166 Schwachsinn— Zwillinge in der Dichtung
e) Schwachsinn
Daß Schwachsinn erblich bedingt ist, ist durch Familienuntersuchungen schon vor längerer Zeit nachgewiesen worden, Nachdem zuerst nur wenige Fälle schwachsinniger Zwillinge bekannt waren, hat Smıtn aus einem Material, das sämt- liche dänischen Schwachsinnigen umfaßte, eine auslesefreie Serie von schwach- sinnigen Zwillingen gewinnen können. Unter 6700 registrierten Schwachsinnigen konnten 66 Zwillingspaare gefunden und für die Untersuchung verwertet werden, Von 16 EZ-Paaren waren 14 konkordant, 2 diskordant, Im Gegensatz hierzu fanden sich unter 50 ZZ-Paaren nur 4 konkordante Paare. Dieses Ergebnis zeigt ein- wandfrei, daß die Ursache des Schwachsinns so gut wie ganzin der Erbanlage zu suchen ist. Bei den beiden diskordanten EZ-Paaren machte es die Untersuch- ung wahrscheinlich, daß der Schwachsinn des kran- ken Partners durch äußere Einflüsse(wie Geburtsver- letzung und Erkrankung im Säuglingsalter) entstan- den ist, daß es sich hier also nicht um endogenen, sondern um exogenen Schwachsinn handelte. Die konkordanten EZ wiesen fast immer Schwachsinn gleichen Grades auf; in mehreren Fällen wurden auch bei beiden ähnliche neurologische Symptome (Krämpfe, Sprachstörung) beobachtet.
Aus der Konkordanzzahl'*/,, 0,875 errechnet sich die Manifestationswahr- scheinlichkeit des Schwachsinns zu 93%. Da aber die beiden diskordanten Fälle exogenen Schwachsinn betrafen, so ist zu schließen, daß bei den rein endogenen Fällen annähernd absolute Manifestationswahrscheinlichkeit besteht. Außenfaktoren haben also auf die Entwicklung des Schwachsinns so gut wie keinen Einfluß; die Eirbanlagesetztsichautallekalledinech.
Bild 99, Schwachsinnige EZ.(Nach Smith.) Robert und Harry sind hochgradig schwachsinnig; Robert noch etwas mehr als sein Bruder,
V. Zwillinge in der Dichtung
Daß die Dichtung sich seit jeher immer wieder mit EZ beschäftigt hat, ist natür- lich: Erbgleiche Zwillinge sind ein menschlich so ungewöhnlicher und fesselnder Fall, daß sie zur dichterischen Gestaltung geradezu herausfordern, wie sie auch Maler schon gefesselt haben(Bild 100 und 101). Porı hat in einer Studie über „Zwillinge in Dichtung und Wirklichkeit" gezeigt, wie außerordentlich reich und vielfältig sich die Zwillingsschaft bei Dichtern aller Zeiten und Völker gespiegelt hat. Auf diese Arbeit sei in erster Linie verwiesen,
Shakespeare hat die Zwillingsähnlichkeit in schwankhafter Weise ver- wendet und in der„Komödie der Irrungen” die beiden sich selber unbekannten Zwillingsbrüder Antipholus von Ephesus und von Syrakus mit ihren Zwillingsdienern Dromio in toller Weise durcheinandergewirbelt. Wenn schließlich nach endlosen Verwechslungen beide Paare zusammen auf der Bühne stehen, so fällt die Frage: „Wer ist echter Mensch und wer Erscheinung? Wer entziffert sie?”


