Druckschrift 
Zwillinge : Einführung in die Zwillingsforschung / von Reinhold Lotze
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen

Ile

Bildung der Geschlechtszellen 7

Vererbungssubstanz; sie hat die Aufgabe, die männliche Keimmasse zum Ei zu bringen.

Im Kern der Geschlechtszellen sind die Chromosomen die Träger der Erbeinheiten. Diemenschlichen Körperzellen haben eine kon- stanteChromosomenzahl von48, Von ihnen haben immer je 2 Chromosomen gleiche äußere Form und gleiche Erbfunktion. Die 48 Chromosomen stellen also 24 Paare dar. Von jedem Paar hat der Mensch einen Partner von seinem Vater, den anderen von seiner Mutter erhalten,

Die Samenzellen entstehen in der männlichen Keimdrüse, dem Hoden, aus den Samenmutter- zellen, Aus jeder solchen Zelle bil- den sich durch zwei kurz aufein- anderfolgende Teilungen, die soge-

nannten Reifeteilungen, je vier Bild ı. Chromosomen des Menschen. Zellteilung in 3:: einer Gewebskultur(Milzgewebe auseinem Embryo). den Teilungen ist von den sonst im Vergrößerung 1000fach.(Nach Kemp 1929.) Körper vor sich gehenden Zelltei- lungen grundsätzlich verschieden. Bei einer normalen Zellteilung spaltet sich jedes Chromosom der Länge nach; durch einen ungemein genau und zuverlässig wirkenden Mechanismus wird jede der beiden Tochterzellen mit je einer Spalthälfte aller Chro- mosomen versorgt. Die Zahl der Chromosomen bleibt damit die gleiche. Bei jener ersten Reifeteilung geht aber etwas völlig anderes vor sich. Vor der Teilung legen sich in der Samenmutterzelle(Samenbildungszelle 1. Ordnung) die Paarlinge aller Chromosomenpaare zusammen; von jedem der 24 Paare wandert dann das eine Chromosom in die eine, das zweite in die andere Tochterzelle, so daß damit jede dieser beiden Zellen(der Samenbildungszellen 2. Ordnung) nur noch 24 Chromo- somen besitzt. Durch diese Reduktionsteilung ist somit die Zahl der Chromo- somen auf die Hälfte reduziert worden. Während die Körperzellen und auch noch die Samenmutterzellen die volle Chromosomenzahl(48) und damit einen doppelten Satz von Erbanlagen besitzen, haben die Geschlechtszellen mit ihren 24 Chromo- somen nur einen einfachen, dabei aber vollständigen Satz von Erbanlagen. An diese Teilung schließt sich bei den Samenbildungszellen 2. Ordnung sofort eine zweite Teilung an, die wieder eine Gleichheitsteilung(Äquationsteilung) ist, bei der die Chromosomen längsgespalten werden; ihre Zahl bleibt damit die gleiche. Durch diese zweite Reifeteilung entstehen vier reife, befruchtungsfähige Samenzellen. Die Zahlenverhältnisse der Chromosomen bei den Reifeteilungen der männ- lichen Geschlechtszellen sind damit zunächst allgemein dargestellt worden; bei dem Vorgang ist aber eine wichtige Besonderheit zu beachten. Bei 23 Chromosomen- paaren des Mannes sind die Paarlinge in erblicher Beziehung gleichwertig; sie ent- sprechen sich auch völlig in Größe und Gestalt. Im Gegensatz dazu ist das 24. Chromosomenpaar nach Größe und Gestalt deutlich ungleich; auch nach ihrem Erbwert sind die beiden Chromosomen verschieden. Das größere der beiden Chromo-

* Wegen der Frage der Reihenfolge der Reifeteilungen vergleiche Anmerkung Seite 82 und 83.