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Diagnose der Eiigkeit nach den Eihäuten und nach der Ähnlichkeit 19
bestand für die Ansicht von der Bildung solcher Zwillinge war das Vorhandensein des gemeinsamen Chorions, Als dann das 20. Jahrhundert klare Einsichten in den Vorgang der Vererbung brachte, wurde die Tatsache der außerordentlichen Ähnlich- keit solcher Zwillinge die stärkste Stütze der Anschauung von ihrer Bildung aus einem einzigen Ei. Die Erbmasse eines Lebewesens ist im Augenblick der Befruch- tung durch die Verschmelzung der Kerne der väterlichen und der mütterlichen Zelle festgelegt; in diesem Augenblick ist auch das Geschlecht bestimmt. Durch eine spätere Teilung des Keimes erhalten somit die beiden Hälften einen völlig gleichen Chromosomenbestand.. Damit müssen derartige Zwillinge völlig erbgleich sein.
So bildete sich durch die Verarbeitung der verschiedenen Gruppen von Beobach- tungstatsachen allmählich die folgende Anschauung heraus: Es gibt zwei Arten von Zwillingen, Die eine Art, diezweieiigen Zwillinge(zZ), entsteht durch Be- fruchtung zweier Eizellen durch zwei Samenzellen; sie werden immer in getrennten Eihüllen geboren und können gleiches Geschlecht haben(ZZ) oder Pärchenzwillinge (PZ) sein. Die andere Art von Zwillingen entsteht auf der Grundlage eines einzigen befruchteten Eis durch eine spätere vollständige Spaltung des Keims; es sind ein- eiige Zwillinge(EZ). Die beiden Paarlinge sind völlig erbgleich und damit auch immer gleichgeschlechtig; sie werden immer in einem gemeinsamen Chorion geboren. Ob es sich um eineiige oder zweieiige Zwillinge handelt, kann zwar nach dem Grad ihrer Ähnlichkeit vermutet, mit völliger Sicherheit aber nur nach dem Eihautbefund entschieden werden.
Als seit einem starken Jahrzehnt das Interesse für Zwillinge immer stärker wurde und eine große Zahl von Zwillingspaaren zu Zwecken der Erbforschung unter- sucht werden sollte, entstand das dringende Bedürfnis nach einem einfachen und sicheren Kriterium, ob es sich im einzelnen Fall um EZ oder ZZ handle. Die Dia- snose nach den Eihäuten konnte dabei unmöglich mehr genügen. Bei den meisten Zwillingspaaren, die zur Untersuchung zur Verfügung standen, war der Eihaut- befund überhaupt nicht mehr bekannt. Weiterhin zeigte es sich, daß es bei der Ge- burt recht schwierig ist, die Eihautverhältnisse mit völliger Sicherheit festzustellen; bei einer nicht ganz gründlichen Untersuchung können leicht Irrtümer vorkommen. Die Beschäftigung mit den Zwillingen war fast ausschließlich auf die Erbbiologen übergegangen, und damit bildeten sich die Erbforscher auch ihre eigene Methode zur Erkennung eineiiger Zwillinge aus: Sie stellten de Diagnosenachder Ähn- lichkeit. Die völlige Gleichheit zweier Zwillinge in einer Reihe sonst erblich stark differierender Merkmale gab ihnen die Entscheidung. Zur Vergleichung und Sicherstellung dieser Diagnose mußte natürlich die Vergleichung mit dem Eihaut- befund nebenhergehen. Hierbei ergaben sich aber bedeutungsvolle neue Erkenntnisse.
Schon 1924 hatte Lenz darauf hingewiesen, daß es nicht ohne weiteres selbstver- ständlich sei, daß sich die aus einem befruchteten Ei entstandenen Zwillinge in jedem Fall in einem gemeinsamen Chorion entwickeln müßten. SıEmens und von VERSCHUER verfolgten später sleichfalls diesen Gedanken. Durch fortlaufende ein- gehende Untersuchungen, welche im Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Rassenhygiene in Berlin seit 1929 durch Kırrner, Currıus, Lassen und STEINER durchgeführt wurden, ist nunmehr in der strittigen Frage Klar- heit geschaffen worden,
Einige Beobachtungen deuteten darauf hin, daß Zwillinge, die offenbar völlig erbsleich waren, auch in völlig getrennten Eihäuten zur Entwicklung gelangen können. Daraufhin wurden systematisch bei einer größeren Zahl von Zwillings- paaren, die in Berliner Entbindungsanstalten zur Welt gekommen waren, sowohl die Eihäute untersucht als auch die Ähnlichkeitsdiagnose gestellt. Die Eihautdiagnose
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