Im Hauptquartier der J.K.O. auf der Milastraße 18!%)
Der Bunker auf der Milastraße verfügte über ein außerordentlich weit- verzweigtes Kellersystem, das sich unter den Ruinen ganzer Häuser- blocks hinzog. Die sogenannten„Schweren Jungen“, eine Gruppe von Unterweltlern, Dieben und anderen Banditen, waren die Herren dieser Keller. Shmul Asher war der Anführer der Bande. Ein sehr wohlhaben- der Mann mit dickem Bauch, Stiernacken und ordinärer Sprache. Seine ganze Bande war ebenfalls wohlhabend. Nach vielen Jahren leichter Verdienste hatte Asher sich ein beachtliches Vermögen zusammengerafft und seinen Bunker endlich so geschickt verästelt und gemütlich aus- gebaut, daß seine Bande praktisch über alles verfügte. Elektrisches Licht, richtige Küchen und vor allem eine Wasserleitung waren vorhanden. Darüber hinaus hatten die unerschöpflichen Mittel selbstverständlich auch für ungeheure Mengen von Lebensmitteln vorgesorgt...
... Machte sich jemand in diesem ausgedehnten Bunker auf, um zu einer entlegenen Stelle zu gelangen, verirrte er sich oft und blieb lange verschwunden. Nur die engen, langen Gänge, welche die einzelnen Keller miteinander verbanden, erlaubten allerdings, aufrecht zu stehen. Sonst mußte man unter den niedrigen Decken sehr gebückt herum-
kriechen...
... Jeder Bunker und jedes unterirdische Gewölbe, in dem Juden hausten, hatte einen Namen. Der galt als Adresse und erleichterte gleichzeitig das Zurechtfinden im unterirdischen Kellerlabyrinth ganz wesentlich. Alle diese Namen waren bezeichnend für die ganze Epoche und die Situation der Juden. Sie lauteten z. B. Treblinka, Trawniki, Poniatowo, Piaski usw. Das waren die berüchtigten Todeslager der Nazis...
... Um die Bedeutung des Namens„Treblinka“ zu erkennen, genügte es vollauf, nur wenige Minuten in dem betreffenden Bunker zu sein. Der Bau faßte normalerweise höchstens 8-10 Personen, beherbergte meistens jedoch etwa 30...
... Die Hitze war unerträglich und erreichte nicht selten 60-70 Grad Celsius. Jeder schwamm buchstäblich im eigenen und der anderen Schweiß. Dauernd benutzte man das Handtuch, um die Schweißbäche, die über die halbnackten Körper rannen, zu trocknen...
194) Borzykowski, Seiten 91—101.
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