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Zwillinge : Einführung in die Zwillingsforschung / von Reinhold Lotze
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163
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Erb- und Umweltkrankheiten Manisch-depressives Irresein 163

das auf die Fernhaltung auslösender Reize gerichtete individualhygienische Handeln als auch die auf Vermeidung von Nachkommenschaft abzielende rassenhygienische Beeinflussung bewußt einsetzen.

Schließlich sei noch gezeigt, wie die Zwillingsmethode an der Lösung theoretischer Fragen der Vererbungslehre mitzuwirken vermag. Die Schizophrenie wird auf Grund von Stammbaumforschungen als eine Krankheit angesehen, die sich rezessiv vererbt. Wenn zwei nicht schizophrene Eltern ein schizophrenes Kind haben, so muß angenommen werden, daß beide Eltern in bezug auf die Anlage zur Schizo- phrenie heterozygot sind. Unter der Voraussetzung, daß die Krankheit auf einem einzigen Genpaar beruht(monomer ist) und sich vollständig manifestiert, müßten theoretisch 25% der Kinder aus solchen Ehen schizophren sein. Tatsächlich bleibt aber die Zahl der an Schizophrenie Erkrankten in solchen Geschwisterschaften ganz erheblich hinter 25% zurück. LUXENBURGER gab nach RÜDIN früher nur etwa 5% dafür an, Nun zeigt die Zwillingsmethode, daß bei einer Anzahl von Anlageträgern die Schizophrenie nicht manifest wird, es kann also unter Einrechnung des höchstmöglichen Wertes der Manifestationsschwankung angenommen werden, daß in Wirklichkeit etwa 8% Schizophrener in den Geschwisterschaften vorhanden sind. Diese Zahl bleibt aber immer noch weit hinter der Erwartung von 25% zurück. Daraus schloß LUXENBURGER früher, daß die Krankheit nicht auf einem, sondern auf mindestens zwei Anlagepaaren beruhen müsse, denn bei Dimerie bleibt die Zahl der homozygoten Träger der rezessiven Anlagen wesentlich hinter 25% zurück. Nun ist die Frage vor einiger Zeit von LUXENBURGER erneut aufgeworfen worden. Neue Untersuchungen haben höhere Geschwister- proportionen der Erkrankten ergeben, als sie bisher angenommen wurden(bis 11,4%). Unter Hinzurechnung der auf Grund der Zwillingsforschung zu errechnenden Manifestationsver- hinderten ergibt sich, daß bis zu 18% der Geschwister als Erbträger der Schizophrenie an- genommen werden können, Diese Zahl bleibt nun aber hinter der Erwartung von 25% nicht mehr so weit zurück, daß die Annahme der Dimerie notwendig wäre, ja sie ist schon zu hoch, um noch mit Dimerie vereinbar zu sein. Damit kommt LUXENBURGER zu dem Schluß, daßdie Schizophrenie wohldoch monomer sein werde, Wenn auch in der Frage noch kein bestimmtes Ergebnis vorliegt, so können die geschilderten Überlegungen doch zeigen, wie mit Hilfe der Zwillingsforschung und ihrer Möglichkeit, die Manifestations- wahrscheinlichkeit von Erbanlagen zu errechnen, auch wichtige Fragen der theoretischen Vererbungslehre der Klärung nähergeführt werden können.

c) Manisch-depressives Irresein

Die zweite Gruppe der Geisteskrankheiten ist das manisch-depressive Irresein, neuerdings auch als Zyklophrenie bezeichnet, Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch eine schwere, krankhafte Störung der Stimmungslage, die sich als unbändige heitere(manische) Erregung oder als tiefe melancholische De- pression äußern kann, Diese beiden Zustände können bei Kranken je für sich be- stehen oder auch miteinander abwechseln(zirkuläres oder periodisches Irresein). Eine völlige Zerstörung der Persönlichkeit wie bei der Schizophrenie findet meist nicht statt; nach einer tiefen Stimmungsschwankung kann der Normalzustand wieder eintreten,

An der Erblichkeit des manisch-depressiven Irreseins bestand von jeher auf Grund von Familienuntersuchungen kein Zweifel. Die Zwillingsforschung bestätigte und vertiefte diese Erkenntnis. Die zuerst in der Literatur berichteten Einzelfälle ließen auch als solche die Bedeutung des Erbfaktors deutlich erkennen, stellten aber eine Auslese nach Konkordanz und Eineiiskeit dar und konnten deshalb keine all- gemeinere Bedeutung beanspruchen. Eine von LuxenBuURGER zusammengebrachte aus- lesefreie Serie ergab bei 4 Paaren EZ 3 konkordante Fälle und 1 diskordanten Fall; alle 13 Fälle von ZZ waren diskordant; unter 4 unsicheren Fällen war nur 1 kon- kordanter Fall,

Diese Zahlen zeigen die starke Erbbestimmtheit des manisch- depressivenIrreseins, Im einzelnen ergaben sich recht verschiedene Arten

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