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Bild 87. Die Zwillinge Jessie und Bessie.,(Nach Muller, 1925.)
schuld gewesen sein mögen; Bessie war als Kind schlecht ernährt. Beide hatten beinahe gleichzeitig einige leichte Anfälle von Tuberkulose. Beide sind energisch, fähig, beliebt und nehmen hervorragende Stellungen in Vereinen und in ihren kirchlichen Gemeinden ein, Beide ließen sich gleichzeitig ohne Wissen voneinander das Haar kurz schneiden, zu einer Zeit, wo dies noch Mut erforderte und die Mehrzahl der Freunde es nicht billigte. Beide waren schon als Kinder leidenschaftliche Leserinnen und interessierten sich als Erwachsene für Geschichte, Sozialpolitik und Politik; Mathematik lehnen sie ab. Beide haben die Neigung, sich zu über- arbeiten; die eine der Schwestern erlitt einen Nervenzusammenbruch, die andere war ganz nahe daran. Dem unbefangenen Beobachter scheinen sie nach ihrem ganzen geistigen Wesen, nach Intelligenz wie nach Charakter, sehr ähnlich zu sein.
Die beiden Schwestern wurden nun im Alter von 30 Jahren einer eingehenden Test- prüfung unterzogen. Die Intelligenz wurde nach dem amerikanischen Armee-Test geprült, der während des Krieges bei allen in das Heer einzustellenden Männern angewendet wurde(Army Alpha Test). Dazuhin wurde noch ein weiterer schwierigerer Test verwendet (Otis Advanced Intelligence Test). Das Ergebnis war beim ersten Test bei einer Höchstzahl von 212 erreichten Punkten bei Bessie 156, bei Jessie 153 Punkte, Beim zweiten Fall(Höchst- zahl 75 Punkte) erhielt Bessie 64, Jessie 62 Punkte, Das ist ein außerordentlich hohes Resultat. In der sozialen Schicht, der die beiden Schwestern angehören, erreicht im Durchschnitt nur 1 Person unter 200 eine solch hohe Punktzahl. Die Wahrscheinlichkeit, daß zwei beliebige, nicht erbverwandte Personen gleichermaßen so hohe Leistungen vollbringen, ist daher außer- ordentlich gering. Die Brauchbarkeit des Tests vorausgesetzt, spricht das Ergebnis sehr stark und eindrucksvoll für die erbliche Bestimmtheit der gleichen Intelligenzleistung. Im einzelnen zeigen sich bezeichnende Unterschiede, Bessie ist in den Aufgaben, die scharfes, begriffliches Denken erfordern, weniger gut, dagegen im Rechnen besser. Das ist unschwer auf die Aus- bildung und die verschiedene Tätigkeit der beiden Schwestern zurückzuführen. Im übrigen ist interessant, daß die schulmäßig weniger gebildete Schwester höhere Punktzahlen erreichte als die andere,
Sehr bemerkenswerte Unterschiede zwischen den beiden Schwestern ergaben sich bei den Tests, welche das Gefühls- und Willensleben zu erfassen suchen. Die gefühls- mäßige und soziale Haltung wurde mit dem„Pressey X-O Test” geprüft. Dabei wurden den Schwestern verschieden ausgewählte Listen von Worten vorgelegt, bei denen diejenigen an- zustreichen waren, die Lust- oder Unlustgefühle, Ekel, Furcht, Argwohn, sexuelle Empfin-


