Multiple Sklerose 159
wurde, Außerdem wurde der Besuch beider Zwillingspartner durch einen Arzt des Instituts angekündigt. Auf diese Briefe wurde fast in allen Fällen bereitwillig Auskunft erteilt; auch der eingehenden späteren Untersuchung auf die Eiigkeit und den Stand des Leidens wurde N: nur in ganz wenigen Fällen Widerstand entgegengesetzt, so daß die 51 ermittelten Zwillings- fälle tatsächlich so gut wie vollständig geklärt werden konnten,
Für dieses Material ergab sich, daß in 18 Fällen der eine Partner vor dem 5. Lebensjahr gestorben war. Für die eigentliche Untersuchung standen damit nur noch 33 Fälle zur
en Verfügung. Unter ihnen waren 11 EZ, 10 ZZ und 12 PZ. Das zahlenmäßige Verhältnis der verschiedenen Arten von Zwillingen stimmt damit recht gut mit dem Verhältnis dieser drei Gruppen in der Gesamtheit der Zwillingsgeburten überein. Die Zahl der Zwillinge entspricht B auch recht genau der Zwillingshäufigkeit in den entsprechenden Altersjahrgängen der Ge- & samtbevölkerung. Das gewonnene Material entsprach also in bezug auf die Häufigkeit der ö Zwillingsschaft völlig einer Durchschnittsbevölkerung, N: Da stärkste Interesse gehört naturgemäß den 11 EZ-Paaren. Von ihnen mußte wiederum a eines ausscheiden, bei welchem der Partner zehn Jahre vor dem Beginn der Erkrankung e seines Bruders im Feld gefallen war, Bei den restlichen 10 EZ-Paaren steht in 3 Fällen die gs Diagnose des einen Partners auf multiple Sklerose nicht ganz fest. Bei den übrigen 7 Fällen ng war bei beiden Partnern das Ergebnis der Untersuchung völlig klar: die erbgleichen Partner [en der durch die Erhebung ermittelten Kranken erwiesen sich sowohl nach ihren eigenen Aus- Is- sagen als auch bei der neurologischen Untersuchung als vollkommen frei von multipler Sklerose rt oder einer anderen organischen Nervenkrankheit; nicht das geringste krankheitsverdächtige Symptom konnte bei ihnen gefunden werden. Dasselbe gilt für die 3 zweifelhaften Fälle; auch m bei ihnen erwies sich der Partner des Kranken als gesund. Wenn sich auf diese Weise alle n EZ-Paare als diskordant erwiesen haben, so muß doch noch auf die Möglichkeit einer späteren an Abänderung dieses Ergebnisses hingewiesen werden. Wenn als Hauptgefährdungszeit der nd multiplen Sklerose das 18, bis 35. Lebensjahr angenommen wird, so stehen von den 10 Paaren jer- noch 2 innerhalb dieses Zeitraums; es wäre also nicht völlig ausgeschlossen, daß bei ihnen ge- nachträglich auch noch der bisher gesunde Partner an multipler Sklerose erkranken würde, on so daß damit diese Fälle konkordant würden. ten, Auch bei allen ZZ-Paaren, die zur Untersuchung kamen, wurde nur Diskordanz gefunden. ber Bei den 9 EZ-Paaren, die untersucht werden konnten, sind 5 sicher, 3 höchst wahrscheinlich talt diskordant; 1 Paar ist fraglich konkordant, das Das Ergebnis der Untersuchung von Tnums ist also, daß unter 10 erbgleichen cht Zwillingspaareneinerauslesefreien Serie keineinziges Paar = sefunden wurde, bei dem die multiple Sklerose bei beiden = Partnern aufgetreten wäre. Daraus folgt mit voller Eindeu- “ tigkeit, daß fürdas Zustandekommen der multiplen Sklerose er nicht eine Erbanlage entscheidend sein kann. Die Ursache der ir Krankheit muß vielmehr in anderen, äußeren Ursachen gesucht werden. Diese Ur- oll- sachen sind trotz nachhaltigster Bemühungen vieler Jahrzehnte auch heute noch un- ten geklärt, Die multiple Sklerose galt lange Zeit als eine Infektionskrankheit, ohne daß ser ein klarer Beweis hierfür hätte geführt werden können. Mittels Familienuntersuch- sul- ungen versuchte Currıus die Wirksamkeit von Erbfaktoren nachzuweisen; der von den Lesras beschriebene Einzelfall verstärkte die in dieser Richtung gehenden Ver- | FF mutungen, Nach dem klaren Ergebnis der Untersuchung von Tuums steht fest, daß en| eine Erbanlage für multiple Sklerose nicht besteht; es muß jetzt wieder an die in- en fektiöse Entstehung gedacht werden. ee j Die multiple Sklerose erscheint damit als eine reine Um- sich j weltkrankheit. Solange aber noch zwei Partner des Materials in der Gefähr- und dungsperiode sind, bleibt doch die Möglichkeit offen, daß sie noch an multipler lang Sklerose erkranken. In diesem Fall müßte an das Vorhandensein einer Erbanlage ern, von schwacher Durchschlagskraft gedacht werden. Die Manifestationswahrschein- iner lichkeit dieser Erbanlage könnte dann höchstens 33% betragen, Ob nun die eine lich oder andere Möglichkeit vorliegt, so ist doch auf alle Fälle die multiple Sklerose ung„von praktischen Gesichtspunkten aus nicht als ein Erbleiden zu bezeichnen, son-


