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Zwillinge : Einführung in die Zwillingsforschung / von Reinhold Lotze
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167
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Zwillinge in der Dichtung 167

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en Bild 100, Zwillingsbildnis von Paulus Moreelse(15411638),

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ne Aus der deutschen Literatur seien nur die Gestalten dreier EZ-Paare erwähnt, In 5) der Art, wie die drei Dichter zu ihren Zwillingen stehen, treten ganz rein die drei

verschiedenen Gefühlshaltungen heraus, die sich beim Bekanntwerden mit eineiigen Zwillingen bei jedem denkenden und fühlenden Menschen von selber Ile einstellen,

Fritz Reuter erzählt inUt mine Stromtid von den beiden Zwillingen

n Lining und Mining, die er mit dem tiefsinnigen Satz einführt:Un wer nich wüßt, ie dat Lining nich Mining was, un Mining nich Lining, de würd all sin Dag nich ut ehr klauk. So ähnlich sie sind, so erzieht doch Lining, die eine halbe Stunde älter ist, immer an ihrer Schwester herum; sie ist deutlich die Führende, In ihrer innigen Zwillingsgemeinschaft erleben Lining und Mining das Leben und die Liebe gleich; die kleinen, vom Dichter psychologisch reizend gezeichneten Unterschiede der ie Schwestern wirken ungemein echt. Tiefere Bezirke der Seele werden nicht angerührt; | der Humor, die behagliche, schalkhafte Freude an dem Naturspiel beherrscht die er> 2 a Haltung des Dichters zu seinen Gestalten. Anders hat Gottfried Keller in seinem AltersromanMartinSalander E die Zwillinge Isidor und Julian Weidelich gestaltet, Ihre Eltern sind einfache Ei Gärtnersleute, die sie einem höheren Beruf zuführen wollen. Sie heiraten die beiden ; Töchter Martin Salanders und werden Notare, Auch nach der Heirat führt jeder das gleiche Leben wie der andere; beide kommen mit ihrer äußerlichen und gewissen- 5 losen Wesensart(sie haben beide keine Seelen, sagt die Mutter Salander) in die en gleichen Betrügereien hinein. Schließlich ist das Unheil nicht mehr aufzuhalten; die En Unterschlagungen des einen werden offenbar, und als die Nachricht hiervon die

Mutter der Zwillinge erreicht, da weiß sie sofort, daß der andere dasselbe getan hat: seSie haben jederzeit und alleweil das Gleiche gedacht, gewollt und getan und jeder

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