guter Weg, Erziehung zu Liebe zu beginnen— und sie prak- tisch zu demonstrieren.
Nun konnte ich mit der Arbeit an der Organisation begin- nen. Ich stellte eine Liste von Freunden auf, von denen ich Interesse, Geduld und wertvollen Rat erhoffen durfte. Eine zweite Liste enthielt Namen von Geistlichen aller Konfes- sionen, deren Unterstützung ich erbitten wollte. Ich hoffte einen Ausschuß von Männern bilden zu können, die Berufen vorwiegend religiöser und erzieherischer Art angehörten. Mein erster Besuch galt einem Mann, den ich tief verehrte und mit Stolz seit vielen Jahren einen wirklichen Freund nennen durfte: Professor George Shuster, Präsident des be- kannten Hunter College.
Als ich in seinem großen, modernen Büro an dem gewalti- gen, mit Papieren bedeckten Schreibtisch saß, sank mein Mut. In der Abgeschlossenheit meines Zimmers waren mir meine Gedanken logisch, praktisch und aufbauend erschienen. Nun sah ich auf den berühmten Professor, dessen klare, blaue Augen mich mit dem Ausdruck freundlicher Erwartung an- sahen. Ich hatte während der Jahre viele Probleme mit ihm diskutiert. Er kannte meine Gedanken und Erfahrungen; und ich hatte oft genug Gelegenheit gehabt, sein enormes Wissen, seine klare Logik und seinen Sinn für Humor zu bewundern. Er war freundlich, konnte jedoch keine un- wichtigen Plaudereien vertragen und pflegte solche mit einem scharfen, witzigen Wort zu beenden. Ich hatte ihn bei Fernsehdebatten beobachtet und danach stets behauptet:»Ich bin froh, ihn als Freund zu haben!— Ich würde mich nicht sehr glücklich schätzen, von ihm mit der offenen, eisgekühl- ten Liebenswürdigkeit behandelt zu werden, die er denen angedeihen läßt, die nicht seine Freunde sind.« Wie konnte ich es wagen, zu diesem scharfsinnigen, klardenkenden Intel- lektuellen— einer Autorität auf den Gebieten der Er- ziehung, Politik und Religionsphilosophie— über meine Ideen von»Erziehung zu Liebe« zu sprechen?
Er fühlte mein Zögern.»Nanu«, lächelte er,»das ist ja ganz neu! Ich habe Sie noch niemals schüchtern gesehen!«
Ich schüttelte den Kopf.»Diesmal ist’s wirklich schwierig, Professor. Ich wollte mit Ihnen einen Plan besprechen, an
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