zur Geschichte des katechet. Unterrichts, Marburg 1848, S. 18); die zehn Gebote aber gingen aus der Beichtpraxis in den Volks- unterricht über G o. Holtzmann, S. 13).

Doch nicht alle Synoden hatten die zehn Gebote jenem zentralen Stoff beigezählt. Die 1447 und 1453 zu Eichstädt abgehaltenen Synoden hatten zwar angeordnet, dass einmal im Jahre über die zehn Gebote una cum vitiorum correc- tione gepredigt werde, für die regelmässige Verlesung hatte man an den althergebrachten Stoffen festgehalten(Hartz- heim a. a. O., S. 363 f., 434). Die Synoden von Pomesanien (1428 und 1440) und von Ermland(1449) wissen überhaupt

¹) Der leichteren UÜbersicht wegen habe ich die unten abge- druckten Abschnitte mit römischen Ziffern in eckigen Klammern gezeichnet.