Vorwort 8
Vorwort
Die Erscheinung der Zwillingsbildung ist ein ungemein fesselndes Problem der Biologie des Menschen; sie führt ganz unmittelbar und zwingend anschaulich an srundlegende Fragen des Lebens heran. Die Zwillingsmethode hat sich im letzten Jahrzehnt zur erfolgreichsten und zuverlässigsten Methode menschlicher Erbfor- schung entwickelt. Bei dem großen und weit verbreiteten Interesse, das auf Grund hiervon allen mit dem Zwillingsproblem zusammenhängenden Fragen entgegenge- bracht wird, ist es eigentlich verwunderlich, daß eine für einen breiteren Leserkreis berechnete, allgemein verständliche Darstellung der gesamten Zwillingsforschung, ihrer biologischen Grundlagen, ihrer Methode und ihrer Ergebnisse bisher noch von keiner Seite gegeben worden ist. Das vorliegende Buch will diese Lücke ausfüllen. Es versucht, ohne Vollständigkeit in der Aufzählung der Ergebnisse der Einzel- forschung anzustreben, alle wesentlichen Fragen der Zwillingsforschung darzustellen und auf diese Weise jedem, der sich mit ihr befassen will, insbesondere Ärzten und Erbbiologen, eine erste Einführung in die Fragestellungen und die bisherigen Er- gebnisse dieses so bedeutungsvollen Gebiets menschlicher Erbforschung zu ver- mitteln. Allen denen, die Fragen der Erbbiologie lehrend zu behandeln haben, möchte das Buch ein umfangreiches und anschauliches Material zur Darstellung des Gebiets an die Hand geben. Über das Fachwissenschaftliche hinaus möchte es aber die allgemein menschliche Bedeutung des Zwillingsproblems erkennen lassen, und deshalb wendet es sich an jeden, den die hier vorliegenden Fragen fesseln. Zwillinge sind der packendste Beweis für die Macht der Vererbung, und damit werden Grund- fragen alles Menschlichen berührt. Die Darstellung des Buches setzt keinerlei Vor- kenntnisse voraus; auf eine reiche und möglichst vielseitige Ausstattung mit Bildern ist besonderer Wert gelegt worden. So wird auch der nicht biologisch Vorgebildete dem Buch folgen können; Teile von mehr fachwissenschaftlicher Bedeutung können ohne Gefahr für den Zusammenhang überschlagen werden.
Allen, die mich bei der Arbeit mit Material und Bildern unterstützt haben, möchte ich an dieser Stelle warmen Dank sagen, insbesondere Herrn Professor Dr. von Verschuer, der eine Reihe wertvoller Bilder aus der Forschungsarbeit seines Instituts in entgegenkommender Weise zur Verfügung gestellt hat. Mein Dank ge- hört auch Herrn Hauptlehrer Adolf Koch in Fischbach, der die Zeichnungen des Buches gefertigt hat.
Stuttgart, im November 1937, Dr, Reinhold Lotze.,


