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Zwillinge : Einführung in die Zwillingsforschung / von Reinhold Lotze
Entstehung
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Die Entstehung von Zwillingen und höheren Mehrlingen

erfolgte nicht bloß makroskopisch, sondern in zweifelhaften Fällen, wo eine Ver- wachsung verschiedener Häute vermutet werden konnte, auch mikroskopisch. Außer- dem wurden durch Injektion der Blutgefäße die Gefäßverbindungen in den Zwillings- plazenten untersucht, Die Ähnlichkeitsdiagnose kann bei neugeborenen Zwillingen noch nicht mit voller Sicherheit durchgeführt werden; die für die Untersuchung ge- eigneten Merkmale sind erst etwa im 4. Monat so weit ausgebildet, daß sie eine Entscheidung ermöglichen. Nachuntersuchung in späterer Zeit, bei vielen Paaren über Jahre hinweg, suchten die Ähnlichkeitsdiagnose zu festigen. Die Ergebnisse aller dieser Untersuchungen, die sich über die Jahre von 1928 bis 1935 erstreckten, sind in der nachstehenden Zusammenstellung aufgeführt(nach Steiner),

Zahl der untersuchten ‚Davon waren Eihautbefund gleichgeschlechtigen nach der Ähnlichkeitsuntersuchung Zwillingspaare erbgleich nicht erbgleich 2 Chorien 100 24 76 1 Chorion, 2 Amnien>[ 29 29 1 Chorion, 1 Amnion 23 3

Aus den Zahlen geht also hervor, daß zwaralleerbungleichenZwil- lingeingetrennten Eihäuten zur Weltkommen, daß aber nicht alledichorischen Zwillingeerbungleich sind; unter ihnen findet sich vielmehr ein recht erheblicher Bruchteil erbgleicher Zwillinge. Auf der anderen Seite sind alle monochorischen Zwillinge auch erbgleich. Wenn die Erbgleichheit der eineiigen, die Erbverschiedenheit der zweieiigen Entstehung entspricht, so wäre wohl die Monochorie ein sicheres Kennzeichen für Eineiigkeit, dagegen nicht Dichorie ein solches für Zweieiigkeit,

Damit wäre die frühere sogenannteklassische Ansicht von dem strengen Zusammenhang zwischen Eiigkeit und Eihaut- befund klar widerlegt. Zweieiige Zwillinge haben auf alle Fälle zwei Chorien; ob sie von einer gemeinsamen Decidua capsularis eingeschlossen sind und scheinbar eine einheitliche Plazenta haben, oder ob ihre Plazenten völlig getrennt sind, hängt nur von dem Ort der Einpflanzung des Keimes ab und ist von neben- sächlicher Bedeutung. Dagegen sind drei Arten von EZ möglich: Solche mit zwei Chorien, in derselben doppelten Möglichkeit wie bei den zweieiigen Zwillingen, eine zweite Gruppe mit einem Chorion und zwei Amnien, und eine dritte Gruppe mit einem Chorion und einem Amnion. Bisher sind 24 Fälle der ersten, 28 der zweiten und 3 der dritten Art einwandfrei festgestellt worden, Dieses Zahlenverhältnis der verschiedenen Gruppen von EZ kann sich natürlich mit wachsendem Material noch etwas ändern. Die verschiedenen Arten der Zwillinge sind in Bild 11 dargestellt,

Im übrigen ist es unschwer möglich, die neuen Erkenntnisse über die Eihautver- hältnisse bei EZ mit der Keimesentwicklung in Zusammenhang zu bringen. Wenn EZ immer nur ein Chorion hätten, so müßte dies so erklärt werden, daß eine Spaltung des Keims nie vor der Bildung des Trophoblasten eintritt. Es ist aber ebensogut denkbar, daß die Spaltung bereits viel früher erfolgt. Daß dies tatsächlich der Fall sein kann, beweisen die neuen Eihautbefunde, Auf Grund hiervon ist die Entstehung der drei Arten von EZ(nach von Verschuer) folgendermaßen zu erklären: Die TeilungdesKeimskannschonimStadium derersten Furchungen, also vor seiner Einpflanzung in die Uterusschleimhaut, erfolgen. Ob die Trennung schon im Zweizellenstadium oder erst später eintritt, läßt sich nicht sagen; auf alle