An einem brütendheißen Julinachmittag kam ich zu Hause an. Röschen, wie immer fürsorglich und liebevoll, hatte für mich ein Festmahl aus all den kleinen Leckerbissen vor- bereitet, die ich liebte, und wir verspeisten es zusammen in der großen gemütlichen Küche, die für mich die Atmosphäre von»daheim« darstellte.
„Ich lasse Ihnen jetzt ein Bad ein und mache Ihr Bett zu- recht, Fräulein Ilschen«, sagte Röschen mit mütterlicher Be- sorgtheit.»Sie haben eine lange Reise hinter sich und sehen müde aus. Es ist auch furchtbar heiß. Sie gehen am besten früh zu Bett und ruhen sich gut aus.«
»Das ist eine gute Idee, Röschen«, stimmte ich zu.»Es ist schön, wieder zu Hause zu sein.«
Ich ging in mein Zimmer; empfand ganz plötzlich ein Ge- fühl der Einsamkeit. Meine Mutter war eine hervorragende Hausfrau, und die Sorge für das Wohl ihrer Familie füllte ihr Leben aus. Ich verbrachte selten einen Abend in ihrer Gesellschaft, doch war ich daran gewöhnt, die herrliche Stimme meines Vaters im Hause zu hören oder die Stille seines Zimmers zu empfinden, wenn er sich für den Gottes- dienst am nächsten Tag vorbereitete. Seine Abwesenheit war so ungewöhnlich, daß sie ein Gefühl der Einsamkeit in mir wachrief. Die Stille schloß sich enger um mich.
Mein Zimmer war nicht groß, doch es war mein, und seine Einrichtung war ein Ausdruck meiner verschiedenartigen Interessen. An der Wand in bunter Reihenfolge Bilder von Beethoven, Wagner, Goethe und Liszt; auch alte Kupfer- stiche von Berlin. Die geblümte Bettdecke aus Chintz, Vor- hänge und Kissen waren, wie die hellen Bücherregale, selbst fabriziert. Ein scharfer Kontrast bestand zwischen meiner Wohn- und Arbeitsecke; die beiden Extreme meines Wesens kamen hier klar zum Vorschein. Alles das, was mit beruf- licher Arbeit zusammenhing, war streng modern, in geraden, beinahe männlichen Linien gehalten; die Möbel für Erholung waren sanft und fraulich. Genau derselbe Gegensatz bestand zwischen meinem Denken und Fühlen. Mein Zimmer war ein Muster des Hauses, das ich eines Tages zu besitzen hoffte: ein Arbeitszimmer mit Bücherregalen, bis an die Decke rei- chend; mit getäfelten Wänden, aber einem Schreibtisch aus
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